Passend zu Diskussion in einem anderen Thread um die großen Preisunterschiede zwischen postfrisch/ungebraucht und gestempelt kann man die Mi. 200 von Polen sehen. Die postfrischen/ungebrauchten Marken werden unter einem Euro gehandelt, die gestempelten für einige Hundert €, Briefe sind unter einigen Tausend € nicht zu bekommen, wenn sie denn überhaupt auf den Markt kommen.

Nach bisher bekannten Unterlagen, wurde die 2-Millionen-Mark-Marke von der zentralen Beschaffungsstelle der Post am 26. April 1924 nur an zwei Postämter in Polen ausgeliefert. Es gibt auch Quellen, die den 24. April 1924 als Auslieferungstag nennen. Bereits am 30. April 1924 war die Frankaturgültigkeit dieser Marke abgelaufen, denn am 1. Mai 1924 wurde in Polen die alte Markwährung in eine neue „Groszy”- und „Zloty”-Währung geändert. Dazu kommt, dass die Marke schon vor der Ausgabe zurückgezogen wurde und gar nicht hätte verkauft werden dürfen.

Die 2-Millionen-Mark-Marke hatte also maximal eine Frankaturgültigkeit von nur 4–6 Tagen. Hinzu kommt dann, dass dieser Nominalwert im inländischen Postverkehr für Frankaturen nicht verwendbar war, weshalb Inlandsbriefe aus Bedarfspost mit portogerechter Frankatur nicht vorkommen können. Auslandsbriefe sind nur als Einschreibesendungen mit Express möglich.

Es ist bekannt, woher so viele postfrische Marken von diesem Wert auf den Markt
kamen. Nach Kriegsausbruch im September 1939 wurden die Räume des Postmuseums durch Granateneinschlag stark in Mitleidenschaft gezogen. Auf diese Weise gerieten die ungebrauchten Marken in unbefugte Hände. Dabei wurde bei der Brandlöschung bei einem Teil der Marken die Gummierung durch Wassereinfluss stark beschädigt. Die neuen Besitzer behalfen sich, indem sie die Marken fleißig, teilweise mit echten aber nicht zeitgerechten Stempeln, aber auch mit falschen Stempeln abstempelten.

Es gibt eine Handvoll Bedarfsbriefe, die weitgehend bekannt sind, und teilweise aus der gleichen Quelle stammen. Einem Prüfer wurden in 25 Jahren nur fünf lose echt gestempelte Marken dieser Ausgabe zur Prüfung vorgelegt.

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Bedarfsbrief aus WARSZAWA 1 vom 24. April 1924 nach Paris mit Ankunftsstempel PARIS 26.4.1924 und einem Distriktstempel von PARIS vom 27.4.1924. Der Brief ist portogerecht: laut Porto vom 16. April 1924 – Auslandsbrief bis 20 g 550.000 MK, dazu Einschreibegebühr von 550.000 MK und ein Expresszuschlag von 1.100.000 MK. Der Luftpostzuschlag von 550.000 MK wurde mit einem einzeiligen Rahmenstempel ausgewiesen und nicht mit Marken verklebt.

Jetzt kommt aber das große Aha. Im letzten Jahr habe ich für einen Sammlerfreund eine solche Marke für nur wenige Euro gekauft. Er wollte sie trotz der Problematik haben, weil er irgendwie ein Gefühl hatte.
Mittlerweile ist die Marke als echt geprüft.

Demgegenüber steht ein negatives Beispiel aus einem Sammlungslos einer aktuellen Auktion.
Name:  mi200.jpg
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Keines der belieferten Postämter hatte im Namen die Buchstaben "RZYN"

Ein weiteres negatives Beispiel aus einem eBay-Los aus dem Jahre 2007
Name:  2000000.JPG
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Das Stempeldatum auf beiden Paaren 26.II.1924 (ggf. auch 26.11.1924). In beiden Fällen nicht in der Verwendungszeit der Mi.200. Die Einzelverwendung des 2 Millionenwertes ist schon schwierig, als Paar nahezu unmöglich. Für 49 € in die USA.

Aleks