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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Japan via Sibirien



intellisammler
05.12.2009, 22:37
Hallo Forumler,

möchte hier eine Postkarte mit einem schönen SoSt
aus Japan aus dem Jahre 1938 zeigen.

Frage: wieso hat der Kartenschreiber "via Sibirien"
auf die Karte geschrieben? War das der normale Postweg
zwischen Japan und Deutschland?

Oder hat der Flieger gleich die Post mit nach Deutschland
zurück mitgenommen? So wie es den Anschein hat, war
zumindest der Hinflug oder ist der Rückflug im SoSt dar-
gestellt?:confused: Mit etlichen Zwischenstopps in Süd- bzw.
Südostasien ist die Flugstrecke dargestellt.
Wo liegt der Flugplatz Takihova ??? Lese ich auf der Karte!
Ich erkenne zumindest zwei ganz deutlich (Kreise)! Wer nennt die Orte
für die Zwischenlandungen?:confused:
Vermutl. durch die Marke abgedeckt, wird sich sicherlich noch ein
Kreis = Landung sein?:confused:
Auch könnte ich mir noch eine Zwischenlandung in Italien vorstellen?
Oder genügten damals zwei Zwischenstopps?:confused:
Aber die Experten wissen mehr.....:):)

Intellisammler

reichswolf
05.12.2009, 23:24
Hallo intellisammler,
hier gibt es einen Thread zum Thema Post via Sibirien (http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?&ST=1666&page=0).
Beste Grüße,
Christoph

intellisammler
06.12.2009, 00:05
Hallo Forumler,

vielen Dank an Reichswolf mit dem Link.

Habe auch etwas gefunden, was dem widerspricht:

http://www.berlin-spotter.de/airlines/lufthansa.htm

3 Zwischenstops
Südroute wg. Konflikt Japan-China /Mandschurei?
Rückflug - Notwasserung in der Bucht von Manila. Somit ist
mit dem SoSt der Hinflug aus Berlin nach Tokio dokumentiert.;)

Der Rückweg der Postkarte über Sibirien - somit möglich....:confused::confused:

Intellisammler

ligneN
06.12.2009, 03:28
Hallo,
1. Porto = UPU Karte 1937.4.1 - 1945.3.30, 10 sen. Die Karte nahm also den ganz normalen Landweg (siehe dazu auch meinen Beitrag, der oben verlinkt wurde).
Luftpostzuschlag wäre mindestens 1 Yen zusätzlich gewesen.
2. Japanischer Sonderstempel Tokyo 13.11.30 = 30. November 1938
Inschrift "Deutschland-Japan Direktflug"
Bild: FW200 mit Landkarte der Flugroute Berlin-Tokyo.
Die Kreise geben symbolisch Zwischenlandungen wieder.
3. Der Ort ist Tachikawa, heute ein Stadtteil im Nordwesten von Tokyo.
1922-45 einer der größten jap. Luftwaffenstützpunkte (1945-77 dann US-Basis). Heute sitzt dort die Jap. Katastrophenschutzbehörde, die sich vor allem auf das nächste Supererdbeben:eek: vorbereitet
4. Einer der beiden großen Direktflüge der Lufthansa 1938, hier aus Wikipedia.de:

Am 10. August flog die Fw 200 V1 „Brandenburg“ (D-ACON) der Lufthansa unter dem Kommando von Flugkapitän Dipl.-Ing. Alfred Henke als erstes landgestütztes Passagierlangstreckenflugzeug nonstop die 6371 km lange Strecke von Berlin-Staaken zum Floyd Bennett Field in New York City in 24 Stunden, 56 Minuten und 12 Sekunden, was die damalige Spitzentechnik im zivilen Flugzeugbau darstellte. Die Maschine konnte im Normalbetrieb 25 Passagiere aufnehmen und 3000 km weit fliegen. Ende November startete dieselbe Maschine zu einem Flug nach Tokio. Auf dem Rückflug musste die Maschine bei Manila notwassern. Die „Condor“ brauchte für den Flug Berlin–New-York im Nonstop 25 und nach Tokio 46 Stunden, 18 Minuten; davon 4 Stunden und 18 Minuten Bodenaufenthalte.

Mehr über diesen Flug in Abhandlungen über die Geschichte der Lufthansa.
Bzw. mit Stichworten googeln.

Ein Modell dieser Maschine gibts offenbar von Modellbauern:
http://minkara.carview.co.jp/image.aspx?src=http%3a%2f%2fimg01.carview.co.jp%2f carlife%2fimages%2fUserDiary%2f5309420%2fP1.jpg

Schöner Beleg, offensichtlich von einem der Teilnehmer nach der Landung in Tachikawa geschrieben.

***

Warum man die "Südroute" gewählt hat: weil dort die Infrastruktur für regelmäßige Verkehrsflüge bzw. Anschlüsse vorhanden waren. Und das wollte man testen, für zukünftigen regelmäßigen Flugverkehr.

Gruß
ligneN

intellisammler
06.12.2009, 14:54
Hallo ligneN,

sehr viel Wissen steckt dahinter. Dankeschön.:):)
Somit kann ich dieses Stück sehr gut in die Sammlung einbauen.

Interessant wäre noch, was wäre, wenn ...... z.B. auf dem
Hinweg eine Notwasserung notwendig geworden wäre....:confused::confused:

Hatten die Japaner damals den Stempel vorproduziert? Wäre dann nie zum
Einsatz gekommen...:confused:
Oder wurde ist er erst nach erfolgreicher Landung erstellt worden?

Heutzutage vergehen bei den dt. SoSt. doch schon einige Wochen......;);)


Intellisammler

ligneN
11.12.2009, 22:50
Hallo ligneN,

sehr viel Wissen steckt dahinter. Dankeschön.:):)
Somit kann ich dieses Stück sehr gut in die Sammlung einbauen.

Interessant wäre noch, was wäre, wenn ...... z.B. auf dem
Hinweg eine Notwasserung notwendig geworden wäre....:confused::confused:

Hatten die Japaner damals den Stempel vorproduziert? Wäre dann nie zum
Einsatz gekommen...:confused:
Oder wurde ist er erst nach erfolgreicher Landung erstellt worden?

Heutzutage vergehen bei den dt. SoSt. doch schon einige Wochen......;);)


Intellisammler

Hallo,
sowas war schon Monate vorher geplant. Der Stempel war nur ein kleiner Nebeneffekt, Bestandteil der PR wie Presse usw.

Wie die Vorlaufzeit generell bei den Kleinformat Sonderstempeln war, weiß ich nicht. Eine Verwendung wurde im Amtsblatt vielleicht 4 Wochen vorher bekanntgegeben, damit sich die Sammlers den Stempel auf dem Versandweg besorgen konnten.

Bei Flugausfall = Museum, oder recycling.;)
Bei Verzögerung = ggf. Datensteg austauschen.

Hat man erstmal die Metallklischees, lassen sich Gummistempelköpfe binnen 1-2 Tagen herstellen und verteilen.

Achtung, es ist kein "Flugbestätigungsstempel", vielmehr wurde er aus Anlaß dieses Fluges bzw. dieser Verbindung 1-2? Wochen allgemein in zahlreichen Postämtern im Raum Tokyo benutzt - im Rahmen der Feierlichkeiten.

Gruß
LigneN

intellisammler
11.12.2009, 23:27
Hallo,

Achtung, es ist kein "Flugbestätigungsstempel", vielmehr wurde er aus Anlaß dieses Fluges bzw. dieser Verbindung 1-2? Wochen allgemein in zahlreichen Postämtern im Raum Tokyo benutzt - im Rahmen der Feierlichkeiten.

Gruß
LigneN

Hallo LigneN,

besten Dank für Deine Erklärung. Wie darf ich Deinen obigen Satz verstehen?
Gab es da mehrere Stempel -- in allen Postämtern von Tokio. Wieso ein zwei Wochen lang? Sind die dt. Piloten nicht noch am nächsten Tag wieder zurückgeflogen?:confused::confused:

Schon wieder viele Fragen .....:confused::confused:

Intellisammler

Polarfahrtsucher
14.12.2009, 13:17
Hallo,
sehr interessantes Thema! Habe auch einen Beleg in meiner Sammlung gefunden.
Sicher nicht alzu häufig, für die Zeit und die Situation. Schaut ihn euch einfach mal an!
Handelt es sich um die Marke links unten um eine Art TBC Marke ?
Welchen Wert würdet ihr für den Beleg ansetzen, nur Interesse halber, da ich an einem Verkauf nicht denke?
Vielen Dank

Schönen Gruss

Klaus

ligneN
13.01.2010, 12:40
Hallo LigneN,

besten Dank für Deine Erklärung. Wie darf ich Deinen obigen Satz verstehen?
Gab es da mehrere Stempel -- in allen Postämtern von Tokio. Wieso ein zwei Wochen lang? Sind die dt. Piloten nicht noch am nächsten Tag wieder zurückgeflogen?:confused::confused:

Schon wieder viele Fragen .....:confused::confused:

Intellisammler

"1-2 Wochen" war über den Daumen geschätzt. Diese Sorte KleinformatSStpl wurden 1 Tag bis wochenlang benutzt.
Rückflugdatum kann stimmen, logischerweise wären entsprechende Feierlichkeiten bis dahin abzuhalten.

Ich habe jetzt mal nachgesehen:*

(Stempel Nr. 883, Zählung des Katalogs, nicht amtlich)
Bekanntmachung Nr. 3757 vom November 1938:
- Anlaß: "Freundschaftsflug Deutsche Maschine nach Japan";
- Verwendungsämter: Tokyo-Zentral, Tachikawa;
- Verwendungszeit: 1938.11.30 bis Abflugtag.

Wann der "Abflugtag" war, weiß ich nicht.

Bis sich Stempel mit anderen Zweigämtern von Tokyo finden, habe ich das wohl verwechselt. Es gab den Stempel nur in: Tachikawa und Tokyo-Z.

***

Ebenfalls im Nov. 1938 sollte es einen Freundschaftsflug Italien-Japan geben, der Sonderstempel kam aber nicht zum Einsatz. Vielleicht wurde der Flug abgesagt.

Gruß
ligneN

Sakairi/Yoshikawa: .(Zeichen lasse ich weg).. . Japanese Commemorative Datestamps (Small) List 1934-1940. Tokyo (Nippon Fūkeisha) 1976.
*Es ist: von 1976; bis auf den Untertitel nur japanisch; ohne Bewertungen; vergriffen; und ich kann es nicht besorgen;)

Es gab allein 1934-40 Stücker 1120 dieser Sstpl. Auch diese kann ich nicht besorgen, verehrte Thematiker;)

ligneN
13.01.2010, 12:49
Hallo,
sehr interessantes Thema! Habe auch einen Beleg in meiner Sammlung gefunden.
Sicher nicht alzu häufig, für die Zeit und die Situation. Schaut ihn euch einfach mal an!
Handelt es sich um die Marke links unten um eine Art TBC Marke ?
Welchen Wert würdet ihr für den Beleg ansetzen, nur Interesse halber, da ich an einem Verkauf nicht denke?
Vielen Dank

Schönen Gruss

Klaus

Hallo,
unklarer Inlandsstempel wohl Niigata 13. November 1940.
Ja, eine TBC Marke.
Die Post zwischen Japan und Deutschland lief bis zum Angriff auf die UdSSR im Juni 1941:
via Sibirien so reibungslos wie in Friedenszeiten.
Einen Seltenheitsbonus wg. vermuteter "schwieriger Situaton": gibts da also nicht. Den üblichen Aufschlag für Zensurvermerke ja.
Bewertung: Frankatur ø, unklarer Stempel, Brief hat Öffnungsmängel.:(
Hat aber Gesicht wg. Zensur/TBC. Daher min. 10.-, max. 20.-:)

Gruß
ligneN

Polarfahrtsucher
13.01.2010, 22:22
Hallo,
Danke für die klare Antwort. Also das Stempeldatum hät ich nie entziffern können (kann natürlich kein japanisch; bis auf etwas Karate japanisch :)).
Leider ist die Erhaltung nicht ideal, allerdings ein netter Hingucker in meiner Sammlung.
Kann mir nicht so recht vorstellen das es da soviel Post von Japan in den Kriegsjahren gab.
Schönen Gruss und nochmals Danke !

ligneN
18.01.2010, 20:41
Hallo,
Danke für die klare Antwort. Also das Stempeldatum hät ich nie entziffern können (kann natürlich kein japanisch; bis auf etwas Karate japanisch :)).
Leider ist die Erhaltung nicht ideal, allerdings ein netter Hingucker in meiner Sammlung.
Kann mir nicht so recht vorstellen das es da soviel Post von Japan in den Kriegsjahren gab.
Schönen Gruss und nochmals Danke !

Hallo,
wg. Materialmangel (Krieg gegen China seit Juli 37) sind die Metallstempelköpfe oft sehr abgenutzt, aber man "liest sich ein".
Häufigkeit - ich kann keinen Unterschied zu den 20er und 30er Jahren erkennen, im Gegenteil, wegen der industriellen Kooperation seit 1938 (vorher Abschottung der Heimatmärkte) nahm die sogar noch zu. Tourismus nahm dagegen nach Kriegsbeginn natürlich ab (keine Linienschiffstouren mehr, nur noch über Sibirien), und damit gingen die Gelegenheits-Ansichtskarten zurück. Andererseits haben die Profis und in Japan ansässigen Deutschen mehr AK geschrieben, da sie die Zensur schneller durchliefen.
Ab 22.6.41 bis Dez. 41 wurde die Post Japan-D dann über USA und brit. Zensur geleitet und hatte lange Laufzeiten. Wichtiges wurde dann telegraphiert. "Geschäftspapiere" (Durchschläge) nahmen sogar noch zu, man sandte nämlich teilweise 3 Kopien - 1 kam hoffentlich durch.

Gruß
ligneN