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Thema: Die Abschaffung des Bargeldes und der Einfluß auf die Philatelie

  1. #11
    Registrierter Benutzer Avatar von Michael
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    Briefmarken tauschen

    Na das wäre doch ein Vorschub für alte philatelistische Traditionen: Briefmarken tauschen

    Zitat Zitat von fricke Beitrag anzeigen
    Und die Leute ohne Elektronik? Die machen Tauschhandel?

  2. #12
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    Zitat Zitat von Michael Beitrag anzeigen
    Na das wäre doch ein Vorschub für alte philatelistische Traditionen: Briefmarken tauschen
    Der Tausch mag bei Anfängern oder Sammlern funktionieren, die nach Katalog sammeln. Seltener bis gar nicht aber, wenn es in eine Spezialisierung geht.

    Zum eigentlichen Thema. Eine Abschaffung von Bargeld setzt voraus, dass man technische Voraussetzungen schafft, die überall kostengünstig funktioniert. EC und Kreditkarten kosten den Zahlungsempfänger Geld, was diese Zahlungsmethoden bei Kleinstbeträgen unwirtschaftlich erscheinen lassen. Mit dem Handy, elektronischer Uhr oder was auch immer zu zahlen, mag zwar nett klingen, dürfte neben Sicherheitslücken aber gerade auf dem platten Land an der nötigen Infrastruktur scheitern. Ganz abgesehen von der mangelnden Bereitschaft oder der schlichten Überforderung von Teilen der Bevölkerung, solch ein Zahlungssystem zu bedienen. Ich möchte meiner 85-jährigen Oma diesen technischen Sch... nicht beibringen. Und persönlich stehe ich Handy und Co. immer ablehnender gegenüber. Als U40-jähriger, wohlgemerkt.

  3. #13
    Registrierter Benutzer Avatar von Michael
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    Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht zu einer Abschaffung des Bargeldes kommen wird. Die technischen, juristischen und politischen Hürden sind viel zu hoch.

    Doch nochmal zurück zu einem Szenarium ohne Bargeld: Es gibt ja viele Beispiele für "Länder ohne Währung", also ohne Bargeld, als Folge wirtschaftlicher Kastatrophen. Wie es sich zeigt ist der Mensch einfallsreich. Er greift tatsächlich in gewissem Umfang zum Tauschhandel oder es etabliert sich eine Fremdwährung.

    Wenn es keinen Euro mehr gibt, dann zahle ich eben in Dollar oder Franken.

  4. #14
    Registrierter Benutzer Avatar von bayern klassisch
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    Wenn es keinen Euro mehr gibt, dann zahle ich eben in Dollar oder Franken.[/QUOTE]

    Ja, aber dann sind wir völlig abhängig von denen, die für die Stabilität (oder Labilität) dieser Währungen sorgen bzw. zu sorgen hätten. Wer lässt sein Leben und seine Zukunft freiwillig von anderen bestimmen? Sicher kein vernünftiger Mensch.

    LG von bayern klassisch
    Beatus ille, qui procul negotiis

  5. #15
    Registrierter Benutzer Avatar von fricke
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    Böse Abschaffu g Bargeld

    Zitat Zitat von Briefmarkentor Beitrag anzeigen
    Der Tausch mag bei Anfängern oder Sammlern funktionieren, die nach Katalog sammeln. Seltener bis gar nicht aber, wenn es in eine Spezialisierung geht.

    Zum eigentlichen Thema. Eine Abschaffung von Bargeld setzt voraus, dass man technische Voraussetzungen schafft, die überall kostengünstig funktioniert. EC und Kreditkarten kosten den Zahlungsempfänger Geld, was diese Zahlungsmethoden bei Kleinstbeträgen unwirtschaftlich erscheinen lassen. Mit dem Handy, elektronischer Uhr oder was auch immer zu zahlen, mag zwar nett klingen, dürfte neben Sicherheitslücken aber gerade auf dem platten Land an der nötigen Infrastruktur scheitern. Ganz abgesehen von der mangelnden Bereitschaft oder der schlichten Überforderung von Teilen der Bevölkerung, solch ein Zahlungssystem zu bedienen. Ich möchte meiner 85-jährigen Oma diesen technischen Sch... nicht beibringen. Und persönlich stehe ich Handy und Co. immer ablehnender gegenüber. Als U40-jähriger, wohlgemerkt.
    Beispiel: Bratwurststand in der Pampa, kein Netz - oder Akku leer. Kein Kredit! Keine Bratwurst! Hunger!!!
    Auch das Beispiel mit der Oma trifft den Nagel ebenfalls auf den Kopf.
    Wir brauchen die schwachsinnige Idee nicht weiter diskutieren.

  6. #16
    Registrierter Benutzer Avatar von Jens
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    Moin,

    Zitat Zitat von bayern klassisch Beitrag anzeigen
    Wer lässt sein Leben und seine Zukunft freiwillig von anderen bestimmen?
    Dem Neoliberalismus ging es noch nie um mehr oder weniger Regeln. Es ging ihm immer um andere Regeln - seine Regeln. Zum Beispiel solche Regeln, die es Banken ermöglicht, sich zu systemrelevanten Finanzkonzernen aufzublasen, zu bürokratisieren, die Grenzen zwischen staatlichen und privaten Akteuren aufhebenden Herrschaftskomplexen.
    Wie die F.A.Z. berichtet zahlen Gesundheitsfonds jetzt erstmals Strafzinsen! Damit sind nun auch die Sozialversicherungen von den Negativzinsen betroffen. Die Beitragszahler der Sozialversicherung verlieren tatsächlich Geld, denn 1,8 Millionen Euro der Beiträge der Beschäftigten und Arbeitgeber kamen auf Grund der Strafzinsen für die Versorgung der Kranken erst gar nicht bei den Kassen an! Auch wenn der Betrag Gemessen am Gesamtvolumen des Gesundheitsfonds von mancher Stelle als Peanuts bagatellisiert wird, so liegt der eigentliche Skandal doch auch in der asymmetrischen Beitragserhebung. Wieso soll der versicherte Arbeitnehmer einen höheren Zusatzbeitrag bezahlen, wenn sich die beteiligten Banken das Geld in die Tasche stecken? Nicht nur, dass man sich damit schleichend aus dem Solidarsystem verabschiedet - man schöpft auch noch Kaufkraft ab, die in der normalen Bevölkerung gebraucht wird. Aber ungeachtet positiver positiver Wirtschaftslage gelten in Deutschland erschreckend viele Menschen als Arm. Alles in Butter also? Da hat man eine nicht zu unterschätzende Parallelwelt, die immer wieder versucht, auf demokratische Prozesse in ihrem Sinne Einfluss zu nehmen.


    Gruss

  7. #17
    Registrierter Benutzer Avatar von bayern klassisch
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    Hallo Jens,

    sehr gut geschrieben und leider mit jedem Wort wahr.

    LG Ralph
    Beatus ille, qui procul negotiis

  8. #18
    Registrierter Benutzer Avatar von Jens
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    Tach auch,

    wo wir doch gerad so schön bei der Erbschaftssteuerreform waren:
    Die Erbschaftsteuerreform ist ein im Schweinsgalopp fabrizierter Geschenkkatalog fuer Firmenerben! Mit ihr wurde auch auch die neoliberale Ökonomie als Wissenschaft vorgeführt. Eine zentrale Frage wird dabei einmal mehr ausgeklammert:
    Ist Erben in einer Gesellschaft gerechtfertigt, die angeblich auf dem Tausch von Äquivalenten und Vertragsfreiheit auf Märkten beruht?
    Nun gibt es die begründete These, dass Erben per se ungerecht ist und daher zu 100% besteuert werden müsse - wobei sich Freibeträge und Normen für Härtefälle regeln liessen.
    In der vorherrschenden Meinung ist derlei natuerlich kommunistische Ketzerei – im gängigen Vokabular wachstumsfeindlich, systemwidrig und arbeitsplatzvernichtend.
    Wenn man den einzelnen aber ernst nimmt ist es aber nun mal so, dass man es geradezu als Ärgernis empfinden muss, wenn die Kinder wohlhabender Eltern im Zweifel nur deshalb besser als andere durch ´s Leben gehen können, weil sie reiche Eltern haben. Daher rührt der Gendake, dass Erbschaften nicht an Erbberechtigte verschenkt werden, sondern in einen Fonds fließen, aus dem Vorhaben finanziert werden, die der gesamten Generation Heranwachsender dienen. Mit Gleichmacherei hat das nichts zu tun, es ist die zwingende Konsequenz des individualistischen Liberalismus.
    Auf diesen Liberalismus beziehen sich auch die meisten Mainstream-Ökonomen. Seine Urspruenge hat er im philosophisch radikalen Denken des Aufklärungszeitalters, im Gegensatz zum Vulgärliberalismus des 19. und 20. Jahrhunderts, der nur auf der buchhalterisch-trivialen Litanei des Plusmachens beruht.
    Der Brauch, Vermögen zu vererben, entspringt eben nicht der liberal-individualistischen Denkweise, sondern feudal-tribalen Bräuchen. Die wirklichen Väter liberaler Denkweise - also jenes Konzepts in Philosophie, Ökonomie und Sozialwissenschaft, das auf der Freiheit des Individuums und auf der Aufklärung beruht - haben noch gewusst, was heutige Ökonomen nicht mehr gelernt oder vergessen haben - oder es beflissendlich ignorieren.
    Der Philosoph John Locke gehört zu den Vätern des diskussionswürdigen Liberalismus. Er erkannte nur zwei Formen von Eigentum an, nämlich das Eigentum eines jeden Menschen an seiner Person und das Eigentum an der Arbeit seines Körpers und des Werks seiner Haende. Die Vererbung von Vermögen erfüllt die zweite Bedingung eben nicht. Erben sind daher bloss Trittbrettfahrer des rechtmässigen Erwerbs. Locke folgerte daher, Wer nicht den gleichen Rechtsanspruch wie der Vater, nämlich den der Zeugung, hat, kann nicht Erbe sein.
    Lockes Gedanke richtete sich auch gegen die natürliche, aristokratisch-dynastische Erbfolge, mit der Namen, Titel sowie politische Gebiets- und Herrschaftsansprüche von Generation zu Generation angeblich rechtmässig weitergereicht werden: Niemand hat ursprünglich ein persönliches Herrschaftsrecht mit Ausschluss aller übrigen Menschen über irgendetwas. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen begründetem, liberal-individualistischem Denken und bloss feudal-tribalen Braeuchen. Kurz: es ist die Differenz zwischen Liberalismus und FDP-Fusel!
    Im Unterschied zu Locke zählte Immanuel Kant zwar Vererbung zu den zulässigen Erwerbsarten, hielt aber an der liberalen, antiaristokratischen und antidynastischen Pointe fest: Staaten können weder vererbt noch getauscht, gekauft oder verschenkt werden, weil sie nicht der Dispositionsfreiheit beziehungsweise Willkür eines Eigentuemers unterliegen.
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel machte auf ein Problem jeder Vererbung aufmerksam, das mit der Geschichte und der Stellung des vererbenden Familienvaters zu tun hat. Nach römischem Recht verfügt das Familienoberhaupt über uneingeschränkte Gewalt, das heißt die Macht ueber Leben und Tod (vitae necisque potestas). Er konnte Frauen und Kinder töten lassen, in die Sklaverei verstoßen oder verkaufen. Auch die Erbfolge unterlag nur der Willkür des Familienoberhaupts. Das Unsittliche solcher und anderer Rechte ist laut Hegel evident. Die jahrhundertealten Versuche, die mit dem Vererben von Vermögen verbundene genuine Willkür und Unsittlichkeit in einem Prozess tumultarischen Gesetzgebens (Hegel) rechtlich zu ordnen und in sittlich akzeptable Bahnen zu lenken, produzierten nach Hegel nur das Schwierige und Fehlerhafte in unserem Erbrechte.
    Ein gerechtes Erbrecht blieb zu jeder Zeit ein Widerspruch, da Willkuer mit keinem noch so seichten Begriff von Recht und Gerechtigkeit zusammenzubringen ist. Davon hatten Sozialwissenschaftler in den 20er Jahren noch eine Ahnung, als sie im massgeblichen Woerterbuch der Staatswissenschaften 1926 nuechtern registrierten, dass die Gerechtigkeit des Erbrechts Zufall, also nichtig geworden sei. Alle bisherigen Erbrechts-Reformen setzen nur den Zufall an die Stelle der Unsittlichkeit und Willkuer bei der Vererbung.
    Die Debatten über die neueste Erbschaftsteuer-Reform sind von solcher Einsicht weit entfernt. Sie reproduzieren nur Varianten der in feudal-tribalem Denken befangenen Interessentenprosa im ökonomischen, juristischen oder politischen Jargon à la mode.
    Der Kern jeder Debatte über Erbschaftsteuern ist nun mal, dass die Akzeptanz einer marktwirtschaftlichen Ordnung Chancengleichheit voraussetzt, welche ein urliberales Anliegen ist. Es geht auch darum, dass wir Wachstum und Wohlstandsmehrung nicht zugunsten reicher Erben opfern, indem wir die Entfaltungsmöglichkeiten anderer beeinträchtigen.
    Daran sei an dieser Stelle einmal erinnert!


    Schoenen Sonntag noch



    Gruss

  9. #19
    Registrierter Benutzer Avatar von fricke
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    Unglücklich

    Der höchstbescheidene Kompromiss zur Erbschaftssteuer ist doch nur ein Offenbarungseid der derzeitigen Koalition und stellt bestenfalls eine Vertagung in die nächste Regierungsperiode dar.
    Das Bundesverfassungsgericht wird aber den erzeugten Mist garantiert wieder kippen und dann wohl selbst etwas produzieren (lassen). Ob das dann besser ist bleibt abzuwarten.

  10. #20
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    Zitat Zitat von Michael Beitrag anzeigen
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht zu einer Abschaffung des Bargeldes kommen wird. Die technischen, juristischen und politischen Hürden sind viel zu hoch.

    Doch nochmal zurück zu einem Szenarium ohne Bargeld: Es gibt ja viele Beispiele für "Länder ohne Währung", also ohne Bargeld, als Folge wirtschaftlicher Kastatrophen. Wie es sich zeigt ist der Mensch einfallsreich. Er greift tatsächlich in gewissem Umfang zum Tauschhandel oder es etabliert sich eine Fremdwährung.

    Wenn es keinen Euro mehr gibt, dann zahle ich eben in Dollar oder Franken.
    Genau, auf die Idee bin ich nämlich auch gekommen. Wenn der Euro als Bargeld abgeschafft werden sollte (was so schnell nicht passiert, da alle Länder die diesen als aktuelle Währung haben mit übereinstimmen müssten), kann man sich immer noch Banknoten anderer Währungen auszahlen lassen, z.B. unter dem Vorwand, man würde in das entsprechende Land reisen. Rupien, Rubel, Yen, Dollar usw. Damit wäre es noch immer möglich.
    Geändert von GreenBear (21.11.2016 um 13:45 Uhr)

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