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Thema: Luftpostbrief USA-Irak, Porto! November 1930

  1. #1
    Weltenbürger Avatar von Rainer Fuchs
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    Luftpostbrief USA-Irak, Porto! November 1930

    Habe hier einen Luftpostbreif USA - Irak vom November 1930, angekommen ist er in Basra / Irak am 3. Janaur 1931. Porto ist 12 Cents. War das Portogerecht?

    Warum der Brief noch den "Received by Overland Mail" Handstempel trägt muss ich noch eruieren.

    Ansonsten nehme ich gerne Informationen zu Flugnummer etc. den dieser Brief nahm entgegen.
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  2. #2
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    Hallo Rainer,

    1.Das us-amerikanische Lp-Porto in den Irak setzte sich im Dezember 1930 zusammen aus dem UPU-Auslandsporto + den us-amerikanischen Lp.-Gebühren für die Lp.-Beförderung vom Aufgabeort nach New York + den Lp.-Gebühren für die Lp.-Beförderung ab Europa ( London bzw. Paris) in den Irak[1].
    Im Dezember 1930 betrug das UPU-Auslandsporto für einen Brief der ersten Gewichtsstufe 5 cent und die LP.-Gebühr für die Lp.-Beförderung vom Aufgabeort Tarpon Springs, Fla. nach New York 4 cent[2]. Die Luftpostgebühr für die Luftpostbeförderung auf der Strecke London via Bagdad nach Basra betrug pro ½ oz. 7 cent[3], so dass das Gesamtporto eigentlich 16 cent hätte betragen müssen. Die 12 cent auf Deinem Lp.-Brief lassen sich möglicherweise dadurch erklären, dass der Absender auf eine Luftpostbeförderung auf der Teilstrecke Tarpon Springs nach New York verzichtet hat, da hierdurch im Hinblick auf der Gesamtbeförderungsdauer kein wesentlicher Zeitvorteil eintrat. Damit wäre Dein Lp.-Brief dann mit 12 cent portogerecht frankiert.

    Dass der Lp.-Brief für eine Luftpostbeförderung über New York hinaus ausreichend frankiert war belegt auch die Tatsache, dass der Luftpostaufkleber auf der Vorderseite oben links nicht durch den in New York anderenfalls gebräuchlichen Balkenstempel (Jusqu’a-Stempel) entwertet wurde[4].

    2. Ab London wurde der Lp.-Brief dann auf der Indienlinie der britischen Fluggesellschaft Imperial Airways in den Irak befördert. Nachdem der Brief am 11.12.1930 (nicht November) in Tarpon Springs in Florida aufgegeben wurde und am 03.01.1931 in Basra eingetroffen ist, wurde er vermutlich mit dem Flug-Nr. IE 92 befördert, ab London Croydon am 27.12.1930, an Bagdad am 02.01.1931[5]. Die Flugzeit von Bagdad nach Basra betrug nach Flugplan damals drei Stunden. Die Streckenführung verlief ab London Croydon über Köln, Nürnberg, Wien, Budapest, Belgrad, Athen, Kreta (Mirabella Bay), Alexandria und Gaza. Flug-Nr. IE 92 traf mit zwei Tagen Verspätung hinter dem Flugplan in Bagdad ein[6].

    3.Hinsichtlich des vorderseitig angebrachten Kastenstempels „Received by Overland“ vermute ich folgende Hintergründe:

    Da auf der Briefvorderseite der Name Bagdad mittig angebracht ist, wo man eigentlich den Bestimmungsort erwartet, wurde der Lp.-Brief versehentlich schon in den USA dem Kartenschluss für Bagdad zugeordnet und dabei übersehen, dass Bagdad hier nicht der Bestimmungsort sondern nur Teil der Firmenanschrift ist, an der der Brief dem Empfänger in Basra zugestellt werden sollte. Der Brief wurde daher zunächst nach der Landung der Imperial Airways Maschine am 02.01.1931 in Bagdad mit der übrigen für Bagdad bestimmten Luftpost ausgeladen und der Irrtum erst bei der weiteren Bearbeitung des Briefes in Bagdad bemerkt. Der Postbeamte schrieb daher den richtigen Bestimmungsort Basra mit roter Tinte nochmals zur Klarstellung auf die Vorderseite des Briefes. Da die Imperial Airways Maschine zwischenzeitlich bereits Richtung Basra weitergeflogen war und die Strecke Bagdad –Basra von der Imperial Airways nur einmal wöchentlich beflogen wurde, wurde der Lp.-Brief, um weitere Verzögerungen zu vermeiden, auf dem Landweg nach Basra weitergeleitet, wo er dann am Folgetag, dem 03.01.1931 eintraf und den Hinweisstempel als Erklärung dafür erhielt, dass der Brief obwohl als Luftpostbrief deklariert und bezahlt nicht per Flugzeug sondern auf dem Landweg und damit verspätet in Basra eingetroffen war. Der Hinweisstempel hat daher nach meiner Ansicht nichts mit der Overland Mail der Gebrüder Nairn zu tun.

    Quellen

    [1]Kent J. Kobersteen, Beacon Airmail Rates to Foreign Destinations, in: Simine Short/Cheryl Ganz (Herausg.) Via Airmail An Aerophilatelic Survey of Events, Routes , and Rates, Chicago 1992 Seite 37ff.
    [2]Kent J. Kobersteen a.a.O. Fn. 1 Seite 43
    [3]Anthony S. Wawrukiewicz/Henry W. Beecher U.S. International Postal Rates, 1872-1996, Portland,Oregon(USA) 1996, Seite 157
    [4]Kent J. Kobersteen a.a.O Fn. 1 Seite 44
    [5]Peter Wingent, Aircraft Movements on Imperial Airways‘ Eastern Route Vol. 1 1927-1937, Winchester/GB 1999 Seite 50
    [6]Peter Wingent a.a.O. Seite 50


    MfG

    Wolfgang
    Geändert von saintex (22.05.2016 um 11:14 Uhr)

  3. #3
    Weltenbürger Avatar von Rainer Fuchs
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    Hallo Manfred,

    vielen Dank für die ausführlichen Hinweise die in meinen Augen wirklich auf höchstem Niveau sind. Werde die Hinweise analysieren und mit den Informationen eines anderen Spezialisten [1] der sich speziell mit der Luftpost von Europa in den Nahen Osten auskennt vergleichen und mich dann hier wieder melden.

    Nur als erster Hinweis..., der Hinweisstempel "Received by Overland Mail" hat schon was mit der Overland Mail zu tun und der andere genannte Spezialist vermutet dass der Brief versehentlich (oder wegen Verspätungen / Verzögerungen des Fluges ab Beirut z.B. dort ausgeladen und der Overland Mail übergeben wurde. Es sind nur 5-6 Briefe mit diesem Hinweisstempel bekannt, insofern sammle ich alle Infos zu den Transportwegen der Briefe um dann hoffentlich endgültig festlegen zu können wo der Handstempel abgeschlagen wurde.

    Siehe dazu auch diesen Brief der einen hoch interessanten Laufweg hatte der aber über den Sinn und Zweck dieser Diskussion hinausgeht, wenn einer der Leser hier daran Interesse hat werde ich den Laufweg, evtl. in einer getrennten Diskussion niederschreiben.
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    Zu Inner-US Luftpostporto siehe auch
    http://www.bdph.de/forum/showthread....il-Porto-Frage

    [1] Laurence Kimpton, Airmails across the Middle East 1918-1930, published 2015 by L Kimpton, ISBN 0955083117
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  4. #4
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    Hallo Rainer,

    Gut, der Hinweisstempel auf Deiner Luftpostkarte vom Oktober 1929 ist identisch mit dem Hinweisstempel auf dem us-amerikanischden Luftpostbrief vom Dezember 1930. Aufgrund der Abgangs- und Ankunftsdaten ist eine durchgängige Luftpostbeförderung mit der Imperial Airways von London bis nach Bagdad aus meiner Sicht eigentlich eindeutig. Darüberhinaus wurde Beirut von der Imperial Airways überhaupt nicht angeflogen und warum ein Luftpostbrief bei vorausbezahltem Lp.-Porto vom schnelleren Verkehrsmittel auf den langsameren und unsicheren Transport durch die Wüste im Kraftfahrzeug umgestiegen sein soll, erschliesst sich mir nicht. Im übrigen lautet der Stempeltext nicht Overland Mail sondern nur "Received by Overland" wobei ich hier Overland nur im Gegensatz zu Airmail verstehe. Ich bleibe daher vorerst bei meinem Votum . Aber ich lasse mich natürlich bei entsprechenden Gegenargumenten eines Besseren belehren. Bin mal gespannt was Laurence Kimpton dazu meint. Er ist ja tatsächlich durch sein preisgekröntes Buch "Airmail across the Middle East" als Experte auf diesem Sammelgebiet ausgewiesen.

    Aber auch Deine Erläuterungen zum Laufweg der gezeigten Luftpostkarte aus dem Oktober 1929 würden mich interessieren, zumal auch diese Luftpostkarte, wenn ich Dich richtig verstanden habe, von der Overland Mail der Gebrüder Nairn befördert worden sein soll. Nach den Stempeldaten war die Luftpostkarte an Bord des 4. Versuchsfluges der KLM von Amsterdam nach Niederländisch Indien, ab Amsterdam am 17.10.1929, der am 17.10.1929 in der Türkei eine Bruchlandung machte. Die Luftpost soll mit dem Schiff S.S. Patria nach Niederländisch Indien weiterbefördert worden sein. In anderen Quellen ist davon die Rede, dass die Luftpost von der Imperial Airways bis Karachi befördert wurde und erst von dort die Weiterreise mit dem Schiff nach Niederländisch Indien antrat. Wie hier dann nach Deiner Ansicht die Overland Mail der Gebrüder Nairn ins Spiel kam würde mich interessieren.

    MfG

    Wolfgang
    Geändert von saintex (22.05.2016 um 13:24 Uhr)

  5. #5
    Weltenbürger Avatar von Rainer Fuchs
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    Hallo Manfred,

    hier die Beschreibung der Karte welche zusammen mit mehreren Luftpost, incl. Crash Mail Spezialisten erarbeitet wurde, teilweise hast Du da ja schon identische Hinweise gegeben! Aber, dass der Hinweisstempel in Damascus abgeschlagen wurde entsprach dem Stand der Kentnisse vor 1-2 Jahren, zwischenzeitlich habe ich noch 2 weitere, incl. dem gezeigten USA Beleg, erhalten.

    Die Karte wurde am wurde am 15 Oktober 1929 in Berlin am Postamt Berlin C / L 2 aufgegeben und ist nach Marqil (Maqil) / Basrah, Irak adressiert und trägt neben dem blauen Luftpostaufkleber der Deutschen Reichspost den handschriftlichen Leitwegvermerk "Mit Luftpost über Amsterdam". Die Frankatur von 75 Pfg entsprach dem Flugpostporto (15 Pfg. UPU-Postkarte + 20 Pfg. Luftpost Porto in die Niederlande + 40 Pfg. für die Weiterbeförderung mit KLM auf der Strecke Richtung Niederländisch-Indien über Konstantinopel, Bagdad und Basrah. Zusätzlich trägt die Karte den roten Flugpostübergabestempel "AMSTERDAM / 15 * X * 29 / PER LUCHTPOST OVER-GEBRACHT / 2".
    Gemäß des Flugplanes der KLM wurde die Karte mit dem 4ten KLM Versuchsflug von Amsterdam nach Bandoeng am 17. Oktober 1929 Richtung Irak transportiert. Der geplante Flugplan war Amsterdam - Nürnberg - Budapest - Konstantinopel - Aleppo - Bagdad - Bushire - Jask - Karachi - Nasirabad - Allahabad - Kalkutta - Akyab - Kohlak - Medan - Palembang - Batavia - Bandeng.
    Datum Ort / Zwischenlandung / Ziel
    17.10.1929 Amsterdam - Nürnberg - Budapest
    18.10.1929 Budapest - Konstantinopel
    19.10.1929 Abflug von Konstantinopel

    Das Flugzeug hatte zwar einen Zwischenstopp in Nürnberg, trotzdem wurde die Karte von Berlin nach Amsterdam gesandt und dort erst der Flugpost übergeben da die Zwischenstopps keinen Postanschluss hatten, in Nürnberg wurde allerdings Dienstpost eingeladen.

    Das Flugzeug (eine Fokker F7b / 3m, Registriernummer PH-AGB) stürzte allerdings am 19 Oktober 1929 auf Grund eines Motorschadens ca. 30 Minuten nach dem Start von einem Zwischenstopp in Konstantinopel / Türkei wegen Motorschadens ab.
    Die sich an Bord befindliche Post, immerhin wie in der Literatur vermerkt, 262 KG (andere Quellen nennen sogar die Anzahl der Poststücke der verschiedenen Kategorien), wobei 4,90 KG Post für fremde Postanstalten waren, blieb jedoch unbeschädigt. Poststücke welche nach Niederländisch–Indien adressiert waren wurden nach Port Said / Ägypten befördert und dort vom Schiff S/S Patria übernommen welches Richtung Niederländisch-Indien fuhr. Am Zielort wurde die Post dann an die Empfänger ausgeliefert. Einige wenige Belege davon sind bekannt, nur einer mit einem handgeschriebenem Zettel in Holländisch was aber über den Zweck dieses Artikels hinausgeht, aber wichtig ist zu vermerken da es bestätigt dass es keine offiziellen Postbestätigungsstempel zum Absturz gibt.

    Post für den Irak wurde von Konstantinopel aus mit dem Zug nach Aleppo und Damaskus befördert. Die Karte wurde dann in Damaskus, da das Porto der Karte dem der schnellen Transportroute entsprach, der Overland Mail Baghdad-Haifa übergeben und in den Irak weiterbefördert. Damaskus war einer der Hauptsitze der Overland Mail Baghdad-Haifa.

    Der Brief ist dann am 30, Oktober 1929 in Baghdad eingetroffen (Durchgangsstempel Baghdad, 30 OCT 29) und ging von da weiter nach Maqil/Basrah (Ankunftsstempel Basrah, 1 November 1929).
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    Hier zur Info noch der andere Brief den ich habe, der ist aus England versandt, des weiteren ein Beleg der in der Sammlung des verstorbenen Zvi Alexander (Postmusem Haifa) ist (Damals waren nur 2 Belege bekannt, ich habe nun 3 davon...). Es dürfte sicher sein dass der Stempel nur für Belege verwendt wurde die aus irgendwelchen Gründen/Wegen in Beirut/Damascus angekommen sind und dort der Overland Mail übergeben wurden...

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