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Thema: Die Fiskalmarken Madagaskars

Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Die Fiskalmarken Madagaskars

    Ich möchte in einer losen Folge von Beiträgen einen Überblick über ein wenig bekanntes Gebiet der Fiskalmarken geben, in das ich mich in den letzten Jahren einzuarbeiten versucht habe. Ich sage ausdrücklich “versucht”, denn die Literatur ist ausgesprochen dürftig:
    Es gibt den Catalogue Fiscaux von Forbin, Ausgabe 1915 und 1937 und das Werk Philatelie Malgache von Jacques Desnos im Bulletin Col.Fra Hors-Serie Nr. 5-8A von 2009, wo auch die Fiskalmarken gelistet sind, allerdings nur die der französischen Kolonialzeit. Zu den modernen Fiskalmarken ab 1960 fehlt jegliche Literatur. Daher bin ich für jede Anmerkung/Ergänzung zu diesem Beitrag dankbar.
    Mit Fiskalmarken kam ich bereits bei meinem ersten Besuch auf Madagaskar 2005 in Berührung, sie klebten als Beleg der Visagebühr in meinem Pass. Anfang 2009 wurde die Verwendung von Fiskalmarken plötzlich eingestellt und durch Quittungsdrucke und –stempel ersetzt. Damit endete die 111-jährige Geschichte der Fiskalmarke auf Madagaskar.

  2. #2
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    Was wurde mit Fiskalmarken quittiert?

    Gebühren für Ausweise aller Art: Pass, Personalausweis, Führerschein, Jagd- und Waffenscheine, KFz-Brief (Carte grise)
    Kopien oder Abschriften wie Auszüge aus dem Familienstandsregister (z.B. Heirats- oder Geburtsurkunden), Auszüge und Pläne aus dem Grundbuch, notariell beglaubigte Urkunden aller Art, Übersetzungen vereidigter Übersetzer, Ausfertigungen und Abschriften von Gerichtsurteilen, Führungszeugnisse
    Visagebühren, Quittungen für staatliche Dienste wie jährliche technische Untersuchungen von KFz, Paketsteuer, Frachtsteuer, Bank-Transaktionssteuern (nur während der Phase verstaatlichter Banken 1979-1993)
    Alle Anträge an Staatsbehörden wie z.B. der Antrag auf eine Bergbaulizenz, Antrage auf Erwerb einer Daueraufenthaltsgenehmigung für Ausländer usw mussten eine Fiskalmarke tragen.
    (dies sind nur die mir bekannten Anwendungsgebiete, weitere sind möglich)

  3. #3
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    Wo gab und gibt es Fiskalmarken?

    Vergangenheit:
    Bei Postämtern, Gerichtskassen, Gemeindeämtern, beim Zoll und den Finanzämtern

    Heute:
    Bei den üblichen Verkaufplattformen im Internet ist das Angebot sehr dürftig. Ladenhändler, die madagassische Fiskalmarken vorrätig haben kenne ich nicht. In Madagaskar selbst konnte man bislang bei kleineren Postämtern fündig werden, die in verstaubten Kladden nocht Restbestände der letzten Serie hatten, die 2009 nicht zurückgegeben wurden. Diese Bestände gehen aber langsam zur Neige. Ein guter Jagdgrund in Antananarivo sind die Stände der Briefmarken, Geldschein- und Münzhändler auf der östlichen Treppe zu Oberstadt von den Marktpavillions in Analakely. Auch bei den Bouquinisten am südlichen Ende der Rue d’Independence wird man gelegentlich fündig.

    Generell ist die Beschaffung der hohen Werte schwierig, da sie oft nur auf Urkunden vorzufinden sind, die nicht ins Altpapier wandern, z.B. Katasterurkunden zum Grundbesitz.
    Geändert von olenus (26.06.2016 um 14:05 Uhr)

  4. #4
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    Serie 1 und Aufdrucke

    Erst mit der Errichtung der französischen Kolonie Madagaskar im August 1896 begann die Geldwirtschaft und das Steuerwesen in Madagaskar. Die ersten Fiskalmarken wurden im Februar 1898 eingeführt, 1897 waren Briefmarken für diesen Zweck zugelassen worden. Man findet vor allem die Marken der allegorischen Figuren von Handel und Navigation (frz. type “groupe”, Y&T Nr. 28-42) mit handschriftlicher Entwertung fiskalisch gebraucht. Aber Achtung, zur gleichen Zeit wurde auch das Postnetz ausgebaut und mangels Stempeln war auch postalisch in vielen Orten handschriftliche Entwertung üblich. Ohne Reste des Formulars oder Briefes ist kaum zu unterscheiden, ob postalische oder fiskalische Verwendung vorliegt! Offiziell war der Gebrauch von Briefmarken für fiskalische Zwecke ab August 1899 untersagt, kam aber bis etwa 1920 immer wieder vor.
    Name:  Mada Fiscal_0001a.jpg
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    Die erste Serie besteht aus alten französischen Fiskalmarken mit einem Frauenkopf (Ceres?) im Medaillon, ähnlich dem Avers zeitgenössischer Münzen. Die Marken sind rosa, gez. 13 ½ und weisen einen dreizeiligen Aufdruck wie in der Abb. auf. Es gibt die Wertstufen zu 0,50, 1, 2, 3 und 5 Franc, die in meherern Auflagen gedruckt wurden. 1915 wurden aus Mangel an 0,50 Fr Marken Aufdrucke auf 1, 2, 3 und 5 Fr hergestellt. 1920 wurde ein neues Steuersystem eingeführt, das das vereinfachte Steuersystem der Vorkriegszeit ablöste. Hierdurch waren weitaus mehr Wertstufen erforderlich, erneut wurden die Werte von 1898 überdruckt, so dass eine provisorische Serie mit 15 Werten von 0,05 bis 100 Fr entstand, die im März 1920 ausgegeben wurde. Neben dem neuen Wert erhielten die Marken jetzt die Inschrift “Enregistrement et Timbre” am Oberrand. Die Werte zu 1 und 3 Fr wurden nur mit dieser Inschrift überdruckt.
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    Geändert von olenus (26.06.2016 um 12:55 Uhr)

  5. #5
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    Serie 2

    Name:  Mada Fiscal_0002a.jpg
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    Am 27. April 1920 kam eine neue Serie zur Ausgabe. Das Muster blieb nahezu unverändert, nur waren im Hintergrund die Datumszeile “Le ...... 18....” und das “À” für die Ortsangabe entfernt worden. Die Serie umfasst 12 Werte von 0,05 bis 25 Fr. Das Grundmotiv ist im Steindruck hergestellt und rosa, Inschrift und Wert sind weinrot per Buchdruck eingedruckt. Die Trennung erfolgte per Liniendurchstich.

    Am 6. Mai wurde eine grau, französische Quittance-Marke von 1892 mit rotem Wertaufdruck 0f,10 sowie “Madagascar et dependances” oben und “Enregistrement et Timbre” unten ausgegeben.
    Geändert von olenus (26.06.2016 um 12:58 Uhr)

  6. #6
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    Serie 3

    Die dritte Serie von 1921 entsprach im Muster, Druckverfahren und Trennung der zweiten Serie vom Vorjahr, allerdings waren die Marken jetzt indigoblau oder lebhaftblau und der Eindruck von Landesname, Wert und Verwendungszweck schwarz. Es existieren 14 Werte von 0,05 bis 5 Fr, wobei die 1, 2 und 5 Fr Werte in zwei Varianten exitieren. Bei der ersten Variante ist der Wert 2 fr. geschrieben, die spätere Variante zeigt als Wertangabe nur 2,00.
    1923 wurden insgesamt 12 Marken mit Aufdrucken zu 0,25, 0,50 und 1 F auf verschiedenen Wertstufen der Serien 1-3 ausgegeben, darunter auch nicht verwendete Frachtstempelmarken.
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    Geändert von olenus (26.06.2016 um 12:51 Uhr)

  7. #7
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    Serie 4

    Die erste Serie mit einem Markenbild speziell für Madagaskar erschien 1923 und wird als “Type Courier” bezeichnet. Das Bild zeigt drei Träger mit Warenballen an Tragestangen und ein sie begleitender Speerträger in einer tropischen Landschaft mit einer typischen Ravinale-Palme links. Die Marken sind gez. 14 und wurden in zwei Farbkombinationen ausgegeben: 5c bis 50 c schwarzes Markenbild, Hintergrund orange und Werteindruck rot; 1F bis 100F braunrotes Markenbild, grüner Hintergrund und schwarzer Wert. Von dieser 15 Werte umfassenden Serie gibt es nur einen bekannten Aufdruck, 60 FRANCS auf 15 c.
    Name:  Mada Fiscal_0004a.jpg
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  8. #8
    Weltenbürger Avatar von Rainer Fuchs
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    Bevor Du hier zum Alleinunterhalter wirst. Gibt es zu diesen Fiskalmarken eigentlich eine mehr oder weniger aktuelle Literatur oder betriebst Du da Grundlagenforschung?

    Sehr interessante Stücke die Du da hier vorstellst, Glückwunsch.
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  9. #9
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    Wenn mich mein Madegassisch nicht trügt, dann heißt tombo ketra so viel wie "Mehrwertsteuer". "Hetra" ist auf jeden Fall die Steuer.

    Gruß
    W.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Rainer Fuchs Beitrag anzeigen
    Bevor Du hier zum Alleinunterhalter wirst. Gibt es zu diesen Fiskalmarken eigentlich eine mehr oder weniger aktuelle Literatur oder betriebst Du da Grundlagenforschung?
    Hallo Rainer,
    ich betreibe Grundlagenforschung. Ausser dem Verzeichnis von Jaques Desnos (2009), das nur bis 1960 reicht und selbst dort unvollständig ist (er hat etliche Katalognummern freigehalten) gibt es nichts. Ich habe Kontakt zum madagassischen Finanzministerium aufgenommen, und Versuche dort an Archivmaterial und Restbestände zu kommen. Falls ich irgendwann mal eine komplette Uebersicht erstellt habe, soll die auch gedruckt werden.

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