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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : USA - China Clay Papier



petzlaff
13.05.2008, 08:33
Hallo zusammen,

wer kann mir genaueres zu dem sog. "China Clay Paper" sagen, welches für eine Teilauflage der Franklin/Washington Ausgabe 1908/1909 verwendet wurde.

Im Michel wird es als "dünn, hart, leicht gräulich", im Scott als "dick, hart, gräulich" beschrieben.

Ist "Cina Clay" jetzt dünn oder dick - und wer kennt die entsprechenden Papierstärken? Die Stücke in meiner Sammlung haben alle eine Stärke von 0,07-0,08 mm. Kürzlich fand ich in einem neuen Lot ein 2Cent-Exemplar auf grauem Papier mit knapp 5mm Stärke. Ich halte das für eine spezielle Papiervariante, möglicherweise "China Clay" - oder liege ich da möglicherweise komplett daneben? Die Marke unterscheidet sich von den "normalen" durch extrem langfaserige "Auswüchse" an den Zähnungsenden. Ob das Papier als hart oder weich einzustufen ist lässt sich bei 0,05mm Stärke allerdings kaum objektiv beantworten.

Bin für alle Hinweise dankbar.

Gruß
Stefan

doktorstamp
13.05.2008, 10:32
Hallo Stefan

China Clay=Kaolin. Erz wird als Kaolinite bezeichnet.

In England seit 1746 durch Tagesbau gefördert. Anfanglich um Porzelan herzustellen geht heute 80% zu der Papierindustrie, hier dient es zweierlei, das Papier wird dadurch weisser/heller, (bedingt durch die Erzquelle*) und für den modernen Drucktechnik ist eine glänzende Oberfläche erreicht.

Mit China Clay Paper ist das Kaolin beigemischt, bei Chalk-surfaced (Kreidepapier) ist es als eine Schicht aufgebracht.

Die von dir angegebenen Messbereich von 0,7-0,8 wurde ich als normal bezeichnen. Allerdings grenzt 0,7 an dünn.

*Manchmal ist das Erz durch Oxyde von Eisen und Küpfer sowie andere schwermetalische Elemente gefärbt.

Bzgl. Papierstärken schaut in Michel Spezial unter Ampost.

mfG

Nigel

fricke
13.05.2008, 12:58
Das ist eben gestrichenes Papier - im Fall China Clay mit Kaolin. Das Auffälligste an diesen Papieren ist wohl die reinweiße glänzende Oberfläche. Ich kenne nur relativ dicke gestrichene Papiere.

Eine Papierstärke von 5mm ist wohl ein Schreibfehler,
auch die 0,7 und 0,8 wären noch dicker Karton.

petzlaff
13.05.2008, 15:19
Danke für die Antworten,

natürlich ist das ein Schreibfehler gewesen - ich habe entsprechend korrigiert (auf 0,05 bis 0,08 mm).

Die 0,05mm sind exakt digital ausgemessen.

Demzufolge ist die Michel-Beschreibung lt. @Fricke für "China Clay" nicht korrekt. Was ist dann aber mit dem (diesmal korrekt) 0,05mm starken Papier?
Handelt es sich möglicherweise um die Variante auf "bluish paper"?

Obwohl: "bläulich" sieht das ganze überhaupt nicht aus.

Gruß
Stefan

deckelmouk
13.05.2008, 16:28
Hallo Stefan,

auf www.1847usa.com gibt es einen Eintrag zur "China Clay"-Variante: http://www.1847usa.com/Glossary/GlossaryC.htm

Beste Sammlergrüsse!

Lars

petzlaff
13.05.2008, 17:07
Hallo Lars,

vielen Dank für den Link und die damit verbundene Auskunft.

Ich denke nunmehr, dass es sich bei meinem Stück um die "bluish paper" Variante handelt. Wahrscheinlich wird sich hier niemand finden, der die Papierstärke bestätigen kann - schließlich sind die "abnormalen" Papiere recht selten und werden hierzulande kaum beachtet.

Ich werde die Anfrage auch im "US specialized Yahoo-Forum" einstellen, in der Hoffnung, weitere Anhaltspunkte zu gewinnen und entsprechend berichten.

Nichtsdestotrotz sind weitere Meinungen an dieser Stelle erwünscht.

LG
Stefan

deckelmouk
13.05.2008, 17:25
Hallo Stefan,

die Diskussionen, die ich über die beiden Varianten bei Richard Frajola (www.rfrajola.commitverfolgt habe, klangen fast nach Glaubensfragen. Ich würde mir bei Robert Siegel (www.siegelauctions.com) die Bilder und Beschreibungen über die "Powersearch" anzeigen lassen. Die Beschreibungen dürften Dir einiges an Information bringen.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

petzlaff
13.05.2008, 18:14
Danke Lars,

da werde ich mich drum kümmern.

Gern nehme ich zur Kenntnis, dass die Diskussion über die Papiertypen (wie ich mir fast schon gedacht habe) tatsächlich eher eine Interpretationssache ist.

Mal sehen, wie sich die amerikanischen Freunde dazu äußern.

LG
Stefan

petzlaff
13.05.2008, 18:59
Reagiert "CHina Clay" eigentlich wie normal gestrichenes Papier auch auf den üblichen Silberstift-Test?

petzlaff
15.05.2008, 07:36
Hier eine erste hochinteressante Antwort aus USA zum Thema "China Clay":

Since 1984, the Scott Specialized Catalogue has said that the so-
called "China Clays" are thicker than normal. Prior to 1984, they
said they were thinner. The existence of the so-called "China Clays"
has been challenged by U.S. expert Edward M. Liston in two articles
written for "The United States Specialist", the journal of the United
States Stamp Society. In Volume 77, No. 1 (January 2006; pp. 27-34),
Liston uses x-ray diffraction to establish that NONE of
the "Certified China Clay" reference stamps at the Philatelic
Foundation contain ANY China Clay. Density tests on these stamps
also show no difference with normal stamps of the period. In Volume
77, No. 2 (February 2006; pp. 61-69), Liston provides his explanation
for the origin of the stamps previously designated "China Clays."

Das Thema ist in der "US-Gemeinde" auf großes Interesse gestossen. Dort wird ohnehin derzeit unglaublich viel über die Franklin / Washingtons diskutiert. Ich gehe davon aus, dass noch eine Menge weitere Infos rüberkommen.

Stefan

Wanderer
02.06.2008, 04:06
Moin @ all
Im Scott 2003 ist für die #331-340 noch die China Clay Variante als Rarität gelistet, d.h. speziell die 2c carmine vom Nov 2008 #331b mit 1,000.- $ bewertet, im 2006 World Classics ist diese Papier-Variante nicht mehr vorhanden.

Für die Bluish Paper Variante anno 1909 perf 12 bewertet mit 100.- Us-$ für gestempelt wird angegeben: "this was made with 35 per cent rag stock instead of all wood pulp. The grayish blue color goes through the paper showing clearly on the back as well as on the face."

Also das hilft Dir/Euch in der Diskussion weiter, oder?

petzlaff
02.06.2008, 16:49
moin zusammen,

das weiter oben von mir zitierte Forschungsergebnis hat eindeutig bewiesen, dass es die "China Clay Variante" niemals gegeben hat. Deswegen wurde sie aus den Katalogen entfernt.

Das "bluish paper" ist dagegen eine echte Papiervariante, die allerdings eher gräulich als bläulich ausfällt. Das Papier erkennt man häufig daran, dass es etwas dünner ist (0,06-0,07mm) als das Normalpapier und dass die Zähne meist faserige Spitzen zeigen. Das "bluish paper" entsprang dem Versuch, durch einen höheren Anteil an Fasern in der Papiermasse, das Schrumpfen der Marken beim Trocknen der feuchten Druckbögen zu verhindern, sowie die Festigkeit des durch das doppellinige Wasserzeichen oft reißanfällige Papier zu verstärken. Aus meiner Sicht sind die "bluishs" bei weitem nicht so selten, wie uns die Kataloge das weismachen wollen.

LG
Stefan