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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Luxemburg und die Post im ersten Weltkrieg



deckelmouk
29.03.2008, 13:23
Da der erste Schritt mit meinem Exponat abgeschlossen ist, eröffne ich einen postgeschichtlichen Thread über Luxemburg zur Zeit des 1. Weltkrieges. Ziel ist es, am Beispiel von Luxemburg die Zensur- und Feldpost vorzustellen und die Forschung voran zu treiben.

Nach der Wiederaufnahme des Auslandsverkehrs war zuerst Cöln-Deutz für die Post aus und nach Luxemburg zuständig. Die Zensurstempel sind in violett und rot bekannt. Hier ein schöner Abschlag in rot von Düsseldorf nach Wiltz in Luxemburg.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
07.04.2008, 19:45
Im Gegensatz zu Belgien war Luxemburg "entmilitarisiert", bis auf die ca. 150 Mann des "Corps de Volontaires" und der Gendarmerie (ebenfalls 150 Mann) gab es keine Armee. Bei der Besetzung durch Deutschland wurde kein Widerstand geleistet. Auch die Besetzung selbst verlief relativ friedlich, es gab in geringem Umfang Heckenschützen und "Marquisards".

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
13.04.2008, 16:23
Die Geschichte der US-Feldpost auf luxemburger Boden ist ein sehr ergiebiges und wenig erforschtes Gebiet. Diese Postkarte aus Kehlen wurde über das US Army P.O. No. 715 geleitet. Häufiger ist das US Army P.O. 745, das den grössten Teil der Feldpost bearbeitete.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
13.04.2008, 16:27
Wie an anderer Stelle schon erwähnt, zählen Dienstbriefe zu den Besonderheiten. Schön, wenn man für sein Sammelgebiet einen Dienstbrief in der zweiten Gewichtsstufe (20 - 250 Gramm) nach Bitburg/Deutschland findet, der von den Amerikanern zensiert wurde.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
13.04.2008, 18:20
Ein Unterthema, dass mir immer Spass macht, sind Doppel- und Mehrfachzensuren. D.h., es sind mindestens zwei Zensurstempel zu erkennen.

1. Feldpostkarte aus Ludwigshafen nach Luxemburg 1915: Grundsätzlich wurden m.W. Feldpostkarten nicht zensiert. Hier befindet sich neben dem Stempel der Auslandszensurstelle Trier ein Stempel des II. Armeekorps Ludwigshafen, das für die Inlandsüberwachung zuständig war. Die Feldpostkarte lief in Deutschland gebührenfrei, in Luxemburg wurde sie mit 5 Centimes nachtaxiert.

2. General Gouvernement/Czenstochau nach Luxemburg 1917: Post von und nach Deutschland, Belgien und die Schweiz kommt häufig vor, alles andere ist keine "Massenware" mehr. Der kleine blaue Zensurstempel ist leider etwas verschwommen, der violette Zweikreisstempel aus Trier gehört zu den häufigsten, da von 1916 bis Kriegsende im Einsatz.

3. Mörsdorf nach Echternach 1917: Karte aus dem kleinen Mörsdorf (blauer Stempel!), die in Trier sowohl von der Inlands- als auch von der Auslandspostkontrolle mit Zensurstempeln versehen wurde. Ein Versehen?

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
13.04.2008, 18:32
Die Luxemburger Post hat am Anfang des 1. Weltkrieges eine klare Anweisung ausgegeben: Schreibt Postkarten, die werden am schnellsten befördert - weil die Zensur einfacher ist. Briefe müssen offen aufgeliefert werden. Verschlossene Briefe wurden geöffnet und mit Verschlussstreifen versehen. Das Prozedere dauerte u.U. recht lange.

1. Vorderseitig unscheinbarer Brief aus Basel/Schweiz nach Luxemburg v. 1918. Rückseitig mit einem der selteneren Verschlussstreifen zugemacht, der zuständige Offizier setzte einen Rahmenstempel bei und signierte.

2. Mitgenommener Einschreibebrief aus Luzern/Schweiz nach Luxemburg v. 1915. Mit 65 Rappen frankiert - hier würde mich die Portoaufschlüsselung interessieren, war das schon die zweite Gewichtsstufe? Rechts mit einem Verschlussstreifen versehen, dazu der Rahmenstempel mit gepunkteter Linie und schräg gestellten Buchstaben.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
13.04.2008, 18:44
Das besondere Schmankerl zum Schluss: Inlandswertbriefe haben die Germaniasammler schon in rauen Massen gesehen. Wertbriefe ins Ausland sind schon seltener. Wertbriefe ins Ausland während des 1. Weltkrieges - und dann von oder nach Luxemburg sind sehr selten, das ist der vierte Wertbrief, den ich kenne.

Das Prozedere war auch kompliziert. Der Wertbrief konnte entweder bei einer Zensurstelle oder einem deutschen Postamt unverschlossen abgegeben werden, nach der Kontrolle wurde versiegelt (in diesem Fall mit Firmensiegel, oft auch mit Postamtssiegeln) und dann von der Inlandszensur freigegeben. Die Auslandszensurstelle hat dann nur noch den Zensurstempel draufgeknallt und gut war´s. Wurde nicht im Aufgabepostamt postamtlich gesiegelt oder unter Aufsicht, dann hat die Auslandszensurstelle den Wertbrief geöffnet und wieder verschlossen (sowas suche ich noch).

Ich bin froh, dass ich dank eines luxemburger Sammlerfreundes überhaupt diesen Brief habe. Falls sich ein Germaniasammler genötigt fühlt, das Porto zu erklären, dann wird ihm mein Dank auf ewig nachschleichen :D

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
11.05.2008, 21:08
Essen war dieses Jahr ein gutes Pflaster. Der Brief ist recht unscheinbar, das Sonderporto mit Deutschland von 12 1/2 Centimes wurde verklebt. Die Bedeutung gewinnt der Beleg durch die fehlende Zensur, eigentlich hätte sich Trier dort verewigen müssen und durch die Adresse, die an eine deutsche Kriegsgefangenenauskunftsstelle in Münster ging. Ca. 3000 Luxemburger kämpften auf französischer Seite. Leider ist der Inhalt nicht mehr erhalten.

Helmut und Ulli ein herzliches Dankeschön für die Hilfe beim vollständigen Entziffern der Adresse!

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
11.05.2008, 21:13
... zumindest für mich :D

Der Brief sieht aus, als ob er einer Kuh aus dem A...llerwertesten gezogen wurde. Aber er hat zwei Besonderheiten:

1. Einen Einschreibezettel des Dt. Feldpostamtes Nr. 1, den ich so bisher noch nicht dokumentiert hatte und

2. wurde der alte Einkreisstempel von 1914 auch noch 1917 verwendet. Mein spätestes Verwendungsdatum stammt aus 1915. Er war also noch vorhanden, als der neue Stempel eingeführt und verwendet wurde

Beste Forschergrüsse!

Lars

deckelmouk
25.05.2008, 22:37
Die anhängende Karte ging durch die Zensur in Lüttich und in Trier, der nicht so häufige Ankunftsstempel Hesperange rundet das Stück ab. Als Frankatur wurde eine Marke mit Überdruck "Centimes" und eine mit der abgekürzten Schreibweise "Cent." verwendet.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

heku49
26.05.2008, 20:59
Hallo Lars,
hier noch ein Beleg ohne Zensurstempel vom 26.4.1915 von Mersch als Einschreiben nach Köln. Die Adresse existiert in Köln, ist heute Sitz der Deutschen Bank. Portostufe kann ich mir noch nicht erklären. Vom Brief ist leider nur die Briefhüllenvorderseite erhalten.
Gruß Helmut

deckelmouk
26.05.2008, 21:57
Hallo Helmut,

mit diesen Überdruckmarken wurde wild spekuliert. Die Portostufe war für Pakete nach Deutschland gedacht, sie findet sich im wesentlichen auf überfrankierten Briefen an Sammler und Händler. Oft sind diese Briefe nicht in Trier zensiert worden, haben aber Ankunftsstempel.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
21.07.2008, 22:37
Der Brief ging 1918 von der mit deutschem Kapital gegründeten und mit dem Notenbankprivileg ausgestatteten Internationalen Bank nach Strassburg. Neben dem üblichen Doppelkreiszensurstempel von Trier befindet sich ein Abschlag der Postkontrolle Strassburg auf dem Brief. Briefe und Karten aus dem Elsass nach Luxemburg habe ich öfters gezeigt, das ist m.W. der erste Beleg aus Luxemburg. Und das mit recht sauberen Abschlägen, was damals nicht immer üblich war...

Die Zusage für die "Luxphila" Ende September in Marche-en-Farenne habe ich erhalten. Der Beleg findet seinen Platz in einem der sechs Rahmen.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
05.08.2008, 07:38
Wie man am Briefstempel und an der z.T. überklebten Absenderangabe erkennen kann, war der Absender Pionier im der 28. Landsturm-Pionier-Park(?), Rakischki (liegt in Litauen, war er auf Heimaturlaub?). Damit hätte er innerhalb Deutschlands die Karte ohne Frankierung versenden können. Da aber Luxemburg die deutsche Feldpostregelung nicht anerkannte, hat er mit 5 Pfg. frankiert. Das ist die zweite Karte, die ich voll frankiert von einem Soldanten nach Luxemburg finde.

Die Karte durchlief die zivile Postkontrolle in Strassburg und die Auslandszensur in Trier. Der Bahnpoststempel Strassburg - Westhofen dürfte von einer kleinen Nebenstrecke stammen: http://www.pkjs.de/bahn/Kursbuch1944/Teil4/Teil4-baden.html - leider nicht sauber abgeschlagen.

Was mich an der Karte am meissten fasziniert sind die drei Abklebungen, zwei auf der Vorderseite (u.a. Absenderangabe) und der Rückseite (Ortsangabe). War das (Selbst-)Zensur?

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
15.08.2008, 15:07
Bei dem Sammelgebiet gibt es immer wieder Überraschungen: Bisher kannte ich nur Briefe und Postkarten, die entweder mit Deutscher Feldpost oder mit luxemburger Post spediert wurden. Diese Postkarte vom 08.08.1914 wurde bei der Luxemburger Post abgegeben, die dann die Karte an die Feldpoststation der 16. Division weiterleitete.

Das Thema Dt. Feldpost und luxemburger Post ist deutlich vielschichtiger, als ich ursprünglich angenommen hatte. Ich ging davon aus, dass nur in den ersten Kriegstagen Feldpost portofrei durch die luxemburger Post befördert wurde. Eine Feldpostkarte ohne Nachtaxierung aus 1917 hat diese Theorie ins Wanken gebracht. Ebenso eine frankierte Feldpostkarte aus 1915, die ohne Trierer Postzensur nach Deutschland befördert wurde - die fehlende Zensur lässt sich durch die Weiterleitung über die Feldpost erklären.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
25.08.2008, 22:35
Sowas sollte es nicht geben: Deutsche Feldpostkarte, die voll frankiert ist und bei der Luxemburger Post aufgegeben wurde... Feldpost wurde bei der Auslandszensurstelle Trier in der Regel nicht zensiert, darum fehlt der Stempel hier.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
31.08.2008, 23:03
Mittlerweile ist das Exponat für die "Luxphila" in Marche/Belgien fertig. Wer eine französischsprachige CD mit 90 Seiten zu dem Thema haben möchte, der schicke mir bitte eine PN. Feedback wäre klasse, ist aber kein muss. Ca. 30% der Belege hab ich im Vergleich zu Sindelfingen ausgetauscht bzw. neu dazu genommen.

Beste Ausstellergrüsse!

Lars

DiDi
15.10.2008, 23:34
.... wahrscheinlich nicht, aber wer kann den sagen, warum der Briefverkehr der Kriegsgefangenen nach Luxemburg verboten war?

Besten Gruß von
DiDi

wuerttemberger
16.10.2008, 08:35
Mit dem Feldposterlass 143b kann ich aushelfen. Da steht aber leider auch nicht mehr drin.

10811

Gruß

wuerttemberger

PS. Der Erlass ist vom 11. März 1915

deckelmouk
16.10.2008, 10:59
@didi:

Meine Vermutung: Luxemburg war neutrales Ausland und unterstand nicht der Kontrolle durch das Deutsche Reich.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

P.S. Sehr schönes Stück! Würde sich hervorragend in meiner Sammlung machen :)

deckelmouk
02.11.2008, 15:14
Dieser Brief passt in zwei meiner Exponate: Retourbriefe und Besetzungszeit WKI. Gemäss rückseitigem Vermerk war der Adressat zum Militär eingezogen worden. Seine Frau hat die Annahme verweigert und der Brief ging wieder zurück.

Interessant ist die Darstellung der Frankatur. Es wurden zwei wertgleiche Portostufen der Marie-Adelheid und der vorherigen Willhelm-Ausgabe verwendet. Einmal 25 Centimes für das Briefporto, einmal 25 Centimes für die Einschreibegebühr.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

pasbal
03.11.2008, 09:33
Dieser Umschlag ist ja mal was ganz Besonderes!

Wenn ich die Adresse richtig deute, geht der Brief an

Herrn Friedrich Nahgel (?)
Bankbeamter
Prag
Mariengasse 2
Österreich

Prag, was heute zur tschechischen Republik gehört, gehörte damals zu Böhmen (die tschechische Republik wurde erst 1918 gegründet - der Brief stammt von 1915). Böhmen gehörte zur KuK Monarchie (wenn ich mich richtig erinnere).

Was ich nicht verstehe ist: wie wusste die Post die Adresse des Absenders - ich kann keine finden? Ich sehe "Manternach prof (?)" auf der Rückseite - ist das der Name des Absenders? Denn um das Dorf kann es sich kaum handeln, der Brief wurde in Esch abgestempelt!

deckelmouk
03.11.2008, 14:02
Was ich nicht verstehe ist: wie wusste die Post die Adresse des Absenders - ich kann keine finden? Ich sehe "Manternach prof (?)" auf der Rückseite - ist das der Name des Absenders? Denn um das Dorf kann es sich kaum handeln, der Brief wurde in Esch abgestempelt!

Salut Pascal,

es handelt sich um ein Einschreiben. Vermutlich musste der Postbeamte in Esch nur auf dem Einlieferungszettel nachsehen. Ich gehe davon aus, dass die Adresse notiert wurde. Ansonsten bleibt nur die Öffnung des Briefes. Wobei ich die Leistungsfähigkeit der Beamten bewundern muss, die selbst bei Postkarten noch Adressen ermitteln konnten. Beispiele folgen...

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
04.11.2008, 21:14
Der Schwiegervater eines Luxemburgers schrieb 1915 einen Brief und eine Karte aus deutscher Gefangenschaft. Interessanterweise ist keine Auslandszensur zu sehen, nur das Lager hat sich "verewigt".

Ich bin froh, diese Stücke bekommen zu haben. Dass es sie gibt, war mir bewusst. Aber auch die Seltenheit im Verhältnis zu privater oder Feldpost. Selbst Briefe an die Rote-Kreuz-Auskunftsstelle in der Schweiz sind deutlich häufiger.

Nachdem ich bei der "Luxphila" in Marche-en-Famenne eine Goldmedaille bekommen habe, werde ich nächstes Jahr in Luxemburg national Ausstellen und hoffe, mich damit für FIP/FEPA-Ausstellungen zu qualifizieren. Falls es zeitlich hinhaut, melde ich mich auch für die Rang-2-Ausstellung im September 2009 in Soest an.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

wuerttemberger
04.11.2008, 22:24
@deckelmouk

Die Zensurstelle im Kriegsgefangenenlager hat die Sendungen schon ausreichend zensiert. Diese Sendungen wurden normalerweise nicht mehr von den Auslandsstellen behandelt. Eine KGF-Sendung mit einer weiteren Zensur wäre schon außergewöhnlich.

Gruß

wuerttemberger

fenzel
04.11.2008, 22:48
Hallo Lars, sehr schöne Belege, aber württemberger bemerkt m.E. zu Recht, daß eine weitere Zensur nicht üblich war. Habe ähnliche Belege von Nürnberg nach Frankreich. Auf beiden Briefen findet sich die Abkürzung F.a. Kannst du sie erklären? Gruß H.

deckelmouk
04.11.2008, 22:51
@wuerttemberger:

Herzlichen Dank für die Auskunft! Es würde mich aber auch nicht wundern, noch Kriegsgefangenenpost mit Zensurstempel von Trier zu sehen...

Noch etwas zum Kucken:

Zwei Retourbelege: Einmal eine Ansichtskarte, die von der Postkontrolle Cleve durchgewunken und dann doch zurückgewiesen wurde, dann ein Brief, der verschlossen aufgeliefert wurde und von der Zensurstelle Trier ebenfalls zurückging. Der Trierer Stempel ist bisher nur einmal dokumentiert.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
04.11.2008, 22:56
@fenzel:

Nach meinen Unterlagen bedeutet der Stempel "F.A.", dass die Post gemäss den Genfer Konventionen zügig weitergeleitet wurde.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

fenzel
04.11.2008, 23:05
Hallo Lars, nach meinen Kenntnissen bedeutet F.a. "Frist abgelaufen", d.h. der Brief wurde erst zurückgehalten, bis irgendwelche vermeindlichen kriegsentscheidenden Hinweise aufgrund der Zeitverzögerung wertlos geworden sein sollten, dann erst freigegeben. Habe meine Informationen aber nur aus mündlicher Quelle (Horst Geiger, INFLA Berlin) Gruß Herbert

BaD
05.11.2008, 02:59
!0 Tage war die Frist zwischen schreiben und absenden durch die Prüfstelle des Lagers, dann erhielt der Beleg den Stempel " Frist abgelaufen "

Mit besten Grüßen BaD

deckelmouk
05.11.2008, 10:50
@bad:

Vielen Dank für Deine Erklärung! Weisst Du auch, wann man nach Kopenhagen und wann man an das Rote Kreuz in Genf geschrieben hat?

Beste Sammlergrüsse!

Lars

rolfnr
05.11.2008, 16:28
Hallo Lars

Die Aussagen von Fenzel und Bad kann ich bestätigen. In meiner Dir vorliegenden Übersicht "Zensurstempel Trier" ist es noch falsch dargestellt (Quelle: "Wolter, Postzensur S. 68/69: F.a. = Fristgemäße Abfertigung).

Nach Rücksprache mit dem Leiter der Arge Zensurpost habe ich die Erklärung in meiner Übersicht geändert. Es heißt jetzt:

Zum Zusatz „FA“:
Im Briefverkehr der Kriegsgefangenen war mit Erlass vom 11. November 1914 geregelt, dass aus Gründen der Sicherheit die Absendung der Briefe der Kriegsgefangenen erst 10 Tage, nachdem sie geschrieben sind, erfolgen sollte. Die Überwachung dieser vorgegebenen Frist war allerdings in der Praxis aus verschiedenen Gründen nicht immer möglich. Daher folgte am 11. Januar 1915 ein Befehl des Kriegsministeriums, die Kriegsgefangenenpost vor der Weitergabe mit einem Stempel zu versehen, der den Ablauf der zehntägigen Frist sofort erkennen ließ. In diesem Stempel musste der Vermerk F.A. enthalten sein. F.A. bedeutet: „Frist abgelaufen“.

Die Kriegsgefangenenpost wurde oft mit einem zusätzlichen Stempel „Abs + Datum“ (1917/1918) versehen. Er diente als Hinweis, wann die Frist von 10 Tagen abgelaufen ist.



Viele Grüße
Rolf

deckelmouk
06.11.2008, 07:09
@rolfnr + @bad:

Vielen Dank für Eure Erklärungen!

@all:

Den folgenden Brief hab ich gestern bekommen. Vorderseitig Maschinenstempel von New York vom 24.10.1916 und Zensurstempel von Trier, rückseitig die Reste eines englischen Verschlussbandes, ein Kontrollstempel von Trier mit Datum 25.11.1916, Ankunftsstempel von Luxemburg vom 26.11.1916. Zeitlich passt das wunderbar zusammen. Allerdings liegt der Kontrollstempel unter dem englischen Verschlussband. Andererseits ist das Trierer Verschlussband wieder über dem englischen...

Meine Frage: Möglich ist diese Doppelzensur auf jeden Fall, aber wie fand der Briefaustausch statt? Möglich wäre dieser über das neutrale Holland gewesen. Sind ähnliche Briefe nach Deutschland bekannt? Ich habe Belege von und nach den USA, aber keine, die zweimal zensiert wurden.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
09.11.2008, 16:53
So langsam kristallisiert sich ein klareres Bild heraus: Bis Ende September 1914 fand keine zentralisierte Postzensur von Briefen und Postkarten in Deutschland statt. Danach unterblieb die Zensur m.E. nur versehentlich. Angehängt habe ich eine Karte von September 1914 (wie üblich ohne Zensur), und eine Karte aus Bayern vom Juli 1916 (versehentlich unzensiert geblieben).

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
29.12.2008, 23:33
Nach längerer Zeit kann ich ein Verwendungsdatum eines Trier Zensurstempels um fast einen Monat verschieben. Der Stempel war zwei Monate im Einsatz, hat sich aber nicht bewährt. Das kann man unschwer am sehr schlechten Abschlag erkennen.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
06.04.2009, 22:54
Kriegsgefangenensendungen aus Frankreich nach Luxemburg waren mir bisher nicht bekannt. Ich kenne mittlerweile zwei Briefe, die den umgekehrten Weg genommen haben (allerdings nicht an kriegsgefangene Soldaten). Die Portofreiheit wurde akzeptiert, obwohl Luxemburg keine Kriegspartei war und in der Regel Feldpost nachtaxierte.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
15.04.2009, 22:46
Auch die Sammlung über den 1. Weltkrieg und seine Nachwehen geht voran. Diesen Wertbrief aus Hamburg habe ich heute bekommen. Leider ist der violette Stempel auf der Rückseite nur schwach abgeschlagen. Meine Vermutung ist: "Postüberwachungsstelle Frankfurt am Main" - kann das jemand bestätigen und mir über den Stempel selbst etwas mehr erzählen? Das wäre klasse!

Beste Sammlergrüsse!

Lars

BaD
16.04.2009, 12:15
Dieser Einschreibe-Brief ging bis zur Überwachungsstelle Trier, dann fehlen weitere Stempel.
Hat man die in Haida vergessen, oder gab es einen Grund ihn nicht weiter zu befördern.

Mit besten Grüßen BaD

deckelmouk
16.04.2009, 12:53
@bad:

M.E. ging der Brief durch. Sonst wären entsprechende Stempel darauf, die Trier bei Sendungen, die zurückliefen, angebracht hat.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
20.04.2009, 06:25
Zwei Besonderheiten auf einem unscheinbaren Beleg:

1. Frankierte Feldpost (in der Regel wurde Feldpost unfrankiert versandt)
2. Kein Zensurstempel von Trier - Trier hat Anfang Dezember 1914 mit der Zensur der Auslandspost angefangen. Es finden sich ab und zu Belege aus Metz und Diedenhofen, die nur die Inlandspostkontrolle durchlaufen haben.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
20.04.2009, 22:56
Wieder eine dieser unscheinbaren 5-Pfg.-Germania-Frankaturen, die keinen "normalen" Sammler hinter dem Ofen vorholen. Die Postkarte aus Merzig ist korrekt mit 5 Pfg. frankiert, ab Ende Oktober 1914 hat Köln zentral die Auslandszensur für Luxemburg übernommen, aber hier hat der zuständige Postbeamte die Karte direkt an die Postkontrolle Saarlouis weitergeleitet, von dort ging sie dann sofort und ohne Umweg über "Kölle" nach Luxemburg.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
19.05.2009, 22:57
Das ist einer der schönsten Briefe aus der Besatzungszeit: Der Einschreibebrief in die Schweiz wurde mit 50 Centimes frankiert (25 Cent. für Einschreibegebühr, 25 Cent. UPU-Auslandsporto) und sowohl in Trier als auch in Strassburg zensiert. Leider nicht ganz sauber geöffnet, aber das tut der Optik keinen Abbruch.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

deckelmouk
07.06.2009, 15:25
Wer kennt das oben angesprochene "Büro"? Meine Recherchen haben nur ergeben, dass dort u.a. die Visa-Vergabe geregelt wurde? Weiss jemand mehr? Wie lange hat es bestanden, was waren seine Aufgaben?

Beste Sammlergrüsse!

Lars

heku49
19.12.2009, 20:40
Heute möchte ich mal eine Postkarte zeigen:

von Luxemburg nach Ciney in Belgien vom 11.11.1915.
Interessaant ist der Zusatzstempel auf der Vorderseite:
Keine Beförderungsgelegenheit -zurück-.
Weiß jemand wo dieser Stempel aufgebracht wurde?
War das schon in Luxemburg, an der Grenze oder in Belgien?

Gruß Helmut

deckelmouk
21.12.2009, 17:14
Hallo Helmut,

nach meinem Belegmaterial geschah das in Trier bei der Auslandszensurstelle. Dort wurde von Luxemburg aus die Auslandspost hingesandt. Die Aussage ist allerdings nicht in Stein gemeisselt.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

heku49
21.12.2009, 19:45
Hallo Lars,

danke für die Info.

Gruß Helmut

deckelmouk
31.10.2011, 23:56
Inlandszensur durch Deutsche Feldpost innerhalb Luxemburgs... Bisher der einzig bekannte Beleg.

Beste Sammlergrüsse!

Lars