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db1201037
23.06.2004, 07:22
Hallo,
ich sammle seit gut einem Jahr Briefmarken und habe auf meinem ersten Tauschtag einige Gespräche mit anderen Sammlern gehabt, die mich etwas verwirrt haben. Vielleicht könnt ihr mir hier weiterhelfen, aber dazu muß ich ein bißchen ausholen.
Angefangen hat es mit Marken, die ich für meinen Schwiegervater aus der Tagespost gesammelt habe und die er schon hatte. Mittlerweile habe ich mir auch das "Grundzubehör" zugelegt (Album, Katalog etc.).
Ich kann mir nicht unbedingt ein teures Sammlerhobby leisten, und daher habe ich erstmal mit gestempelten und gelaufenen Briefmarken aus der Tagespost angefangen und mir ein wenig Kiloware gekauft. Ich achte darauf, unbeschädigte Marken mit möglichst sauberem und lesbarem Stempel in meine Sammlung aufzunehmen. Um einen vernüftigen Einstieg zu finden, konzentriere ich mich zunächst auf das Gebiet "Deutschland ab Euro-Einführung" und habe etwa die Hälfte der Marken in meiner Sammlung.
Nun war ich vor einigen Tage auf besagtem Tauschtag, um ein paar Lücken in meiner Sammlung zu füllen (besonders Zuschlags- und Blockmarken). Mit einigen Sammlern habe ich nette Kontakte geknüpft, aber besonders bei einigen "Fortgeschrittenen" erntete ich auf Nachfrage nach Marken meines Sammelgebietes nur müdes Lächeln. Einer riet mir sogar, "nicht solchen Schrott zu sammeln, der doch eh nix wert ist".
Mir ist natürlich völlig klar, daß meine Sammlung aktueller gestempelter Briefmarken weder selten noch wertvoll ist - zumindest monetär gesehen. Das war für mich aber auch nie Sinn und Zweck, mir gefallen einfach die Marken und die "Jagd" nach fehlenden Exemplaren macht Spaß. Mag sein, daß ich etwas falsch verstanden habe. Aber ich war immer davon ausgegangen, eine Briefmarke die ihren eigentlichen Zweck erfüllt hat (nämlich einen Brief freizumachen) sei sammelwürdig. Auch wenn sie weder selten noch wertvoll ist, dokumentiert sie ein Stück Postgeschichte, oder?
Bei dem Tauschtag habe ich allerdings in Eindruck gewonnen, bei manchen Sammlern ist der Katalogwert das einzige Kriterium. Ich hätte durchaus Lust, mich einen Verein anzuschliessen. Allerdings habe ich wenig Lust, mich für mein Sammelgebiet belächeln zu lassen.
Kann ich mich mit meinem Sammelgebiet überhaupt zu einem Briefmarkenhändler "trauen", um fehlende Exemplare zu bekommen oder hat das keinen Sinn?
Danke für die Hilfe,
db
saeckingen
23.06.2004, 08:04
Hallo db,
Lass Dich nicht verwirren, Dein Verständnis vom Sammeln ist vollkommen in Ordnung. Jeder soll sammeln was und wie es im Spaß macht und das scheint bei Dir der Fall zu sein.
Selbstverständlich wird Deine Sammlung, wie Du sie im Moment aufbaust keinen hohen monetären Wert haben, aber das ist auch nicht Sinn einer Sammlung! Es soll einfach Spaß machen! Aber Du machst Dir ja auch keine Illusionen über den „Wert“ Deiner Sammlung und das ist auch gut so.
Der Katalogwert einer Sammlung ist an für sich völlig nichtssagend. Ich kann dir etliche Stücke nennen, für die würde ich liebend gern den vollen Katalogpreis und mehr bezahlen. Auf der andren Seite gibt es Sammlungen und „Posten“, die sind auch nicht zu 2% des Katalogwertes abzusetzen.
Ich würde Dir dennoch empfehlen ab und zu bei einem Briefmarkenverein oder einem (Groß-) Tauschtag vorbeizuschauen. Marken, wie Du sie momentan suchst, bekommst Du da in der Regel zu einem Bruchteil des Preises, den Du bei einem Briefmarkenhändler bezahlst. Ob Du dann irgendwann Vereinsmitglied wirst, kannst Du dann immer noch später entscheiden und davon abhängig machen, wie Du so aufgenommen und behandelt wirst.
Lass Dich von den alten Hasen und selbsternannten Experten nicht verunsichern, nur <b>Du </b>entscheidest was Du sammelst und was nicht!
Grüße
Harald :) :) :)
Bodo A.v.Kutzleben
23.06.2004, 10:54
Das was Harald geschrieben hat, das kann ich voll und ganz UNTERSTÜTZEN. Diese sogenannten "ALTEN HASEN" haben nämlich auch nicht anders angefangen zu sammeln als Du es jetzt machst. Wir in unserem Verein in Frankfurt am Main Nord freuen uns immer wenn jemand NEUES kommt, egal was er sammelt.
Der Rat von Harald, auf Tauschtage zu gehen ist richtig und würde ich Dir auch persönlich empfehlen. Viele haben doch Marken die Du suchst. Und viele sind doch auch froh, sie einem "NEUEN" abgeben zu können.
Bodo :) :p :D :p :)
PS: Lass dich von den wenigen MISSMACHERN nicht ins BOCKSHORN jagen, sondern fange an, so wie Du es DENKST und WILLST. Ich sehe das Briefmarkensammeln auch als großen SPASS und FREUDE an und erst viel später als Geldanlage. Ich habe z.B. im Mai 1965 mit den altdeutschen Gebiet Thurn und Taxis angefangen. Da hat mich der ganze Verein (Briefmarkenfreunde Kinzigtal/Hessen) für VERRÜCKT erklärt. Heute macht das keiner mehr.
Deshalb wünsche ich Dir viel Freude und Spass an dem schönen Hobby BRIEFMARKENSAMMELN und später an der PHILATELIE.
Bei der Lilienthal 1990 Ausstellung in Dresden (oder war es 1991???) fragte ich Händler nach Übersee..., die Antwort "Übersee, das ist doch Pervers".
Bodo A.v.Kutzleben
23.06.2004, 11:13
Da fällt einem nichts mehr dazu ein.
Bodo :) :p :D :p :)
PS: Ich denke, "IDIOTEN" gibt es überall. Dadurch darf man/frau sich nicht entmutigen lassen.
deckelmouk
23.06.2004, 11:29
Hallo db,
@saeckingen hat schon das Wichtigste gesagt, Sammeln soll Spass machen!
Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass Briefmarkensammeln teuer sein muss, man findet in seiner Tagespost auch heute noch manch schönes Stück. Oft muss man nur den richtigen "Riecher" haben oder früh dabei sein (Plusbriefe) und man kann eine schöne Sammlung aufbauen, ohne grossen Geldeinsatz.
Das Briefmarkensammeln ist auch nicht frei von "Moden". Vor 20 Jahren musste alles postfrisch sein. Der ideale Stempel bei gebrauchten Marken sass auf der Ecke. Ob der von der Versandstelle war, war egal. Ersttagsbriefe und Erstagsblätter gehörten zu jeder schönen Sammlung dazu.
Und heute? Zentrische Rundstempel aus dem Bedarf, postfrische Marken haben deutlich an Wert eingebüsst, Ersttagsbriefe und -blätter werden kiloweise gehandelt. Gemachte "Sammlerbelege", auch wenn sie hochwertige Frankaturen enthalten, sind verpönt...
Auf Tauschtagen ging es mir genauso wie Dir, meine Dubletten wurden mitleidig betrachtet, wenn ich etwas haben wollte, musste ich es kaufen. Mittlerweile sag ich nicht mehr, was ich sammle, sondern stöber durch die Billigkisten und freu mich über jeden Beleg, den ich da finde.
Wie gesagt, 99% aller Briefmarken sind auch heute noch günstig zu haben (eBay, Internet und Grosstauschtagen sei Dank!). Der Vereinsbeitritt lohnt sich schon allein wegen der monatlich erscheinenden "Philatelie". Bevor ich aber einem Verein beitrete, würde ich ein paar Mal "reinschnuppern", ob mir die Leute auch sympathisch sind.
Beste Sammlergrüsse!
Lars
db1201037
23.06.2004, 12:24
Hallo,
erstmal vielen Dank für die Antworten. Da bin ich ja beruhigt, daß ich mit meinem Sammeln nicht völlig daneben liege. Ich werde auch weiterhin auf Tauschtage gehen, bei dem letzten habe ich ja auch ein paar nette Kontakte knüpfen können. Aber beim nächsten Mal bin ich schon vorgewarnt ;-)
db
saeckingen
23.06.2004, 12:39
Wie @22028 es beschreibt geht es mir auch oft. Wenn ich nach Britisch Ostafrika etc. frage schauen mich die Leute nur unverständlich an, meistens frage ich erst mal nur ganz allgemein nach "Übersee" und bekomme dann schon ein Kopfschütteln. Dann frage ich nach Deutschen Kolonien - das Ergebnis ist fast immer das gleiche: "Habe ich nicht!".
Ich wurde auch schon oft belehrt, dass man so etwas wie Kenia doch nicht ernsthaft sammeln könne. Solche „unseriösen Raubstaaten“ würden einem doch nur das Geld aus der Tasche ziehen. Komisch nur, dass Kenia in den letzten 10 Jahren zusammen weniger Marken herausgegeben haben als Deutschland alleine im letzten Jahr und das wo in Kenia noch fast jeder Brief eine Markenfrankatur hat!
Ich habe vor fast 20 Jahren spontan in der Jugendgruppe beschlossen Ostafrika zu sammeln und mich auch nicht von all den guten Ratschlägen davon abbringen lassen. Ich habe es nie bedauert!
Ich bin sogar noch mehr "Newbie" als Du. Erst vor vier Monaten hat´s mich erwischt, dafür aber gleich ordentlich. Mit Null-Ahnung anzufangen hat auch seinen Reiz: in den letzten Wochen lernte ich kontinuierlich (auch dank des Forums hier) mit Freude dazu. Ich bin noch weit davon entfernt zu meinen, ich würde mich nunmehr mit den Marken großartig auskennen, aber völlig blaß stehe ich nun auch nicht mehr da. Immerhin sind mir in den vier Monaten abertausende Marken unter die Pinzette gekommen.
Jedenfalls türmen sich bei mir jetzt unzählige Marken und ein fokusiertes Sammelgebiet ist lange nicht mehr erkennbar. Die Frage nach dem "Sammelgebiet" hat sich für mich großteils erledigt: ich sammle inzwischen ganz Europa.
Warum?
Nun, wenn ich am Flohmarkt, oder bei einem Händler günstig einen Ordner bzw. eine Wühlkiste bekomme, ist eben zumeist die halbe Welt an Marken vertreten. Soll ich z.B.: einfach ignorant die französichen Marken ungeschaut in den Mist werfen, nur weil mein primäres Interesse den österreichischen Marken von vor 1930 gehört? Ich wäre schön blöd, wenn ich dies tun würde. Die "bekannt-guten" Marken sind ja zumeist schon dreimal aussortiert; mit solchen "eindeutiges-Bildchen"-Funden, wie eine "rote ungestempelte 1 Schilling Trachten" spekuliere ich erst gar nicht (ausserdem hab ich sie eh schon). Aber man möchte nicht glauben wieviele, sehr viel teurere, Zähnungsvarianten den "Profis" durch die Finger rutschen. Noch besser schaut´s bei "ausländischen" Stücken aus. Erst unlängst fand ich in einer Schrott-Sammlung zwei jugoslavische MiNr. 164b, welche immerhin mit 1200.-- € im Katalog steht (allerdings sollte ich sie noch zu einem Prüfer schicken) und mehrere eindeutige österreichische MiNr. 48 L 10 1/2 zu je 280.-- € Katalogpreis...ich denk´ noch immer mit Freude an die glänzenden Augen des Händlers, der wohl meinte einem Depp 10.-- € abgenommen zu haben ;-) Den "Deutsches-Reich Zeppelin-Marken" nachzujagen ist ebenso sinnlos...jeder Händler sortiert so etwas sofort aus und verkauft´s separat. Die Spekulation vielleicht ´mal wieder einen kleinen Fund in einer Wühlkiste zu machen, ist mir jedenfalls allemal lieber, als ein irres Geld für einen "Renner-Block" rauszuschmeißen.
Fazit: Hauptsache das Sammeln macht Spaß und sorgt immer wieder für Überraschungen.
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