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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Taxen Sachsen-Bayern



Altsax
02.10.2008, 13:57
In den Jahren zwischen 1810 und 1830 scheint es div. Taxänderungen gegeben zu haben, für die mir aber keinerlei Unterlagen vorliegen.

Beispiele dafür sind die beiden gezeigten Briefe vom 6.3.1815 bzw. 10.1.1817.

Beide sind für die Strecke Dresden - Hof mit 2 ggr. taxiert, in Bayern aber mit unterschiedlichen Porti (15 bzw. 18 kr) ausgezeichnet worden.

Kennt jemand die einschlägigen Bestimmungen?

Altsax

bayern klassisch
02.10.2008, 14:35
Lieber Altsax,

der obere Brief wog 1,5fach, also 6 Kr. von Hof - Nürnberg mal 1,5 = 9 Kr., zu denen die 2 gGr. = 9 Kr. = 18 Kr. total kamen. Sachsen hatte ja andere Gewichtsstufen als Bayern (Bayern 17,5g je Loth, Sachsen in Hektas, wenn ich nicht irre).

Der untere Brief wog einfach, also 9 Kr. für Sachsen, und 6 Kr. für Bayern bis 1/2 Loth.

Der Briefposttarif vom 1.12.1810 sah 6 Kr. für die 1. Gewichtsstufe bei einer Entfernung über 12 - 18 Meilen vor.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Altsax
02.10.2008, 14:57
Lieber bayern klassisch,

zur fraglichen Zeit rechnete Sachsen noch nicht in Hektas, sondern in Loth, der einfache Brief wog bis zu 1 Loth incl. Für doppelte Briefe wurde das 1 1/2 - fache genommen.

Wenn beide Briefe in Sachsen gleich, in Bayern aber unterschiedlich taxiert worden sind, müßte eine minimale Gewichtsdifferenz bestanden haben, die aus Unterschieden im "Loth" bestanden haben könnte.

Rechnete Bayern den einfachen Brief incl. oder excl. 1 Loth?

Liebe Grüße

Altsax

bayern klassisch
02.10.2008, 15:07
Lieber Altsax,

da haben wir doch die Differenz: Bayern rechnete mit halben Lothgewichten inklusive!

Demnach wog der schwere Brief über 1/2 bis 1 Loth, der andere war nur maximal halblöthig.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Altsax
02.10.2008, 15:21
Lieber bayern klassisch,

daß die bayrische Post sooo gewichtsempfindlich (oder geldgierig) war, hatte ich nicht gewußt, Danke für die Info.

Liebe Grüße

Altsax

PS: Könntest Du mir bitte noch mitteilen, für welchen Zeitraum diese bayrische Gewichtsprogression galt und ob es Ausnahmen, ggf. für Transitsendungen o.ä., gab.

Liebe Grüße

Altsax

bayern klassisch
02.10.2008, 15:30
Lieber Altsax,

das angesprochene Regulativ galt vom 1.12.1810 bis zum 31.12.1842.

Ausnahmen gab es, aber sie mussten postvertraglich geregelt sein.

Wurde in den Verträgen nichts festgelegt, so galt die inländische Progression auch für Auslandssendungen.

Nur weil es dich evtl. am Rande interessieren könnte: Auch oder gerade die gebührenmüßigen Staffelungen der Entfernungen waren bei den Transiten unterschiedlich; so konnte ein Transitbrief aus der CH über Lindau und Hof nach Sachsen für die bayerische Strecke weniger kosten, als ein Brief von Lindau nach Hof selbst, um nur ein Beispiel zu nennen.

Es bedarf also der Kenntnis der inneren Gebührenstruktur ebenso wie der Kenntnis der postvertraglichen Grundlagen, wobei noch zwischen Einzel- und geschlossenen Transiten zu unterscheiden wäre, aber das führte hier zu weit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Altsax
02.10.2008, 15:55
Lieber bayern klassisch,

da Du gerade so in Schwung bist, ein weiteres Exemplar, diesmal aus Leipzig vom 14.5.1811.

Ich versuchs mal:

In Sachsen Doppelbrief, also 2 x 1,5 ggr, reduziert auf 14 Kr.

In Bayern folglich (mindestens) 3-fach, ergibt (wie auch immer) 9 Kr.

Hinzu kamen (wofür auch immer) 3 Kr.

Das wüßte ich gerne genauer.

Liebe Grüße

Altsax

wuerttemberger
02.10.2008, 17:18
@altsax

Würzburg kam erst 1814 zu Bayern!

Gruß

wuerttemberger

Altsax
02.10.2008, 18:07
Würzburg kam erst 1814 zu Bayern!


@wuettemberger

Stimmt, aber das Großherzogtümchen dürfte doch wohl keine eigenen Postverträge geschlossen haben und die Reichspost existierte nicht mehr.

Wenn Taxis dort eine Lehnspostanstalt betrieben hatte, dürften die Tarife wohl den bayrischen nicht unähnlich gewesen sein.

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Beste Grüße

Altsax

bayern klassisch
02.10.2008, 18:20
Lieber Altsax,

@wuerttemberg hat es schon gesagt, dass das Großherzogtum Würzburg (von Taxis versorgt) erst am 27. Juli 1814 an Bayern fiel.

Es wäre noch zu klären, ob der Brief überhaupt bayerischen Boden berührte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Altsax
02.10.2008, 21:24
Es wäre noch zu klären, ob der Brief überhaupt bayerischen Boden berührte.


Lieber bayern klassisch,

zwar wurde mir von einem Forumsmitglied mit Unfehlbarkeitsanspruch schon einmal die Neigung zum Spekulieren vorgeworfen, ich betätige mich aber dennoch als "Wiederholungstäter":

Alles andere als ein Versand über Hof kommt mir höchst unwahrscheinlich vor, also müßte Bayern auch in Bezug auf die Taxen involviert sein.

Vielleicht geben Deine Unterlagen doch etwas her.

Liebe Grüße

Altsax

bayern klassisch
02.10.2008, 21:46
Lieber Altsax,

die spätnapoleonische Zeit ist in Mitteleuropa das komplizierteste, was ich kenne (mit der Schweiz im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts).

Die bayer. Aktenlage, so ich sie überblicke, ist denkbar dünn und nicht geeignet, den Brief sicher zu beschreiben.

Würde, wessen ich nicht sicher bin, der Brief über Hof - Nürnberg ausgetauscht worden sein, so könnten die 9 Kr. als Transit für Bayern angsehen werden. Ob dies den Tarif für eine 3. Gewichtsstufe nach benanntem Muster darstellt, wage ich aber ernsthaft zu bezweifeln. Von Hof bis zur Grenze des Ghzt. Würzburg war es schon ein Stück weit ...

Eventuell galten für transitierende Briefe andere Gewichte oder ein moderierter Progressionssatz. Ich könnte mir vorstellen, dass 6 Kr. mal 1,5 = 9 Kr. gerechnet wurde, aber dies ohne Gewähr.

Die 3 Kr. machen schon Sinn, denn von der bayer. Grenze zum Ghzt. Würzburg bis Würzburg - Stadt selbst sind es auch noch 3 Meter, so dass die Addition eigentlich gut nach zu vollziehen ist.

Sorry, dass ich keine grosse Hilfe bin.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Altsax
15.10.2008, 16:29
Der gezeigte Brief ist am 15. oder 19. (nicht gut zu lesen) 9. 1823 in Nuits geschrieben worden (Rechnung über Burgunderwein).

Er wurde in Bamberg am 3.10.1823 gestempelt und enthält siegelseitig einen Vermerk mit einem Namen, der keinen erkennbaren Bezug zum Absender aufweist.

Ist jemandem bekannt, ob es sich bei diesem J.N.Böhm um einen Forwarder handelt?

Altsax

bayern klassisch
15.10.2008, 17:52
Lieber Altsax,

ist der Brief vlt. im September geschrieben worden? Sonst würden die Daten nicht passen. Bitte prüfe das nochmals nach.

Böhm als Forwarder kenne ich nicht.

Was gang und gäbe war, war die Kuvertierung eines Briefes in einen anderen Brief, bzw. die Einlage in ein Paket (seltener).

Herr Böhm hat sich sicher nur hinten für den Fall genannt, dass der Brief nicht zustellbar sein würde, um ihn dann seinem Absender in Nuits retournieren zu können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Altsax
15.10.2008, 18:17
ist der Brief vlt. im September geschrieben worden?

Lieber bayern klassisch,

ist er, ich wollte nur einmal Deine Aufmerksamkeit testen.

Liebe Grüße

Altsax

bayern klassisch
15.10.2008, 18:27
Lieber Altsax,


ich wollte nur einmal Deine Aufmerksamkeit testen

Die hast du doch immer ...

Aus dem Inhalt kann man nichts erfahren ("beyfolgend einen Brief an ...") ?

Wenn negativ, dann tippe ich auf eine Kuvertierung.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Altsax
15.10.2008, 19:31
Aus dem Inhalt kann man nichts erfahren ("beyfolgend einen Brief an ...") ?

Wenn negativ, dann tippe ich auf eine Kuvertierung.



Lieber bayern klassisch,

der Briefinhalt ist in dieser Hinsicht leider unergiebig.

Zu meiner "Fortbildung":

Ist der Unterschied zwischen einem "kuvertierten" Beleg und einem über einen "Forwarder" versandten lediglich in der mangelnden "Professionalität" des ersteren zu suchen oder gab es für "offizielle" Forwarder Regeln, Genehmigungen, Vergünstigungen o.ä.?

Von der Häufigkeit des Vorkommens her scheint es sich ja um ein bayrisches Spezifikum zu handeln.

Liebe Grüße

Altsax

deckelmouk
15.10.2008, 20:01
@altsax:

Mir fehlt ein Forwardervermerk. Im "Rowe" ist Böhm/Bamberg nicht verzeichnet. Mein Tipp wäre deshalb die Kuvertierung.

M.W. gab es für Forwarder keine Vergünstigungen bei der Post. Die haben aber mit ihren Kunden die Dienstleistung + Portoauslagen abgerechnet.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

Holzland-Sammler
15.10.2008, 21:36
@ Altsax, deckelmouk und andere

Zu meiner (und vielleicht auch anderer Mitleser) Weiterbildung:

Was ist ein "Forwarder"? Ich habe - aus den gelesenen Texten heraus - eine Vermutung, hätte es aber gerne genau gewußt.

Danke im voraus.

Holzland-Sammler

bayern klassisch
15.10.2008, 22:02
Lieber Altsax,

mit deiner Vermutung liegst du richtig. Einen kuvertierten Brief konnte jeder bekommen, schließlich kam das auch im privaten Bereich vor, z. B. bei Auswandererbriefen.

Ein Forwarder hatte keinerlei Vergünstigungen und führte seine Daseinsberechtigung auf die mangelhafte Ausbreitung und Durchdringung des Postwesens zurück.

Auch konnte er als Relaisstation für mehrere Handelshäuser dienen, wobei der Warenverkehr im Vordergrund stand, weniger der Briefpostverkehr.

Ein solcher war z. B. Herr Mittler in Augsburg, der wohl Rechnungen und Drucksachen vielhundertfach aus ganz Mitteleuropa nach Bayern und anderen süddeutschen Staaten "distribuierte".

Zeichen eines gehobenen Selbstverständnisses waren auch z. B. Stempel mit Namen und Ortsangabe, die einige Forwarder auf der Briefrückseite abschlugen, z. b. Leonhard Kalb in Nürnberg.

Liebe Grüsse von bayern klassisch