Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Visitenkartenbrief
Heute möchte ich mal einen Visitenkartenbrief aus Luxemburg vorstellen.
Brief vom 19.9.1910 von Luxemburg nach Liege (Lüttich) Belgien. Zusätzlich mit belgischem Briefträgerstempel (39).
Diese Versandform gab es bis zum 31.7.1988, sie wurde mit der Automatisierung der Briefpost abgeschafft. Gab es für diese Form Vorschriften über die Höchstmaße?
Gab es diese Versandform auch in anderen Ländern?
Gruß Helmut
In Deutschland konnte man noch 1911 so etwas verschicken ( 10cm*5cm), ob erlaubt, weiß ich nicht.
Mit besten Grüßen BaD
@ Danke fürs zeigen.
Kann mir jemand bei diesem Brief das Nachporto erklären? 1952 galt das Porto für visitenkarten von 60 Centimes, also portogerecht. Der Umschlag war auch nicht verschlossen, Gummierung der Klappe noch vollständig.
Gruß Helmut
@Helmut
Bitte schau doch mal in "meine" Portotabellen. S. 62/63 und in die Nachporto-Bestimmungen (gleiche Veröffentlichung S. 157).
Es ist anzunehmen, dass bei Deinem Umschlag, wegen der handschriftlichen Mitteilung Nachporto erhoben wurde.
Die Größe der Umschläge hing ja wohl von der einliegenden Visiten- oder Gruß-
karte ab. Sicherlich schickt niemand Visitenkarten im DIN-A4-Format:D .
Gruß
DiDi
Hallo Helmut,
wenn ich richtig liege werden diese Briefchen bei uns Damenbriefe genannt. Hier ein kleines Beispiel aus Wiesbaden zur Thurn und Taxis Zeit. Der Inhalt ist übrigens ein ganz normaler Brief, nur sehr klein gefaltet.
Manfred
deckelmouk
04.11.2008, 16:58
Hallo Manfred,
m.E. ist das kein "Damenbrief" oder "Zierbrief". Diese kleinen Briefumschläge waren explizit für Visitenkarten gedacht. Verwendungszeit geschätzt ab 1890.
Beste Sammlergrüsse!
Lars
Hallo Lars
In meinem Besitz befinden sich mindestens 20 kleine Briefchen, in keinem liegt eine Karte. Ein Teil dieser Briefe wurden aus einem Blatt Papier gefaltet. Damit möchte ich Deine Meinung nicht abschmettern sondern Dir meinen Kenntnisstand mitteilen. Zum besseren Verständnis habe ich einen dieser Briefe von der Vorder.- und der Rückseite hier abgebildet.
Manfred :) :)
deckelmouk
04.11.2008, 17:40
Hallo Manfred,
wichtig ist die Unterscheidung:
Visitenkartenbrief - kleines Format - gedruckter Inhalt - offener Versand - Drucksachengebühr bzw. Sonderporto
Damenbrief - kleines Format - handgeschrieben - geschlossener Brief - Briefgebühr - eventuell mit Zierrand
Ausser dem Format gibt es keine Gemeinsamkeiten.
Beste Sammlergrüsse!
Lars
Hallo Lars,
mein Gott, jetzt hab ichs!
danke Manfred :) :)
deckelmouk
04.11.2008, 20:36
Hallo Manfred,
anbei zwei Exemplare aus meiner Sammlung: Einmal eine Weiterleitung frankiert mit 4 Centimes von 1908 (Tarif für Drucksachen vom 01.10.1907), einmal ein mit Nachgebühr belegter Brief von 1933, frankiert mir 75 Centimes (lt. Handbuch Basien/Hoffkamp wären nur 35 Centimes notwendig gewesen, wenn weniger als fünf Worte geschrieben wurden - eventuell Behandlung als Brief: 1,25 Fr.).
Beste Sammlergrüsse!
Lars
@DiDi,
danke für den Hinweis. Ich muß Dein Buch Tarife der Briefpost in Luxemburg doch noch genauer lesen und studieren, dann wäre manche Frage von mir überflüssig.
@all
Danke fürs zeigen der schönen Belege.
Gruß Helmut
Visitenkartenbrief - kleines Format - gedruckter Inhalt - offener Versand - Drucksachengebühr bzw. Sonderporto
Lieber Lars,
gab es tatsächlich irgendwo Sondertaxen für Visitenkarten oder waren nicht Visitenkarten einfach eine Spezialform von Drucksachen und unterlagen deshalb schlicht und einfach dem Drucksachentarif?
Liebe Grüße
Jürgen
deckelmouk
05.11.2008, 14:31
Lieber Jürgen,
es gab in Luxemburg zeitweilig Sondertaxen für Visitenkartenbriefe. Oft galt auch der Drucksachentarif. Aber dazu kann Dir @didi viel mehr sagen.
Beste Sammlergrüsse!
Lars
@ Altsax (und andere Interessierte)
Der Tarif für Visitenkarten (im offenem Umschlag) ist bei mir seit dem 1.1.1849 registriert, also schon in der (Luxemburger) Vormarkenzeit. Ab 1.1.1899 wurde unterschieden zwischen
a) mit maximal 5 Wörtern und
b) mit handschriftlichen Mitteilungen
Ab 1.10.1945 wurde der Tarif unterteilt in
a) ohne handschriftliche Mitteilungen
b) mit maximal 5 Wörtern und
c) mit handschriftlichen Mitteilungen
Dieser besondere Tarif wurde mit Datum des 1.1.1986 abgeschafft. Die Umschläge waren zu klein für die Sortiermaschinen. Jedoch ist ein Versand auch heute noch möglich. Ein genormter Umschlag der Stufe 1 kostet 0,50 € - nicht genormt 1 €.
Ab 1.1.1986 erhielten nicht genormte Sendungen den beigefügten kleinen Aufkleber in schwarz/weiß und wurden mit Nachporto bedacht.
Mit schönen Grüßen
DiDi
Italienfreund
06.11.2008, 23:33
Hallo Altsax,
gab es tatsächlich irgendwo Sondertaxen für Visitenkarten oder waren nicht Visitenkarten einfach eine Spezialform von Drucksachen und unterlagen deshalb schlicht und einfach dem Drucksachentarif?
Das gab es , zum Beispiel in Italien. Dort waren Visitenkarten zwischen 1905 und 1975 eine eigenständige Sendungsart mit gesondertem Tarif. Zuvor wurden sie zur Drucksachengebühr versandt. Visitenkarten gehörten zu den offenen Sendungsarten, die Umschläge durften nicht zugeklebt werden. Auf den eigentlichen Visitenkarten durften folgende Angaben aufgedruckt sein: zunächst nur Name und Vorname, Titel, Beruf, Anschrift; später auch noch Telefon- und Telefax-Nummer, Nummer des Girokontos bzw. des Postgirokontos. Handschriftlich konnten bis zu 5 Grußworte und das Datum zugefügt werden, wobei man das nicht immer so ganz genau nahm, da ja nicht jede Sendung von der Post kontrolliert werden konnte. Die Gebühr lag ab 1905 immer über der für Drucksachen, aber deutlich unter der für einen Brief. Im Anhang zeige ich ein Beispiel, bei dem außer dem Umschlag auch die inliegende Visitenkarte erhalten geblieben ist. Zum damaligen Zeitpunkt war die Gebühr für den Versand von Visitenkarten im offenen Umschlag 10 Lire, für Drucksachen 5 Lire je 50 g und für Briefe 25 Lire je 15 g.
Beste Grüße
Jürgen
@deckelmouk, DiDi, Italienfreund
Vielen Dank für die Information - ich habe hier erstmalig von der Existenz eines solchen Sondertarifs gehört.
Habt Ihr eine Idee von der Motivation der Postverwaltung für diese Vergünstigung?
Bei Drucksachen liegt auf der Hand, daß man die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Inseraten erhöhen wollte.
Was bezweckte man mit einem Sondertarif für Visitenkarten??
Liebe Grüße
Altsax
deckelmouk
07.11.2008, 11:00
@altsax:
Unzulässige Verallgemeinerung: Für mich gehört das in die gleiche Rubrik wie Vertreterkarten und Bücherbestellzettel. Eine günstige Versendungsart um den Handel zu fördern.
Beste Sammlergrüsse!
Lars
Unzulässige Verallgemeinerung: Für mich gehört das in die gleiche Rubrik wie Vertreterkarten und Bücherbestellzettel. Eine günstige Versendungsart um den Handel zu fördern.
Lieber Lars,
welche Sorte von Handel fördert man mit der Begünstigung von Visitenkarten?
Wenn ich die Interessenslage der Postverwaltungen aller Länder zu allen Zeiten richtig verstanden habe, dann wollten sie ausschließlich ihre eigenen Einnahmen fördern.
Ausnahmen waren allenfalls typisch soziale Zwecke wie z.B. Blindensendungen.
Liebe Grüße
Jürgen
Italienfreund
08.11.2008, 20:53
Hallo altsax,
Habt Ihr eine Idee von der Motivation der Postverwaltung für diese Vergünstigung?
Visitenkarten waren im 19. und auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchaus üblich zur persönlichen Legitimation und ihr Versand war ein probates Mittel zur Kontanktanbahnung und Kontaktpflege. Entsprechend häufig wurden sie verschickt.
Visitenkarten erfüllten in der Regel alle Anforderungen an Drucksachen. Deshalb war in Italien bis 1905 ihr Versand zur Drucksachengebühr möglich. Mit der Einführung der eigenständigen Sendungsart "Visitenkarten" war eine deutliche Erhöhung der Gebühr (also keine "Vergünstigung") verbunden. Statt bisher 2 Cent. (und auch weiterhin) als Drucksache mussten nun 5 Cent. bezahlt werden. Begründet wurde dies in Italien übrigens mit dem erhöhten Kontrollaufwand für die Post, der erforderlich war, um die missbräuchliche Nutzung für handschriftliche Mitteilungen zu unterbinden.
Beste Grüße von
Italienfreund
deckelmouk
09.11.2008, 16:48
Welche Sorte von Handel fördert man mit der Begünstigung von Visitenkarten?
Lieber Jürgen,
Handelsvertreter konnten Ihre Visitenkarten, Privatleute kurze Nachrichten versenden (Geburt des Sohnes). Oder es hat doch die Visitenkartenlobby gesiegt, die einen Sondertarif für ihr Produkt wollte :D
Beste Sammlergrüsse!
Lars
Glückliches Luxemburg, glückliches Italien.
Die armen sächsischen Kofferträger mußten auf Tarifvergünstigungen verzichten.
Altsax
.... aus dem August 1942 also innerhalb der Besatzungszeit Luxemburgs. In der Zeit 1.10.1940 bis 10.9.1944 galt die Tarifordnung der Deutschen Reichspost - die den Tarif „Visitenkärtchen“ nicht kannte. Aufgeklebt wurde „nach Gefühl“. Abgebildet sind also von 3 Rpf (für Drucksachen) bis 12 Rpf (für das Fernbriefporto) vier verschiedene Frankierungsformen.
Schönen Gruß von
DiDi
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