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Thema: Desinfektionsstempel Portugal

  1. #1
    Setubal
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    Unglücklich Desinfektionsstempel Portugal

    warum nicht eine frage über`s forum an die, die es wissen könnten ?

    ich habe meine liebe zu portugal entdeckt.
    das land der seefahrer und entdecker !
    ... und die geschichte !
    immerhin das einzige land, dessen hauptstadt zeitweise in einer kolonie hatte !

    ... aber zu meiner frage:
    gibt es desinfektionsstempel aus portugal ?

    im handbuch der desinfektionsstempel habe ich nichts gefunden.
    mich wundert das, denn schließlich hatten die portugiesen ja weltweite postverbindungen
    .... von der collonie sacramento bis hiroshima ...

    wer kann mir helfen ?

    im voraus besten dank

    setubal

  2. #2
    Portugal-Sammler Avatar von Michael Ehrig
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    Hallo Setubal,

    erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Entdeckung des faszinierenden Gebietes Portugal, das auch heute noch in allen seiner vielen Facetten die Möglichkeit zu interessanten Entdeckungen bietet.

    Zum Thema Desinfektionsstempel gibt es leider nicht viele Informationen. Ich selbst bin kein Spezialist im Vorphila-Bereich, mein Interessensschwerpunkt liegt etwas später, aber ich versuche mich dennoch einmal an dieser Frage. Soweit ich das bislang nachvollziehen konnte, sind Desinfektionsstempel in Portugal bislang nicht systematisch erfasst worden, jedenfalls finden sich keine Hinweise in der einschlägigen Stempel-Literatur. Aus der "Markenzeit" sind mir keine bekannt. Allerdings fand ich im Boletim N°. 400 des Clube Filatélico de Portugal (Juni 2003) einen Artikel von Luis Frazão über einen Stempel des Casa da Saúde do Porto do Belém, der entsprechend seiner Forschungen bislang für den Zeitraum von 25.06.1817 bis 22.06.1826 und nochmals vom 27.01.1832 bis 25.03.1833 belegt ist. Frazão bezieht sich in diesem Artikel auf ein Buch von Eng°. Manuel Andrade e Sousa "Casa da Saúde do Porto de Belém" von 1985, das mir leider nicht vorliegt.

    Der betreffende Stempel sieht so aus:



    Frazão zitiert in diesem Zusammenhang den Artikel 4 der "Verordnung über die praktische Methode zur Reinigung von Briefen und Papieren die aus infizierten oder verdächtigen Ländern stammen" (von 1816), demzufolge Briefe und Papiere, die als vollständig gereinigt anzusehen sind sodann mit dem Stempel der jeweils zuständigen Heilanstalt/dem zuständigen Krankenhaus zu versehen sind, um zu kennzeichnen, dass sie desinfiziert worden sind.

    Andere Desinfektionsstempel sind bislang nicht bekannt. Das erklärt sich aus der damaligen Gesetzgebung. Frazão zitiert in diesem Zusammenhang aus der "Gazeta de Lisboa", demzufolge eingehende Postsendungen entsprechend ihres Ursprungs in vier Kategorien eingeteilt wurden:

    1. Infizierte Länder,
    2. stark verdächtige Länder,
    3. verdächtige Länder (Nachbarländer der Gruppe zu 2.)
    4. verdachtsfreie Länder.

    Postsendungen aus der Gruppe zu 1. waren in keinem Hafen in Portugal zugelassen.

    Postsendungen aus der Gruppe zu 2. waren ausschließlich im Hafen von Lissabon zugelassen, wo sie unter strengste Quarantäne zu stellen waren.

    Postsendungen aus der Gruppe zu 3., waren ebenfalls ausschließlich im Hafen von Lissabon zugelassen und unterlagen einer Quarantäne von 10 bis 20 Tagen (in Abhängigkeit vom Einzelfall).

    Postsendungen der Gruppe zu 4. unterlagen keinen Einschränkungen.

    Sendungen, die entgegen dieser Vorschriften dennoch in anderen Orten Portugals eingingen waren sofort einer "sehr energischen" Desinfektion zuzuführen, zu der nur der Hafen von Lissabon berechtigt war.

    Dementsprechend dürften sich keine weiteren Desinfektionsstempel aus dieser Zeit finden lassen. Aber wer weiß.... wie bereits eingangs erwähnt im Sammelgebiet Portugal gibt es noch viel zu entdecken.

    Viele Grüße

    Michael
    Geändert von Michael Ehrig (13.02.2011 um 15:45 Uhr) Grund: fehlender Text und Satzeinander durchstellung

  3. #3
    Setubal
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    Casa de Saude Belem

    Guten Morgen "Entdecker"

    herzlichen Dank für Deine Antwort.
    Sie bringt mich wieder ein Stück weiter.

    Vielleicht zur Ergänzung meine bisherigen Erkenntnisse.
    Mit Einfall der französischen Truppen in Portugal erscheinen auf französischen Feldpostbriefen bereits die ersten Räucherschlitze aus Portugal nach Frankreich.
    Die katastrophalen sanitären Verhältnisse hatten zur Ausbreitung der Cholera beigetragen. Ob diese Briefe in Portugal oder in Frankreich desinfiziert wurden weiß ich leider nicht.
    Während der englischen "Verwaltung" (Vereinigtes Königreich Portugal) wurden eintreffende Briefe im Auftrag der portugiesischen Post ab 1819 im Haus der Gesundheit (Casa de Saude) im Hafen von Belem desinfiziert.
    Zur Bestätigung wurde rückseitig auf den Briefen der Stempel G.M. Guard Mor "Hauptwache" abgeschlagen. Ich habe inzwischen den Stempel mehrfach ab 1820 bis 1843.
    Aus der Bezeichnung "Haupt"wache habe ich geschlossen, dass auch in anderen Häfen desinfieziert wurde. Nach langem Suchen habe ich jetzt einen Brief aus Brasilien nach Porto gefunden, der noch 1851 Räucherschlitze hatte.
    Also wird dort eine untergeordnete Wache gewesen sein.
    Ob es dort ebenfalls einen Stempel gab entzieht sich meiner Kenntnis.

    Ansonsten finde ich es leider unbegreiflich, dass das Thema Portugal leider nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint.

    Es ist ein Sammelgebiet, das mich fasziniert.
    Ich hoffe gerade über die Schiffspost ein Exponat aufbauen zu können, welches dann auch auf Ausstellungen die Gewichtung Portugals gerade im Aufbau der transatlantischen Postverbindungen aufzeigt.

    Nochmal danke für deinen Bericht.

    Setubal

  4. #4
    Setubal
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    der 2. Desinfection- Stempel aus Portugal: Guard Mor (Hauptwache)
    mittlerweile habe ich den Stempel auch in rot.

    Mit freundlichen Sammlergrüßen

    Setubal

  5. #5
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    Hallo Setubal,

    ich möchte in diesem Zusammenhang anmerken, das die Verwendung des "G.M." als Desinfektionsstempel nicht unumstritten ist. Denis Vandervelde, der seit weit über 40 Jahren aktiv Desinfektionspost sammelt, meint hierzu, das fast ausnamslos alle Briefe mit diesem Stempel keine der sonst üblichen Spuren einer Desinfektion aufweisen. Zudem stammen viele dieser Briefe aus einer Zeit, in der es weder im Herkunftsland des Briefes noch in Portugal selbst Epidemien gab, weswegen man Post hätte desinfizieren müssen. Er vermutet, das der "G.M."-Stempel auf Briefen von verdächtigen Schiffen, die die Hauptwache inspiziert hat, abgeschlagen wurde, um zu Bestätigen, das diese keine Desinfektion bedürfen. Gerade Briefe die eindeutig einer Behandlung unterzogen wurde, kenntlich an der Schlitzung, weisen nämlich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, keinen "G.M."-Stempel auf.

    Beste Grüße

    André Thomas
    disinfectedmail.org

  6. #6
    Setubal
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    Hallo Andreas,

    ich zeige Dir hier einen Brief, der eindeutig behandelt wurde.

    Zum Anderen: Wie Michael Ehrig vorn bereits geschrieben hat, bestand die "Behandlung" der Briefe anfangs aus einer Quarantäne von 10 - 50 Tagen. Diese war gestaffelt nach der Herkunft. Auf diesen Briefen kann keine weitere "Behandlung" erkennbar sein.

    Mit freundlichen Grüßen

    Rolf- Dieter Wruck

  7. #7
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    Hallo Rolf-Dieter,

    vorab, Deine Sammlung, die Du in Sindelfingen gezeigt hast, hat mir sehr gut gefallen. Das es auch geschlitzte Briefe mit "G.M."-Stempel gibt, steht außer Frage, sie sind jedoch die Außnahme. Die Desinfektion eine Briefes setzt nach meinem Verständnis eine spezielle Behandlung (Reinigung) voraus.

    Beste Grüße aus Norddeutschland,
    André

  8. #8
    Setubal
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    Hallo Andrè,

    schau doch bitte noch einmal in die Bemerkungen von Michael Ehrig.
    Die portugiesische Verordnung aus 1816 für Briefe aus dem Ausland aus von Krankheiten bedrohten Gebieten schreibt folgende Punkte vor:

    1. Quarantäne (Isolation) gestaffelt nach Herkunftsgebiet zwischen 10 - 50 Tagen
    Isolation um ein mögliches Absterben von Krankheitserregern zu erreichen.
    2. "...aus von Krankheiten bedrohten Gebieten"
    was wiederum aussagt, dass es sich nicht um Gebiete handelt, die von Krankheiten befallen waren.
    3. Ablehnung von Sendungen aus von Krankheiten befallenen Gebieten.

    Welche Merkmale sollte denn ein Brief aufweisen können, wenn die "Behandlung" nur in einer zeitlichen Isolation bestand ?
    Die einzige Kennzeichnung war anfangs das Dienstsiegel des "Hauses der Gesundheit im Hafen von Belem" (siehe Abbildung im Post von Michael Ehrig) und später die Kennzeichnung mit dem Stempel G.M. (Guarda Mor).

    Danke für Deine Betrachtung meines Exponates in Sindelfingen.
    Dort wirst Du sicherlich auch die verschiedenen Verwendungen (Farben) und deren Zuordnung für unterschiedliche Behandlungen gesehen haben.
    In der Laudatio zum Goldenen Posthorn, dass ich letztes Jahr für dieses Exponat erhalten habe, würdigt die internationale Jury (u.a. James v.d. Linden) die Definition incl. Beschreibung der Desinfektionsstempel.
    Ich zitiere wörtlich aus der Laudatio:
    ... die Gründung der ersten Postämter und der Desinfektionsstempeln. Hervorzuheben sind die portugiesischen "Guarda Mor" Stempel.

    Meine Erkenntnisse über diesen Speziellen Stempel basieren aus verschiedenen Beiträgen von Senhor Paolo Comelli (RDP) Brasilien und auch von Senhor Frazao, der verschiedene Bücher über die vorphilatelistischen Stempel Portugals geschrieben hat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Rolf- Dieter Wruck

  9. #9
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    Hallo Rolf-Dieter,

    wenn man eine "zeitlichen Isolation" als eine Art der Desinfektion betrachtet hast Du natürlich recht. Ich würde diese jedoch nicht dazu rechnen. Wir können unsere beiden Meinungen zu der Sache einfach mal so stehen lassen, da wir wohl keinen gemeinsamen Nenner finden werden - ist auch in Ordnung so. Vielleicht trifft man sich ja mal und kann dann ein wenig fachsimpeln. Ich sammle übrigens desinfizierte Post von Spanien – kann Deine Liebe zu Portugal also gut verstehen.

    Beste Grüße und einen schönen Abend,
    André

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