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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : USA Klassik - Deutsche Beschreibung



erstlesen
20.01.2009, 22:16
Hallo,

ich könnte Hilfe gebrauchen bei der Übersetzung typischer Eigenarten von USA Klassik. Wer weiß genau um was es geht?

Erstes Beispiel:

http://stampsx.com/foto_service/5521-1232486117-v12.jpg

1851, 3¢ orange brown, type II, 5 lines recut in top left triangle, position 47L0, small Boston "Paid" in grid cancel, full margins to in at bottom, strong bold color, Fine, a sound example of this scarce recut variety.
Scott No. 10A

Wie übersetze ich für USA Sammler verständlich: 5 lines recut in top left triangle

Fünf Linien nachgeschnitten im oberen linken Dreieck?

22028
20.01.2009, 22:23
OK, ich kenne mich mit USA nicht aus.. aber ich würde den Satz übersetzen mit: "Im oberen linken Dreieck 5 Linien nachgraviert"!

erstlesen
20.01.2009, 22:45
Danke 22028,

das kann gut sein. Falls nichts mehr kommt, nehme ich das. Buchdruckplatten schneidet man nach, Stichtiefdruck graviert man nach. Klingt richtig.

Hier kommt gleich der nächste Fall.

1851, 3¢ orange brown, type II, position 9L5E, showing triple guide dot below top right frameline, bold blue grid cancel, ample to large margins, rich color and sharp impression, Extremely Fine.
Scott No. 10A

Wie beschreibt man: triple guide dot

http://stampsx.com/foto_service/5521-1232487927-v15.jpg

petzlaff
21.01.2009, 06:47
Hallo Jürgen,

Guide Dots sind vorgravierte Markierungen auf der Druckplatte, die anzeigen, wo die Transfer-Roller zum Übertragen des positiven Urklischees der gestochenen Marke auf die Druckplatte. Hier liegt ein Plattenfehler der Druckplatte und nicht der Marke vor: Die Position des Guide Dot wurde korrigiert, wahrscheinlich, weil der Graveur unsauber gearbeit hat.

Aufgrund dieses Fehlers läßt sich die Einzelmarke auch bezüglich ihrer Position im Druckbogen bestimmen.

Bei späteren Ausgaben wurden die manuell gesetzten Guide Dots durch maschinell eingarvierte Guide Lines ersetzt.

Ferrari
21.01.2009, 10:15
@petzlaff
Irgendwie fehlt bei deinem Satz etwas. Kannst du das noch ergänzen?

Mfg
Ferrari

doktorstamp
21.01.2009, 11:58
Guide Dot übersetzt man mit Einführungspunkt, Richtpunkt, die sind also eben da um das Register des Druckbogens für den Drucker zu vereinfachen.

Man könnte sie auch Passerpunkte nennen.

Bei der Penny Black sind solche Passerkreuzer oft in den Markenecken zu sehen.

mfG

Nigel

Wanderer
21.01.2009, 19:57
ist voller Synonyme - triple guide dot - könnte man auch mit dreifachen Justierpunkt übersetzen, wenn Jürgen/Stefan/doktorstamp/man/frau in einem längeren Text Wiederholungen vermeiden will.

Für eine simple Markenbeschreibung hat man jetzt eine gute Auswahl.

Wanderer
21.01.2009, 20:16
hier ist noch ein Link zu typischen Definitionen in US-englischer Sprache:

http://glossary.usstamps.org/glossary/glbrowse.php?alpha=gh

Wanderer
21.01.2009, 20:23
sind unter Umständen auch als Justierhilfe für die Perforation - Anschläge absichtlich gemacht und nicht nachträglich nachgraviert. Später heißt/sind es guide lines (Leitlinie) - als Hilfsmittel für die Nadelstellung des Perforators auch eingesetzt für die "perforation gauge" Zähnungsschlüssel-Messung.

petzlaff
21.01.2009, 20:23
Danke @Ferrari


Guide Dots sind vorgravierte Markierungen auf der Druckplatte, die anzeigen, wo die Transfer-Roller zum Übertragen des positiven Urklischees der gestochenen Marke auf die Druckplatte.

Muss natürlich heißen:

Guide Dots sind vorgravierte Markierungen auf der Druckplatte, die anzeigen, wo die Transfer-Roller zum Übertragen des positiven Urklischees der gestochenen Marke auf die Druckplatte eingepasst werden müssen.

Bitte um Entschuldigung.

petzlaff
21.01.2009, 20:31
sind unter Umständen auch als Justierhilfe für die Perforation - Anschläge absichtlich gemacht und nicht nachträglich nachgraviert. Später heißt/sind es guide lines (Leitlinie) - als Hilfsmittel für die Nadelstellung des Perforators auch eingesetzt für die "perforation gauge" Zähnungsschlüssel-Messung.

Diese Perforationshilfe heißt in USA "Electric Eye" und wurde erstmals bei der "Prexie-Serie" von 1938 (spätere Auflagen) eingesetzt. Hat mit Guide Lines oder Dots für das Druckbogen-Layout nichts zu tun !

Ferrari
21.01.2009, 21:54
Hallo petzlaff

Sorry leider versteh ich jetzt nur noch Bahnhof:confused:
Zitat petzlaff:
Guide Dots sind vorgravierte Markierungen auf der Druckplatte, die anzeigen, wo die Transfer-Roller zum Übertragen des positiven Urklischees der gestochenen Marke auf die Druckplatte eingepasst werden müssen.

Warum werden auf der Druckplatte Markierungen angebracht. Kann man damit nicht einfach drucken, weswegen man die Druckplatte auch als Druckplatte bezeichnet? Kannst du das vielleicht etwas genauer erklären. Vielen Dank im Voraus!

Mfg
Ferrari

Wanderer
21.01.2009, 22:55
lieber Stefan, es passt vielleicht nicht direkt zur abgebildeten Marke von Jürgen, da die geschnitten und nicht perforiert ist, aber ich wollte das Umfeld von dem Begriff guide zu guide line verbal erweitern & erläutern - somit entsteht jetzt vielleicht ein Missverständnis.

Hier ist das Bildmaterial zu meiner Ausführung

petzlaff
21.01.2009, 23:35
@Ferrari

Damals war eine Druckplatte erst einmal eine völlig plane Stahl- oder Kupferplatte.

Das Urklischee der Briefmarke wurde in Originalansicht auf eine kleine (vielleicht 5 mal 5 Zentimeter messende) Metallplatte graviert. Das war das eigentliche künstlerische Werk.

Das so erzeugte Einzelmarkenklischee wurde (immer noch als Einzel"marke") unter Anpressdruck auf einen Metallzylinder übertragen, den sogenannten Transferroller, der danach einen Abdruck des Urklischees trug.

Dieser Transferroller wurde dann für jede Marke im zukünftigen Bogen unter hohem Druck über die leere Druckplatte gerollt und übertrug das Markenbild vielfach, in separaten Arbeitsschritten für jede einzelne Marke im Bogen auf die Platte.

Um bei diesem Prozeß möglichst gleichmäßige Ausrichtungen und Abstände der Marken zu erzielen wurden Linien (Guide Lines) oder Punkte (Guide Dots) vor dem Transfer wie ein Gitternetz auf die jungfräuliche Platte gestanzt, die im Prinzip wie ein Lineal genutzt wurden.


Ich hoffe, dass ich hiermit philatelistisches Grundwissen verständlich ausgedrückt habe. Allerdings kann man das (sogar bebildert) in jedem besseren Katalog auch nachlesen.

(Ich bitte um Entschuldigung, wenn sich jetzt nach 14 Stunden Arbeit um Halb 12 Nachts irgendwo grammatikalische oder Rechtschreibfehler eingeschlichen haben).

Wanderer
22.01.2009, 05:12
... moin @ all

Hier ist ein englischer Text (scan) zur typischen Arbeitsweise mit Stahlplatten - "guide dots" Einsatz in Paranthese in der Mitte des Textes zur Justierung der Transfer roll (Übertragungsrolle mit Kopie der Originalmarke) auf diese Art wurden 400 identische Kopien von einer gehärteten zylindrischen Stahlrolle (Übertragungsrolle) auf die Stahlplatte (Plattendruck) oder Stahlwalze (für Walzendruck) gemacht.

Der Text bezieht sich auf Praktiken von 1908 - was die 50 Jahre früher gemacht haben, dürfte ähnlich sein. Finde jedenfalls keine Beschreibung in meinen Unterlagen.

petzlaff
22.01.2009, 07:13
Mitte der achziger Jahre des 19.Jhs. wurde das noch nicht vollautomatisch, sondern per Hand gemacht. Eine ausführliche Beschreibung findet sich z.B. im GB Stanley Gibbons Specialized Catalogue Vol. I (Queen Victoria). Ich suche das mal raus und reiche es heute Abend nach.

Wanderer
22.01.2009, 08:36
waren die Maschinen, die allgemein im grafischen Gewerbe zur Verfügung standen. Schnellpressen waren dann die nächsten Druckmaschinen für den Stichtiefdruck.
Was die amerikanischen Druckereien in der Zeit ab 1850 für die jeweiligen Serien tatsächlich eingesetzt haben, da mache ich mal vorsichtig drei Fragezeichen ???

Wanderer
22.01.2009, 08:41
auf einer BRD Marke anno 1972

Wanderer
22.01.2009, 08:54
als Flachdruckverfahren - da konnten ca. 200 Bögen die Stunde gedruckt werden.

Wanderer
22.01.2009, 09:20
gibt es laut Michel Spezial erst ab 1857 und ist im Widerspruch zu der Beschreibung von Jürgen Kraft dort 1851 zugeordnet - fällt mir nur gerade so auf.

Type II ist definiert als äußere Rahmenlinie oben und unten sind nicht mehr vorhanden. Alle Felder der Mi 9 im Bogen wurden retuschiert... siehe scan

asmodeus
22.01.2009, 16:31
"Guide lines" und "Guide dots"

Vor der Markenbildübertragung des Markenbildes mittels eines sog. "Transfers Rollers" auf die ungehärtete Stahlplatte, wurden Hilfslinien (Guide lines) und Hilfspunkte (Guide dots) in die Platte eingeritzt. Damit sollten die Markenbilder ausgerichtet werden und die Abstände dazwischen eingehalten werden. Diese Linien und Punkte wurden anschließend wegpoliert. Manchmal blieben sie erhalten und wurden beim Druck sichtbar.

- Guide lines:

Es gibt vertikale und horizontale Hilfslinien. Durch das unsachgemäße Einsetzen der Klischees, erschienen die Linien (horizontale und vertikale Guide lines) und Punkte (Guide dots) im Markenbild.

Guide dots erscheinen in der Regel am Ende der Markenreihen in den vertikalen "L" Reihen (in der Regel:im rechtem unteren Kästchen) und bei früheren Platten im Markenbild.

Die Scans und die Erklärung beziehen sich auf die Ausgabe Großbritannien Line engraved- Ausgabe.

deckelmouk
22.01.2009, 16:36
@ferrari:

M.W. schreibt die USPCS sehr ausführlich über die Herstellung der Marken: http://www.uspcs.org/uspcs1851_57.html inkl. einer ausführlichen Linkliste.


Beste Sammlergrüsse!

Lars

petzlaff
22.01.2009, 17:13
hatte ich vorhin schon einmal eingestellt, ist aber wohl nicht angekommen (wahrscheinlich dicke Finger gehabt):

Fotos der Plattenherstellung mit dem Transfer-Roller (oben Urklischee > Roller, unten Roller > Druckplatte):

Ferrari
22.01.2009, 19:33
Hallo petzlaff

Vielen Dank für die Fotos. Es wäre schön, wenn du die Quellenangaben hinzufügen könntest, damit man weiter graben kann :)

Mfg
Ferrari

petzlaff
22.01.2009, 19:54
Wie bereits angekündigt: Die Fotos stammen aus "Stanley Gibbons Great Britain Queen Victoria Specialized Stamp Catalogue 7th Edition, Page 35".

Wanderer's Zitat aus "Scott Specialized Catalogue of US. Stamps & Covers" (in allen Auflagen enthalten.

Bei Michel findet man die Beschreibung z.B. im USA-Spezial in der "Einführung in den Michel-USA-Katalog" unter dem Absatz "Stichtiefdruck" ebenso wie in der "Einführung" unter demselben Stichwort im Deutschland-Spezial-Katalog sowie in vielen anderen Michel Katalogen.

Das waren nur ein paar Beispiele von vielen. Ich bin sicher, das man auch unter Google bei einer entsprechenden Stichwortsuche (z.B. Stichtiefdruck oder englisch "Recess Printing") fündig wird, oder sogar in der Wikipedia.

Hier eine "gegoogelte" Quelle, die fast wörtlich aus dem Michel abgeschrieben hat (s. unter "Stichtiefdruck"):

http://www.briefmarkenverein-roedelheim.de/philathemen/fuhr-druckarten.htm

Der "Transfer Roller" wird hier übrigens als "Molette" bezeichnet.

Wanderer
23.01.2009, 07:33
oder Transfer Rolle ... der Hintergrund für diesen Zwischenschritt in der Herstell-Technik ist wohl der, daß man beim Abrollen einen größeren Druck auf wenigen Quadrat-Millimetern ausüben kann, als wenn zum Prägen gleich die komplette Marke also mehrere Quadrat-Centimetern von Original-Platte auf die große Platte (400 Marken) übertragen wird.

Es kommt in diesem Zusammenhang auch zum "double transfer", wenn der Vorgang zweimal also wiederholt gemacht werden mußte. Da sind in der "Massenware" immer wieder "double-transfer Fundstücke" zu finden.:)

petzlaff
23.01.2009, 10:09
Aus Wanderer's Ausführungen wird auch deutlich, was den Doppeltransfer von einem Doppeldruck unterscheidet:

1) Doppeltransfer - diese Abart wird bei der Herstellung der Druckplatte verursacht

2) Doppeldruck - diese Abart wird bei der Herstellung des Druckbogens verursacht

Damit sind also sogar Kombinationen aus Doppeltransfer und Doppeldruck auf ein und derselben Marke möglich.

Hat jemand so etwas schon einmal gesehen?

Wenn ja, dann aber bitte nur hier posten, falls es sich um USA-Material handelt, ansonsten in einem allgemeinen Thread, um auch diejenigen daran teilhaben zu lassen, die nicht im USA-Forum vorbeischauen. Allerdings dann bitte mit Link auf diesen USA-Thread.