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Thema: 3.Reich Sammeln vor dem Aus ?! Novellierung des §86a Stgb

  1. #1
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    3.Reich Sammeln vor dem Aus ?! Novellierung des §86a Stgb

    Der § 86a StGB soll um den Zusatz "Verbot des gewerblichen Handelns" verschärft werden.Der Antrag kommt von der saarländischen SPD.Weiterhin soll es zukünftig auch nicht mehr gestattet sein Angebote öffentlich zu offerieren,egal ob Privatman,oder Händler,auch dann nicht wenn die verfassungsfeindlichen Kennzeichen abgedeckt sind,was bisher bei Briefmarken und Münzen gar nicht der Fall war,sondern nur bei Orden,Effekten und Ähnlichem.Nach Neufassung soll dies gar nicht mehr möglich sein!
    Selbstverständlich betrifft dies auch die AK-Sammler!

    https://www.bundesrat.de/SharedDocs/...0/0216-17.html

    Was haltet ihr davon.Die Orden-und Münzhändler laufen schon Panik und haben eine Petition eingebracht.

  2. #2
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    So ein Blödsinn !
    Schlimmer wie in der DDR !

  3. #3
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    Nach dem Gesetzesantrag (216/17 Grunddrucksache) vom 9. März 2017 würde der Paragraf (Änderungen fett hervorgehoben) wie folg lauten:

    (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
    1.
    im Inland Kennzeichen einer der in § 86 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 4 bezeichneten Parteien oder Vereinigungen verbreitet oder öffentlich, in einer Versammlung oder in von ihm verbreiteten Schriften (§ 11 Abs. 3) verwendet oder
    2.
    Gegenstände, die derartige Kennzeichen darstellen oder enthalten, auch wenn die Kennzeichen verborgen werden, zur Verbreitung oder Verwendung im Inland oder Ausland in der in Nummer 1 bezeichneten Art und Weise herstellt, vorrätig hält, einführt oder ausführt,

    3.
    mit Gegenständen, die einen äußerlich erkennbaren spezifischen Bezug zu der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft oder deren Repräsentanten haben, im Inland oder zur Verwendung im Inland gewerbsmäßig Handel treibt oder diese zum Zwecke des gewerbsmäßigen Handeltreibens vorrätig hält.


    (2) Kennzeichen im Sinne des Absatzes 1 sind namentlich Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen. Den in Satz 1 genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.

    (3) § 86 Abs. 3 und 4 gilt entsprechend.


    Wenn ich die Informationen im Internet richtig verstehe, wurde dieser Antrag am 17. Mai 2017 auf der 954. Sitzung des Rechtsausschusses behandelt. Ein Ergebnis habe ich nicht gefunden.

    Rechtsfolge bei Umsetzung dieses Antrages wäre wahrscheinlich der Verbot des Verkaufs und der Einfuhr allen Postwertzeichen, Ansichtskarten, Münzen und Banknoten, die Repräsentanten und Zeichen der NSDAP und deren Unterorganisationen zeigen. In der Philatelie wären davon einzelne Postwertzeichen und Sonderstempel des Deutschen Reiches, Marken der besetzten Gebieten und aus den verbündeter Staaten (z.B. Italien) betroffen.
    In der Realität wäre eine Durchsetzung dieses Paragrafen aber kaum möglich. Oder steht dann zum Beispiel auf jedem Tauschtag ein Vertreter der Exekutive und schaut sich das Tauschmaterial durch? Was sich unter der Diktatur in der DDR schon nicht verhindern ließ, wird erst recht nicht im globalen Internethandel unserer Zeit funktionieren.

  4. #4
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    Am 9. Juli wird weiter beraten.Nach meinem Wissen spielt es keine Rolle ob auf den Gegenständen verbotene Zeichen sind,oder nicht.Es reicht der Bezug zum dritten Reich.Es beträfe dann wohl auch Weltkriegsflugzeuge,Kübelwagen,............ !
    Sollte das tatsächlich so durchgewunken werden,kommt auf die Sammlerschaft vieler Coleur einiges zu.

  5. #5
    Registrierter Benutzer Avatar von WolfgangD
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    Und was darf dann noch in einem Museum gezeigt werden ?

  6. #6
    Weltenbürger Avatar von Rainer Fuchs
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    Ohne nun das komplette Gesetz zu kennen, Absatz 3 (2) sagt doch:

    (2) Kennzeichen im Sinne des Absatzes 1 sind namentlich Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen.

    Ich lese da nichts von Briefmarken, Münzen etc...,oder hab ich da was übersehen?
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  7. #7
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    Knackpunkt wäre der neue Absatz 3:

    (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

    3.
    mit Gegenständen, die einen äußerlich erkennbaren spezifischen Bezug zu der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft oder deren Repräsentanten haben, im Inland oder zur Verwendung im Inland gewerbsmäßig Handel treibt oder diese zum Zwecke des gewerbsmäßigen Handeltreibens vorrätig hält.


    Briefmarken, Ganzsachen, Belege sollten alle unter Gegenstände fallen. Sobald dort ein Hakenkreuz, Runen, oder Abbildungen von Repräsentanen (z.B. Freimarkenserie Adolf Hitler, Gedenkmarke Böhmen und Mähren zum Tod Reihard Heydrichs) abgebildet sind, dürfte Absatz 3 greifen. Interessant wäre auch die Frage, wie das Wasserzeichen des Papiers, auf dem die Briefmarken gedruckt wurden, zu bewerten ist.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Briefmarkentor Beitrag anzeigen
    Knackpunkt wäre der neue Absatz 3:

    (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

    3.
    mit Gegenständen, die einen äußerlich erkennbaren spezifischen Bezug zu der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft oder deren Repräsentanten haben, im Inland oder zur Verwendung im Inland gewerbsmäßig Handel treibt oder diese zum Zwecke des gewerbsmäßigen Handeltreibens vorrätig hält.


    Briefmarken, Ganzsachen, Belege sollten alle unter Gegenstände fallen. Sobald dort ein Hakenkreuz, Runen, oder Abbildungen von Repräsentanen (z.B. Freimarkenserie Adolf Hitler, Gedenkmarke Böhmen und Mähren zum Tod Reihard Heydrichs) abgebildet sind, dürfte Absatz 3 greifen. Interessant wäre auch die Frage, wie das Wasserzeichen des Papiers, auf dem die Briefmarken gedruckt wurden, zu bewerten ist.
    Da gibt es sicherlich viele Fragen zu stellen. Mir ist z. B. schon ziemlich unklar, ob unter "gewerbsmäßigen Handel" auch der Privatverkauf (ohne angemeldetes Gewerbe), oder gar der Tausch fällt.

    Problematisch ist auf jeden Fall Abs. 1, Satz 1, denn darunter fällt auch das Verbot einer Ausstellung von solchen Stücken. Selbst kritische Exponate aus rein historisch-dokumentarischer Motivation dürften dann nicht mehr ausgestellt werden, vermutlich nicht einmal die sächsischen Schwärzungen. Jedem historisch Interessierten eine Nähe zu bestimmten Organisationen pauschal zu unterstellen, dürfte wohl kaum salonfähig werden, aber es ist natürlich wieder mal nicht auszuschließen, dass es zu einem parlamentarischen Schnellschuss kommt. Im Großen und Ganzen scheint es inzwischen eher darum zu gehen, die unliebsame Geschichte komplett auszuradieren, anstatt sie aufzuarbeiten und zu diskutieren.

    Das ist schade.

  9. #9
    Registrierter Benutzer Avatar von philophilia
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    Das ist nicht nur schade. Das ist lächerlich. Finde ich.

    Nicht, dass es für mich einen Unterschied machen würde. Ich lass mir doch nicht vorschreiben, was ich sammle. Immerhin, es könnte zu erfreulichen Preissteigerungen führen. Wie immer, wenn etwas verboten und auf die schwarze Liste gesetzt wird.

    Ja, totschweigen. So wie "Mein Kampf". Überall verfügbar, nur nicht bei uns. Immerhin, die neue, wunderbar kommentierte , vom Institut für Zeitgeschichte München herausgegebene, fast 2000 Seiten starke Ausgabe ist ein Schritt in die richtige Richtung.

    Man kann auch mal Berichte über Serdar Somuncus Lesungen verfolgen. Das Buch ist so schlecht geschrieben in JEDER Hinsicht dass es sich selbst ad absurdum führt. Es quasi zu verbieten für so lange Zeit, hat es nur attraktiver gemacht. Na ja.

    Nervt mich sowas. Sollte es nicht. Tut es aber. Medieneffekthascherei. Nirgendwo sonst hat man ein derartig verqueres Verhältnis zu seiner Geschichte in ganz Europa. Und das allgemeine ganz ganz schlechte deutsche Gewissen. Ich gehöre zu denen, welchen die " Gnade der späten Geburt" zuteil wurde. Unterbewusst aber hat es mich mein Leben lang begleitet. Aufklären muss man. Warnen muss man. Den Anfängen wehren muss man. Natürlich. Und warum ? Weil, wenn man einmal erkannt hat, dass es das SYSTEM war, welches zu so unsagbaren Grausamkeiten geführt hat, man schnell erkennt, dass es eine zentral gesteuerte, bis ins letze Glied überwachte systemimanente Dynamik gab.

    Totschweigen bringt da keinen Erkenntnisgewinn. Im Gegenteil. Aufzeigen muss man unentwegt, wo denn die Faszination dieses Unrechtsregimes lag. Der Indoktrination von klein(s)t auf.

    Nie haette ich mich so intensiv mit diesem Teil der Geschichte meines Landes beschäftigt, wenn nicht durch die Philatelie und ihren verwandten Gebieten. Wie viel Angst muessen unsere Politiker haben vor dieser Faszination. So wenig Vertrauen in ihre selbstbestimmten, aufgeklärten, demokratieverwöhnten Bürger. Dass sie es lieber ganz verbieten wollen. Sorry, nicht mit mir.

    Ich nehme für mich in Anspruch, mir selber meine Meinung bilden zu dürfen. Durch historisches Studium.

    Ob sie der vorherrschenden Meinung entspricht, das ist für mich äusserst zweitrangig. Und ich verehre Klaus von Dohnany, seines Zeichens Ex-Bürgermeister Hamburgs für seine Definition von Zivilcourage:

    Zivilcourage bedeutet nicht ( nur ) aufzustehen und zu handeln, offensichtlichem Unrecht gegenueber. Das ist Mut, und insofern wünschenswert. Zivilcourage aber bedeutet ( für mich i.e. Klaus v. Dohnanyi ) einzustehen für seine Ideale und Werte, auch wenn sie dem jeweiligen Zeitgeist, der vorherrschenden Meinung in der Gesellschaft, oder auch nur in der jeweiligen Gemeinschaft, in der man sich gerade befindet, widersprechen order gar diametral entgegenstehen.

    Kann es sein, dass es mich nun irgendwie völlig offtopic getrieben hat :- )) Egal. Bin gerade in Schreiblaune auch unphilatelistisch.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Geschichte nicht besser und nicht schlechter war und ist als die vieler andere Staaten. Man muss diese Zeit aus seiner Geschichte heraus zu verstehen suchen. Und was könnte da aufschlussreicher sein, als Quellenhinweise, Hinweise auf Propagandamethoden, zu denen im 3. Reich alle Medien gehörten. Bis hin zu den Briefmarken.

    Ich lese zur Zeit:

    Parker, Dr. D., European Stamp Issues of the Second World War, Images of Triumph, Deceit and Despair, 2015,

    ein wunderbar lehrreiches Buch, welches ich gelegentlich hier mal rezensieren wollte. Und auch " Die Deutschen und Ihre Kolonien, Ein Überblick. Ein Buch, dass interessanterweise viele Briefmarkenausgaben hinzuzieht, um geschichtliche Fakten zu erläutern und aufzumischen.

    Die Angst vor der Swastika. Einem ursprünglich buddhistischen Symbol. Lachhaft. Soviel/Sowenig trauen uns unsere Politiker zu ? Ohne Worte,

    Nur mal so am Rande. Wann hat das United Kingdom seine unglaubliche Unterdrückung und Ausbeutung des indischen Kontinents bereut, bedauert und Abbitte getan ? Reparationen geleistet ? Japan bestreitet noch heute seine Verantwortung am Vernichtungskrieg in China, an den Massakern von Nanking. Die Schulbücher dort... die Euphemisierung. Ach, es gäbe Beispiel ohne Ende, nur bei uns schämt man sich seiner jüngeren Vergangenheit so sehr, dass man am besten gar nicht erst darüber redet.

    Und dazu passt auch diese Gesetzesvorlage... Ich bin froh darüber, dass man bei uns aufarbeitet. Francos Regime ist so alt nicht, Italien war so faschistisch wie wir, wenn nicht mehr. Antisemitismus, damals allgegenwärtig in Europa. Wunderbar dazu zB die Serie Serbien Michel 58-61. Augenscheinlich antifreimaurisch. Bei genauem Hinsehen extrem antisemitisch.

    Und insofern sind Briefmarken Zeitzeugen und Zeitgeschichte. Nicht mehr und nicht weniger. Eugenik ? Ein höchst amerikanisches Konzept. Die letzte Zwangssterilisierung in den USA an Farbigen ? 1981 Oh yes.
    Ku-Klux-Klan Rassismus ? Bis in die 90iger Jahre. Still counting.

    Ich glaube, ich höre besser auf, schreibe mich gerade in Rage :- ))

    Nixx für Ungut, man wird sehen. LG R.
    Geändert von philophilia (26.06.2017 um 17:37 Uhr)
    Sammelgebiete : DR 1933-1945 - GG - B&M - Besetzte Gebiete & Danzig -
    (Weimarer Republik - Germania - ) - Ganzsachen Propagandakarten - Motivmarken Schach
    Mitglied im BDPh

  10. #10
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    Mal schauen, wann auch der Besitz von Gegenständen aus der Zeit des Dritten Reiches verboten wird. Es ist schon merkwürdig, was manche Volksvertreter unter Aufklärung und Gefahrenabwehr verstehen. So muss man sich natürlich nicht die Mühe machen, die tatsächlichen Ursachen für Radikalisierungen zu verstehen.

    Wie steht eigentlich der Interessenverband aller Briefmarkensammler in Deutschland zu diesem Gesetzesvorhaben?

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