Nachfolgend ein lesenswerter Artikel der Michel Redaktion zum Thema Fiskalmarken, der eine kurze Einführung zum Thema gibt. Vielen Dank an die Redaktion für die Zustimmung diesen Artikel hier einzustellen.



Die MICHEL-Redaktion bekommt immer wieder Briefe, denen vom Katalog scheinbar vergessene „Briefmarken“ beiliegen. Der Absender will wissen, was das für Marken sind und – ihm am wichtigsten – was sie wert sind. Oft handelt es sich um Phantasievignetten, häufig aber auch um Stempelmarken. Da dieses Sammelgebiet in Deutschland traditionell weniger bekannt ist und weitaus seltener gepflegt wird als etwa in den USA oder in Frankreich, möchten wir auf einige der meistgestellten Fragen eingehen.

Was sind Stempelmarken?
Stempelmarken, auch Fiskal- oder Steuermarken genannt, gelten für staatliche Abgaben und Steuern. Historisch gesehen, sind Briefmarken eine besondere Kategorie der Stempelmarken zur Begleichung der Gebühren, die für die Beförderung von Sendungen durch die Post erhoben wurden. Die Fiskalphilatelie ist also die Wurzel der Postphilatelie.

Zur fiskalischen Sammlung gehören auch Stempelpapiere, das Äquivalent der Ganzsachen. Stempelpapiere dienen zur Ausfertigung von Urkunden, es handelt sich um Papierbogen mit eingedrucktem oder von Hand aufgebrachtem Wertstempel.

Gibt es verschiedene Arten von Stempelmarken?
Genauso wie es verschiedene Arten von Steuern und Gebühren gibt, existieren meist auch verschiedene Markensorten. Welche es im Einzelnen sind, ist von Land zu Land verschieden. Weit verbreitet ist die Besteuerung von alkoholischen Getränken und Tabakwaren, fast überall gibt es dafür Gebührenmarken. Weitere Beispiele sind Marken für Luxussteuer, Zündholzsteuer, Wechselsteuer, Registraturabgaben, Quittungssteuer, Zoll- und Konsulatsabgaben, Jagd- und Fischereischeine u.v.a.m. Die Erfinder neuer Steuern sind bekanntlich äußerst phantasievoll. Auch die Steuerzeichen auf deutschen Zigarettenpackungen gehören zur Fiskalphilatelie!

Einige Länder geben zur Vereinfachung der Verwaltung Einheitsserien von Fiskalmarken heraus, die für mehrere verschiedene Steuerarten gelten. Andere halten an den einzelnen Kategorien fest.

Wie kann man Stempelmarken erkennen?
Ganz einfach: Es steht drauf! STEMPEL oder STEUER(MARKE) steht oft auf Marken aus deutschsprachigen Gebieten, REVENUE oder STAMP DUTY im englischen Bereich lassen auch wenig Zweifel aufkommen. Die französische Entsprechung lautet TIMBRE (FISCAL), italienisch MARCA DA BOLLO usw. Schwieriger wird’s bei Sprachen, die andere Schriftsysteme verwenden – aber auch hier hilft ein wenig Sprachkenntnis weiter.

Bei Marken für bestimmte Steuerarten steht die betreffende Kategorie üblicherweise auf der Marke, in Frankreich also z. B. AFFICHES für Plakatsteuer, COPIES für Kopien (von Urkunden), QUITTANCES für Quittungssteuer oder CASINOS für Spielbankabgaben.

Es ist wirklich nicht schwieriger. Können Sie verstehen, dass MICHEL-Redakteure gelegentlich einen leicht genervten Blick gen Himmel richten, wenn ihnen aus Briefen wieder diverse Stempelmarken entgegenpurzeln?

Wenn das keine Briefmarke ist, wieso ist dann ein Poststempel drauf?
Im einfachsten Fall war die Fiskalmarke auch postgültig, so häufig im britischen Einflussbereich. Wurden einzelne Steuermarken amtlich zur Brieffrankatur zugelassen, sind sie im MICHEL in einem besonderen Abschnitt katalogisiert.

Andere solche Stücke stammen von Dokumenten, für die die Post einschlägige Abgaben entrichtete. Dies gilt z.B. für Wechsel, die dem Postauftragsdienst eingereicht wurden. Von der Post wurde die Wechselsteuermarke aufgeklebt und ganz ordnungsgemäß mit Poststempel entwertet. Die Marke ist aber fiskalisch und nicht postalisch gebraucht. Ähnlich verhält es sich mit von der Post ausgestellten steuerpflichtigen Quittungen, z.B. für die Miete von Postfächern. Ob eine Marke postalisch oder fiskalisch gebraucht ist, ist also im Allgemeinen nur anhand eines kompletten Beleges zu erkennen.

Sind Stempelmarken sammelwürdig?
Und ob! Ländersammler, die die Postphilatelie „ihres“ Landes lange redlich beackert haben, stoßen allmählich an die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Wenn sie beginnen, sich mit den Stempelmarken desselben Gebietes zu beschäftigen, sind sie bald ebenso gepackt wie von Briefmarken und Postgeschichte.

Außerdem gibt es im Bereich der Fiskalphilatelie kaum Sammlerausbeutung durch Sonder- und Rauschgoldblocks, Ersttagsbelege, Kartonphilatelie, geschnittene und selbstklebende Parallelausgaben, Aufdrucke für Ausstellungen o. ä. Die einzige wesentliche Ausnahme bilden die Jagdscheingebührenmarken der USA („duck stamps“) – wer die nicht mag, überspringt sie eben.

Sind Stempelmarken wertvoll?
Da sich das Sammlerinteresse für Fiskalphilatelie in Deutschland in Grenzen hält, sind auch die Preise erschwinglich, oder jedenfalls wesentlich niedriger als im Bereich der Postphilatelie.

So gut wie jedes fiskalische Sammelgebiet birgt einige Raritäten, die nur in wenigen Stücken bekannt sind – und so gut wie jeder ernsthafte Sammler dieser Gebiete hat einige solche Stücke, die oft gar nicht einmal sehr kostspielig waren. Als Fiskalphilatelist kann man sich mit etwas Glück auch Großraritäten leisten, während vergleichbare Briefmarken völlig unerschwinglich wären.
Grundsätzlich gelten für Stempelmarken andere Qualitätskriterien als für Briefmarken. Legte man auf perfekte Zähnung und unberührten Gummi Wert, bliebe vielfach das Album einfach leer. Konzessionen sind also unumgänglich. Wie weit man dabei geht, ist individuell verschieden und hängt natürlich auch vom Sammelgebiet ab. Grober Vandalismus wäre es auf jeden Fall, beschädigte Stempelmarken mehr oder weniger unbesehen zu vernichten. Hier ist erst einmal fachkundiger Rat nötig.

Ein anderer Aspekt ist der Abgabepreis der Marken. Fiskalmarken haben mitunter astronomisch hohe Nominalen. Schon deutsche Gerichtsgebührenmarken z.B. können Hunderte Euros kosten – und das jedes Jahr neu, für jedes Bundesland einzeln. Solche Stücke sind gebraucht meistens viel billiger.

Wann ist eine solche Sammlung komplett?
Niemals. Vollständigkeit ist fast immer von vornherein ausgeschlossen. Es gibt keinen „gefühlten Zwang“, man freut sich einfach nur über jede Ergänzung der Sammlung. Fast überall ist auch noch viel „Luft“ für eigene Forschung, zumal die ersten fiskalischen Wertstempel in vielen Ländern 150 oder noch mehr Jahre vor den ersten eigenen Briefmarken erschienen sind.

Wo finde ich diese Marken im MICHEL?
Gar nicht. Ein Briefmarkenkatalog enthält natürlich keine Stempelmarken. Die niedrige Zahl der möglichen Interessenten für Stempelmarken erlaubt dem Schwaneberger Verlag die Herausgabe fiskalphilatelistischer Werke zur Zeit nicht.

Für den Fall, dass dieser Artikel Ihr Interesse geweckt hat (was natürlich auch sein Anliegen war) und Sie mehr wissen wollen: Die Arbeitsgemeinschaft Fiskalphilatelie e. V. im BDPh (www.fiskalphilatelie.de) beschäftigt sich nicht nur mit deutschem Material, sondern mit Stempelmarken und Stempelpapieren aller Zeiten und Länder.

MICHEL Redaktion