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Thema: Fälschungen: Krakauer Aufdruckausgaben von 1919

  1. #1
    Forums-Administrator Avatar von Michael Lenke
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    Fälschungen: Krakauer Aufdruckausgaben von 1919

    Die 1919er Krakauer Aufdruckausgaben auf österreichischen Marken wurden schon gefälscht, als die Originale noch gedruckt wurden. Die Problematik ist, dass teilweise Originalaufdruckformen für die Fälschungen benutzt wurden. Die Fälschungen wurden gezielt hergestellt, um Sammlerinteressen zu befriedigen. Dabei wurde auch versucht, seltenere Aufdruckfehler durch gezielte Manipulationen nachzuempfinden.

    Prof. Mikstein hat diese Ausgabe aber schon 1933 analysiert und ausführlich beschrieben. Er hat dabei die Merkmale der echten und falschen Marken im Detail dargestellt. Mehr zu dieser Ausgabe finden sie hier Krakauer Aufdruckausgaben von 1919. Leider funktioniert die Fälschungserkennung per Scan bei dieser Ausgabe nur bedingt - ein 600 dpi Scan ist minimale Voraussetzung - und dann muss man Vergleichsmaterial und gute Literatur haben.

    Einige Grundaussagen zum Kauf solcher Marken sind hier kurz zusammengefasst:
    • echte Stück, insbesondere die besseren Werte, sind normalerweise geprüft
    • bei echten Marken mit Aufdruck im Buchdruck (mit dem Rombus im Aufdruck) hat der Prüfer in der Regel die Position der Marke im Bogen bestimmt
    • bei irgendwelchen Stempeln auf der Rückseite, die nicht bekannte Prüferstempel sind, handelt es sich meist um Besitzerzeichen, gefälschte Prüferstempel oder Phantasiestempel
    • bei Auflagen - je nach Marke - zwischen 15, einigen Hundert/Tausend bis max. 100.000, aber wesentlich höheren gefälschten Auflagen, ist die Wahrscheinlichkeit eine ungeprüfte, echte, seltene Marke zu erwischen gegen Null. Selbst 1 Euro für einen solchen 'Lückenfüller' ist verbranntes Geld.
    • der Laie ist im allgemeinen nicht in der Lage die Echtheit einer Krakauer Aufdruckmarke zu erkennen, fragen Sie nach einer Prüfgarantie
    • angesichts der Masse an angebotenen Fälschungen ist bei ungeprüften Marken grundsätzlich von Fälschungen auszugehen.
    • Auch Angebote mit höheren Preisen, die Echtheit vortäuschen sollen, sind ohne Prüfung als falsch einzustufen.

    Aleks
    Geändert von Michael Lenke (30.03.2008 um 10:55 Uhr)
    Wehr fähler findet, daf si behaltn.
    Suche für eine Dokumentation der Zensurmaßnahmen 1981/82 in Polen weitere Mitstreiter.
    Krakauer Aufdruckmarken eine umfangreiche Dokumentation mit Schlitzohrenparade.


  2. #2
    Forums-Administrator Avatar von Michael Lenke
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    Polen 1919 - Krakauer Aufdrucke

    Wie im ersten Beitrag gesagt, sind die echten Ausgaben mittlerweile eindeutig beschrieben und von Experten bestimmbar. Jedes einzelne Feld der Überdruckformen ist identifizierbar, wenn man über entsprechendes Vergleichsmaterial und ausreichend große Scans der zu prüfenden Stücke verfügt.
    Name:  3-5.jpg
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Größe:  46,2 KB
    Diese beiden Marken werden mit folgender Beschreibung angeboten:
    Briefmarke von Österreich 185,mit dreizaligem Buchdruck POCZTA-POLSKA. Briefmarke und Aufdruck ist echt!Gummi?
    Ergänzung - geändert in: Briefmarke von Österreich 185,mit dreizaligem Buchdruck POCZTA-POLSKA.Briefmarke ist FÄLSCH!!!

    Diese Marken wurden mit der Form I der Überdruckformen überdruckt. Wesentliche Kriterien zur Bestimmung der Aufdruckposition sind bestimmte Abstände im Aufdruck und Buchstabenfehler der einzelnen Felder.
    Name:  messen.gif
Hits: 1828
Größe:  20,0 KB
    Neben der Höhe des Ausdrucks sind der Abstand I P-P und der Abstand II P-Rombus die Bestimmungskriterien. Eine Position wird mit Ihren Maßen beschrieben, also z.B. 2L/58 - das untere P 0,2 mm nach links versetzt, der Rombus 5,8 mm vom oberen P. Jetzt gibt es allerdings einige Positionen mit gleichen Maßen, hier kommen jetzt die Buchstabenfehler ins Spiel. Damit ist eine Bestimmung eindeutig möglich.

    Bei den gezeigten Marken fällt sofort auf, dass der Abstand des Rombus sehr groß ist. Hierzu muss man wissen, dass der größte vorkommende Abstand 6,5 mm auf dem Feld 85 beträgt, der Rombus beginnt noch deutlich unter dem C. Weiterhin sind die Abstände der Buchstaben in den Wörtern immer gleich. Der Abstand P bis zur rechten Kante des C ist immer 6,75 mm ± 0,05 mm, abhängig von der Stärke des Aufdrucks.
    Der Rombus bei beiden gezeigten Marken beginnt aber deutlich rechts vom C, das ist - auch unter Berücksichtigung gewisser Toleranzen - eindeutig zu viel. Es ist aber typisch für einige gefälschte Aufdrucksformen.

    Beide Aufdrucke sind also eindeutig falsch.

    Zum Vergleich ein echter Aufdruck auf Position 85 der Platte I:
    Name:  I-085-15H-01.jpg
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    Deutlich ist die Position des Rombus zu erkennen. Hier sind auch gut die Buchstabenfehler dieser Position erkennbar:
    • eine Delle links im O
    • ein verkürztes S
    • ein kaputtes K

    Auch diese Fehler sind auf den oben gezeigten Marken nicht vorhanden.

    Leider ist die Erkennung der Fälschungen bei dieser Ausgabe nicht immer so einfach. Man sollte beim Kauf immer die Hinweise im eBay-Ratgeber zu den Krakauer Aufdrucken beachten. Weitere Informationen findet man auch auf den Seiten der Arge-Polen.

    Aleks
    Geändert von Michael Lenke (30.03.2008 um 11:38 Uhr)
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  3. #3
    Forums-Administrator Avatar von Michael Lenke
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    Wer ist dümmer - Fälscher oder Käufer?

    Bei einem deutschen Ebayanbieter tauchten vor einiger Zeit eine größere Anzahl Marken auf, die Ebay.com als 1919-Stamps of Austria-Cracovia angeboten wurden. Wenn man solche Marken verkauft oder kauft, sollte man wenigstens die Grundlagen dieser Ausgabe beherrschen.

    Die Krakauer Ausgaben wurden mit zwei Grundformen überdruckt. Von der Form I gibt es nur eine Variante. Die Form II wurde mehrfach justiert, um sie an verschiedene Markengrößen anzupassen. Es gibt die Varianten A-E. Die jeweiligen Varianten haben die im vorigen Beitrag beschriebenen eindeutigen Abstände. Nur die Form IIC wurde vermutlich während der Nutzung nachjustiert.

    Jeder Aufdruck dieser beiden Formen ist eindeutig. Fehler an den Aufdrucken lassen sich über den gesamten Druckvorgang, bzw. bei während des Druckes entstandenen Fehlern über längere Zeiträume nachweisen. Form I und II haben verschiedene Aufdruckfehler.

    Nur die Platte I hat den markanten Fehler "dünnes Z" in den Reihen 1-5, Spalte 4 und 5.
    Name:  I-014-6H-11.jpg
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    Die kleinformatigen Nachportomarken wurden alle mit verschiedenen Varianten der Form II überdruckt. In der Form II gibt es kein "dünnes Z". Da die Marken mit "dünnem Z" etwas höher bewertet werden, hat dies natürlich Begehrlichkeiten bei Fälschern geweckt.

    Hier ein trauriges Beispiel für Fälscher-/Käuferdummheit. Für 291,87$ verkauft, die komplette Serie der kleinformatigen Nachportomarken mit "dünnem Z". Wie man sehen kann, überall der gleiche Aufdruck, man spart auch beim Fälschen.
    Name:  doplata1.jpg
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    ... und als kleines Zubrot das Gleiche nochmal kopfstehend. 53$ verbrannt. Es muss nicht erwähnt werden, dass es nur vom 15 H. Wert überhaupt kopfstehende Aufdrucke gibt.
    Name:  doplata2.jpg
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    Es ist eigentlich traurig, dass sich gerade auf dem US-Markt Käufer für solchen Schrott finden lassen.

    Aleks
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  4. #4
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    Diesmal hat es ein norwegisches Auktionshaus erwischt.
    Angeboten wird:
    Michel 7 | * |
    Official 7. 40 h rose red with overprint, POCZTA POLSKA unused. Sign. L.Schwutz. Minor fault. (€500)
    Name:  SKANFIL_krakau.jpg
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    Neben der genialen Überdruckausführung in gepunktetem Buchdruck, hat sich leider der Plattenfehler Doppelpunkt der Pos. 73 der Platte I auf der Platte IIA eingeschlichen. Ob die Signatur von L.Schmutz - wie es wohl lauten wird - auch dem Tintenspritzer entstammt?

    Aleks
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  5. #5
    DDR Spezial, bis MiNr.745 Avatar von Jurek
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    Auktionshäuser sind bei weitem keine Garantie für Sicherheit.

  6. #6
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    Als kleine Einführung in das Gebiet stelle ich mal die ersten Seiten der Veröffentlichung von Prof. Stanislaus Mikstein "Die ersten provisorischen Briefmarken Polens im ehemaligen österreichischen Teilgebiet" als PDF ein. Vielleicht hellt ja das die Geschichte um die Entstehung der Krakauer Aufdruckmarken etwas auf.

    Aleks
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  7. #7
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    Um mal wieder etwas zum Thema beizusteuern...

    von einem niederländischen Anbieter eine zeitgenössische Fälschung.
    Aufdruck mit echten Teilzeilen, aber Platte nachträglich mit abweichenden Werten von Privatmann wieder zusammengesetzt. Sogenannte Müller-Fälschung - Aufdruckhöhe 8,9 mm, statt 9,2 mm
    Name:  Müllerfälsachung.jpg
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    ... auch eine oben schon mal gezeigte Aufdruckfälschung mit Tintendrucker wurde in Polen wieder angeboten.
    Name:  2H-Znaczkilux1.jpg
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    ... fürchterliche moderne Primitivfälschungen mit dem Tintendrucker von einem eBay-Anbieter - man achte auf den Rombus und das O - schade wenn man den passenden Font nicht hat
    Name:  krakau3.jpg
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    .. und noch einige Highlights vom gleichen Anbieter - Die Kronenwerte wurden nicht mit dem Rombus im Buchdruck überdruckt, sondern mit einer anderen Verzierung im Steindruck.
    Name:  krakau2.jpg
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    ... man achte auf den eleganten Aufdruck im Buchdruck - sogar mit dünnem Z auch bei der 25H. Die wäre wohl ein Unikat, da die 25H mit Platte II überdruckt wurde (ohne dünnes Z) und nur ein Teilbogen mit Platte I - davon maximal 10 Marken mit dünnem Z - Handelswert über 50.000 € - nur gestempelt leider nicht bekannt.
    Name:  krakau1.jpg
Hits: 406
Größe:  43,4 KB

    ml
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  8. #8
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    Hallo,

    ich habe eine dieser Marken, ohne Prüfzeichen, lässt sich anhand des beigefügten scans sagen, ob es sich um eine Fälschung handelt?

    Grüsse,
    Klaus
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  9. #9
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    Das ist eine echte Position 19. Zeitgerecht gestempelt. Aufdruckmaße: 3 L 61 - also P-P 0,3 mm links und P-Rombus 6,1 mm, Aufdruckhöhe 9,3 mm.
    Die Position 19 hat zwar die gleichen Maße wie Position 55, bei der steht das K allerdings etwas tiefer als S und A. Auch ist der leicht nach unten gebogene Rombus links typisch für Pos. 19
    Wert ca. 15-20 €.

    Diese Marken sollte man mit mindestens 1200 dpi - der Aufdruck reicht - einscannen.

    ml
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  10. #10
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    Hallo Michael,

    vielen Dank für diese ausführliche Einschätzung. 1200 dpi kann mein scanner leider nicht.

    Grüsse,
    Klaus

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