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Thema: Anders Sammeln

  1. #1
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    Anders Sammeln

    Ich erlaube mir als kleiner Sammler mal einige Bemerkungen zum Briefmarkensammeln

    Das Lamento ist groß, der Mangel an Briefmarkennachwuchs offensichtlich – angeblich sind dafür der Generationenwechsel und ein verändertes Freizeitverhalten Schuld. Werbung für das traditionelle Sammeln zeitigt nur einen mäßigen Erfolg.

    Die bisherige Analyse und in der Folge die getanen Schritte zur Abhilfe haben kaum etwas erreicht, weil die tatsächlich interessante Frage nicht gestellt worden ist.

    Die Frage müsste heißen: liegt es an der Sache oder an unserem Umgang mit ihr.

    Wenn die Probleme in der Sache, also den Briefmarken selbst, begründet sind, dann müssen wir uns damit abfinden, dass das Briefmarkensammeln ein Auslaufmodel ist. Liegt es aber an unserem Umgang mit den Briefmarken, dann besteht berechtigte Hoffnung, denn wir bräuchten nur unser Verhalten ändern.

    Dazu einige Überlegungen:

    Es sind jetzt über 150 Jahre vergangen, während denen die Briefmarken eine bedeutende Rolle im Ablauf postalischer Kommunikation spielten. Sie wurden dabei durch politische, wirtschaftliche Ereignisse, Kriege, Ideologien, Mode und Technik etc grundlegend beeinflusst und verändert. Sie befanden sich demnach als alltägliche Objekte stets mitten im gesellschaftlichen Leben und Bewusstsein.

    Es kann also gar nicht sein, dass solche Objekte uninteressant sind. Die sehr bewegte Geschichte dieser 150 Jahre hat weitweit mit den Briefmarken Produkte hervorgebracht, die und eine spezifische, unverwechselbare Perspektive auf die historische Entwicklung erlauben.
    Und wenn wir die heutige Situation richtig interpretieren, dann kann man warlich nicht von einem Desinteresse an Geschichte reden.

    Wie kann es aber dann sein, dass die Brille, durch die wir die Marken ansehen trüb, fad und unpassend werden konnte?

    Es muss offenbar an dem Umgang mit diesen interessanten Gegenständen liegen.

    Beschäftigung mit Briefmarken läuft fast immer darauf hinaus, dass nach Katalognummern gesammelt wird. Die Marke wird kaum einmal richtig angesehen, Hauptsache die Nummer ist erledigt. Aus solchen Sammlungen folgt nichts, keine Einsicht, keine Erkenntnis. Und es wundert nicht, wenn solche Zusammenstellungen als langweilig angesehen werden.
    Einige Zeit wurde der Ausweg aus diesem Dilemma darin gesucht, dass neue Abarten, Plattenfehlern Farben etc. katalogisiert wurden; doch diese Methode hat sich bereits totgelaufen und verstärkt mittlerweile das Problem, weil sich nun auch noch gutwillige von den überspezialisierten Sammelgebieten distanzieren.

    Abhilfe kann nur ein anderer Umgang mit den Briefmarken weisen.

    Es gilt: alle Kataloge und die darauf basierenden Handbücher beiseite zu legen, die Briefmarken ganz unbelastet von den Katalognummern ansehen und neue spannende Fragestellungen zu erarbeiten.

    Einige Anhaltspunkte kann ich nur aus dem Bereich geben, in dem ich mich etwas auskenne, aber diese Anregungen sind zumindest teilweise übertragbar.

    Wir sprechen bei Bayern (wie auch im Deutschen Reich) von Krieg- und Friedensdrucken.
    Anstatt nun die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, einen Friedensdruck billig als Kriegsdruck zu kaufen, oder Marken aus dem Grenzbereich durch die Prüfung zu bringen, könnte vielmehr versucht werden, die dahinter stehende historische Entwicklung zu dokumentieren. Eben gerade den Grenzbereich ausloten, qualitativ unterschiedliche Papierlieferungen oder unterschiedliche Zustände der Walzen bzw. Platten darstellen, Folgen übereilter Herstellung mit unzulänglichem Druckmaterial dokumentieren etc etc.
    Es geht um einen Zusammenhang, ein Verständnis der Situation.

    Oder den Übergang von der Kreuzer – zur Pfennigwährung bearbeiten und die offensichtlichen Kontinuitäten an Papier, Farbe, Gummierung etc darstellen und wie diese Kontinuität im Laufe der Zeit verschwimmt und sich verliert - und durch welche Einflüsse.

    Oder Die Kontinuitäten bei den 3 Kreuzer Marken der ersten Ausgaben in Plattenzusammenstellung, Druck, Papier etc. aufzeigen.

    Oder der Weg von den geschnittenen Marken zu den gezähnten. Bewusst den Blick auf enge Abstände richten. Angeschnittene Marken nicht als mangelhaft sondern als Ergebnis einer bestimmten technischen und praktischen Situation begreifen und darstellen. Bayernbrüchige Marken sind nicht gerade noch tolerable Sammlerstücke sondern als Einheit mit einem deutlichen Bayernbruch ein Dokument für ein bestimmtes Druckverfahren, das es zu verstehen und vermitteln gilt. Der Betrachter kann dann sagen, „ach so war das“.

    Bei einigem Nachdenken werden sich gewiss viele ähnliche Aspekte in den einzelnen Sammelbereichen herauskristallisieren. Entscheidend ist, dass das Gefängnis der Katalognummern verlassen wird und das Material wieder eine Funktion, eine Geschichte mit einem Ergebnis und einer Einsicht zurück erhält, die eine Beschäftigung mit den Gegenständen lohnend erscheinen lässt.

    Möglicherweise werden für solche Zwecke Marken gebraucht, die bisher durch das Raster gefallen sind, oder vernachlässigt wurden, z.B. ungebrauchte Marken – und bei solchen Betrachtungsweisen spielt ein Falzrest keine Rolle mehr.
    Dann wird auch eine ganz andere Form von Nachfrage entstehen und damit eine andere Preisbasis, denn dann mag etwas als selten und begehrenswert sich herausstellen, was bisher ohne Anerkennung blieb.

    Dann lohnt sich auch wieder zu debattieren – und in den Vereinen wird nicht mehr nur von den guten alten Zeiten räsoniert und ansonsten Karten gespielt. Man wird mit einander reden, Strukturen suchen und diskutieren.

    Ergebnis: Nicht die Marken sind schuld. Die Sache an sich ist gut.
    Schuld sind nicht Computer, Handy oder was weiß ich für moderne Ablenkungen, oder nur zu einem geringen Teil. Schuld sind nicht die jungen Leute. Sie sind nicht doof und haben völlig Recht, wenn sie sich nicht auf etwas einlassen, bei dem nichts herauskommt.

    Es liegt an dem Umgang mit den Marken. Und obwohl wir Briefmarkensammeln so gern als Hobby bezeichnen, darf man es trotzdem mit Niveau betreiben.

  2. #2
    www.arge-belux.de Avatar von Lars Böttger
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    Aufbrechen historischer Schemata

    Herr Dr. Helbig,

    ich bin erschüttert, Sie blasen doch nicht etwa zum Angriff auf das Katalogestablishment? Postgeschichtlich bin ich ganz bei Ihnen, meine Frage ist nur, wie kriegt man den Ansatz vermittelt? Über welche Organe soll man das Thema angehen? Das man mit unkonventionellen Ansätzen Erfolg haben kann, steht ja ganz ausser Frage.

    Beste Ausstellergrüsse!

    Lars

  3. #3
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    Ich erlaube mir als kleiner Sammler mal einige Bemerkungen zum Briefmarkensammeln

    Das Lamento ist groß, der Mangel an Briefmarkennachwuchs offensichtlich – angeblich sind dafür der Generationenwechsel und ein verändertes Freizeitverhalten Schuld. Werbung für das traditionelle Sammeln zeitigt nur einen mäßigen Erfolg.

    Die bisherige Analyse und in der Folge die getanen Schritte zur Abhilfe haben kaum etwas erreicht, weil die tatsächlich interessante Frage nicht gestellt worden ist.

    Die Frage müsste heißen: liegt es an der Sache oder an unserem Umgang mit ihr.

    Wenn die Probleme in der Sache, also den Briefmarken selbst, begründet sind, dann müssen wir uns damit abfinden, dass das Briefmarkensammeln ein Auslaufmodel ist. Liegt es aber an unserem Umgang mit den Briefmarken, dann besteht berechtigte Hoffnung, denn wir bräuchten nur unser Verhalten ändern.

    Dazu einige Überlegungen:

    Es sind jetzt über 150 Jahre vergangen, während denen die Briefmarken eine bedeutende Rolle im Ablauf postalischer Kommunikation spielten. Sie wurden dabei durch politische, wirtschaftliche Ereignisse, Kriege, Ideologien, Mode und Technik etc grundlegend beeinflusst und verändert. Sie befanden sich demnach als alltägliche Objekte stets mitten im gesellschaftlichen Leben und Bewusstsein.

    Es kann also gar nicht sein, dass solche Objekte uninteressant sind. Die sehr bewegte Geschichte dieser 150 Jahre hat weitweit mit den Briefmarken Produkte hervorgebracht, die und eine spezifische, unverwechselbare Perspektive auf die historische Entwicklung erlauben.
    Und wenn wir die heutige Situation richtig interpretieren, dann kann man warlich nicht von einem Desinteresse an Geschichte reden.

    Wie kann es aber dann sein, dass die Brille, durch die wir die Marken ansehen trüb, fad und unpassend werden konnte?

    Es muss offenbar an dem Umgang mit diesen interessanten Gegenständen liegen.

    Beschäftigung mit Briefmarken läuft fast immer darauf hinaus, dass nach Katalognummern gesammelt wird. Die Marke wird kaum einmal richtig angesehen, Hauptsache die Nummer ist erledigt. Aus solchen Sammlungen folgt nichts, keine Einsicht, keine Erkenntnis. Und es wundert nicht, wenn solche Zusammenstellungen als langweilig angesehen werden.
    Volle Zustimmung bis hierher
    Einige Zeit wurde der Ausweg aus diesem Dilemma darin gesucht, dass neue Abarten, Plattenfehlern Farben etc. katalogisiert wurden; doch diese Methode hat sich bereits totgelaufen und verstärkt mittlerweile das Problem, weil sich nun auch noch gutwillige von den überspezialisierten Sammelgebieten distanzieren.
    Die Ansätze sind durchaus richtig und konsequnet gewesen, sie wurden aber nicht bis hin zu ihrem möglichen Ende - der Einordnung in den geschichtlichen/postgeschichtlichen Kontext - weitergeführt. Es blieb bei der rein philatelistischen Betrachtungsweise, Fragen nach den Ursachen, technischen Entwicklungen etc. sind kaum gestellt worden.
    Abhilfe kann nur ein anderer Umgang mit den Briefmarken weisen.

    Es gilt: alle Kataloge und die darauf basierenden Handbücher beiseite zu legen, die Briefmarken ganz unbelastet von den Katalognummern ansehen und neue spannende Fragestellungen zu erarbeiten.
    Man muß nicht gleich die Kataloge wegwerfen. Man muß nur die Vielfalt seines Materials betrachten und man erkennt sofort, dass die Schablone eines Kataloges dem niemals gerecht werden kann.
    Einige Anhaltspunkte kann ich nur aus dem Bereich geben, in dem ich mich etwas auskenne, aber diese Anregungen sind zumindest teilweise übertragbar.

    Wir sprechen bei Bayern (wie auch im Deutschen Reich) von Krieg- und Friedensdrucken.
    Das gilt auch für Württemberg :-)
    Anstatt nun die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, einen Friedensdruck billig als Kriegsdruck zu kaufen, oder Marken aus dem Grenzbereich durch die Prüfung zu bringen, könnte vielmehr versucht werden, die dahinter stehende historische Entwicklung zu dokumentieren. Eben gerade den Grenzbereich ausloten, qualitativ unterschiedliche Papierlieferungen oder unterschiedliche Zustände der Walzen bzw. Platten darstellen, Folgen übereilter Herstellung mit unzulänglichem Druckmaterial dokumentieren etc etc.
    Es geht um einen Zusammenhang, ein Verständnis der Situation.
    Richtig, das sind aber philatelistische Methoden, die für eine geschichtliche Fragestellung genutzt werden. Wir müssen die Kataloge nicht beiseite legen, sondern mit ihnen arbeiten!
    Eine Frage, die sich bei der Betrachtung der Farben (Vorsicht, schon wieder eine philatelistische Herangehensweise) der 50 Pfennig Freimarken zwischen 1875 und 1900 im Deutschen Reich, Württemberg und Bayern zwangsläufig stellt ist: Warum wurden im Deutschen Reich und in Württemberg die Farben nahezu im Gleichschritt gewechselt (Sogar die Farbtöne der 50 Pfennig in braun sind im zeitlichen Verlauf nahezu identisch) und in Bayern nicht?
    1875 Deutsches Reich und Württemberg: grau
    1877/78 Deutsches Reich und Württemberg: graugrün
    1890 Deutsches Reich und Württemberg: rotbraun bis lilabraun

    1876 Bayern: rot
    1878 Bayern: dunkelorangebraun
    1888 Bayern: dunkelbraun
    1890 Bayern: lilabraun - braunpurpur

    Gab es eine Zusammenarbeit zwischen Reichspost und der württ. Postverwaltung? Wenn ja, warum hat sich Bayern in diesen Fragen nicht daran beteiligt? Das sind durchaus interessante Fragestellungen die sich aus der rein philatelistischen Betrachtung des Farbspektrums der Marken ergeben.

    Oder den Übergang von der Kreuzer – zur Pfennigwährung bearbeiten und die offensichtlichen Kontinuitäten an Papier, Farbe, Gummierung etc darstellen und wie diese Kontinuität im Laufe der Zeit verschwimmt und sich verliert - und durch welche Einflüsse.

    Oder Die Kontinuitäten bei den 3 Kreuzer Marken der ersten Ausgaben in Plattenzusammenstellung, Druck, Papier etc. aufzeigen.

    Oder der Weg von den geschnittenen Marken zu den gezähnten. Bewusst den Blick auf enge Abstände richten. Angeschnittene Marken nicht als mangelhaft sondern als Ergebnis einer bestimmten technischen und praktischen Situation begreifen und darstellen. Bayernbrüchige Marken sind nicht gerade noch tolerable Sammlerstücke sondern als Einheit mit einem deutlichen Bayernbruch ein Dokument für ein bestimmtes Druckverfahren, das es zu verstehen und vermitteln gilt. Der Betrachter kann dann sagen, „ach so war das“.
    Eben solche Fragestellungen habe ich auch schon in den Rundbriefen der ArGe Württemberg bearbeitet. Wir Württemberger sind nicht in der glücklichen Lage Auflagenummern auf unseren Bogenrändern vorzufinden. Wenn wir Auflageforschung betreiben wollen, dann müssen wir uns auf das beschränken, was die spärlich bedruckten Bogenränder hergeben. Das sind in Württemberg die Zähnungspunkturen, die von 1875 bis ca. 1915 nur in je einem Punkt auf der linken und rechten Seite des Bogens bestanden. Während des ersten Weltkrieges wurde aus den Punkten dann regelrechte Passerkreuze, die vermutlich ihre Ursache darin haben, dass nun unerfahrenes Personal die Zähnung durchführen mußte. Damit diese schnell und effektiv (In Kriegszeiten ist die Minimierung des Ausschusses doppelt wichtig) bewerkstelligt werden konnten wurde die Anlagepunkte für die Zähnunmg vergrößert und somit besser sichtbar gemacht.

    Bei einigem Nachdenken werden sich gewiss viele ähnliche Aspekte in den einzelnen Sammelbereichen herauskristallisieren. Entscheidend ist, dass das Gefängnis der Katalognummern verlassen wird und das Material wieder eine Funktion, eine Geschichte mit einem Ergebnis und einer Einsicht zurück erhält, die eine Beschäftigung mit den Gegenständen lohnend erscheinen lässt.

    Möglicherweise werden für solche Zwecke Marken gebraucht, die bisher durch das Raster gefallen sind, oder vernachlässigt wurden, z.B. ungebrauchte Marken – und bei solchen Betrachtungsweisen spielt ein Falzrest keine Rolle mehr.
    Dann wird auch eine ganz andere Form von Nachfrage entstehen und damit eine andere Preisbasis, denn dann mag etwas als selten und begehrenswert sich herausstellen, was bisher ohne Anerkennung blieb.

    Dann lohnt sich auch wieder zu debattieren – und in den Vereinen wird nicht mehr nur von den guten alten Zeiten räsoniert und ansonsten Karten gespielt. Man wird mit einander reden, Strukturen suchen und diskutieren.

    Ergebnis: Nicht die Marken sind schuld. Die Sache an sich ist gut.
    Schuld sind nicht Computer, Handy oder was weiß ich für moderne Ablenkungen, oder nur zu einem geringen Teil. Schuld sind nicht die jungen Leute. Sie sind nicht doof und haben völlig Recht, wenn sie sich nicht auf etwas einlassen, bei dem nichts herauskommt.

    Es liegt an dem Umgang mit den Marken. Und obwohl wir Briefmarkensammeln so gern als Hobby bezeichnen, darf man es trotzdem mit Niveau betreiben.
    100%ige Zustimmung

    Wir dürfen nicht bei einer philatelistischen Betrachtungsweise stehen bleiben, sondern die Frage nach dem warum stellen, um so unser Material auch besser zu verstehen. In diesen Fragestellungen bekommen dann die Plattenfehler, Farben, Gummierungen wieder eine ganz andere Funktion, denn sie dokumentieren eine historische Situation oder Entwicklung!

    Grüße eines einfachen Sammlers, der ab und an auch ein paar Fragen stellt.

    wuerttemberger

  4. #4
    Ostafrikasammler Avatar von Harald Krieg
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    Gibt es eigentlich irgendeinen Sammler, der als Postgeschichtler oder Spezialist das Sammeln begonnen hat? Jeder Sammler den ich kenne hat als Briefmarkensammler angefangen. Damit meine ich im Wesentlichen die Hauptnummern eines Gebietes zusammenzutragen. Erst daraus entwickeln sich dann weitergehende spezialisierte Interessen.

    Was ist denn am Katalogsammeln so zu verdammen? Es ist doch auch in anderen Sammelgebieten erst einmal die Hauptmotivation für den Sammler einzelne Abschnitte nach und nach "komplett" zu bekommen. Das gleiche gilt doch für Münzsammler, Paninibildchen oder Überraschungseierfiguren. Dies ist doch einer der Grundreize für den Sammlertrieb!

    Ich halte dagegen den ganzen Trend zur Postgeschichte und zur extremen Spezialisierung eher als schädlicher für den Nachwuchs. Wer heute anfängt Briefmarken zu sammeln (ganz traditionell) wird von der Umwelt vielleicht belächelt von vielen Philatelisten aber erst richtig vor den Kopf gestoßen. Ich kenne etliche Sammler, die z.B. die Deutsche Kolonien als Markensammlung beginnen wollten und von den etablierten Sammlern verschreckt wurden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es einem peinlich sein muss, in der ARGE zuzugeben, dass man auch Briefmarken sammelt und nicht nur Postgeschichte! Auf niedrigerem Level ist das genau das gleiche in vielen Ortsvereinen. Wer z.B. damit anfängt Bund nach Katalog zu sammeln und zum Ersten Mal in einem Verein auftaucht, wird in der Regel als erstes belehrt, dass das doch alles keinen Wert hat und dieser "Mist" doch nicht sammelwürdig ist.

    Ist der Wert aber ein ausschlaggebendes Kriterium? Ich meine das Sammelgebiet muss grundsätzlich erst einmal dem jeweiligen Sammler Spaß machen – alles andere ist erst einmal unwichtig! Mit der Zeit kommen dann bei den meisten Sammlern andere Interessensschwerpunkte und die Spezialisierung.

    Der gegenwärtige Boom der Numismatik könnte uns ein Vorbild sein und der wurde vom Sammeln von den verschiedenen Euro Umlaufmünzen und den schönen Sammelprodukten dazu ausgelöst. Bei vielen war das nur ein Strohfeuer – andere sind dabei geblieben und sammeln inzwischen andere Gebiete. Könnte man so etwas nicht irgendwie in der Philatelie replizieren?
    Geändert von Harald Krieg (13.12.2007 um 16:32 Uhr)

  5. #5
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    Die Ausführungen von Herrn Helbig treffen den Nagel auf den Kopf.

    Die Antwort auf den Beitrag entspricht der typischen Antwort eines
    BDPh- Funktionärs. Der Zeigefinger sollte da nicht auf andere zeigen
    und dar Ball auch nicht zurückgespielt werden.

    Beim letzten Vereinsabend wollte mir (natürlich vergeblich) ein "regional tätiges" Vereinsmitglied seinen Posten aufs Auge drücken, da er ziehmlich frustriert darüber war, dass seine Hinweise darauf, dass der Mitgliederschwund anhält, nicht so richtig aufgenommen werden. Man hat sich mehr entrüstet darüber gezeigt, dass er hier etwas anstoßen wollte.

    In unserem Verein ist der Altesdurchschnitt 66 und außer mir mit 36
    ist da niemand jüngeres dabei. Die Jugendgruppe, oder was davon übrig ist, besteht aus Philatelistenkindern.

    Meiner Meinung sollten u.a. die Bestimmungen für die Bewertung von Exponaten modernisiert werden. Auch die Jury sollte teilweise anders bewerten, so dass auch moderne Themen eine Chance haben.
    Auf Ausstellungen sind relativ wenige Bund-Berlin-Exponate zu sehen,
    da die Ausstellungen meist nicht gut bewertet wurden die Aussteller frustriert waren.

    Genause ist mit modernen Themen im Thematikbereich auch nicht viel zu
    holen, da in Rang 1 z.b. das Material zum Wesentlichen Teil aus vor
    1920 sein sollte. Mit einem Exponat über Harry Potter etc,. wird es
    da schon mal nichts. Im Ergebnis sind Moderne Themen, die junge Menschen
    evtl. mehr intressieren benachteiligt.

    Zudem sollte bei der Exponatsbewertung nicht so sehr der Wert des Exponats
    im Vordergrund stehen. In Rang 1 kann man ja bekanntlich Geldscheine ausstellen.

    Beste Sammlergrüsse
    Geändert von Helmut2006 (13.12.2007 um 16:40 Uhr)

  6. #6
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    Bitte keine Missverständnisse

    Gut, manche kennen mich als Postgeschichtler, manche wissen aber auch, dass ich bei dem Briefmarkengebiet Bayern ebenfalls tätig bin.
    Nun ist es nicht nett, die Debatte auf die oje schon wieder Postgeschichte-Schiene zu schieben - ich wollte mich ganz bewusst ausschliesslich über Marken äussern und ausschliesslich darüber nachdenken, wie man das Markensammeln wieder interessant gestalten kann.
    Ich will keine Kataloge wegwerfen -
    Ich will keinem seinen "Spass" nehmen

    Lesen sie einfach die Argumente und Anregungen, wenn die Mist sind, okay, dann löschen sie einfach den Beitrag. Sind sie aber kein Mist, dann werden Ausweichmanöver nicht viel bringen.

    Entbrannt in neuer Liebe zu den Briefmarken. H

  7. #7
    www.arge-belux.de Avatar von Lars Böttger
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    Zitat Zitat von Helmut2006 Beitrag anzeigen
    Die Antwort auf den Beitrag entspricht der typischen Antwort eines
    BDPh- Funktionärs. Der Zeigefinger sollte da nicht auf andere zeigen
    und dar Ball auch nicht zurückgespielt werden.
    ...
    Meiner Meinung sollten u.a. die Bestimmungen für die Bewertung von Exponaten modernisiert werden. Auch die Jury sollte teilweise anders bewerten, so dass auch moderne Themen eine Chance haben.
    Auf Ausstellungen sind relativ wenige Bund-Berlin-Exponate zu sehen,
    da die Ausstellungen meist nicht gut bewertet wurden die Aussteller frustriert waren.
    ...
    Zudem sollte bei der Exponatsbewertung nicht so sehr der Wert des Exponats
    im Vordergrund stehen. In Rang 1 kann man ja bekanntlich Geldscheine ausstellen.
    Hallo Helmut2006,

    auf welchen Beitrag beziehst Du Dich mit Deiner ersten Aussage?

    Man braucht keinen dicken Geldbeutel, um auf Rang 1 auszustellen. Man muss nur eine gute Idee haben. Und an den Ausstellungsregeln liegt es m.E. auch nicht. Die sind flexibel genug, eine offene Klasse gibt es auch.

    Moderne Exponate können sehr hohe Punkte erreichen, aber da muss die Darstellung auch aussergewöhnlich sein.

    Beste Sammlergrüsse!

    Lars

  8. #8
    Registrierter Benutzer Avatar von mur
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    Sehr geehrter Herr Doktor Helbig
    Postgeschichte fängt bei der Bund **Slg aus dem Abo der Versandstelle an und weit entfernt davon hört sie auf.
    Zitat von Ihnen: "...es wundert nicht, wenn solche Zusammenstellungen als langweilig angesehen werden.
    Einige Zeit wurde der Ausweg aus diesem Dilemma darin gesucht, dass neue Abarten, Plattenfehlern Farben etc. katalogisiert wurden; doch diese Methode hat sich bereits totgelaufen und verstärkt mittlerweile das Problem, weil sich nun auch noch gutwillige von den überspezialisierten Sammelgebieten distanzieren."

    Folge ich Ihrer Aussage, so ist der überspezialisierte Sammler "böswillig".
    Das "Briefmarkensammeln mit Niveau" (Zitat) läßt sich nicht erzwingen indem ich das Treiben von mehr als 90% der Sammler derart abqualifiziere. Ein Postgeschichtler wird nicht geboren, in den meisten Fällen hat er sich mit und über seine Sammelleidenschaft dahin entwickelt.
    Leider ist es der so arrogant dahergeplapperte Unsinn der wesentlich mithilft die Philatelie kaputtzumachen. Sie unterteilen die Sammlerschaft z.B. mind. in gutwillige Sammler nach Katalognummern, Über-Spezialisten und Postgeschichtler und treten an, mit Ausgrenzung und der Einteilung in langweilige und bessere Philatelie, eben diese zu retten???
    Dazu gehört schon eine echte Portion Selbstgerechtigkeit!
    Ich bezeichne mich als Briefmarkensammler und mir macht mal die Beschäftigung mit zeitgenössischer Philatelie Spaß, mal die postgeschichtliche Arbeit an meiner Heimatsammlung. In welche Schublade stecken Sie mich?
    Mit erbostem Sammlergruß mur

  9. #9
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    bitte streichen

    Na dann lassen sie uns doch den Beitrag ganz schnell wieder streichen.-
    Darf ich den Superadministrator darum bitten?

    Schauen Sie sehr verehrter Herr mur - ich wollte mich nicht auf das altbekannte Rhetorikspiel einlassen, wenn jemand Position bezieht, dann darf jede Wertung als Bosheit erkannt werden.
    Wo es Gutwillige gibt - muss das Gegenteil des Handels nicht von Böswilligen ausgehen. Sagt zumindest das Lehrbuch der Logik. Aber selbst in dieser Beziehung will ich weder ein noch ausgrenzen.
    Selbstgerecht das bin ich von jeher gewesen, jeder der mich zu kennen glaubt, wird ihnen das bestätigen - deshalb bitte ich ganz zerknirscht um die Herausnahme der ganzen Diskussion. Denn wenn ich nicht zu mir selbst gerecht wäre, wie könnte ich es dann zu andern sein.
    Und grad lustig ist die Diskussion - aber doch bitte nicht erbost - Halten Sie mich für ein riesengrosses Irgendwas - aber dann doch bitte mit Lächeln.
    Gruss H.

  10. #10
    Ostafrikasammler Avatar von Harald Krieg
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    Vielleicht habe ich den Vorschlag falsch verstanden - meine Interpretation war es, dass es darum geht Sammlernachwuchs zu generieren.

    Ich glaube allerdings nicht, dass jemand der bisher keinerlei philatelitische Vorbelastung hatte irgendwie dafür zu begeistern ist, sich mit Themen wie

    "Die Kontinuitäten bei den 3 Kreuzer Marken der ersten Ausgaben in Plattenzusammenstellung, Druck, Papier etc. aufzeigen."
    oder

    "den Übergang von der Kreuzer – zur Pfennigwährung bearbeiten und die offensichtlichen Kontinuitäten an Papier, Farbe, Gummierung etc darstellen und wie diese Kontinuität im Laufe der Zeit verschwimmt und sich verliert - und durch welche Einflüsse."
    zu beschäftigen.

    Wenn es darum geht, neue Sammler zu gewinnen, dann geht das meiner Meinung nach nur darüber, das Interesse am einfachen Zusammentragen von Briefmarken zu wecken und den Spaß daran zu fördern. Alles andere kommt danach.

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