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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Brief nach Livorno



Michael D
21.07.2009, 22:14
Hallo alle,

ich brauche mal wieder Hilfe bei einem Brief. :o
Da ich mich philatelistisch bisher vornehmlich hier in nördlichen Regionen betätigt habe, sind diese südlichen Routen für mich immer noch etwas schleierhaft.
Der folgende Teilfranko-Brief (mit Räucherspuren !?) stammt aus dem Jahr 1836 und lief vom preussischen Elberfeld franco Brixen nach Livorno.
Wer kann mir die Postroute mit den Taxen erklären? War Brixen zu der Zeit ein Grenzpostamt?

Vielen Dank schon mal und viele Grüße
Michael D

bayern klassisch
21.07.2009, 22:53
Hallo,

Brixen war nie Grenzpostamt - kann es Baiern heißen? Österreich beharrte zu dieser Zeit auf dem Grenzfrankozwang, daher müsste er über Füssen gelaufen sein (Franko Füssen).

Könntest du den Brief mit höherer Auflösung abbilden?

Beste Grüsse von bayern klassisch

Michael D
22.07.2009, 16:56
mache ich doch gerne, aber meiner Meinung nach bleibt es bei Brixen:
13998

Den linken Teil der Rückseite habe ich hier auch noch mal mit höherer Auflösung:
13999

Viele Grüße
Michael D

bayern klassisch
22.07.2009, 17:45
Hallo Michael,

mit dem Vermerk hattest du Recht - da steht Franco Brixen. Sinn macht das (für mich) nicht. Der Absender war vlt. von einer anderen Intension geleitet, als die Ratifizierer damaliger Postverträge.

Der Absender zahlte 9 Sgr. bis zur bayer. - österreichischen Grenze. Ab da kamen 24 Kr. CM für Österreich hinzu.

Der Empfänger zahlte 20 Crazie.

1 Sgr. = 3,5 Kr. rheinisch
1 Kr. CM = 1,25 Kr. rheinisch
1 Crazie = 1,75 Kr. rheinisch

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Michael D
22.07.2009, 22:23
Hallo bayern klassisch,

danke für die Gebührenangaben.

Was wäre denn das reguläre österreichische Austauschpostamt gegenüber den westlichen italienischen Gebieten gewesen? (an Stelle Brixens)

Viele Grüße
Michael D

bayern klassisch
22.07.2009, 22:57
Hallo Michael,

Mailand - Voghera so weit ich weiß. Brixen lag ja mitten in Österreich damals und war ohne Bedeutung.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Michael D
24.07.2009, 18:32
Hallo,

jetzt hab ich noch zu einem anderen Brief eine Frage:

14011

Es ist wieder ein Brief aus 1836 aus dem preussischen Elberfeld, diesmal ins österreichische Trient. Lt. Vertrag bestand Frankozwang bis zur bayerischen Grenze, also fco Aschaffenburg, 5 1/2 (?) Sgr. links unten.
Bayern trat mit 12 Kr. rhein. in Auslage für seinen Transit.
Aber wo ist das österreichische Porto?

Viele Grüße
Michael D

bayern klassisch
24.07.2009, 18:53
Hallo Michael,

rechts neben Trient steht "14 / 14" für 14 Kr. CM, die man Bayern vergütete (obwohl nur 12 Kr. rheinisch unter der Auslage standen) und 14 Kr. österreichischem Inlandsporto für einen einfachen, bis 1/2 Wiener Loth schweren Brief über 12 Poststationen, wenn ich nicht irre.
Die Addition hätte 28 Kr. CM ergeben - das hat man aber oft vergessen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Michael D
24.07.2009, 19:32
Hallo bayern klassisch,

vielen Dank für die schnelle Antwort.
Die eigene Berechnung ( incl. Aufrundung ;) ) so diskret an die Seite zu schreiben und dann auch noch ohne Endbetrag (Du meinst 28 Kr. CM, nicht?) hätte ich der österr. Post nicht zugetraut ...

Viele Grüße
Michael D

bayern klassisch
24.07.2009, 19:46
Hallo Michael,

natürlich 28, ich hatte mich vertippt und habe es schon korrigiert. Danke.:)

Ja, manchmal war mathematische Demut angesagt im glücklichsten Land Europas ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Michael D
24.07.2009, 22:01
Hallo,

also einen hätte ich noch, zu dem ich gerne eine Meinung hören würde:

14014

Ein Brief aus 1846 vom Stadt-Gericht Berlin nach Wachenheim.
Für einen 1 1/2 Lot schweren Brief bis 50 Meilen fallen 8 Sgr. innerpreussische Taxe an.
Nun bezweifel ich, dass das preussische Gericht tatsächlich das Franko getragen hat (haben preussische Institutionen i.d.R. nicht), wie es die rote Farbe suggerieren würde. Ausserdem fehlt jeder Franko-Vermerk.
Die 8 Sgr. entsprechen umgerechnet genau 28 Kr. rhein., wie sie auch in dem Auslagestempel von Würzburg stehen.
Können die darunter stehenden 24 Kr. der innerbayerischen Taxe entsprechen?
Nach meinen Gebührentabellen wäre dies das Porto für über 30 Meilen und bis zu 2 (bayer.) Lot Gewicht.
Dann würde hier ein Gesamtporto von 52 Kr. für den Empfänger entstehen.
Passt das?


Viele Grüße
Michael D

Wie sind eigentlich die Maße für eine bayer. Meile und ein bayer. Lot?

bayern klassisch
24.07.2009, 23:32
Hallo Michael,

ein Brief aus bekannter Korrespondenz.

Mit deiner Ahnung hast du Recht - hier hat Preußen gar nichts bezahlt. Der Portobrief kam mit 8 Sgr. belastet über Hof und Nürnberg nach Würzburg. Dort wurde die preußische Forderung mit 28 Kr. notiert und darauf der Auslagenstempel abgeschlagen.

Da der Brief, siehe oben links, 1 1/4 Loth schwer war, kostete er für Bayern 12 + 6 + 6 = 24 Kr. als Brief der höchsten Entfernungsstufe nach dem Reglement vom 1.1.1843, welches für preußische Briefe nach Bayern des Postvertrages vom 1.4.1835 ab dem 1.1.1845 galt.

Schau mal, ob dein Brief siegelseitig noch andere Notationen aufweist.

Wenn nicht, dann zahlte der Empfänger bei der eigenen Abholung im Postlokal der Postexpedition Dürkheim 52 Kr..

Wenn noch eine 2 oder 3 für den Kantonsboten von Dürkheim notiert wurde, dann kostete der Brief total 54 bzw. 55 Kr.. Für dieses Geld brachte der Bote den Brief von der Postexpedition dem Empfänger ins Haus. Diese 3 Kr. waren gewichtsunabhängig.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Michael D
25.07.2009, 13:48
Hallo bayern klassisch,

Danke für die Beschreibung.
Rückseitig finden sich Additionen in Bleistift, die meiner Meinung nach nichts mit der Post zu tun haben. Außerdem ist dort ein roter Halbkreisstempel von Würzburg abgeschlagen.

Hatte Wachenheim 1846 noch kein eigenes Postamt? Bei der ersten Verteilung der Mühlradstempel 1850 war der Ort doch schon dabei.

Viele Grüße
Michael D

bayern klassisch
26.07.2009, 08:16
Hallo Michael,

Wachenheim bekam am 1.7.1854 erstmals eine Postexpedition.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Michael D
27.07.2009, 09:11
Hallo bayern klassisch,

danke für die Info.

Viele Grüße
Michael D

johelbig
23.08.2009, 09:16
Entschuldigung, wenn ich mich einmische.
Franko Brixen kommt öfter vor, eine Klärung steht noch aus.
Die Gebühren für Österreich sind zwar richtig mit 14/14 dargestellt, aber die obere 14 entsprach nicht den bayerischen 12 kr. rheinisch.
Wie Heribert Kaufmann vor einigen Jahren in der Zeitschrift POSTGESCHICHTE darstellte, hat Österreich 1819 einen eigenen Auslandstarif eingeführt für Briefe, die aus dem Ausland kamen, und die Gebühren dort stimmen durchaus nicht immer mit den tatsächlichen Kosten für die Auslagen überein. Vgl. dazu zum Beispiel das Problem mit den Briefen aus der Schweiz, die mit 4 kr.C.M. belastet werden, obwohl kein Transit und auch kein ausländisches Porto anfiel, weil Österreich den Kurs durch die Schweiz auf eigene Kosten betrieb (Postvertrag 1816 mit mehreren Kantonen).
Und es ist noch auf das Problem hinzuweisen mit den verschiedenen Progressionen, wenn etwa Bayern seinen Transit einfach rechnete aber Österreich sowohl seine Inland- wie die Auslandsvergütung doppelt rechnete.
Dies ist alles Ergebnis dieses Sondertarifs von 1819.
Gruß H.

Michael D
31.08.2009, 20:46
Hallo,
vielen Dank für die Erläuterungen.
Jetzt stellt sich für mich die Frage: Wie oder wo komme ich an diesen österreichischen Tarif von 1819?

Viele Grüße
Michael D