Tilman
02.06.2004, 11:44
Ist „Postgeschichte“ mehr als die Geschichte der Post?
Aus dem „Briefmarken-Spiegel“:
„Ein notwendiger Appell: Ausgeklammerte Postgeschichte
Eine bodenlose Blamage für die Philatelie und Postgeschichte: Für die Historiker ist beides nicht existent, so betont man auf dem Historikertag 2004 in Kiel. Wenn es nicht wahr wäre, würde man es für einen schlechten Scherz halten. Auf dem 45. Deutschen Historikertag (14. bis 17. September 2004) mit dem anspruchsvollen Thema: „Kommunikation und Raum“ beschäftigt sich keine einzige der 60 Arbeitsgruppen mit der Post.
Dass die Historiker um die Briefmarken und Postgeschichte einen Bogen machen, war ja hinlänglich bekannt.. Man konnte es noch für einen bedauerlichen Ausrutscher halten, dass in dem Standardwerk von Herrn Wehler: „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“ das Wort Post nur einmal in einem Nebensatz vorkommt. Aber niemand dachte daran, dass die Historiker es mit ihrer Distanz tatsächlich ernst meinen“.
Immerhin beschäftigen sich angehende Historiker doch mit dem Thema, wenn auch die Aufgabenstellung selbstverständlich anders ist als bei einem Philatelisten.
Aus dem Programm des 45. Deutschen Historikertag vom 14.-17.9. 2004 in Kiel. Doktorandenforum
Folgende Doktorand/innen präsentieren ihre Projekte: Dauser, Regina: Informationskultur und Beziehungswissen - das Korrespondenznetz Hans Fuggers (1531-1598): Storz, Barbara: Das Bild der Zeitgenossen in den Briefen der Liselotte von der Pfalz. Der "Privatbrief" als historische Quelle im 17. Jahrhundert und frühen 18. Jahrhundert
Besonders das zweite Projekt wäre ein Ansatz für „Vorphilatelisten“. In einer Zeit wo historische Themen in allen Medien „in“ sind geben Altbriefe Aufschluss über die Kommunikation in Zeiten ohne Handy, E-Mail usw. Aber nicht unter dem Blickwinkel des Philatelisten sondern des historisch interessierten Sammlers. Gerade weil es nur die schriftliche und nicht fernmündliche Kommunikation gab, sind die vielen erhaltenen Briefe und später Unmengen von Postkarten eine Fundgrube für die früher Zeit.
Wer beschäftigt sich mit Themen, die von der reinen Phila-Lehre (Gebührenvermerke, Destination usw.) weg zur „Historie“ gehen. Also z.B. den Brief zum Anlass für eigene Wissenserweiterung nutzen. Beispiel: Wann wurde der Briefumschlag „erfunden“ (zuerst gab’s nur gefaltete Briefbogen, verschlossen mit Siegeln. Es gibt aber schon früh richtige Umschläge, warum ab wann?). Wann wurden mit Abbildungen (Sehenswürdigkeiten einer Stadt) verzierte Briefbogen eingeführt (Vorläufer der Ansichtskarte?). Oder, wie war die Adressierung des Briefes im Wandel der Zeit. So genügte die Angabe des Empfängernamens auf dem Brief, erst später kamen Distrikt-Nr. und Straßennamen dazu. Oder der Briefinhalt stellt Fragen. So ist in einem Brief von 1865 die Rede von eine Photographie. Wann wurde die erfunden? Ist das zeitlich richtig? Und wann gab’s in meiner Stadt den ersten Photografen? Viele weitere Fragen ergeben sich aus den Altbriefen. Nutzen auch Sie diese Zweitverwertung von Briefen?
Aus dem „Briefmarken-Spiegel“:
„Ein notwendiger Appell: Ausgeklammerte Postgeschichte
Eine bodenlose Blamage für die Philatelie und Postgeschichte: Für die Historiker ist beides nicht existent, so betont man auf dem Historikertag 2004 in Kiel. Wenn es nicht wahr wäre, würde man es für einen schlechten Scherz halten. Auf dem 45. Deutschen Historikertag (14. bis 17. September 2004) mit dem anspruchsvollen Thema: „Kommunikation und Raum“ beschäftigt sich keine einzige der 60 Arbeitsgruppen mit der Post.
Dass die Historiker um die Briefmarken und Postgeschichte einen Bogen machen, war ja hinlänglich bekannt.. Man konnte es noch für einen bedauerlichen Ausrutscher halten, dass in dem Standardwerk von Herrn Wehler: „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“ das Wort Post nur einmal in einem Nebensatz vorkommt. Aber niemand dachte daran, dass die Historiker es mit ihrer Distanz tatsächlich ernst meinen“.
Immerhin beschäftigen sich angehende Historiker doch mit dem Thema, wenn auch die Aufgabenstellung selbstverständlich anders ist als bei einem Philatelisten.
Aus dem Programm des 45. Deutschen Historikertag vom 14.-17.9. 2004 in Kiel. Doktorandenforum
Folgende Doktorand/innen präsentieren ihre Projekte: Dauser, Regina: Informationskultur und Beziehungswissen - das Korrespondenznetz Hans Fuggers (1531-1598): Storz, Barbara: Das Bild der Zeitgenossen in den Briefen der Liselotte von der Pfalz. Der "Privatbrief" als historische Quelle im 17. Jahrhundert und frühen 18. Jahrhundert
Besonders das zweite Projekt wäre ein Ansatz für „Vorphilatelisten“. In einer Zeit wo historische Themen in allen Medien „in“ sind geben Altbriefe Aufschluss über die Kommunikation in Zeiten ohne Handy, E-Mail usw. Aber nicht unter dem Blickwinkel des Philatelisten sondern des historisch interessierten Sammlers. Gerade weil es nur die schriftliche und nicht fernmündliche Kommunikation gab, sind die vielen erhaltenen Briefe und später Unmengen von Postkarten eine Fundgrube für die früher Zeit.
Wer beschäftigt sich mit Themen, die von der reinen Phila-Lehre (Gebührenvermerke, Destination usw.) weg zur „Historie“ gehen. Also z.B. den Brief zum Anlass für eigene Wissenserweiterung nutzen. Beispiel: Wann wurde der Briefumschlag „erfunden“ (zuerst gab’s nur gefaltete Briefbogen, verschlossen mit Siegeln. Es gibt aber schon früh richtige Umschläge, warum ab wann?). Wann wurden mit Abbildungen (Sehenswürdigkeiten einer Stadt) verzierte Briefbogen eingeführt (Vorläufer der Ansichtskarte?). Oder, wie war die Adressierung des Briefes im Wandel der Zeit. So genügte die Angabe des Empfängernamens auf dem Brief, erst später kamen Distrikt-Nr. und Straßennamen dazu. Oder der Briefinhalt stellt Fragen. So ist in einem Brief von 1865 die Rede von eine Photographie. Wann wurde die erfunden? Ist das zeitlich richtig? Und wann gab’s in meiner Stadt den ersten Photografen? Viele weitere Fragen ergeben sich aus den Altbriefen. Nutzen auch Sie diese Zweitverwertung von Briefen?