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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein grosses Thema Qualität versus Kosten bei Briefmarken



4910jdr
30.03.2008, 22:56
...ein immer wieder kontrovers diskutiertes Thema ist die Qualität der Briefmarken.

4910jdr
30.03.2008, 23:44
Wie definiert sich denn wirklich Qualität???

Ich bin da auch öfters am grübeln...was ist für mich jetzt wirklich wichtig ist bei Briefmarken.

Zum Beispiel spielt für mich die perfekte Zentrierung nicht wirklich eine Rolle, ein bisschen dezentriert...wieso nicht!
gestempelt hin oder her....jedoch auf dem Beleg...sollte dieser postalisch befördert werden....irgendwelche Ersttagsbriefe sind zwar schön...finde ich persönlich aber nicht wirklich sammelnswert.

Die Zähnung sollte perfekt sein...und als Randstück ist es dann natürlich noch viel besser....hängt allerdings wieder vom Preis ab.

Bei der Gummierung...ich persönlich habe kein Problem mit einem Prüfstempel...es sollte nicht nachgummiert sein...wobei das aus meiner Sicht schwer zu beurteilen ist (liegt aber auch an der fachlich zu geringen Durchdringung dieses Themas).

Wichtig ist für mich, das Briefmarken nicht repariert, geschweige denn gefälscht (ausser natürlich Kriegs- und Propaganda-Fälschungen, die als solche auch gekennzeichnet sind!)

Letztlich muss man aber selbst damit zufrieden und glücklich sein und das denke ich ist das wichtigste....man muss Spass an seinem Hobby haben!

drmoeller_neuss
31.03.2008, 11:28
Ich bin persönlich nicht mit der Fragestellung einverstanden. Was ist Qualität?

Nach DIN EN ISO 8402:1995-08 ist Qualität „die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.“ Nach der Norm EN ISO 9000:2005 ist Qualität der Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale (= ständige Merkmale) Anforderungen erfüllt. Der Begriff Qualität steht also dafür, in welchem Maße ein Produkt (Ware oder Dienstleistung) den bestehenden Anforderungen entspricht.
Nach der IEC 2371 ist Qualität die Übereinstimmung zwischen den festgestellten Eigenschaften und den vorher festgelegten Forderungen einer Betrachtungseinheit.

Wie Jürgen schon schrieb, legt jeder Sammler seine "Erfordernisse" und "Anforderungen" selbst fest. Es gibt Gummifetischisten, denen die Zentrierung egal ist. Ländersammler wollen gestempelte Marken mit einem zentrischen Stempel, Motivsammler wollen zarte Eckstempel, die auch Gefälligkeitsstempel sein können. Belegsammler akzeptieren auch nicht einwandfreie Marken auf einem schönen Beleg.
Briefmarkensammler lassen sich also in mehrere homogene Käufergruppen einteilen.

Ein philatelistisches Produkt verfügt dann über hohe Qualität, wenn es die Anforderungen des jeweiligen Sammlers erfüllt. Das hat erst einmal mit dem Preis nichts zu tun! Preise sind lediglich der Ausdruck zwischen Angebot und Nachfrage. Ein Sammler muss zwangsläufig für perfekte Qualität nicht tiefer in die Tasche greifen.

Insofern kann man die Umfrage auf folgenden Frage beschränken:

Bin ich bereit, für philatelistische Produkte, die meinen Qualitätsanspüchen voll genügen, den vom Markt verlangten Preis zu bezahlen?

P.s. ich sehe auch den Konflikt mit den Briefmarkenkatalogen. Es müsste für jede Sammlergruppe einen eigenen Katalog mit eigenen Preisen geben. Nun haben sich die Kataloghersteller nun mal darauf eingeschossen, als Grundlage für die Preisfindung die Qualitätskriterien des "klassischen Ländersammler - Vollgummi und -stempel" zu nehmen. Für alle anderen Sammlergruppen gelten diese Preise nicht !

wi.kr
31.03.2008, 11:57
Die Diskussion darüber, was Qualität ist, verstehe ich nicht so ganz, da es objektive Kriterien kaum gibt. Für mich ist mein eigenes Qualitätsbewusstsein maßgebend. Selbst bei BPP-Prüfungen "echt und einwandfrei" kann ich noch Qualitätseinschränkungen feststellen und umgekehrt bei der Beschreibung von Mängeln an Stellen, die nicht die wertbildenden Faktoren ausmachen, einwandfreie Qualität konstatieren. Da es um mein Geld geht, bestimme ich auch allein, was meinem Anspruch genügt.

fricke
31.03.2008, 13:13
Oft hat man ja nicht die Wahl. Wenn man ein Unikat erwerben will oder ein Stück, das nur alle paar Jahre oder Jahrzehnte angeboten wird, ist die Diskussion um die Qualität überflüssig. Man ist froh, wenn mans kriegt.

Wenn ich im Vordruckalbum sammeln würde, würde ich bei sehr teuren Stücken auch Knochen akzeptieren, wenn ich mir das Stück sonst nicht leisten kann. Dann lieber einen Bayerneinser mit kleinem Fehler als gar keinen.

4910jdr
31.03.2008, 21:37
drmoeller_neuss hat zum einem Großteil aus meiner Sicht recht. Es gibt eindeutige Definitionen wie man Qualität bestimmt und was man darunter versteht.

Aus meiner Sicht wäre es wunderbar, wenn die Qualität durch den Betrachter festgelegt wird, aber wie bereits festgestellt wurde, legen bereits die Katalog-Hersteller fest, was Sie preislich unter Qualität verstehen und was Sie für Qualitätsmaßstäbe an die Briefmarken setzen.

Aber bereits ein Prüfer entscheidet über die Qualität, wenn er nur entscheiden würde, ob es sich um ein Original handelt, oder der Stempel echt ist etc. wäre dieses noch nicht der Fall, aber alleine dadurch das ein Prüfer erhöht prüfen kann, wird evtl. von meinen Qualitätsvorstellungen abweichen.

Aber auch bei Ausstellungssammlungen, muss das möglichst beste Material zur Darstellung genutzt werden...ob da meine Qualitätsansprüche, mit denen der Prüfer übereinstimmen....da bin ich mir nicht sicher!

Da solche Themen im allgemeinen gerne versachlicht werden, würde ich persönlich behaupten, es gibt schon lange nicht mehr die Qualität, die durch den Sammler definiert wird, sondern wirklich eine vordefinierte Qualität, die man fast überall mit dem gleichen oder ähnlichen Maßstab misst....und die kostet aus meiner Sicht dann widerrum viel Geld..

deckelmouk
31.03.2008, 22:40
@4910jdr:

Lies Dir mal die Seiten der PF - Philatelic Foundation und PSE - Professional Stamp Experts über "Grading" durch. Der persönliche Qualitätsbegriff wird durch einen numerischen und "exakten" ersetzt. Und bezahlt...

Der Katalog definiert eine Qualitätsstufe, für die die Preise gelten. Die Stufe gilt für 1A-Qualität. Und diese Stufe erreicht eine von 100 oder eine von 1000 Marken. Alles was weniger perfekt ist, kostet auch weniger Geld. Als Sammler und Händler muss ich mich damit auseinandersetzen und danach streben, diese Qualität auch zu bekommen. Dass das nicht billig ist, sollte klar sein.

Ich wühle mich durch 20.000 papierfreie Marken von Luxemburg. Von 100 Stück sind fünf mit lesbaren bzw. identifizierbaren Stempel. Von den mit identifizierbaren Stempeln ist eine von 20 wirklich gut. Ob das schon die Katalogqualität ist - nicht unbedingt sicher...

Beste Sammlergrüsse!

Lars

Briefmarkensammler
31.03.2008, 23:25
@4910jdr:

Lies Dir mal die Seiten der PF - Philatelic Foundation und PSE - Professional Stamp Experts über "Grading" durch. Der persönliche Qualitätsbegriff wird durch einen numerischen und "exakten" ersetzt. Und bezahlt...

Der Katalog definiert eine Qualitätsstufe, für die die Preise gelten. Die Stufe gilt für 1A-Qualität. Und diese Stufe erreicht eine von 100 oder eine von 1000 Marken. Alles was weniger perfekt ist, kostet auch weniger Geld. Als Sammler und Händler muss ich mich damit auseinandersetzen und danach streben, diese Qualität auch zu bekommen. Dass das nicht billig ist, sollte klar sein.

Ich wühle mich durch 20.000 papierfreie Marken von Luxemburg. Von 100 Stück sind fünf mit lesbaren bzw. identifizierbaren Stempel. Von den mit identifizierbaren Stempeln ist eine von 20 wirklich gut. Ob das schon die Katalogqualität ist - nicht unbedingt sicher...



Das ist der "Beitrag des Jahres". Da kann ich wirklich jedes Wort unterschreiben !

ThomasK_7
01.04.2008, 13:45
"Qualität hin oder her, ich sammle doch für mich….muss ich da perfekte Qualität haben"
Trifft für mich zu 100% zu. Ich will meine Sammlung nämlich weder verkaufen oder vererben. Ich will mich an ihr erfreuen und sie vervollständigen, da helfen mir 10 lädierte alte Marken zu geringem Preis mehr als 1 perfekte zum Höchstpreis.

4910jdr
01.04.2008, 23:41
Lies Dir mal die Seiten der PF - Philatelic Foundation und PSE - Professional Stamp Experts über "Grading" durch. Der persönliche Qualitätsbegriff wird durch einen numerischen und "exakten" ersetzt. Und bezahlt...


Kann mir jemand den Link bitte zukommen lassen bzw. posten?

Zum Thema Qualität, ich habe selbst Qualitätsmanager gelernt. Das heisst ich weiss sehr wohl mit dem Begriff Qualität etwas anzufangen. Ich denke jedoch, das dies lediglich wie bereits geschrieben eine Leitlinie sein kann.

Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, und nicht nur ich, das die zum Teil sehr hohen, wenn nicht über höhten Qualitätsansprüche von Briefmarkensammlern andere junge Sammler abhalten sich mit der Philatelie näher zu beschäftigen. Letztes mal habe ich zum Beispiel gelesen, das das was ich als Kind gemacht habe, nicht als Briefmarken sammeln zu werten ist sondern lediglich das Horten von Briefmarken nennt, und es mit dazu gehört sich mit den Briefmarken auseinander zu setzen....hätte mir das jemand als Kind gesagt...ich würde heute definitiv nicht mehr sammeln.
Als Kind hatte ich zum Teil Marken, denen ein Zahn gefehlt hatte und einen leichten Knick seitlich hatten...es war mir egal...ich habe dafür die Briefmarke selbst vom Umschlag abgelöst und sie gefiel mir!

Die Kindersammlung meiner Frau zum Beispiel, Sie hat Sie mir vor ca. 6 Jahren überlassen und ich habe diese ohne mit der Wimper zu zucken nach genau den Kriterien (Knicke und kaputte Zähne) aussortiert und die "defekten" Briefmarken meiner Frau weg geschmissen....Meine Frau stand danach kurz vor dem Herzinfarkt...wie ich mit den Marken ihrer Sammlung umgegangen bin....das war auch der Zeitpunkt wo ich für mich verstanden habe, das für einen Sammler selbst relativ hohe Qualitätsansprüche bestehen, jedoch die Umwelt, das zum großteil gar nicht versteht....zum Teil sammeln diese nur, weil vielleicht eine Marke dabei ist, die viel Geld wert ist...aber auch das ist egal...solange es Ihnen Spass macht!

Naja...ich habe einfach mal laut gedacht!

deckelmouk
02.04.2008, 16:07
@4910jdr:

PSE: http://www.psestamp.com/servicesandfees.chtml

PF: http://www.philatelicfoundation.org/expertizing/expertize.htm

Beste Sammlergrüsse!

Lars

Zackenmike
02.04.2008, 16:53
Ich kann Dir da nur zustimmen. Jeder setzt sich da selbst seine Kriterien... wie sieht denn das dann auch mit Plattenfehlern aus:D die Marken sind ja schließlich defekt, es soll aber Sammler geben, die sich darauf spezialisiert haben, Marken mit solch "minderer Qualität" zusammen zu tragen, während andere sie aus Prinzip verschmähen ("Milionen von kleinen UFO's sind beim Druck über die Druckmaschine geflogen"..."Fliegenschiss"etc.):rolleyes: Ich für mich halte es z.B. auch mit meiner Postfrisch-Sammlung so, dass ich sehr teure Marken evtl. lediglich mit Falz ins Album stecke und dadurch 'ne Menge Kohle spare, denn für mich zählt in erster Linie die Bildseite. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich sie vielleicht mal irgendwann im Altpapier finde(ungelogen:D ). Bei Stempeln schaue ich öfter schon mal genauer hin, da einige hochwertige Marken sich als nicht Prüfbar hervortaten oder aber nach Gültigkeitsablauf gestempelt waren:mad: .

letter-man
02.04.2008, 20:15
Hallo zusammen,

hier in kurzen Zügen meine persönliche "philatelistische Biographie", die indirekt sehr stark vom Thema Qualität beeinflußt wurde:

Angefangen habe ich mit dem Sammeln als Grundschüler, mir hat das Einsteckalbum meiner größeren Schwester gefallen. Am Anfang gab es nur gestempelte Marken, damals noch viel aus der normalen Post. An saubere, lesbare Stempel, gar an Voll- oder Rundstempelung habe ich keinen Gedanken verschwendet. Auch Marken, auf denen nur die Wellen der gleichnamigen Stempel zu sehen waren, hatten für mich keinen Makel. Mit fortschreitendem Alter bin ich dann mehr auf ungebrauchte Schalterware (ich benutze absichtlich nicht den Begriff "postfrisch") umgestiegen. Mit der Zeit wurde mir das aber zu langweilig. Hinzu kam aber vor allem auch, die immer stärker werdende Fokussierung Einiger auf die Rückseite der Marken. Ich habe zwar die Falz-Zeit nicht mehr miterlebt, aber allein die Tatsache, daß das, was über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte allgemein anerkannter Stand der Sammeltechnik war, auf einmal fast wertlos sein sollte...??? Und dann die "Fetischisten" (nicht beleidigend gemeint), die bei einem Fingerabdruck auf dem Gummi fast einen Schreikrampf kriegen... (Stichwort Qualität)Letztendlich ist die Briefmarke nun einmal ein Gebrauchsgegenstand, dessen ursprünglicher und einziger Zweck war, die Bezahlung einer Beförderungsleistung zu dokumentieren. Das war zumindest meine ganz persönliche Erkenntnis nach einigen Jahren.

Zeitsprung

Nach vielen, vielen Jahren bin ich nun als etwas gereifter Mensch wieder zum Sammeln gekommen. Klar, nach der Vorgeschichte mußten es Briefe sein. Aber auch hier hat mich das Thema Qualität ganz schnell eingeholt. Wie definiert man Qualität bei der mich ausschließlich interessierenden sogenannten Bedarfspost. Das hier nicht kartonphilatelistische FDC-Maßstäbe angelegt werden können ist schon klar. Trotzdem bleiben viele Fragezeichen: Muß der Stempel unbedingt klar und deutlich sein? Fallen geknickte Belege von vornherein aus? Wie sieht es mit der Zähnung aus? Für mich persönlich habe ich daher folgende Kriterien aufgestellt:

1. Die Abstempelung der Marke allein ist nicht ausschlaggebend. Allerdings muß ohne größere optische Hilfsmittel erkennbar sein, wo und wann (Tarifzeitraum) der Beleg aufgegeben wurde und wie der Zielort lautet. Das kann dann durchaus auch ein Eingangstempel einer Firma sein, oder das vom Absender notierte Datum im Text einer Postkarte. Auch wenn die evtl. auf der Rückseite abgeschlagenen Eingangs-, Durchgangs-, oder was auch immer Stempel klar auf den Zeitraum hinweisen, ist das in Ordnung. Gerade bei der Freimarkenserie "Industrie und Technik" ist eine klare und deutliche Lesbarkeit auf der Marke sehr sehr unwahrscheinlich.

2. Die Zähnung sollte einwandfrei sein, kleinere Unregelmäßigkeiten werden akzeptiert (welcher Postbeamte oder Postkunde hat denn daran gedacht, daß die Marke später einmal noch einem anderen Zweck dienen sollte?), vor allem wenn es sich um eine seltene / spezielle Versendungsform handelt. Wenn sich später einmal ein bessere Exemplar finden sollte: umso besser. Fehlt allerdings ein ganzer Zahn, dann lasse ich die Finger davon.

Beim Schreiben, so frei von der Leber weg, komme ich also zu der Erkenntnis, daß die von mir angelegten Qualitätsmaßstäbe durchaus nicht absolut sind, sondern durchaus in Abhängigkeit von der Seltenheit des Beleges bis zu einer gewissen Grenze auch relativ zu sehen sind.

3. Nachdem mir eine ganze Zeit lang nur der Bedarfscharakter wichtig erschien, ist mir in letzter Zeit aber auch die Ästhetik immer wichtiger geworden. Letztendlich sammelt das Auge mit! Wobei auch hier gilt: An einfacher zu beschaffende Belege werden strengere Maßstäbe angelegt, als an seltenere. Trotzdem: Lieber lasse ich einen "Knochen" für 20,- Euro liegen. Dann warte ich halt noch etwas länger und spare lieber auf das bessere Stück für 100,- Euro. Da hält der Spaß auch dauerhaft an.:D

So, das war eine sehr spontane Äußerung von einem, dem das Thema Qualität sehr wichtig erscheint, der jedoch auch als Christ das Dorf als den besseren Ort für die sprichwörtliche Kirche sieht, als unbedingt ein Album.

wajdz8
02.04.2008, 20:18
zu Deinem Beitrag vom 1.4. Hat sich denn Deine Frau wieder beruhigt und was wurde Dir als Buße auferlegt? Das wirst Du wohl noch zur Silbernen oder Goldenen Hochzeit serviert bekommen nach dem Motto: "Verzeihen ja, vergessen nie".

Zum Thema. Die Ansprüche steigen mit der ökonomischen Kraft. Und schon die Fabel sagt, der Fuchs frisst nur die Trauben, an die er herankommt.

wajdz8

klassiker
05.04.2008, 10:18
Für den "Normalsammler" gilt sicher "Jeder, wie er mag" – wenn ich nur für
mich sammle, lege ich allein für mich die Kriterien fest, nach denen ich das
mache; dazu gehört auch die Qualität.

In der "Investitionsklasse" scheint nur noch Spitzenqualität verkäuflich; da
kommt sicher die Tatsache zum Tragen, dass einem zunehmenden Angebot
(Auflösung von alten Sammlungen, z.B. Erbschaften) ein kleiner werdender
Käufermarkt gegenüber steht, und der leistet sich Spitzenqualität.

Überrascht hat mich z.B. die Felzmann-Auktion letzten Sommer: Da kam
eine Trinacria (Sassone € 200'000,–) für € 5'000,– zum Ausruf – und
blieb unverkauft. Das war natürlich kein Luxusstück ...

In dieser Klasse besteht offenbar definitiv kein Interesse an "Lückenfüllern".

Wer also jemandem etwas hinterlassen will, was neben dem ideellen auch
noch einen materiellen Wert hat, sollte schon ein bisschen auf die Qualität
achten, auch und gerade bei einer "normalen" Sammlung, denn da ist
ganz sicher nichts Anderes mehr verkäuflich.

Übrigens: Das Auktionshaus Schwanke veranstaltet im Oktober ein Seminar
zum Thema "Qualität"; es besteht offenbar Interesse am Thema.

Chris

Altsax
05.04.2008, 11:56
Wer den Versuch unternimmt, den Begriff "Qualität" in Bezug auf Briefmarken eindeutig zu definieren, wird scheitern.

Eine Problematik ist dadurch entstanden, daß ein Interesse daran besteht, Briefmarken als Handelsobjekte in "Klassen" einzuteilen, um auf diese Weise Vergleichbarkeit in Bezug auf die Preisbemessung herzustellen.

Das führt dann zwangsläufig zu Abgrenzungsproblemen beispielsweise zwischen "kurzen Zähnen", "üblicher Zähnung", "einwandfreier Zähnung" etc.

Über die Frage, ob Briefmarken mit Prüfzeichen noch "postfrisch" sein können, ließe sich promovieren.

Grundsätzlich ist ein "angemessener Preis" exakt der, auf den sich Käufer und Verkäufer einigen können. Dazu gehört, daß der Zustand des Kaufobjektes geklärt ist. Es müssen folglich die nicht mit bloßem Auge erkennbaren Eigenschaften ermittelt worden sein. Wenn Käufer und/oder Verkäufer dazu nicht selbst in der Lage sind, müssen sie sich auf einen neutralen Fachmann einigen. Üblicherweise wird das bei höherwertigen Briefmarken ein Verbandsprüfer sein, was aber natürlich nicht zwingend ist.

Die Einordnung in die üblichen Kategorien "Pracht", "Kabinett", "Luxus" ist dazu denkbar ungeeignet, weil erstens zu grob und zweitens individuellen Ansichten unterliegend.

Selbstverständlich gibt es auch oberhalb der Kategorie "einwandfrei" noch Qualitätsabstufungen, die sich auf die Wertschätzung des Objektes und damit auf den Preis auswirken.

Ich bin einmal auf Unverständnis bei Sammlerkollegen gestoßen, weil ich bereit war, für eine in jeder Hinsicht perfekte, gestempelte Sachsen Mi 4 über 200% des Michelwertes zu zahlen (eine "nur einwandfreie" ist auch für 10% des Michelwertes nahezu unverkäuflich). Ich habe mit dem Rat geantwortet, man möge doch in den eigenen Beständen nach einem gleichwertigen Exemplar suchen, ich sei bereit, diesen Preis für jedes Fundstück zu entrichten. Auf entsprechende Meldungen warte ich bis heute.

Man kann je nach Anspruch und Ausgabebereitschaft mit jeder Qualitätsstufe Freude haben. Wichtig ist lediglich, daß man sich über die jeweilige Beschaffenheit und deren Marktwert im Klaren ist.

Altsax

deckelmouk
05.04.2008, 12:08
Man kann je nach Anspruch und Ausgabebereitschaft mit jeder Qualitätsstufe Freude haben. Wichtig ist lediglich, daß man sich über die jeweilige Beschaffenheit und deren Marktwert im Klaren ist.

@altsax:

Das ist eine der ganz wichtigen Kernaussagen. Bedeutet in vielen Fällen, dass man Lehrgeld bezahlt, weil man dieses Wissen noch nicht erworben hat.

@letter-man:

Bei Bedarfsbelegen ist die Einstufung sehr schwierig. Mich stört ein Knick nicht, wenn der Stempel oder die Verwendung selten ist. Bei einem seltenen Stempel für die Prüfsammlung möchte ich einen sauberen Abschlag, da kann die Marke erhalten sein, wie sie will. Bei der "Qualitätssammlung" muss Stempel + Marke perfekt sein. Wichtig ist nur, dass man weiss, was die Marke oder der Beleg wert ist bzw. was selten und häufig ist (s.o.).

Beste Sammlergrüsse!

Lars

klassiker
05.04.2008, 14:32
Die Einordnung in die üblichen Kategorien "Pracht", "Kabinett", "Luxus" ist dazu denkbar ungeeignet, weil erstens zu grob und zweitens individuellen Ansichten unterliegend.

Zu 1.:
Nicht unbedingt - Kamera-Sammler kommen mit dem verbreiteten A/B/C
für die Zustandsbeschreibung ganz gut zurecht, noch ergänzt mit "+" und "-".
(Da gibt es dann noch die Sonderfälle wie mint and boxed, mit denen
wir uns in der Philatelie zum Glück nicht herumschlagen müssen :) )

Zu 2.:
Richtig – aber die subjektive Komponente wird man mit keinem System je
eliminieren können.
Da muss man sich entscheiden, ob man sich auf eine Welt, die auf solch
subjektiven Bewertungen basiert, einlassen will. (Das ist wie im Sport:
Da hat Kubica gerade das Qualifying in Bahrein mit 27/1000 Sekunden
Vorsprung gewonnen, aber die sind wenigstens messbar. Eiskunstlauf
schaue ich mir nie an; nett anzusehen, aber die Bewertungen?)

Zu dem, was dann als "Wert" resultiert – der Thread heisst ja "Qualität
versus Kosten" –, noch einmal eine Anleihe bei den Photographica-Freunden,
die voll inhaltlich auch bei uns gilt:

The price of an antique camera is entirely dependent upon the moods of
the buyer and seller at the time of the transaction.
(Der Preis einer antiken Kamera hängt ausschliesslich von der Stimmung
des Käufers und des Verkäufers zum Zeitpunkt der Transaktion ab.)

James M. McKeown and Joan C. McKeown (Eds.):
Mc Keowns's Price Guide to Antique & Classic Cameras 2001-2002
11th ed., Centennial Photo Service, Grantsburg 2001

Das "Kabinettstück" muss ich sehen und dann entscheiden, ob der Verkäufer
und ich dieselben Vorstellungen davon haben, was "Kabinett" ist – die
verbindliche Einstufung wird es einfach nie geben.

Chris

Altsax
05.04.2008, 15:34
Zitat:
Das "Kabinettstück" muss ich sehen und dann entscheiden, ob der Verkäufer
und ich dieselben Vorstellungen davon haben, was "Kabinett" ist – die
verbindliche Einstufung wird es einfach nie geben.

Was nützt mir dann die Klassifikaton als "Kabinettstück", wenn ich es sehen muß? Jede Einteilung in Klassen hat nur dann einen Sinn, wenn alle am Markt Beteiligten identische Kriterien als Maßstab haben, was selbstverständlich geringfügige Abweichungen in Grenzfällen nicht völlig ausschließt.

Wenn man aber in Auktionskatalogen liest "Luxusstück mit unbedeutenden Mängeln", dann klingt das wie beim Gebrauchtwagenhandel:

"Fahrbereites Auto ohne Motor".

Ich kenne Sammler, die es trotz Jahrzehnte währender Suche nicht geschafft haben, eine Sammlung "Bund" zusammenzutragen, die nur aus einwandfreien Marken mit zentrisch und gerade sitzendem Bedarfs-Tagesstempel besteht. Aus deren Sicht ist das "Luxus", für den sie bereit sind, entsprechend zu zahlen. Wie soll man diese Ansprüche in Kategorien fassen??

Altsax

katze52
05.04.2008, 18:48
Da haben wir wieder die Qual der Wahl:

Wie bereits bei einem anderen Thema von mir angeführt, gelten also die Katalogpreise, egal von welchem Verlag immer für die 1 a Luxusqualität! Die gibt es auf dem Markt, wie hier mehrfach bestätigt, höchstens zu 0,01 Prozent. Für die restlichen 99,9 Prozent der "handelsüblichen" Qualität, ob nun Kabinett, "Pracht" etc. braucht es keinen Katalog, sondern die ebenfalls oftmals zitierte Müllhalde von Ebay. Alles klar?

Grüsse

katze52

klassiker
05.04.2008, 19:05
@Altsax:

Aus Deinem Namen und Avatar schliesse ich, dass Du Dich, genau wie ich,
den klassischen Ausgaben verschrieben hast. Richtig?

Das heisst, dass wir beide uns bei jedem Kauf in einem Mass mit diesem
Problem konfrontiert sehen, das dem Versandstellen-Bezieher moderner
Ausgaben zumindest so nicht bekannt ist.


Jede Einteilung in Klassen hat nur dann einen Sinn, wenn alle am Markt Beteiligten identische Kriterien als Maßstab haben, was selbstverständlich geringfügige Abweichungen in Grenzfällen nicht völlig ausschließt.

Diese Forderung nach möglichst vereinheitlichten Kriterien unterschreibe ich,
aber Deine etwas resigniert klingende Äusserung am Ende Deines Beitrags


Wie soll man diese Ansprüche in Kategorien fassen?

kommt für mich an als "Das geht ja doch nicht ...".

Der Unterschied zwischen uns, wie ich ihn sehe: Ich meine, es geht!

Es gibt diese Kriterien nämlich bereits – jeder gute Katalog zeigt exemplarisch
Beispiele für unterschiedliche Qualitätsstufen; schau mal z.B. in den Sassone
oder Vaccari für die Einstufung bei den "Stati Antichi".

Das sind aber nur Anhaltspunkte, die in keinem Fall den Käufer ganz
aus der Verantwortung entlassen - und deshalb muss ich das "Kabinettstück"
immer noch sehen. Dass es bei einem seriösen Anbieter (nein, sicher nicht
eBay) keinen "Lupenrand" hat, ist klar, aber schon den Unterschied zwischen
"vollrandig" und "breitrandig" kann nur der Augenschein klären.

(Natürlich scheitert hier eine universelle Klassifizierung: In Millimetern kann
man das nicht standardmässig definieren; bei einem Ziegenauge oder einem
Kleinen Adler gelten da andere Kriterien als bei Hamburg.)

Fazit:
Die bestehenden Einstufungen sind in Ordnung, wenn man sie nicht zu
ernst nimmt (klingt jetzt zynisch, ist aber so). Zentrierung, Ränder und
Stempel verlangen, insbesondere bei höherwertigen Stücken, nach der
persönlichen Inspektion.
(Die Abbildungen guter Auktionshäuser in den Online-Katalogen
sind dafür ausreichend, die kleinen unscharfen Bildchen vieler Internet-
Auktionen nicht.)

Der Käufer hat selbst zu verantworten, was er kauft – wer Garantien will,
ohne selbst hinsehen zu müssen, wird scheitern.

Und hierfür fand ich 150% Katalog angemessen:

http://www.ozdoba.net/forum/qualitaet.jpg

Chris

Altsax
05.04.2008, 22:50
Es geht doch bei dieser Diskussion nicht darum, auf welche Weise die Eskimos darüber befinden sollen, was unter Kälte zu verstehen ist.

Jemand, der jahrzehntelang ein Sammelgebiet pflegt, sollte wissen, was in seinem Beritt unter Qualität zu verstehen ist.

Einem Neuling bleibt beim Briefmarkensammeln ebensowenig Lehrgeld erspart wie anderswo auch.

Es gilt der uralte Rat: Man beginne ein Sammelgebiet mit billigem Material und taste sich an die besseren Stücke langsam heran. Wer sich die Zeit dazu nicht nehmen will, muß an ihrer Stelle Geld aufwenden.

Wer zur Beurteilung von "Normalstücken" einen Verbandsprüfer benötigt, hat als Sammler noch einen weiten Weg vor sich.

Wir sollten uns von dem Anspruch verabscheiden, daß es allüberall "geprüfte Qualität" mit Zertifikat, Gütesiegel etc. gibt. Diese Vollkaskomentalität ist leider weit verbreitet. Prüfung ist eine Dienstleistung, die Zeit und damit Kosten erfordert. Ein Sammler muß - abgesehen von wenigen Sonderfällen - in der Lage sein, den Gegenstand seines Interesses selbst beurteilen zu können, sonst ist er keiner!!

Wer sich weder vom vertrauenswürdigen Fachhändler noch vom örtlichen Sammlerverein beraten läßt, darf sich nicht wundern, wenn sein Lehrgeld besonders hoch ausfällt. Mein Mitleid hält sich in solchen Fällen in Grenzen.

Schnäppchenjäger, die mit dem Finger auf "betrügerische Händler" zeigen, sollten darauf achten, in welche Richtung ihr Daumen zeigt. Wer den Verantwortlichen für derartige Reinfälle sucht, betrachte den Spiegel.

Das alles mag zynisch klingen und vielleicht auch sein. Für meinen Geschmack schreien aber in dieser Gesellschaft zu viele Zeitgenossen "Betrug", wenn sie von ihrer eigenen Tölpelei ablenken wollen.

Altsax

klassiker
05.04.2008, 23:26
Diese Vollkaskomentalität ist leider weit verbreitet. [...] Ein Sammler muß - abgesehen von wenigen Sonderfällen - in der Lage sein, den Gegenstand seines Interesses selbst beurteilen zu können, sonst ist er keiner!!

Sind wir ja doch voll beieinander ...

Gruss,
Chris