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Bleisulfidverfärbungen von Briefmarken


In der philatelistischen Fachpresse, aber auch von Händlern und Auktionatoren, wurde wiederholt von Verfärbungen bei klassischen Briefmarken, insbesondere aus den Jahren vor 1880 berichtet, die von der Aufbewahrung unter Plastikfolien herrühren sollen. Im Jahre 2007 wurde beim Stuttgarter Landgericht ein Verfahren des Auktionators Peter Feuser gegen die Albenhersteller SAFE und Lindner geführt. Im Ergebnis wurde zwar festgestellt, dass PVC-Folien zu Schwarzfärbungen an klassischen Briefmarken führen können. Jedoch gelang es in einem Gutachten nicht zweifelsfrei, mit wissenschaftlichen Mitteln den schädigenden Einfluss von dreiseitig geschlossenen luftdichten PVC-Hüllen auf die Beschaffenheit klassischer Briefmarken festzustellen.

 

Die Chemie der Bleiverbindungen

 

Allen Marken, die infolge Sulfidbildung die schwärzlichen Verfärbungen ergeben, ist eines gemeinsam. Sie enthalten Farben mit Bleiverbindungen. Das betrifft nicht nur Briefmarken aus dieser Zeit, sondern auch viele andere Papiererzeugnisse, Urkunden etc. Als man diese druckte, dachte noch kein Mensch daran, wie diese nach 10, 20, 50 oder 100 Jahren aussehen würde. Offensichtlich hat man auch die Möglichkeit ignoriert oder es für nicht so wichtig gehalten, dass die Bleiverbindungen aus den Farben mit Schwefelverbindungen aus der Umgebung jenes schwarze Bleisulfid (PbS) bilden können, was Briefmarken unansehnlich werden lässt. Besonders betroffen sind Marken mit Gelb- oder Orangetönen, z.B. 6 Pf Kopf- und Adlerausgabe von Preußen, aber auch Marken mit Bleioxidnetzunterdrucken, z.B. die 3. Ausgabe von Preußen. Selbst die Brustschildausgaben des Deutschen Reiches sind noch betroffen.

 


1850: Preussen 1. Ausgabe 6 Pfennige – Diese Marke neigt besonders zu Bleisulfidverfärbungen

 

 

Ursachen der Verfärbungen

 

 

Um die Ursachen umfänglich darzustellen, muss ganz klar gesagt werden, dass tatsächlich nicht nur die Materialien infrage kommen, in denen die Briefmarken lagern. Auch der gasförmige Schwefelwasserstoff, der bei allen natürlichen Fäulnisprozessen entsteht und im Prinzip in geringen Dosen überall in der Luft vorkommen kann, ist ein Auslöser der Sulfidbildung. Das heißt nichts anders, als dass solche Schäden auch bei schlechten Lagerungsbedingen, z.B. modriger Luft eintreten können. Schon in alten Briefmarkenkatalogen aus den 1930er Jahren wird von Verfärbungen berichtet. Soweit zu den altbekannten Problemen mit bestimmten klassischen Marken, die – soweit bekannt – aber durch Oxidationsprozesse ausgelöst wurden.

 

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts berichteten Briefmarkenhändler verstärkt über andere Fälle von Verfärbungen, was dann schließlich in der Erkenntnis mündete, dass das Blei in den Farben der Marken auch mit Schwefelverbindungen aus den Folien reagieren kann, in welchen die Marken untergebracht sind. Das war natürlich eine fatale Erkenntnis: Das, was ursprünglich dem Schutz und dem Erhalt des Sammelgutes dienen sollte, führt zu Schäden an den Marken.

 

Die Bemühungen von Peter Feuser

 

Peter Feuser sah sich daraufhin veranlasst, die Schäden, welche seiner Meinung nach zweifelsfrei auf der Lagerung in Folien beruhten, publik zu machen und die Sammler vor der Zerstörung ihrer Sammelgüter zu bewahren. Er war ab 2001 darum bemüht, dass alle mit der Philatelie befassten Verbände gemeinsam eine Klage anstrengen, um den Albenherstellern diese schädigende Wirkung nachzuweisen. Die Albenhersteller lieferten teilweise selbst die Angaben, welches Folienmaterial für welche Produkte verwendet wurden und schnell wurde klar, dass insbesondere bestimmte schwefelhaltige Marken-PVC-Produkte unter Verdacht gerieten, Auslöser solcher durch Bleisulfidbildung hervorgerufenen Verfärbungen zu sein. Von anderen Materialien, wie Polystyrol, Polypropylen und Polyester waren solche Folgen nicht bekannt. Wie die Klage ausging, ist oben beschrieben worden. Ein grundsätzliches Problem ist es, im Einzelfall nachzuweisen, dass eine Verfärbung tatsächlich nur aufgrund einer bestimmten Folienart/-zusammensetzung entstand und aus keinem anderen Grunde.

 


Preussen: 1861 Wappenausgabe 6 Pf mit deutlichen Bleisulfidschäden

 

Konsequenzen für den Sammlerschutz

 

Auch wenn die Bemühungen von Peter Feuser in dem 2007 beendeten Verfahren nicht den Erfolg erzielten, den er sich vorgestellt hatte, sind seine Verdienst aus heutiger Sicht absolut zu würdigen. Haben doch seine Veröffentlichungen bewirkt, sich intensiver mit der Thematik der richtigen Lagerung von Briefmarken zu befassen. Mit Sicherheit wurden viele Sammler sensibilisiert und haben seitdem stärker darauf geachtet, in welchen Materialen, Alben, Folientaschen etc. sie ihre philatelistischen Materialien unterbringen. So geht man heute wieder zu Pergamin als Aufbewahrungsmaterial zurück, das nicht in dem Ruf steht, Verfärbungen hervorzurufen. Auch Archive gehen seit vielen Jahren dazu über, ihre Archivalien in geeignetem Papier und für Ausstellungszwecke ausschließlich in Polyesterfolien zu lagern, die kaum teurer sind. Gewinner dieser Diskussion, und das ist das doch noch gute Ende, sind die Sammlerinnen und Sammler, die gewarnt werden konnten. Hierzu hat auch die Redaktion „philatelie“ beigetragen, die dieses Thema mehrfach aufgegriffen hat. Ausgehend von dieser Diskussion verfasste der Chefredakteur der „philatelie“, Wolfgang Maassen, das Buch „Alles, was der Sammler braucht“ (Schwalmtal 2011), in dem auch diese Fragen eingehend behandelt wurden und alle derzeit bestehenden besseren Alternativmöglichkeiten im Detail vorgestellt werden.

 

Leider sind auch heute noch Produkte bestimmter hier in Frage stehender PVC-Sorten im Angebot der Zubehörhändler. Das sollte für Vereine und Argen immer wieder Anlass sein, ihre Mitglieder zur richtigen Aufbewahrung des Sammelgutes zu beraten.

 


Norddeutscher Postbezirk: 1868 2 Kreuzer mit deutlicher Verfärbung, rechts daneben die Marke mit ursprünglicher Farbgebung

 

Abbildungen aus: Wolfgang Maassen „Alles was der Sammler braucht“, Phil*Creativ Verlag, Schwalmtal 2011



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