Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Champusbrief in die andere Richtung
Nachdem an anderer Stelle schon mal über die "Champusbriefe" nach Reims und Bordeaux diskutiert wurde, und auch die selteneren Briefe in die andere Richtung angesprochen wurden, habe ich bei mir durch Zufall einen Brief aus Bordeaux nach Thorn aus dem Jahre 1842 gefunden. Ich steige allerdings durch die Taxvermerke nicht ganz durch. Oben mittig scheint die Gewichtsangabe zu sein, könnte das 3/4 Loth heißen? Lt. Helbig wurde in Frankreich Gramm angewandt, wie passt das zusammen? Von der Taxe kann ich gerade mal 3/4 sicher lesen, soll der Rest 20 oder 29 bedeuten, oder liege ich total daneben? Wer könnte etwas zur Taxe von Frankreich nach Preussen sagen.
6898
Aleks
wuerttemberger
06.12.2007, 18:57
Leider kann ich Dir die genaue Portoberechnung nicht sagen, aber ein paar grundsätzliche Hinweise geben.
Die Preussen und Franzosen haben die sogenannte Paketabrechnung angewandt. Das heißt, die Portobriefe wurden pro 30 Gramm gegenseitig verkauft. Preussen zum Beispiel kaufte französische Portobrief aus dem 5. französichen Rayon für 42 Decimes (=33 2/3 Sgr.) je 30 Gramm. Deswegen findest Du auch keine französische Gewichtsangabe auf dem Brief, weil die Franzosen das gar nicht interessierte. Für Preussen jedoch war das Gewicht des Briefes von großer Bedeutung, denn sie mußten ihre Auslagen wieder reinholen.
Bei einem Gewicht von 3/4 Loth (=12 Gramm) mußte also über 1/3 der ausgelegten 42 Decimes vom Empfänger erhoben werden.
Ich kenne leider nicht die exakten preussischen Sätze, die für Briefe aus Frankreich erhoben wurden. Ich an Deiner Stelle würde erst einmal den preussischen Portosatz Thorn - franz. Grenze ermitteln und dann mit dem Restbetrag eine vernünftige Erklärung suchen.
Gruß
wuerttemberger
bayern klassisch
06.12.2007, 19:16
Ich stimme wuerttemberger (wie immer) zu.
Das oben notierte Gewicht dürfte 3/4 Loth gewesen sein, womit es wohl eine 2. Gewichtsstufe war.
Insgesamt hat der Empfänger 29 3/4 Sgr. gezahlt, was auch nicht eben wenig war. Aber der Brief kam aus dem 5. Rayon Frankreichs (C.F.5R. = Correspondance Francais 5. Rayon) und lief in den 5. Rayon Preußens nach Thorn, was es erklärlich macht.
2/5 von einer Unze (30g) bzw. 33 2/3 Sgr. waren 13 1/2 Sgr.. Diesen Betrag musste Preussen an Frankreich gewichtsmässig vergüten.
Von den kassierten 29 3/4 Groschen verblieben also für die preußische Strecke 16 1/4 Groschen.
Gruss von bayern klassisch
Wir haben ja schon einige Postverträge (http://www.postvertraege.de) verfügbar. Da ist im Handbuch für die Thorner Post von 1826 die Strecke Thorn-Aachen mit 14 Sgr. und die Strecke Thorn-Bordeaux mit 24 Sgr. ausgewiesen. Ich denke man muss jetzt nochmal forschen, wie das mglw. zusammenpasst, oder bis 1842 geändert wurde. Eigentlich war man zu dieser Zeit noch sehr langsam bei der Änderung von Vorschriften/Verträgen, wenn man sieht, wann erst die Folgeverträge mit Russland kamen.
Aleks
deckelmouk
06.12.2007, 19:39
Hallo Aleks,
die Einführung der neuen Groschenwährung ab 1824 hat keine Rolle gespielt? Könnte das die Differenz zum Postvertrag erklären?
Beste Sammlergrüsse!
Lars
bayern klassisch
06.12.2007, 19:52
@deckelmouk
War das nicht 1821/1822 mit der Währungsumstellung Preußens von Gutegroschen zu Silbergroschen?
Nur bei verschiedenen Postverträgen wurde über diesen Zeitpunkt hinaus noch die alte Parität beibehalten.
Gruss von bayern klassisch
wuerttemberger
06.12.2007, 19:55
Wir haben ja schon einige Postverträge (http://www.postvertraege.de) verfügbar. Da ist im Handbuch für die Thorner Post von 1826 die Strecke Thorn-Aachen mit 14 Sgr. und die Strecke Thorn-Bordeaux mit 24 Sgr. ausgewiesen. Ich denke man muss jetzt nochmal forschen, wie das mglw. zusammenpasst, oder bis 1842 geändert wurde. Eigentlich war man zu dieser Zeit noch sehr langsam bei der Änderung von Vorschriften/Verträgen, wenn man sieht, wann erst die Folgeverträge mit Russland kamen.
Aleks
Die große Schwäche dieses Postvertrages war, dass das Porto in der einen Richtung ein anderes war als das Porto in die entgegengesetzte Richtung. Das beschreibt schon Stephan in seiner "Geschichte der Preussischen Post" von 1858. Ein Werk, das ich immer wieder gerne lese.
Die 14 Sgr von Thorn nach Aachen (oder den tatsächlichen Taxpunkt) würde ich schon mal als gegeben ansehen. Die tatsächlichen Auslagen des franz. Anteils wurden nicht genau 1:1 zu Gunsten des Empfängers, sondern etwas (oder im Falle der franz. Postverwaltung sehr deutlich) zu Gunsten der preuss. Postverwaltung "aufgerundet".
Gruß
wuerttemberger
Powered by vBulletin™ Version 4.1.1 Copyright ©2012 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.