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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lehrgeld



Michael
17.01.2004, 18:09
Mich würde mal interessieren, was ihr so für Lehrgeld in eurem Sammlerleben gezahlt habt?

Ich selbst habe nämlich einiges gezahlt :(
Ich war natürlich selbst Schuld! Der BDPh tut wirklich gut daran immer wieder auf die wichtigsten Regeln hinzuweisen.

Lehrgeld 1: Vermeintliche große Versprechungen in großformatigen Anzeigen
Da hatt ich mal sehr überteuerte Kiloware aufgrund eines solchen Inserates gekauft.

Lehrgeld 2: Fälschungen
Auf dem einen oder anderen Weg hatte ich mir Fälschungen eingehandelt.
Irgendwann habe ich begonnen alles wesentliche prüfen zu lassen. Als ich dann die erste Sendung vom Prüfer zurück bekam war ich drauf und dran alles hinzuschmeißen.
Später hielt ich mich strikt an gewisse Regeln und es hat sich deutlich gebessert!
Einmal habe ich von einem Hamburger Händler ungeprüfte Posthorn-Zusammendrucke gekauft. Zu Schlegel geschickt: alles falsch gestempelt! Aber der Händler hats dann wieder zurück genommen. Dem Anschein nach hat er dabei selbst Lehrgeld gezahlt.

Lehrgeld 3: Internet-Auktionen
In diesem Gebiet war ich Gottseidank schon so weit, dass mir bisher noch nichts wiederfahren ist. Aber ich weiß, dass dort viele völlig unbedarft einkaufen.

Warum ist es so schwer Leute gleich von Beginn an auf den richtigen Weg zu bringen?
Gutgläubigkeit und Sorglosigkeit scheinen mir sehr weit verbreitet zu sein!

Pete
17.01.2004, 19:13
Hi Michael,

ich habe so den Eindruck, dass (fast) jeder Sammler einmal Lehrgeld für Fälschungen, überteuerte bzw. qualtitativ schlecht erhaltene Marken bezahlt hat.

Mir erging es als etwa 10jähriger BRD-gestempelt-Sammler auch mal so, dass mir nach heutiger Sicht beschädigte Marken (Verfärbungen, kleine Zahnfehler) zu 50% Michel verkauft wurde. Ich sah es eben damals bei bestimmten Marken mit der Qualität nicht so eng.
Bei meinem Spezialgebiet Oberschlesien ging es mir anfangs kaum anders. Die meisten Marken, die ich in der 1. Prüfsendung zum Prüfen schickte, waren falsch gewesen. Ich hätte auch am liebsten alles hingeschmissen, überlegte mir aber auch, etwas zu sparen, um die entsprechende Fachliteratur (gute Tipps vom Prüfer) zu besorgen. So bin ich dem Sammelgebiet treu geblieben und habe bei Gebietserweiterungen mich seitdem immer erst einmal um gute Literatur bemüht, die dass betreffende Sammelgebiet auch im Bereich Fälschungen ausreichend für den Anfang des Sammelns beschreiben.

Zu deiner letzten Frage scheint es mir so, dass man als Sammler anfangs meist zu gutgläubig ist und z.B. bei ebay auch darauf spekuliert, sehr günstig ein Schnäppchen mit hoffentlich echten Marken/ Belegen zu machen. Anders kann ich mir die oftmals hohen Zuschläge für fragwürdiges bzw. falsches Material nicht erklären. Auf Tauschtagen habe ich teils ähnliche Erfahrungen machen können.
Ob es nun die menschliche Gier ist, die den eigenen Verstand lahm legt oder einfache Unvernunft bzw. Unwissenheit über das entsprechende Gebiet, ist sicherlich von Fall zu Fall verschieden.

Gruß
Pete

Dirk Bake
17.01.2004, 20:11
Zwei Fälle möchte ich anführen, die mich besonders betrübt haben und aus denen ich gelernt habe. Ihnen stehen allerdings deutlich zahlreichere gegenüber, die mich freuen.


- Ich habe mich vor vielen Jahren überreden lassen, zu einem Tauschtag zu kommen. Das war bislang das letzte Mal, es ging gleich viererlei schief - heute würde ich mich anders verhalten:

-- Es wurde geraucht. (Vielleicht sollten Allergiker vorsichtshalber überhaupt nicht mit dem Briefmarkensammeln beginnen ...)

-- Mir wurde ein Fehldruck angeboten, der seinerzeit noch nicht lange bekannt war. Mangels Marktkenntnis habe ich dem Anbieter erlaubt, dafür zahlreiche postfrische Berliner Dauerserienmarken aus einem von mir mitgebrachten Einsteckbuch zu entnehmen. Inzwischen weiß ich, daß der Fehldruck allenfalls ein Zwanzigstel der berliner wert war.

-- Mir ist erst viel zu spät aufgefallen, daß mein Tauschpartner meine Einschränkung mißachtete, daß er von jeder Michel-Nummer bitte 1 Exemplar im Einsteckbuch drinlassen soll. Ich hatte seinerzeit nicht den Mumm, ihm diejenigen Marken wieder abzunehmen, die ich gern behalten hätte. Dafür habe ich jetzt seit vielen Jahren Lücken bei den berliner postfrischen.

-- Als ich keine Lust mehr aufs Tauschen hatte, wollte ich noch einen Blick auf die im Nebenraum aufgebaute Ausstellung werfen. Kaum hatte ich damit begonnen, sprach mich der einzige Anwesende an und überschüttete mich mit mündlichen Informationen zu seinem Teil der Ausstellung. Ich habe ihm zwar klarzumachen versucht, daß ich von dem Sammelgebiet keine Ahnung habe und auch keine Lust, mich damit zu befassen, aber er war wohl froh, daß überhaupt mal jemand schauen kam und redete ohne Unterlaß weiter. Vielleicht war er auch schwerhörig.

- Nach alledem stand für mich fest: Nie wieder Tauschtag.


- Aufgrund eines Beitrags in einem anderen Briefmarkenforum habe ich einem Interessenten ungebrauchte Bund-Marken und -Blöcke geschickt, die doppelte Konturen aufweisen (eher Schmitz- als Doppeldrucke). Es stellte sich dann übrigens heraus, daß er Händler ist. Leider meldete er sich nie von sich aus und reagierte auch auf keine Mail. Immerhin telefonisch habe ich ihn in den Monaten nach der Zusendung zwei oder dreimal erreicht - die Telefonnummer konnte ich nur mühsam ermitteln. Jedesmal versprach er mir etwas: Zuerst die Marken und Blöcke per Einschreiben zurückzuschicken, da sie ihm nicht zusagten; dann das angeblich verlorengegangene Einschreiben bei der Post zu reklamieren und mir zumindest den von der Post für diese Fälle in Aussicht gestellten Betrag zu überweisen; zuletzt, mir den Wert in Marken seiner Wahl aus meiner Fehlliste zu ersetzen. Nichts kam je bei mir an. Ich habe den Fall fast ad acta gelegt, frage mich allerdings noch immer, ob ich an entsprechender Stelle eine Warnung vor diesem einen Händler anbringen sollte.


Naja, was soll's. Diese Erlebnisse werden mehr als überkompensiert von den schönen und erfreulichen Seiten des Sammelns und Tauschens.

KHS
18.01.2004, 11:23
Jaja, wir Jäger und Sammler.

Auch ich habe, wie mit Sicherheit viele andere, schon so manchen Groschen Lehrgeld bezahlt. Auch auf meinem ersten Tauschtag, gleich einen schönen gestempelten Satz gekauft, ein halbes Jahr später wusste ich, das er falsch war. Ich habe mich aber nicht dadurch kirre machen lassen, gehe weiter auf Tauschtage, denn auch Händler wissen nicht alles.... Insofern konnte ich auch schon so manches ( echte ) Schnäppchen machen.

Aber nicht nur hier, sondern auch auf normalen Auktionen, bei Händlern mit Ladengschäft, im Internet und bei privatem Tausch ist man schon mal übers Ohr gehauen worden. Irgendwie liegt das in der Natur der Sache. Je größer die Begehrlichkeit auf ein bestimmtes Stück ist, desto mehr hört die Vernunft auf. ( das soll es auch bei Menchen geben ) :D

Nur, das ist ein Lernprozess. Würde man solche Erfahrungen nicht machen, würde man auf die Warnungen nicht hören müssen. Um mit Vernunft und Bedacht Marken kaufen und tauschen zu können, ist die Lehrgeldzahlung unumgänglich. Man wird automatisch ruhiger und gelassener, lässt öfter die Finger von einem Stück und wundert sich, das man kurz drauf ein schöneres zu besseren Konditionen bekommt.

Aber auch Wissen ist Macht ( nix wissen macht nix ?? ) Informationen über sein Sammelgebiet kann man nie genug bekommen. Das schützt auf jeden Fall vor größeren Schäden. Auch Bücher wie Herr Maaßen´s " Echt oder falsch" sind sehr hilfreich.

Ganz aktuell möchte ich noch was loswerden. In unserem allseits geliebten ebay wird ja bei Privatverkäfen ein Haftungs und Garantieanspruch sehr oft ausgeschlossen. Pfiffige Händler gehen nun auch her, und sagen, das ein Altattest ( z.B. von vor 18 Jahren ) beim Kauf als gültig anerkannt werden muss!! ohne Rückgaberecht bei negativer Nachprüfung ( obwohl da zum Teil nur 5 Jahre Garantie drauf waren ). M.E. sind für solche Angebote jeder Euro ein Euro zuviel.

Viele Grüße und fette Beute

KHS

Thorsten Siemer
18.01.2004, 12:13
Liebe Sammlerfreunde!

Meine persönliche Erfahrung:
Beim Briefmarkensammeln komme ich auf "plus minus null".

Mache ich auf der einen Seite mal ein "Schnäppchen", so
bezahle ich andererseits ab und zu etwas zu teuer.
Solange sich das in etwa ausgleicht, bin ich zufrieden.

Ich habe bisher übrigens bei ebay keine schlechten Erfahrungen
gemacht, da ich immer das biete, was mir die Ware maximal
wert ist.
Hochwertige oder sehr fragwürdige Sachen (Fälschungsgefahr!)
habe ich dort allerdings auch noch nicht gekauft, denn dafür ist
mir der (seriöse) Fachhandel doch sicherer!

Das man trotzdem immer aufpassen muß, ist mir klar!

Dahr verbleibt mit dem BDPh-Motto
"Augen auf bei Kauf und Tausch"
Euer Sammlerfreund
Thorsten Siemer

Zimmermann Wolfgang
18.01.2004, 22:19
Auch ich habe Lehrgeld gezahlt.
Gleich am Anfang,als ich anfing zu sammeln,hatte ich ein Abo bei der Post.
Postfrisch und gestempelt.War so einfach,die neuesten Marken wurden nach Hause geliefert und das auch noch mit einem schönen Stempel.
Heute sehe ich das anders.Mit den postfrischen Marken war o.k., aber die gestempelten Marken.
NIE wieder.Vollkommen uninteressant.Nichts geht über Bedarfsware (für mich jedenfalls).
Naja, ich bin klug geworden.
Beim späteren kaufen oder tauschen hatte ich dann doch Glück.
Somit wird sich das Lehrgeld einigermaßen in Grenzen halten.

Michael
31.01.2004, 16:35
Was denn, ....

.... sind wir wirklichen die einzige Dummbatze, die Lehrgeld gezahlt haben?
Oder trauen sich die anderen nicht etwas zu dem Thema kund zu tun? :p

crantsch
31.01.2004, 16:55
Mein Lehrgeld war eigentlich kein "Geld" in dem Sinn, sondern fast vornehm "Irreführung"...Es gab in den 80ern einen Sonderstempel in Mittenwald(?), der von einem Händler als erster Feldpoststempel angepriesen wurde (Sonderpostamt mit Feldpost)...Ahnungslos habe ich einen Beleg angefordert...es war tatsächlich ein Sonderstempel, der im Text des Stempels das Wort "Feldpost" enthielt...also kein Betrug, sondern einfach "nicht ganz die Wahrheit! Also kein Lehrgeld, aber die Enttäuschung war trotzdem da... Ansonsten habe ich tatsächlich noch keins gezahlt - sorry Michael :p - naja, dafür ist mein Sammelgebiet auch zu diffizil um da aufs "Kreuz" gelegt zu werden.

Bodo A.v.Kutzleben
31.01.2004, 18:08
"Lehrgeld" im eigentlichen Sinne habe ich nicht bezahlt, sondern ich habe manchmal auf einer Auktion zu "FRÜH" die Hand gesenkt und ein schönes Stück eben "NICHT" ersteigert. Im NACHHINEIN war das sicherlich ÄRGERLICH und ein großer Fehler.

Jedes schöne Stück, das ich ersteigt habe freut mich, aber an die "NICHT ERSTEIGERTEN" Stücke erinnere ich mich noch alle sehr genau.

DUMM GELAUFEN, aber so ist halt das Sammlerleben.

Bodo :) :p :D :p :)

PS: So geht es mir natürlich noch heute, da man/frau ja immer gewisse Überlegen beim Steigern hat und dann beim Zusammenbauen von neuen Ausstellungsblättern doch das eine oder andere schöne Stück hätte noch gut brauchen können.

An Fehlkäufe erinnere ich mich einfach :D :D :D nicht. Ich will mich doch nicht ärgern, oder.

rolfnr
31.01.2004, 20:45
Zum Thema Lehrgeld fällt mir keine Begebenheit im Sinne von "Philatelistisch Lehrgeld bezahlt" ein.
Zum Thema "Hausrenovierung" hätte ich schon mehrere Beiträge, dies gehört aber nicht zum Thema.

Fehlkäufe habe ich natürlich auch schon mal gehabt, allerdings bezeichne ich das nicht als Lehrgeld, denn ich bin nicht betrogen, ausgenutzt oder falsch beraten worden. Außerdem konnten die wenigen (2) Fehlkäufe doch wieder in Sammlungen integriert werden.

Viele Grüße
Rolf

doeppy
03.02.2004, 21:36
Mein Vater hat bogenweise Sondermarken gesammelt. Das Neuheiten-Abo habe ich nach dem Tod meines Vater noch jahrelang fortgeführt. Zum Glück konnte ich die Marken ab 1969 noch verbrauchen. Eines Tage geriet ich an einen erfahrenen Sammler, der riet mir, Bund zu verkaufen. Weg mit der Massenware und hin zu wenigen Stücken. Sein Tipp: "Kaufen Sie Literatur, bevor Sie größer einsteigen". Dieser Rat war Gold wert. Durch die philatelistische Literatur ersparte ich mir manchen Fehlkauf und ich kann sagen, dass die Ausgaben für Literatur sich gelohnt haben.
Die meisten Sammler scheuen sich, Literatur zu erwerben. Und manchen ist auch der Mitgliedsbeitrag im Verein zu hoch. Kriegen diese Sammler mit, dass sie reingefallen sind, ist es dann mit dem Hobby schnell vorbei. So ist es halt seit 1704 und ändern wird sich nichts, es sei denn man ändert sich selbst.