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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Altbriefe - kleine Schönheiten



Aleks
28.11.2007, 11:28
Es ist immer wieder eine Freude, wie bayern klassisch solche für manchen Sammler schwer zu lesenden Texte umsetzt. Ich möchte diesen Thread beginnen, damit vielleicht auch mal andere ihre Altbrief-Schönheiten zeigen. Vielleicht können wir uns dann darin üben, die Texte zu analysieren.
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Hier ein Brief aus dem Jahre 1678. Vor lauter Anschrift blicke ich noch nicht durch, wohin er genau gegangen ist. Irgendwo in die Gegend von Dannenberg.
Für Unterdienstlich ganz schön viel Anschrift.

Aleks

bayern klassisch
28.11.2007, 13:28
Hallo Aleks,

einen großen Dank für die Blumen, der sich diesmal in der Transkription deines Briefchens ausdrückt:

Dem Hoch Edelgebohrnen, Gestrengen und Vesten Herrn, H(errn) Georg Wilhemn Schenck von Winterstedt Kurf(ürstlicher) Braunschw(eigischer) Lüneb(urgischer) hochbestalten Rath, auch Oberhaubt Mann der hoch Kurf(ürstlichen) Dannenbergischen Ämbter, auff Schwachhausen, Holm, Lindhorst, Kalbe und Öls Erbherren, meinem Hochgeneigten Patron und mächtigen Beforderer

Unterdienstlich

Mit Dannenberg hast du Recht - da wurde vor vielen Jahrzehnten ein umfangreiches Archiv aufgetan. Sogar ich habe da etwas abbekommen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Kreuzerjäger
28.11.2007, 18:27
Hallo.

Es gibt aber auch Briefe, wo die Schrift sehr gut zu lesen ist (Jedenfalls die Anschrift:) ). Hier ist mal einer aus dem Jahr 1608.

Viele Grüße
BlaueDreiKreuzer

Aleks
28.11.2007, 18:41
Kann ich nur bestätigen. Das ist doch Anschrift.:)
6749
Brief aus Danzig an die Stadt Thorn um 1560.
Interessant und wichtig auch die Feinheiten im Papier. Oft gibt das Wasserzeichen wichtige Hinweise.

Aleks

andreas-machner
28.11.2007, 18:44
Faszinierend! Wie kann man sowas nur lesen? Ich habe schon einige solche Briefe vor mir liegen gehabt, doch nach kurzem habe ich aufgegeben...:(

Aleks
28.11.2007, 18:47
die beiden letzten waren die einfachen, die Harten kommen erst noch.;)

Aleks

bayern klassisch
28.11.2007, 18:53
Tja, man hat eben bei einem Grafen und Herrn zu Castel gewusst, wie man zu schreiben hatte ...

Toller Brief und so frisch wie gestern geschrieben. Glückwunsch zu dem Stück!

Jetzt muss ich aber auch einmal einen zeigen, und zwar meinen ältesten Brief mit bayerischer Relevanz - er ist von 1343. Und zwar nach Christus.

Zwar emittierte Bayern früher als jeder andere in Deutschland Briefmarken, doch damals war die Drucktechnik wegen der verspäteten Geburt eines Herrn Gutenberg eben noch nicht so weit ...
Daher auf Pergament geschrieben und auch heute noch recht frisch!

Grüsse von bayern klassisch

abrixas
28.11.2007, 19:21
Ach, könnte man derartige Ergebenheitsadressen noch heute an unsere gewählten Volksvertreter richten, ohne sich selbst der Lüge zu bezichtigen!:rolleyes:

Oder war man damals etwas, wie man es heute neudeutsch ausdrücken würde, verschleimter?:rolleyes:

Aleks
28.11.2007, 19:27
@bayern klassisch
Altersmäßig gebe ich mich geschlagen. :)
Mein größtes Stück, im wahrsten Sinne des Wortes, ist ein Sate- und Artikelbrief Herzog Heinrich des Mittleren für die Stadt Dannenberg (Elbe) von 1499. Der ganze Brief ist ca. 47x59 cm groß und passt in keinen Scanner, darum nur einige Fotos. Er ist in mittelniederdeutscher Sprache geschrieben und ein Experte hat mehrere Monate für die Transkription gebraucht.
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Ein Auszug aus dem Originaltext:

Wy Hynrik Van Goddesgnaden Hertoge to Brunswigk und Luneborg ic zaligen Hertogenn Ottenn sone dhon witlik und kunth allenn de dussen breif sehenn horen lesenn edder lesenn, van watte wertden edder State de syn geistlick Und wertlick und sunderges unnsen borgern und borgerschen Inwonern und Inwonerschen unnser Stad Dannenberge dat de vorsichtigen Unnse leven getruewen ....

Einige Auszüge aus der Transkription:

Wir Heinrich von Gottes Gnaden, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, des seligen Herzog Ottos Sohn, geben zu wissen und tun kund allen, die diesen Brief sehen, hören lesen oder lesen, von welchen Würden oder welchem Stande sie seien, geistlich und weltlich, und insbesondere unseren Bürgern und Bürgerinnen, Einwohnern und Einwohnerinnen unserer Stadt Dannenberg, daß die weisen (fürsichtigen), unsere lieben getreuen Bürgermeister und Ratsherren daselbst zu Dannenberg uns gezeigt und lesen lassen haben etliche Satzungspunkte und Artikel, die vor Zeiten von ihren Vorfahren zur Verbesserung unserer Stadt Dannenberg angesetzt und auch gehalten worden sind. Da diese nun schon seit langem nicht beachtet und gehalten wurden, wodurch unsere Stadt Dannenberg, namentlich die Bürger in ihrem Besitzstand und die Stadt in ihren Baulichkeiten und ihrem anderen Ratsbesitz zurück und in Verderb geraten sind, haben wir mit unseren unten genannten Räten die Gelegenheit erwogen und zur Kenntnis genommen und jene Satzung aufs Neue unseren in Dannenberg wohnhaften Untertanen bei ihren Gelübden und Eiden (zu halten) befohlen.
...


Kein fremdes Bier soll man anzapfen, lagern, auf dem Hof oder im Haus haben, besonders nicht während des Freimarktes, ausgenommen das, was man schon angezapft hätte. Das mag er (man) weiter ausschenken, aber nichts weiteres danach anzapfen bei Strafe.
...
Kein Nachbar soll vorsätzlich dem anderen seinen Dreck vor dessen Tor ablegen.
Kein Bürger soll den anderen übervorteilen beim Kauf (Verkauf) eines Gegenstandes bei Strafe.
...

Der Brief war durch Wasserschäden fast nicht mehr lesbar, nahezu dunkelbraun. Fachleute für Restauration an der Universität Thorn haben mir daraus in mehrmonatiger Arbeit wieder dieses Schmuckstück gezaubert.

Aleks

Ludwig
28.11.2007, 19:32
Brief aus Aub von 1778

Mehr Altpapier vorhanden - wie der Vorschreiber schon sagte - die Härtefälle kommen noch!

Gruß
Ludwig

Kreuzerjäger
28.11.2007, 19:37
Ach, könnte man derartige Ergebenheitsadressen noch heute an unsere gewählten Volksvertreter richten, ohne sich selbst der Lüge zu bezichtigen!:rolleyes:

Oder war man damals etwas, wie man es heute neudeutsch ausdrücken würde, verschleimter?:rolleyes:

Ja, verschleimt kann man es auch nennen. Heute würde man wohl so etwas noch deftiger formulieren.
Trotz alle dem finde ich diese Ergebenheitsadressen sehr interessant. Manche gehen über 10-12 Zeilen. Da tropft der "Schleim" nur so von der Briefvorderseite.
Ob die das alles ernst gemeint haben? Glaube wohl kaum. So war es eben vor ein paar hundert Jahren.
Mich würde mal interessieren, wenn die einen Brief ganz "normal" adressiert hätten. Nur mit "An Herrn ...." und so weiter. Käme der dann wieder zurück?
Ein bisschen Gefängis dann auch noch dabei, wegen Anwendung einer respektlosen Briefanschrift:D .

Viele Grüße
BlaueDreiKreuzer

bayern klassisch
28.11.2007, 19:37
Hallo Aleks,

Spitzenstück - da wird die Restauration auch nicht gerade wenig gekostet haben. Sie war es aber sicher wert!

Zu lesen ist der aber sehr gut, das wäre kein Problem.

Wenn du mal wirklich schlimme Schriften sehen willst, dann schau dir mal Mittelschweizer Kanzleibriefe des frühen 17. Jahrhunderts an - dagegen sind die hier abgebildeten Rosinen etwas für legastheniegeschädigte Kinder im Vorschulalter.

Grüsse von bayern klassisch

Ludwig
28.11.2007, 19:38
Bitte den schräen Scan entschuldigen, vom Albumblatt (dort so montiert).
Einiges lässt sich lesen, aber anderes?

Danke vorab
Ludwig

bayern klassisch
28.11.2007, 19:46
Hallo BlaueDreiKreuzer,

auch wenn du es eher lustig gemeint hast, da ist viel Wahres dran.

In der Epistolographie, also der Briefschreibkunde, war, grob bis datailliert, vorgeschrieben, wie ein Brief auszusehen hatte. Dazu gehörte auch die Anschrift.

Wer etwa an einen hohen Herren so locker geschrieben hätte, wie wir das heute gewohnt sind, der hätte tatsächlich bald Bekanntschaft mit kühlen, feuchten und kalorienarmen Räumen gemacht ...

Prinzipiell waren alle wichtigen Titel und Ämter aufzuzählen, da sich der
Adressat ja auch angesprochen fühlen wollte. Die Hüllen der sogenannten bayerischen Bischoftbriefe künden noch aus dieser Zeit bis fast ins 20. Jahrhundert hinein.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Kreuzerjäger
28.11.2007, 19:49
Und noch einmal einen Brief vom Herrn Zu Castel. Wenn man diesem mit dem Brief vergleicht, den ich als erstes hier eingestellt habe, dann könne man meinen, dass ist doch der Gleiche.
Ist er aber nicht. Also gab es um 1608 doch schon einen Kopierer;) .

Grüße
BlaueDreiKreuzer

Ludwig
28.11.2007, 19:58
Welch schöne Anrede, klingt in französisch melodischer und rgendwie nach was besseren?

Ludwig

Aleks
28.11.2007, 19:59
@bayern klassisch
Du hast sicher Recht beim Geld, wenn es um Stücke wie dieses geht. Die Kosten der Restauration haben in der Zeit wahrscheinlich das normale Einkommen der Professorin überstiegen. Bei hier ansässigen Spezialisten wäre ehr ein besserer Kleinwagen (gebraucht;)) fällig gewesen.

Trotzdem möchte ich dem Eindruck entgegentreten, dass solche Stücke nur mit Wahnsinnsaufwand zu bekommen sind. Oft habe ich selbst auf Auktionen günstige Briefe bekommen, die erst durch die Analyse und Beschreibung zu dem Highlight wurden, was sie im Exponat sind. Also - bitte keiner, der Interesse an Vorphliatelie hat, zurückschrecken, es geht auch noch heute. Wichtig ist immer das Wissen um das Stück und der Mut, hunderte Leute mit Fragen zu nerven.

Aleks

Aleks
28.11.2007, 20:05
@BlaueDreiKreuzer
Es ist schon gut, wenn man seine Schreiber an der Schrift erkennt.:cool:
Ich habe einige Belege, die ich nur zeitlich einordnen kann, weil ich andere Stücke mit der gleichen Handschrift habe. Ein Juror war schon etwas überrascht, als ich ihm zeigen konnte, warum ich einen Beleg exakt datiert habe, der kein Datum trug.:D

Aleks

bayern klassisch
28.11.2007, 20:06
Hallo Ludwig,

hier überschlagen sich die Ereignisse - prima, denn das Forum lebt gerade bei dem Altpapier erfreutlich auf!

Transkription von mir für heute abend:

Denen Reichs Frey Hochwohlgeborenen Herren Ihro Roemisch Kayserlichen Majestät würcklichen Räthe wie auch Diener ohnmittelbahren freyen Reichsritterschafft Landes in Francken löblichen Orts am Ottenwaldt wohlerbettenen Herrn Hauptmann, Räthen und Ausschüße meinen insonders hochgeehrtesten Herrn Vettern, Oheim und Schwägern Kochendorff

Wirtzburg, den 12. January 1773

Ganz gehorsamster Diener Friedrich August Zobel von und zu Girlegraff (?) (?) Cavalier

Schönen Abend noch sagt bayern klassisch

Postscriptum: Habe vergessen, das Postgeschichtliche zu erwähnen: 10 Kreuzer zahlte der Empfänger, das hatte er also von seinem schönen Schnörkelbrief, und der thurn und taxische Postler notierte noch in zeittypischer Rötel de W(irtz)burg, weil es am Stempel mangelte.

heku49
28.11.2007, 20:22
Hier mal ein nicht ganz so aufwendiges Beispiel.
Brief von 1711 von Heiligenhaus nach Amsterdam. Danksagung für eine "Liebesgabe" von 20 Gulden an die hiesige Gemeinde.

PS: hielt sich beim Ankauf auch in Grenzen, wie Alex schon bemerkte, müssen Altbriefe nicht teuer sein.
Gruß Helmut

Ludwig
28.11.2007, 20:25
Danke und schönen Abend noch @bayern klassisch

Der Herr von Zobel wohnte in Giebelstadt (kleiner Ort bei Wü), wo seine Nachkommen noch heute bekannt sind.

bayern klassisch
28.11.2007, 20:38
... wo es einen gibt, gibt es oft noch mehrere Briefe ...

Aleks
28.11.2007, 21:10
@bayern klassisch
...ich bitte aber darum, die aus Thorn bei mir anzuhäufeln:D
Ich arbeite schon länger daran...:)

Aleks

bayern klassisch
28.11.2007, 21:16
Hallo Aleks,

wenn du nicht genug von Thorn hast, wer denn dann?

Grüsse von bayern klassisch

Aleks
28.11.2007, 21:20
@bayern klassisch
Weißt Du doch, man hat nie genug.:D
Es gibt zwei bekannte Federbriefe, ich habe nur einen...
... aber ich arbeite daran;)

Aleks

bayern klassisch
28.11.2007, 21:46
Federn kann ich dir liefern - bei uns gibts viele Raben im Garten, die lassen ab und zu mal was fallen. Den Brief dazu musst du aber schon selber haben ...

Grüsse von bayern klassisch

Aleks
28.11.2007, 21:53
@bayern klassisch
wenn dann das passende Siegel drauf ist, können wir über die Rabenfedern reden.:D Den Schei... können wir aussenvor lassen.

Aleks

Kreuzerjäger
28.11.2007, 21:56
Da habe ich doch noch eine schöne Vorderseite gefunden. Der Brief ist von 1774.

Viele Grüße
BlaueDreiKreuzer

bayern klassisch
28.11.2007, 22:00
@Aleks

Ja, manchmal haben die Rabenfedern noch "Anhängsel". Und das mit dem Siegel bekommen wir schon hin ...

@BlaueDreiKreuzer

Traumhaft schöner Brief - wenn ihr so weitermacht, dann fange ich noch an, meine hervorzukramen, das habt ihr dann davon!

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Aleks
28.11.2007, 22:20
@bayern klassisch

...das habt ihr dann davon!
Schöne Belege... wenn Du nicht kramst, krame ich...:D Tue es.

Aleks

bayern klassisch
29.11.2007, 08:52
Auf allgemeinen Wunsch eines Einzelnen also ein paar kleine Altbriefe, die ich nur kurz kommentieren möchte:

Hier der 1. nach Dannenberg (es gibt noch mehr), der dort am 26. Mai 1648 präsentiert wurde, also gerade noch in den 30 jährigen Krieg fiel ...

bayern klassisch
29.11.2007, 08:59
... und dann wäre noch dieser hier aus Stettin vom 19. Januar 1553, der über 1000 km von einem Fußboten nach Speyer am Rhein - Ankunft durch Präsentationsvermerk vom 8. März desselben Jahres belegt - dem dortigen Reichskammergericht ausgehändigt wurde. 49 Tage Tragzeit und noch nicht mal ein Schaltjahr...

Leider ist mir auch der Preis damaliger Schuhsohlen nicht geläufig ...

bayern klassisch
29.11.2007, 09:01
... and last but not least ein sogenannter venezianischer Kaufmannsbrief mit Kaufmannszeichen aus 1459 - und das auf feinstem Büttenpapier mit schönem Wasserzeichen und nicht auf Pergament, wie man vermuten könnte ...

Danke fürs zeigen sollen sagt bayern klassisch

Aleks
29.11.2007, 10:21
@bayern klassisch
Also da kann ich mithalten. Diesmal aber ab Dannenberg.
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recht lustig, die Mischung von Deutsch und Lateinisch
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Dannenberg nach Salzwedel am 22.Sept. 1632

Aleks

bayern klassisch
29.11.2007, 10:54
Hallo Aleks,

schöne Sachen haben wir da doch alle zusammengetragen, nicht wahr?

Das mit der Mischung Deutsch und Latein ist üblich, da man deutsche Wörter eben deutsch schrieb und lateinische eben in lateinischer Schrift (in deinem Fall eine humaistische Kanzleischreibschrift).

Es gab aber auch Schreiber, die noch französisch und italienisch einfliessen liessen, dann hast du schon 4 verschiedene Currentschriften. Das ist dann schon etwas schwieriger zu lesen (und zu verstehen). War ein Philologe an der Feder, konnte auch noch Hebräisch und Griechisch dazukommen - und da geht bei mir die Lampe leider aus.

Beste Grüsse von bayern klassisch

Aleks
29.11.2007, 11:03
Jetzt müssen wir die schönen Sachen nur vielen Leuten zeigen, damit die auch Lust darauf bekommen.:)

Ich kann meine eigene Schrift manchmal schon nicht mehr lesen, seitdem ich meist mit dem Blechdeppen schreibe. Ich hebe mir das erweiterte Lesen der Briefe auf, bis ich sie in ein Exponat einbaue.:cool: So fit wie Du beim Lesen, werde ich sicher nie werden, ich halte es lieber mit der Technik.;)

Aleks

Kontrollratjunkie
29.11.2007, 11:21
Da habt Ihr wirklich sehenswerte Stücke vorgestellt. Auch wenn es nicht ganz mein Sammelgebiet ist.....:)

Sehr gerne würde ich aber Euer Wissen anzapfen, um etwas über einen Beleg aus dem Oberschlesien des Jahres 1842 zu erfahren. Der Faltbrief trägt einen Namensstempel ? Scholz mit Rahmen. Vielleicht habt Ihr eine Idee.
Heute abend stelle ich einen Scan ein, auf der Arbeit geht das leider nicht.....:o

Im Voraus Danke vom Altpapierfreund Kontrollratjunkie

Aleks
29.11.2007, 11:25
@Kontrollratjunkie
Das dürfte ein sogenannter Beamtenstempel sein. Stell mal den Scan ein, dann schauen wir genauer.

Aleks

bayern klassisch
29.11.2007, 11:58
Sehe ich auch so - gibt es eigentlich Bewertungen für diese preußischen Beamtenstempel?

Ich habe da auch was lustiges und wüsste gerne, ob man da etwas drüber nachlesen kann.

Grüsse von bayern klassisch

1867
29.11.2007, 11:59
*Gespannt bin*

Ulli D.
29.11.2007, 12:34
@ bayern klassisch und aleks und alle, die hoffentlich noch folgen

Auch von meiner Seite ein großes Lob für die vielen tollen gezeigten Briefe - eine richtige Augenweide. Ich wollte, ich könnte Euch auch entsprechende Stücke aus Luxemburg zeigen, nur leider .... Solche Briefe sind im meinem Sammelgebiet fatalerweise nur alle Jubeljahre zu haben und dann für 4 - 5 stellige Beträge.

Herzliche Grüße

Ulli

P.S. ...und macht bitte weiter!

Aleks
29.11.2007, 12:56
@bayern klassisch
Manche Anbieter meinen da kräftig aufschlagen zu können, aber für Thorn, wo es die Stempel Boigs, Bojanowski, Liedtke recht häufig gibt, sehe ich das nicht so. Meinst sind es dann auch einfache Behördenbriefe (oft Gerichtsbriefe) ohne andere Besonderheiten, die ich schon für einige Euro in Rundsendungen gesehen habe. Der Stempel soll ja wohl die Portofreiheit dokumentieren, ich habe aber andere portofreie Belege vom gleichen Schreiber ohne den Stempel.

Aleks

Kreuzerjäger
29.11.2007, 19:32
Zum 30. Jährigen Krieg habe ich auch noch etwas. Hier ein Brief aus dem Jahre 1628.


Gruss
BlaueDreiKreuzer

Kreuzerjäger
29.11.2007, 19:35
Und noch einer aus dem Jahre 1644.

Aleks
29.11.2007, 19:39
Lasst uns zusammenwerfen, dann kommen wir irgendwann auf ein 1-Rahmen-Exponat "Post im 30-jährigen Krieg".:D

Aleks

Kontrollratjunkie
30.11.2007, 00:38
Das dürfte ein sogenannter Beamtenstempel sein. Stell mal den Scan ein, dann schauen wir genauer.

Aleks

Spät kommt er, aber er kommt..............mein Vorphila-Beleg aus Oberschlesien mit dem erwähnten Stempel "Scholz".

Der Brief lief am 16.12.1842 von Ratibor nach Cosel.

Super wäre es auch, wenn vielleicht @ bayern klassisch mir kurz den Text auf der Anschriftseite in lesbarer Schrift notieren könnte. Irgendwie habe ich es nicht so mit der altdeutschen Handschrift............:o

Vielen Dank noch einmal.

Gruss

Kontrollratjunkie auf philatelistischen Abwegen :D

Aleks
30.11.2007, 10:17
Ich bin zwar nicht so fit wie Bayern Klassisch, aber ich versuche es mal:

An das königl. Land- und Stadt-Gericht zu Cosel
PrFr: Justiz ????. S.(ache)
(???? könnte Empf. sein)

Die portofreien Briefe der Gerichte waren mit dem Hinweis Portofreie Justiz-Sache zu versehen.

Hier noch ein Auszug aus einem Regulativ von 1837, die das Vorgehen festlegte.
6791

Aleks

bayern klassisch
30.11.2007, 12:01
Ich weiss auch nicht warum, aber mein Posting mit der Übersetzung von 7.30 Uhr ist nicht mehr da - also hier der 2. Versuch.

Aleks hat es schon richtig gelesen.

Der Franchisevermerk ist etwas problematisch, so dass ich mal

Stfr - Justiz Emfs. S(ache) lese. Muss aber nicht 100%ig stimmen.

Grüsse von bayern klassisch

Aleks
30.11.2007, 12:32
Auf das Prfr war ich gekommen, weil ich das schon mehrfach als Abkürzung gesehen habe, aber der erste Buchstabe geht schon mächtig in Richtung S, nur was soll es heißen? Der Text steht eigentlich per Verordnung fest.

Hier übrigens eine Seite, auf der man gut spicken kann, wenn man solche Texte lesen will.
Sütterlin - Klein (http://www.suetterlinschrift.de/Lese/Kanzlei1.htm) und Sütterlin - Gross (http://www.suetterlinschrift.de/Lese/Kanzlei2.htm)

Aleks

Aleks
30.11.2007, 13:16
Ein kleines Beispiel, dass nicht nur das Lesen, sondern manchmal auch das Schreiben schwierig war.:D
6796
Aleks

bayern klassisch
30.11.2007, 13:30
Tja, das Wort Superintendent wäre auch heute noch für viele Schüler nicht leicht zu knacken. Von des Wortes Bedeutung mal ganz zu schweigen!

Klasse - Brief und ein schönes Beispiel der Phonetik.

Grüsse von bayern klassisch

Ludwig
30.11.2007, 16:14
@ bayern klassisch und aleks und alle, die hoffentlich noch folgen
Herzliche Grüße
Ulli - P.S. ...und macht bitte weiter!

Und wenn @bayern klassisch und alle anderen Lesekundigen noch "Lust und Laune" haben , hier ein Brief wo ich nur "Würzburg" eindeutig erkenne. Vor allen die Notiz seitlich, Aktenvermerk?
Für freundliche und liebenswürdige Hilfe mein bescheidenes Dankeschön vorab. Viele Grüße Ludwig

PS - Aus der Innenseite evtl. Datierung möglich?

bayern klassisch
30.11.2007, 16:40
Hallo Ludwig,

hübscher Brief! Hier die Transkription:

Dem Ehrwersten Wohlgelehrten Hochachtbarn herrn Bernhardten Schüßern der füstl.(ichen) Bischoffischen Würtzburgischen Statt Iphauen Stattschreibern meinem Groß g(ütigen) herrn

Am linken Rand steht:

herr Castner Zue Graysbach schreibt mir Ihme ein Ansestarium seines Bruders Johann Georg Bohsten verlassenschaft widerfahren zu lassen

Am rechten Rand steht:

Preß.(entirt) den 8. 8 (=Octobris, also Oktober, nicht August!!!) A(nn)o 1648

Lieber Ludwig, da fällt er noch in die Zeit des 30 jährigen Krieges, der ja erst am 24.10.1648 mit dem Westphälischen Frieden sein Ende fand.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Kontrollratjunkie
01.12.2007, 02:05
@ aleks und bayern klassisch

Zunächst schönen Dank für die Übersetzungshilfe. Mein eigentliches Anliegen war aber der Stempel "Scholz".

Handelt es sich dabei um den Beamtenstempel ?
Und ist Euch dieser Stempel bekannt ? Wie ist so etwas wertmäßig einzuschätzen..............?

bayern klassisch
01.12.2007, 07:55
Bin kein Fachmann auf dem Gebiet preußischer Beamtenstempel, aber für mich ist das einer, ganz sicher.

Gruss von bayern klassisch

Aleks
01.12.2007, 08:55
@Kontrollratjunkie
Wie schon gesagt, es handelt sich definitiv um einen Beamtenstempel. Deartige Gerichtsbriefe gibt es allerdings recht häufig, da es ja ein angeordnetes Verfahren im Rahmen der Portofreiheit war. Solche Briefe sehen auch immer gleich aus, Manualnummer, Anschrift, Portofreiheitshinweis, Beamtenstempel. Es kommt auf den Einzelfall an, wie man für sich solch einen Brief bewertet. Wenn man schon 20 fast gleiche Stücke in seiner Sammlung hat, dann nimmt man den 21. nicht für 1 Euro. Wenn man noch keinen hat und sie vielleicht für den Ort selten sind, muss man selbst entscheiden, was man bereit ist dafür zu bezahlen.

Aleks

Aleks
01.12.2007, 21:01
Die kleinen Schönheiten müssen im Gespräch bleiben.:)
Hier ein Brief des Königs Wladislaus IV (1595-1648) vom 30.9.1646 an die Stadt Thorn. Vom König unterschrieben und mit dem Siegel des Vizekanzlers bestätigt.
6834
Aleks

deckelmouk
02.12.2007, 13:22
Streng genommen ist das kein Altbrief, da England zwei Jahre vorher Briefmarken eingeführt hat. Aber der Passagier, der sich auf einem amerikanischen Schnellsegler befand, hatte mit Sicherheit keine bei sich. Er gab den Brief einem Lotsen aus Deal mit ("per Deal Pilot"), der den Brief dann als einfachen Schiffsbrief mit 8d Franko aufgab.

Das hatte allerdings zur Folge, dass ein Transport per Cunard-Dampfer ausschied, der kostete nämlich 1/-. Und da die "Great Western" erst einige Tage später auslief, wurde der Brief einem Segelschiff auf dem Weg nach New York mitgegeben. Die Instruktionen des Absenders wurden also misachtet.

Leider ist der Brief noch nicht in Luxemburg angekommen, aber er wird mit Sicherheit in das Exponat aufgenommen. Das ist erst der zweite Lotsenbrief, der mir in den letzten vier Jahren aufgefallen ist.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

chsch
02.12.2007, 14:04
Hallo Lars,

toller Beleg und spannende Geschichte dazu!


aber er wird mit Sicherheit in das Exponat aufgenommen

An welchem Exponat arbeitest Du gerade?

Gespannte Grüsse
Christian

deckelmouk
02.12.2007, 14:31
Hallo Christian,

"Die Geschichte des angloamerikanischen Postvertrags vom 15.12.1848" - ich habe vor, bei der IBRA in Essen 2009 auszustellen, muss allerdings von 5 Rahmen auf 8 Rahmen erhöhren (= 12 deutsche Rahmen à 12 Blatt). Dafür bin ich auf der Suche nach Material.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

Ludwig
13.12.2007, 13:10
Also wo stelle ich die Frage?

Das ist ein "Bevor es Briefmarken gab"-Brief (Vorphilatelie ist irgendwie merkwürdig, es gibt doch auch keine Nachphila?).
Hier im Thread: Einfach schön beschrifteter Brief.

Die Frage: Würzburg Ortsstempel R3 Würzburg (innen datiert 1804). Vermerk auf dem Brief (wer auch immer das war): frühest bekannte Verwendung

Wer kennt (kann zeigen) früheres Datum?

Seit herzlichst gegrüßt, liebe Altpapiersammler, von
Ludwig

Kreuzerjäger
15.12.2007, 13:36
Ich habe kürzlich diesen Brief von 1675 erworben. Dieser ging an den Herzog Ferdinand Maria von Bayern. Ob er ihn jemals in den Händen hatte?

Viele Altpapiergrüße von
BlaueDreiKreuzer

erstlesen
15.12.2007, 14:29
Hallo Ludwig,

der oben gezeigte Stempel "R3 Würzburg" wurde ab 1802 verwendet ist ist um 1804 recht häufig. Er wertet in rot um 30,-. Ich habe erst einmal diesen Stempel in die Datenbank als Referenz für die Stempelfarbe an dem Datum. Steht das Datum im Brief oder gibt es nur die Bleistiftnotiz?

Kannst du mir einen großen Scan vom Stempel schicken? Einfach als Email an kontakt@stampsx.com

Vielen Dank

bayern klassisch
15.12.2007, 19:42
@BlaueDreiKreuzer

Hat der Brief Inhalt?

Wenn er drei verschiedene Handschriften inseitig hat, dann hat dero Genaden ihn persönlich in Händen gehabt und auch gelesen.
Weist er innen nur die Handschrift des Absenders und eine andere auf, dann wird er ihn wohl kaum gesehen haben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

Jurek
15.12.2007, 20:01
Aber ein schickes handwerkliches Kunstwerk ist das (egal ob der Wohlgeborene Gnaden den in Händen hielt oder nicht)! :)

bayern klassisch
15.12.2007, 20:27
Da hast du wohl Recht - zu der Zeit mit das Beste.

Ludwig
16.12.2007, 20:34
Hallo Ludwig,

..... Steht das Datum im Brief oder gibt es nur die Bleistiftnotiz?


Hier der Innenteil und Scan des Stempels in schwarz (wie immer haute der Postler offensichtlich mal in das rote und mal in das schwarze Stempelkissen Dabei kann man von Glück reden, denn davor sparte man schon mal die Farbe und drückte den Stempel einfach so auf's Papier (Blindstempel). Und leider sind viele Briefe undatiert, weil ohne Inhalt. Der schöne klare schwarze Stempel R 3 Würzburg ist auf Brief mit "Inhalt" und vom 17.2.1803.
Übrigens eine politisch hoch interessante Zeit, Stichwort Napoleon. Damals war Wü gerade das 1. Mal bayerisch geworden - bis 1806. Endgültig an Bayern ist Wü 1814 gegangen. Das lässt sich eben nur an den Innenseiten der Briefe dokumentieren (Regierungsschreiben), nicht am Stempel, die wurden einfach weiterverwendet.

Ludwig

fillaharmonica
17.02.2008, 16:05
Es ist immer wieder eine Freude, wie bayern klassisch solche für manchen Sammler schwer zu lesenden Texte umsetzt. Ich möchte diesen Thread beginnen, damit vielleicht auch mal andere ihre Altbrief-Schönheiten zeigen. Vielleicht können wir uns dann darin üben, die Texte zu analysieren.
6741
Hier ein Brief aus dem Jahre 1678. Vor lauter Anschrift blicke ich noch nicht durch, wohin er genau gegangen ist. Irgendwo in die Gegend von Dannenberg.
Für Unterdienstlich ganz schön viel Anschrift.

Aleks

Hallo, als Historiker interessiere ich mich erstrangig für die Texte in den Briefen, für die Adressen nur als Ergänzung.
Ich bin dankbar für jeden Scan von alten Brieftexten (mit Adresse + Absender) und revanchiere mich durch die Umsetzung der Texte. Ich bin in der Lage so ziemlich jede Schrift zu lesen und mache auch Übersetzungen aus dem (Alt)Französischen und dem (Alt)Spanischen. Ich betone nochmal, ohne commerzielle Interessen, nur gegen Übersenden der entsprechenden Scans, verbunden mit der freundlichen Genehmigung, diese in meinem Archiv zu speichern. Überdies stelle ich das Ergebnis natürlich auch hier ein, es sei denn dies sei in dem einen oder anderen Falle nicht erwünscht
Danke im Voraus, Richard
fleckensteyn@club-internet.fr

Ludwig
18.02.2008, 09:24
... revanchiere mich durch die Umsetzung der Texte. ... Richard
fleckensteyn@club-internet.fr

Hallo Richard,

dann kannst Du mir bitte den Brief oben mit dem Text - Prichsenstadt - hier einstellen (leider kann ich nicht alles lesen). Vielen Dank.

Mit besten Grüßen
Ludwig

bayern klassisch
18.02.2008, 10:24
Hallo Ludwig,

eben erst gesehen, dass du den Brief transkribiert haben möchtest - sorry, habe dieses Posting wohl übersehen:

Praes(entirt) 12. Mart(inus) = März 1804

......

wird die den 18. vorig(en) Monats geschehene Verpachtung der Grundstücke zur Unterhaltung des Faselriehes auf 6 Jahre der ganzen Inhalte nach genehmigt, welches dem provisorischen Magistrate zu Prichsenstadt auf den mit Protokoll erstatteten Bericht zur Entschliesung ertheilt wird.
Würzburg den 5. März 1804

Churfürstliche Landes Direction

Thürhenn

D 1. Beleg zur Laufenden

D. Ad acta

Prichsenstadt 13/3 1804.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

roteratte48
02.04.2008, 10:04
..mal wieder ein Beispiel einstellen. Hier ein Brief an Markgraf Christian Ernst zu Brandenburg, der im Alter von 11 Jahren 1655 die Regierungsgeschäfte von seinem Grossvater Christian übernahm und sie 57 Jahre lang führte. Mir geht es hier nur um die Entwicklung in der Gestaltung von Ergebenheitsadressen - sind sie im 16. und frühen 17. Jahrhundert meist noch relativ "..schlicht" und selten länger als vier bis fünf Zeilen, setzt inmitten des dreissigjährigen Krieges eine steile Entwicklung ein hinsichtlich Inhalt und kalligraphischer Gestaltung bis zur Kulmination im frühen 18. Jahrhundert, wo die Adressgestaltung regelrecht zelebriert wird - vor allem Sachsen hat uns so traumhaft schöne Schnörkelbriefe beschert, wahre kleine Kunstwerke.
Für im Entziffern weniger Geübte noch die Transkription:
Dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Christian Ernsten, Markgraf zu Brandenburg in Preussen, zu Magdeburg, zu Stettin, Pommern, der Caschuben und Wenden, auch in Schlesien zu Croßen Herzog, Burggraffen zu Nürnberg, Fürsten zu Halberstadt, Minden und Cammin, dann Graf zu Hohenzollern, der Römisch-Kayserlichen Majestät und des löblichen Fränkischen Creyßes bestellten General Feld Marschall und Obrister über ein Kayserliches Regiment Tragoner und eines zu Fuß - Unsern gnädigen Herrn - Bayreuth..
Hier also "..nur" zehn Zeilen Ergebenheit.. es steigert sich noch (..in meinem Bestand bis auf 18zeilig.. dann wurden die Briefvorderseiten wohl zu klein.. ;) )

roteratte48
02.04.2008, 18:16
Über PN erhielt ich vorhin die Frage, ob ich auch ein Beispiel für besonders interessante Inhalte zeigen könne - der Bitte komme ich gerne nach. Unten der Scan einer Textseite eines Briefes, den ich vor einiger Zeit an einen Vereinskameraden im DASV weitergegeben habe - er stammt aus der Feder des bekannten Phillip Kammermeister (..Camerarius), der als geheimer Rath für Nürnberg und in Personalunion als Deputierter für die Landgrafen von Darmstadt am letzten Reichstag 1613 vor dem 30-jährigen Kriege in Regensburg teilnahm. Er beschreibt darin sehr hübsch und anschaulich die Ankunft des Kaisers (..Matthias; als Matthias II. auch König von Ungarn):

"..Gestrigen Tages, bei schönem Sonnenschein (..darauf heut ein starcker Regen und sehr unlustig Wetter erfolgt..) umb Vesperzeit ist kayserl. Majestät sampt dero Gemahls, der Kayßerin, allhie in deß Bischoffs Hoffe als ihr Mays. präpariertes Losament, eingezogen. Ist der Einzug sehr pompös und brechtig gewesen, und über die 2000 außerleßne Pferd, darunter auch die zuvor anwesende Chur und Fürsten, sampt ihrem Hoffgesind, welche entgegen gezogen, und über die 50 uf die neue Manier wohlgezierte Kutschen und Wägen, jede mit sechs außbündigen schönen Roßen gewesen.."

Aus berufenem Mund eine anschauliche Beschreibung - ein weiterer Grund, sich mit diesen alten Briefen eingehend zu beschäftigen..!

roteratte48
03.04.2008, 13:50
..dreimal hintereinander in einem Thread - mit der Bitte um Entschuldigung dennoch eine Frage: In einem alten Buch eingelegt fand ich das unten abgebildete Papier, das sich mir völlig verschließt. Weiss jemand, um was es sich da handelt? Ein einfacher Bogen Büttenpapier, Format ca. 28x19 cm, vielfach gefaltet und mit einem Siegelband verschlossen. Ohne Inhalt; innen eine hs. Notiz "..ad officium etc.."; von aussen wie abgebildet. Die "6" unten links erinnert an eine Taxierung, auch wenn ich keine "Adresse" erkennen kann. Im Siegel lese ich "Alexander Caprara...." - mir ist der Name lediglich vom Palais Caprara in Wien geläufig. Was in dreiT...snamen ist das..? Für jeden Hinweis dankbar

eine ratlose, humanistisch völlig ungebildete roteratte48..

roteratte48
04.04.2008, 09:42
Nach drei vergeblichen Versuchen, den vorigen Beitrag zu editieren (..wird nach 'speichern' nicht übernommen..??): Inzwischen (..Danke, Wolfgang!) sind Zeit und Person geklärt - es handelt sich um Alessandro Caprara, Auditor der heiligen Römischen Rota (..weltliches Gericht des heiligen Stuhls), 1626 - 1711, unter Papst Clemens XI im 2. Konsistorium 1705 zum Kardinal ernannt. Offen bleibt noch der lateinische Text sowie die Frage, ob der Beleg in irgendeiner Form postalisch ist..?

Aleks
04.04.2008, 09:52
@all
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Aleks

andreas-machner
05.04.2008, 11:29
Hi!

Auch ich habe ein paar Altbriefe rumliegen, mir fehlt aber noch jegliche Motivation zur Dechiffrierung. Hier der Interessanteste. Das Dokument von 1679 umfaßt 5 Seiten. Handelt es sich überhaupt um einen Brief? Ein kleiner Aussschnitt zeigt mir die Worte "Jungfrau" und "Jahrmarkt"?

Ist dies ein Brief, welchen Handelswert hat sowas ( guter Zustand)? Ich will ihn nicht verkaufen, sondern brauche eine Bewertung zur Tauschbasis.

Danke!

Andreas

roteratte48
05.04.2008, 17:24
Hallo Andreas - nach dem, was von Deinem Beleg zu sehen ist, handelt es sich ganz sicher um einen Brief - nur das mit der Jungfrau.. tja, das haut nicht ganz hin. Dafür aber der Jahrmarkt; hier das, was zu transkribieren ist (..ich hab mal heutige Schreibweise genommen, das macht es etwas einfacher):
"..Ehrsame, Fürsichtige und Wohlbenamte, sonders vielgünstige Herren älteste und gesamte Meister Euers ehrbaren Haupt-Kapitels.."
"..von ihm angenommen; allein er hat es nicht tun wollen, sondern sich jüngst am Hemmersdorfer'schen Jahrmarkt von uns weggemacht, und unter freiem Himmel, unter..."
Das Schreiben könnte von Zunftmitgliedern stammen und ist wohl dem saarländischen Raum zuzuordnen (Hemmersdorf könnte der heutige gleichnamige Ortsteil der Gemeinde Rehlingen-Siersburg sein..). Interessant wäre es, die Anschriftenseite zu sehen - ebenso die letzten Zeilen des Schreibens, wo sich Absendeort, Datum und Grussformel finden.
Zum Handelswert lässt sich ohne genauere Informationen wenig sagen. Der Inhalt scheint aber interessant zu sein - gut beschrieben, in den geschichtlichen Zusammenhang gestellt und mit einem traditionellen Handwerksberuf verknüpft vermag ein solcher Beleg irgendwo zwischen acht und vielleicht fünfzig EUR liegen - es gibt hier nun mal keine "Katalogpreise.." Häufig sind es auch nicht Philatelisten, die Du mit so etwas ansprichst, sondern Heimatforscher und Historiker...
Wenn Du mehr wissen willst zu Deinem Brief - schick mir eine PN!

roteratte48

lepidus030
27.04.2008, 09:27
Hallo und einen schönen guten morgen an alle Sammlerfreunde,

ich bin erst seit gut einer Woche in diesem Forum und habe jetzt gleich eine Frage zur Vorphilatelie. Vor einigen Tagen habe ich einen Briefmarkennachlass bei Ebay ersteigert und bei Durchsicht einen Faltbrief gefunden, der das Datum der Abstempelung 28. November 1830 trägt.Der Brief ist nach Mainz adressiert. Ich kann den Wert diese Briefes nicht einschätzen. Kann mir jemand einen Tip geben, wo ich den Brief schätzen lassen kann?

Tschüss bis dann

lepidus030

Aleks
27.04.2008, 09:56
@lepidus030
Da wird man ohne eine Abbildung des Briefes nur schwer etwas sagen können. Bei Briefen aus dieser Zeit kommt es auf viele Aspekte an, ob sie einem Sammler etwas Wert sind. Wenn nicht ein besonderer Grund vorliegt, der genau diesen Brief für eine Sammlung interessant macht, dann hebt er sich nicht aus der Masse ab. Einen Wert kann eigentlich nur ein potentieller Käufer beurteilen.

Aleks

roteratte48
27.04.2008, 19:50
Hallo lepidus030 - wie Aleks sagt.. ohne Abbildung geht wenig. Ausgangspunkt für die Bewertung eines solchen Briefes ist zunächst der Stempel - Abstempelung mit Datum zu dieser Zeit lässt auf einen zweizeiligen Langstempel schliessen. Solltest Du kein Bild einstellen können, beschreibe bitte den Aufgabestempel - Du bekommst dann zumindest eine relative Bewertung der Seltenheit, z. B. über die Punktbewertung im Handbuch von Peter Feuser..

Toni20
05.06.2008, 13:39
Hallo!

Bin neu hier und aufgrund dieses Threads auf das Forum aufmerksam geworden. Ich muß gleich zu Anfang, aber da bin ich ja nicht der erste ;-) , meiner Bewunderung Ausdruck geben über das gewaltige Fachwissen, das hier versammelt ist, es ist absolut beeindruckend.

Ich habe einen Brief, bei dem ich eigentlich nur das Jahr eindeutig bestimmen kann: 1624. Der Brief ist mit Inhalt, aufgrund der Länge der Anschrift vermute ich , dass entweder der Absender von besonders unterwürfiger Natur oder der Adressat von besonderer Honoration ist. Könnt ihr mir weiterhelfen?

Ich mußte den Scan in der Göße reduzieren auf ca. 900x600 und in Graustufen umwandeln, sonst hätte ich die 100kb-Hürde nicht gepackt. Wenn eine bessere Qualität notwendig ist, kann ich sie ja per Mail verschicken. Den Inhalt musste ich auf zweimal, leicht überschneidend einscannen, da der Brief etwas länger als DIN-A4 ist.

Vielen Dank im Voraus

Toni20

roteratte48
05.06.2008, 15:53
Hallo Toni - zunächst mal willkommen bei den Altpapierliebhabern. Du hast da einen wirklich hübschen Brief.. gerichtet an den Bürgermeister der Stadt WEMDING, Herrn Quirinus Lang. Zu nur wenigen Städten gibt es soviel Material wie zu Wemding - es gibt aber auch viele Sammler dieses Gebietes, so daß ein Brief wie der Deine sicher interessierte Abnehmer finden würde, so Du ihn denn einmal veräußern willst. Schöner wäre es aber, Du liessest Dich ein bissle faszinieren von Schönheit und Alter solcher Dokumente und.. wer weiss.. fängst mit dem Sammeln an..;)
Sicher könnten manche hier, auch ich, den Brief transkribieren - aber.. ganz ehrlich.. mit einer solchen Auflösung bei meinem 17-Zoll-Monitor is mir dat zu mühsam. Wenn Du magst, schick mir hochauflösende Scans an meine email-Adresse (..liegt in Deinen PN!) - dann mach ich Dir das, sobald meine Zeit es erlaubt!
Gruss - RR48

Toni20
05.06.2008, 21:07
Erstmal herzlichen Dank für die schnelle Antwort. Ich schick Dir eine PN!:)

Viele Grüße,

Toni

heku49
29.08.2008, 18:39
Nicht hier im Forum. Hier sind wiedermal die Schriftexperten gefragt: Wer kann mir die Briefseite entziffern? Eventuell auch die Taxierung.
Ortsstempel: Silberstraße 13 DEC 38, Rückseitig ein Siegel Wiesenburg.
Vielen Dank im voraus.
Gruß Helmut

buzones
29.08.2008, 21:02
Hallo Heku

Kein Problem:

An die Adelich Chemnitzischen Gerichte zu Untergöltzsch

|D(?) O. |
Rahtssache

Von sächsischen Taxen habe ich leider keine Ahnung und den Text in rotvioletter Tinte kann ich nur erahnen. (v. Wiesebach??) Kannste den mal in höherer Auflösung zeigen?

heku49
29.08.2008, 21:14
Hallo Buzones,
vielen Dank für die schnelle Hilfe. Ich habe auch noch herausgefunden: Wiesenburg gehörte wohl zu Silberstraße, liegt nur ca. 1,5 Km entfernt.
Gruß Helmut

buzones
29.08.2008, 21:51
Danke! Könnte das evtl. v. Auerbach heißen? Würde in's lokale Umfeld passen (Wiesenburg/Auerbach/Untergöltzsch).

bayern klassisch
29.08.2008, 21:59
Kurzer Nachtrag zu buzones:

Links unten steht D. S. = Dienstsache und darunter Amtssache.

Beste Grüsse von bayern klassisch

buzones
29.08.2008, 22:09
Lieber bayern klassisch

Wo du recht hast, hast du recht. :o :o

Ich geh' lieber mal früh in's Bett heute... ;)

heku49
31.08.2008, 20:37
Jetzt kann der Beleg zum Thema Silber in meine Mineraliensammlung eingebaut werden.
Gruß Helmut

Siegfried Spiegel
11.01.2009, 11:52
Ich habe da einen Brief aus dem 17ten Jahrhundert.
Leider kann ich so gut wie nichts entziffern.
Vielleicht hat jemand heute Nachmittag zuviel Zeit?
Besten Dank.
Siegfried

Holzland-Sammler
13.01.2009, 15:17
Ein Versuch ohne jeden Anspruch auf Richtigkeit:

Geheimer Rath, Landr..h..(Landherrn?), Forst(meister) zu Lichtenburg, auf Mugrau zu Warenburg dem lieben getreuen Johann Christoff Dierz.

Sehr schwer zu lesen (Sütterlin mit eigener Note), zumal ich so alte Sachen nicht habe.

Nachtrag: links unten steht auch "Warenburg"

Wanderer
10.02.2009, 17:36
also ich lese da für die eine Ortsangabe Mugrau zu Nünberg - die ü-Striche sieht man kaum.
Mugrau liegt heute kurz hinter der Grenze in Thschechien und heißt dort Mokra.

Wanderer
10.02.2009, 17:43
möchte ich da noch Landtrichterei und Forstmeistrey entzifferen:)

andreas-machner
15.02.2009, 13:26
... doch aus meinem Heimatort, daher bitte ich Euch um eine Verdeutschlichung.

Vielen Dank schon mal!

Gruß,

Andreas

Erdinger
16.02.2009, 12:18
@andreas machner
Es handelt sich um die Bestätigung einer Lieferung von Schreibkalendern. http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=13067551&b=1
Durch die Nässeschäden war das Dokument nicht ganz einfach zu lesen, beim Namen am Ende bitte ich, mich nicht festzunageln, da kennt sich ein Ortsansässiger wohl besser aus.

Dass Silvest Thanheimer aus der allhiesigen
Pfarrey die aus der Rollischen Buch=Druckerey
zu Kempten erhaltene fünfzichend Duzend
Kallender verobsignierete hierher gebracht
habe wird andurch bestättiget, und neben=
bey das fernere ansuchen gemacht ihme
Thanheimer abermahlen fünfzechen Duzend
Kallender ausfollgen zulassend.

Thanheim den 28ten Dezember 1804

Johann Georg Gobl(?)
(?)

Viele Grüße vom
Erdinger

andreas-machner
18.02.2009, 18:55
Mächtig viel Danke!

Gruß,

Andreas

Germaniaspezialist
18.05.2010, 13:00
Hallo, im Anhang ist eine Verfügung" im Namen Seiner Majestät des Königs"

Leider kann ich den Brief nicht entziffern und genauso sieht es bei uns im Briefmarkenverein aus. Viel weiter wie kgl. Landkommisariat sind wir nicht gekommen....

Ausserdem hängt mir ein Mitglied jetzt richtig "an der Backe", der den Brief für seine Heimatsammlung haben will....da ich davon überhaupt keine Ahnung habe bräuchte ich auch eine Werteinschätzung und ich muss natürlich erst noch ein paar Mal darüber schlafen, ob ich den Brief überhaupt verkaufen will. Ich habe den Brief für 15,--€ von einem Sammler aus Hannover erstanden, der nichts mit anfangen konnte, war so ein typischer Lustkauf....ohne Nachdenken

drakenumi1
31.05.2010, 10:25
Hallo, Germaniaspezialist,

Habe Deine Anfrage eben erst gelesen, bin nicht regelmäßig in diesem Forum. Für den Fall, daß sie noch aktuell ist, hier mal der Anfang der Übersetzung, um einen Eindruck der Bedeutung des Inhalts zu geben. Solltest du alles in "Übersetzung" brauchen, folgt der Rest gerne noch. Ist leider sehr dünn u. zart, diese Schrift, schlecht zu lesen.

Hier der Text:

Einen in No. 63 des Zeitblatts "Der Rheinbürger" enthaltenen Aufsatz betreffend.

Das Königl. Landcommissariat hat in seinem Berichte vom 16 ten. d. M. erklärt, daß es nicht geläugnet werden könne, daß der Protest d. Bezirks Schul-Inspektor Mayer, sowie Pfarrer Leonhard und der Bürgermeister Koenig von Wolfstein, im ...., während ersterer die aus der Visitation der Schule zu Roßbach (?) sich ergebenden Bemerkungen protocollarisch aufzeichnete, Tabak geraucht habe, ohne jedoch dabei zu bemerken, ob dieses Tabakrauchen im Beisein der Schulkinder Statt gefunden habe oder nicht.
Letzter Umstand ist unverzüglich zu erfahren und der ganzen Wahrheit gemäß anher einzuberichten.
Dem Pfarrer Röhler zu Wolfstein ist übrigens zu eröffnen, daß er sehr im Irrthum sei, wenn er glaube, zu jeder beliebigen Stunde den Religionsunterricht in der gemischten Schule zu Roßbach ertheilen zu können, da er selbst erkennen muß, welche Störungen und Unordnungen im Allgemeinen des Unterrichts dadurch herbeigeführt werden.
Das K(önigl.) Landcommissariat

..... usw.

...... mit den Bezirks- und den beiden Local- Inspectoren die Stunden festzustellen, zu welchen für die Zukunft der kathol. Religions- Unterricht ertheilt werden könne.

Königl. .... Regierung des Rhein Kreises
Kammer des Innern
......


Wie gesagt, Bei ernsthaftem Bedarf folgt auch der Rest.

Freundl. Grüße von

drakenumi

Germaniaspezialist
06.06.2010, 23:35
@drakemuni1:

herzlichen Dank. Meine Versuche solche Schriften zu entziffern sind leider nicht annähernd so gut wie Deine Fähigkeiten....das reicht vollkommen um den Bezug in der Sammlung herzustellen.