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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einschreiben Stuttgart-Frankreich 1852



chsch
03.04.2007, 18:11
Guten Abend @ alle,

habe in meiner Sammlung einen Brief von Stuttgart nach Troyes von 1852.
Das Porto habe ich mir folgendermaßen zusammengerechnet:
PV von Stuttgart nach Frankreich: 6 Kreuzer
nach Troyes (übriges Frankreich): 9 Kreuzer
Einschreiben 6 Kreuzer, macht also insg. 21 Kreuzer
Die beiden Marken auf dem Brief wurden abgelöst, ist mit Bleistift vermerkt und man sieht Reste vom Falz. Ich dachte es kann sich darum nur um 18-Kreuzer und 3-Kreuzer-Marken gehandelt haben.
Oben links wurde aber mit Bleistift noch vermerkt:
"6+18 Kreuzer", habe ich etwas übersehen, meine Portodaten hab ich aus dem Zangerle.
Für alle Antworten in Voraus herzlichen Dank!:)

Beste Sammlergrüsse
Christian

bayern klassisch
03.04.2007, 18:20
Lieber chsch,

bei barfrankierten Briefen ist die Rückseite von ganz besonderem Interesse.
Bitte einen schönen Scan, und es kann weitergehen.

Beste Grüsse von bayern klassisch

chsch
03.04.2007, 19:04
Hallo bayern klassisch,

hier die Rückseite:

wuerttemberger
03.04.2007, 19:53
@chsch

Entschuldige bitte, wenn ich @bayern klassisch vorgreife, zumal ich nur ein paar Grundkenntnisse diese Zeit betreffend habe und er deutlich mehr Detailkenntnisse hat.

Charge-Briefe nach Frankreich unterlagen grundsätzlich dem Frankierungszwang.
Das Franko berechnet sich wie folgt:
6 Kreuzer Postverein ab Stuttgart bis Strassburg. Weitere 6 Kreuzer für die Rekommandation des Briefes. Das französsiche Franko wurde bei Charge-Briefen verdoppelt, also 18 Kreuzer. Somit stimmen 6 + 18 Kreuzer, da die Einschreibegebühr in bar erhoben wurde. Schade, dass die Marken entfernt wurden. Das wäre sicherlich ein attraktiver Brief gewesen.

Gruß

wuerttemberger

chsch
03.04.2007, 20:36
@württemberger,

das die Einschreibgebühr erst ab 01.07.1861 zu frankieren war, hab ich nicht bedacht. Danke für den Hinweis. Somit waren 24 Kreuzer auf dem Brief, kann also nur eine 18-und 6-Kreuzer Marke gewesen sein.
Dass die 9 Kreuzer von Frankreich doppelt gerechnet werden, steht im Zangerle, bloss manchmal kommt man nicht drauf.:confused:

Gruss
Christian

Andreas Gminder
03.04.2007, 21:42
Hallo,

'tschuldigung für die blöde Frage, muss ich gleich mal vorausschicken.
Aber wo sind denn die fehlenden Marken aufgeklebt gewesen? Ich seh da nirgends ne Lücke bzw. Stempelfragmente wo zwei Briefmarken untergebracht hätten werden können.

beste Grüße,
Andreas

wuerttemberger
03.04.2007, 22:47
Hallo,

'tschuldigung für die blöde Frage, muss ich gleich mal vorausschicken.
Aber wo sind denn die fehlenden Marken aufgeklebt gewesen? Ich seh da nirgends ne Lücke bzw. Stempelfragmente wo zwei Briefmarken untergebracht hätten werden können.

beste Grüße,
Andreas

@Andreas

Die Marken klebten über dem Wort "franco" unten links. Der Stempel Stuttgart war so klein, dass er problemlos auf die Marken gepasst hat. Deswegen gehen keine Stempelfragmente auf den Brief über. Was mich allerdings jetzt stutzig macht ist der fehlende Vermerk für das Weiterfranko :confused:


Gruß

wuerttemberger

chsch
03.04.2007, 22:49
Hallo Andreas,

die Frage ist gar nicht so dumm, hab ich mich zuerst auch gefragt. Bei genauerem Hinsehen ist dann aber deutlich zu sehen dass unten links über dem handschriftlichen Franco und der Bleistiftnotiz 2 Marken geklebt haben.
Leider hat man früher fast nur die Marken gesammelt, eigentlich eine Schande bei diesem schönen Brief mit den verschiedenen Stempeln.

Gruss
Christian

chsch
03.04.2007, 22:56
Hallo Württemberger,

musste das Weiterfranco (hier dann also die 18 Kreuzer) auf dem Brief notiert werden?
Hab z.B. einen Brief nach England aus der gleichen Zeit und da ist auch kein Vermerk zum Weiterfranco drauf.:confused:

Gruss
Christian

bayern klassisch
03.04.2007, 23:55
Hallo chsch,

danke für die Rückseite, auch wenn sie hier nicht so viel hergibt.

Württemberg hatte keinen eigenen PV mit Frankreich, so dass hier das Abkommen Badens mit Frankreich greift. Die Details dieses PV kenne ich nicht genau, generell gilt aber, dass ein Weiterfranko anzusetzen war. Aus der Frühzeit Württembergs kenne ich aber auch Briefe über Frankreich, bei denen dies unterblieb. Gründe?

Zu der Zeit, als Württemberg im DÖPV noch nicht mir Marken frankierte, wurde der Gebührenbaum siegelseitig stets schön notiert, so dass jede Postverwaltung prüfen konnte, ob das erlegte Franko ausreichte.

Es ist zwar schade, dass die Marken abgenommen wurden, aber generell gilt, dass Chargébriefe ins Postvereinsausland alle recht selten sind. Allein von daher ist er allemal behaltenswert. Wären die Marken - noch dazu in guter Qualität - noch drauf, wärst Du ein echter Glückspilz.

Beste Grüsse von bayern klassisch

bayern klassisch
04.04.2007, 00:00
Es wäre auch mal klärenswert, warum in Staßburg noch immer der alte Tour - T. für Thurn und Taxis - Stempel auf den Brief kam. Württemberg hatte sich ja längst von Taxis getrennt, so dass eigentlich der Instradierungsstempel Bade - Strasbourg hätte eingesetzt werden müssen.

Gibt es dazu Forschung, wie lange das so lief?

Beste Grüsse vom fragenden bayern klassisch

Ferrari
04.04.2007, 13:11
Der Brief eignet sich doch eigentlich hervorragend zur Rekonstruktion !
Fehlen nur die beiden Marken, die vielleicht noch irgendwo habbar sind, denn sie wurden ziemlich sicher zu Sammelzwecken abgelöst.

Eine Suchaktion danach wäre meiner Meinung nach echt spannend.
Jeder der einen Württembergsammler kennt, könnte nachfragen, ob eine 6- oder 18 Kr. Marke mit entprechendem Stempeldatum vorliegt.
Auch eine Umfrage:) hier im Forum wäre möglich.

Ich schaue in meiner Sammlung mal nach, vielleicht findet sich ja was.:)

Mfg
Ferrari

chsch
04.04.2007, 17:57
@ Ferrari,

das wäre natürlich genial, wenn diese beiden Marken auftauchen würden!
Ist aber wohl wenig realistisch.
Trotzdem mein Aufruf:
Wer eine Württemberg Mi.3 und Mi.5 mit mit blauem Doppelkreisstempel von Stuttgart vom 24.Sept.1852 hat oder jemanden kennt, der......., bitte melden und das Bild hier einstellen.

Gespannte Grüsse
Christian:)

chsch
06.04.2007, 09:57
@bayern klassisch

zu deiner Frage wegen dem T&T-Stempel in Straßburg hab ich mal nachgelesen, bin aber nicht so recht schlau geworden.

Eine Therorie von mir:
Für Württemberg galt ja auch der Postvertrag Baden-Frankreich vom 01.05.1846 analog. 1846 wurde ja in Württemberg noch die Post von T&T abgewickelt. Der Postvertrag Baden-Frankreich war 10 Jahre gültig bis 31.12.1856. Vielleicht wurden der T&T-Stempel bis dahin weitergeführt.

Was meinst Du dazu?

Grüsse
Christian

bayern klassisch
06.04.2007, 10:45
Dieses Thema ist zwar nur ein Nebenkriegsschauplatz, aber es bedarf m. E. dringend der Bearbeitung. Leider sind auch die involvierten Frankreichsammler überraschend unbelesen, was diese Stempel generell angeht.

Zuerst glaube ich nicht, dass Deine Theorie greift, kann sie aber auch nicht anhand von Primärliteratur verwerfen. Sie bleibt also vorerst im Raum stehen.

Ich habe zwar ein Dutzend Auktionskataloge von grossen Württemberg - Versteigerungen, aber leider jetzt nicht greifbar.
Im Zangerle von 2003 ist auf S. 144 oben ein Brief aus Ulm abgebildet, der im Jan. 1857 den Bade - Strasbourg zeigt.

Witzigerweise ist auf S. 137 ein Brief von 1870 vom NDP nach Strasbourg abgebildet, der noch den Stempel Tour - T. Strasb. vom 10.2.1870 zeigt, einer Zeit also, in der Taxis schon seit Jahren nicht mehr existierte (und damit auch die damaligen Postverträge).

Mit liegen mehrere Briefe vor, die von den franz. Eingangspostanstalten mit dem falschen Grenzübergangsstempel bedruckt worden sind.

Z. B. stempelte man Bade p. Strasbourg, obwohl der Brief aus Bayern stammte. Die besseren Beamten haben ihn dann regelmäßig überstempelt, anderen war es egal. Beide Varianten sind in einer entsprechenden Sammlung gut aufgehoben und immer etwas besonderes.

Vermutlich - so meine Theorie und als Beweis die Rückseite Deines Briefes - hat man in Stuttgart oder von anderen Orten in Württemberg, die Sendungen direkt nach Kehl/Strasbourg kartiert. Die Briefpakete kamen also im geschlossenen Transit durch Baden nie in badische Postlerhände, sondern wurden noch versiegelt den franz. Posten übergeben. Da aus den Briefkarten, das waren die amtlichen Begleitdokumente der Aufgabeposten für die von ihnen abspedierten Sendungen, ja stets der Herkunftsort hervorging, sah man - Württemberg - und nahm sich gleich den entsprechenden Stempel von alters her, um die Briefe abzustempeln.

Es wäre jetzt von Dir als W - Sammler zu prüfen, ob folgende Kriterien anhand meiner Theorie zutreffen:

Briefe aus W. nach und über Frankreich, die keinen badischen Transitstempel siegelseitig aufweisen, tragen im Frankofalle den Stempel Tour - T. Strasbourg.

Briefe aus W. nach und über Frankreich, die mit der badischen Post im Einzeltransit gelaufen sind, also badische Stempel tragen, haben im Frankofall den Stempel Bade - Strasbourg, da sie ja dann von badischer Hand den Franzosen in Strasbourg übergeben worden sind.

Bitte prüfe doch diese beiden Fälle mal anhand eigenen Materials oder geeigneter Auktionsabbildungen nach und versuche auch eine zeitliche Einschränkung von - bis.

Über das Ergebnis Deiner Untersuchungen würde nicht nur ich mich sehr freuen.

Beste Ostergrüsse von bayern klassisch

chsch
06.04.2007, 12:44
Hallo bayern klassisch,

deine Therorie klingt einleuchtend.
Leider habe ich nur diesen einen Frankreich-Brief, werde aber in Zukunft auf diese Stempel genauer schauen und überprüfen ob Deine Theorie stimmt!

Über die Ergebnisse werde ich dich dann auf dem laufenden halten.
Was für interessante Themen man doch aus einem klassischen Brief herausholen kann!:D

Beste Sammlergrüsse
Christian

bayern klassisch
06.04.2007, 13:38
Ich wünsche Dir, dass Deine Forschung zur Klärung der Sache beiträgt.

Dem Wunsch von Ferrari, dass Du die beiden fehlenden Originalmarken findest, schliesse ich mich nahtlos an, halte die Chance aber für astronomisch (gib mir für jede vernichtete Marke Altdeutschlands einen Euro, und ich bin der reichste Mann der Welt ...).

Ich weiß nicht, welchen sammlerischen Status Du hast, aber wenn Dir deratige Briefe, gerne auch noch mit den Originalmarken versehen, Spaß machen, dann kannnst Du Dein Leben lang sammeln, forschen, vergleichen, studieren, suchen, finden usw. usw... Im positiven Sinne endet das also nie! Nur der Geldbeutel ist limitierend. Leider!

Mal sehen, was Du herausfindest.

Beste Grüsse bis dahin von bayern klassisch

wuerttemberger
13.04.2007, 09:26
Briefe aus W. nach und über Frankreich, die keinen badischen Transitstempel siegelseitig aufweisen, tragen im Frankofalle den Stempel Tour - T. Strasbourg.

Briefe aus W. nach und über Frankreich, die mit der badischen Post im Einzeltransit gelaufen sind, also badische Stempel tragen, haben im Frankofall den Stempel Bade - Strasbourg, da sie ja dann von badischer Hand den Franzosen in Strasbourg übergeben worden sind.

Bitte prüfe doch diese beiden Fälle mal anhand eigenen Materials oder geeigneter Auktionsabbildungen nach und versuche auch eine zeitliche Einschränkung von - bis.

Über das Ergebnis Deiner Untersuchungen würde nicht nur ich mich sehr freuen.



Ich habe hier einen PORTO-Brief vom November 1851 vorliegen, der sicherlich auch im geschlossenen Transit durch Baden ging:

4273

Dieser trägt vorderseitig den Stemepl Bade - Strasbourg

Gruß

wuerttemberger

bayern klassisch
13.04.2007, 10:00
Schöner Portobrief.

Auf der Vorderseite haben 3 Hände geschrieben. Sollte das nicht darauf hindeuten, dass auch 3 Postverwaltungen (Wü., Baden und Frankreich) ihn behandelt haben?

Wü. schreibt die 9 Kr., Baden die 6 und Frankreich subsummiert die 15 Kr. zu 5Decimes als Gesamtbetrag?

Beste Grüsse von bayern klassisch

Ferrari
13.04.2007, 13:25
@bayern klassisch

Dem Wunsch von Ferrari, dass Du die beiden fehlenden Originalmarken findest, schliesse ich mich nahtlos an, halte die Chance aber für astronomisch (gib mir für jede vernichtete Marke Altdeutschlands einen Euro, und ich bin der reichste Mann der Welt ...).

Kurze Anmerkung zur Frage, wie wahrscheinlich es ist, die fehlenden Marken zur Briefrekonstruktion zu finden.
Da die Marken vermutlich zu Sammelzwecken abgelöst wurden - hierfür spricht, daß sie sehr sauber abgelöst wurden - könnte es schon sein, daß sie noch existieren. Sie wurden sicherlich nicht abgelöst, um sie separat zu vernichten. Ich könnte mir vorstellen, daß sie einen sehr schönen geradesitzenden, gut abgeschlagenen Stempel besitzen.
Daher sehe ich durchaus eine Chance. Natürlich ist seitdem viel passiert, aber astronomisch niedrig ist die Chance nicht. Ich werde mal ein paar alte Auktions-Kataloge durchfilzen und die Nummern hier bekannt geben, damit es nicht noch einer machen muß. Genauso könnte jemand z.B. Köhler-Kataloge durchsehen und ebenfalls hier bekannt geben.
Ich schlage vor, daß wir hierzu ein eigenes Thema "Durchsuchte Kataloge" aufsetzen. Wer macht mit ??

Mfg
Ferrari

bayern klassisch
13.04.2007, 14:13
Hallo Ferrari,

so nett dein Denkansatz auch ist, was bringt es Dir oder dem Besitzer des markenlosen Briefes, wenn Du herausbekommst, dass vermutlich eine der beiden Marken am 14.10.1987 für ?? DM bei Köhler verkauft worden ist?

Beste Grüsse von bayern klassisch

chsch
13.04.2007, 19:50
@württemberger:
hast Du einen Scan von der Rückseite des Briefes?


Ich habe hier einen PORTO-Brief vom November 1851 vorliegen, der sicherlich auch im geschlossenen Transit durch Baden ging:

Wurden Portobriefe immer im geschlossenen Transit gesendet?

@ferrari
danke für deine Mühe, leider habe ich keine Auktionskataloge, aber sollte eine dieser Marken in einem Auktionskatalog auftauchen, wäre dies ein Hinweis, dass sie noch existiert, und viele Nachlassammlungen landen dann irgendwann bei ebay.....:D
Ist zwar dann recht wahrscheinlich, dass wir die Marke finden, aber wer weiß!:)

@ bayern klassisch:
habe bis jetzt 2 Briefe im Einzeltransit nach Frankreich gesehen, da war auf der Rückseite jeweils ein badischer Transitstempel und vorne der Bade-Strasbourg, dass passt ja zu Deiner Theorie!
Ich bekomme in nächster Zeit eine grössere Zusammenstellung von Frankreich-Briefen, vielleicht kann ich dann genaueres sagen.

Wer Auslandsbriefe Württemberg-Frankreich hat, bitte hier einstellen mit Vorder-und Rückseite. Vielen Dank!!!

Grüsse
Christian

wuerttemberger
13.04.2007, 20:07
@württemberger:
hast Du einen Scan von der Rückseite des Briefes?


@christian

Die Rückseite zeigt leider nur den Ankunftsstempel von Lille. Wäre da noch was Wichtiges drauf gewesen, hätte ich die Rückseite auch gleich mit abgebildet.

Gruß

wuerttemberger

bayern klassisch
13.04.2007, 20:43
Grundsätzlich wurden Franko- und Portobriefe leitwegsbezogen zusammen versandt. Von postgeschichtlichen Sondersituationen abgesehen kann man diese Aussage für die komplette klassische Zeit stehen lassen.

Der Einzeltransit unterscheidet sich vom sog. geschlossenen Transit dadurch, das es mühevoll für die beteiligten Postverwaltungen war, die Fehlerquote anstieg, er i. d. R. die langsamere Beförderungsart darstellte (auch wenn die zurückgelegte Strecke deutlich kürzer sein konnte, es aber an Alternativen mangelte) und die Vergütungen innerhalb des Postvereins nach dem tatsächlichen Gewicht abzurechnen waren und nicht nach dem imaginären Gewicht von 2 Briefen je Loth).

Daher sind einzeln transitierende Briefe innerhalb des Postvereins oder über den Postverein in das Vereinsausland (sog. äußere Transite) pauschal gesagt nicht häufig. Aus geografischen Gründen werden sie zwischen Württemberg und Baden aber häufiger vorkommen, als dies zwischen anderen Ländern der Fall ist.

Schau Dir nur mal die Nord - Süd - Transitlinien der fünfziger Jahre an, als Baden von Taxis monopolhaft die Korrespondenzen, die nicht gerade aus Preußen geschlossen zukartiert wurden, per Bahnpost bekam, Württemberg dagegen fast gar nichts zukartiert bekam.

In den sechziger Jahren kam dann ein Umschwung, so dass z. B. ein Grossteil der Norddeutschen Korrespondenzen nach und über die Schweiz mit der württembergische Bahnpost über Friedrichshafen und den Bodensee geleitet wurde. Da sind Transite durch Baden wieder seltener (es gibt sie aber noch).

Kleiner Tipp für den engagierten Postgeschichtler des 19. Jahrhunderts:

Mal im Internet unter ieg-maps der Uni Mainz nachschauen - da ist gut nachzuverfolgen, wie die Post im wahrsten Sinn des Wortes abging.

Jedenfalls bin ich gespannt, was Deine Forschungen ergeben werden, denn m. E. ist auf diesem Gebiet noch nicht viel geforscht worden. Und das, obwohl Baden und Württemberg so nah liegen (`s gibt Badische und Unsymbadische).

Beste Grüsse für ein schönes Wochenende von

bayern klassisch

chsch
15.04.2007, 09:17
@ bayern klassisch:
Du meinst also, dass der Portobrief von württemberger im Einzeltransit durch Baden ging, begründet durch die 3 verschiedenen Taxvermerke.
Es fehlt aber der Transitstempel von Baden auf der Rückseite, war es gar nicht nötig, dass Baden im Einzeltransit abstempelte oder hat der Postbeamte es schlicht vergessen?
Oder ist diese Variante ohne Transitstempel nur bei Portobriefen möglich?

Beste Sammlergrüsse
Christian

bayern klassisch
15.04.2007, 09:52
Ein Einzeltransit ist prinzipiell nur an den vorhandenen Stempeln belegbar (außer, man wäre damals dabeigewesen, kleiner Gag am Rande).
Wenn ein Brief innerhalb eines Landes, hier Württemberg, von der Aufgabepost taxiert wurde, aber dann noch von dem württembergischen kartierenden Postamt auch taxiert worden ist (was theoretisch völlig überflüssig war, aber oft in den fünfziger Jahren gemacht wurde), dann aber durch Baden nach Frankreich lief, dann hat er auch 3 Hände auf der Vorderseite, ohne im Einzeltransit gelaufen zu sein.

Beispiel: Auslandsportobrief von Kleinkleckersdorf bei Stuttgart nach Paris.
Kleinkleckersdorf schrieb eine 3/6/9 Kr. für den Taxanteil Württembergs und sandte seine Briefe nach Stuttgart. Dort wurde aussortiert (Stuttgarter Ortsbriefe, Briefe nach Württemberg, Briefe ins Ausland über Baden, Bayern, Taxis etc, Dienstbriefe, Expreßbriefe, Chargébriefe usw.) bzw. zusammengefaßt. Nachdem man in Stutgart dann mehrere solcher Briefpakete der umliegenden Posten bekommen hatte, wurde das Bündel über Baden nach Frankreich geschnürt. Hierbei mussten alle Frankobriefe auf die gültige und vollständige Frankatur überprüft werden (Ausnahmen Teilfrankobriefe).

Die Portobriefe wurden dann auch überprüft, um festzustellen, ob nicht von den zuliefernden Posten Fehltaxierungen vorgenommen wurden. Die Summe der Portoforderungen wurde dann in die Briefkarte nach z. B. Straßburg eingetragen, wofür Württemberg quartaliter dann von Frankreich vergütet werden musste (umgekehrt natürlich genauso, also hat man i. d. R. die Beträge gegenseitig verrechnet).

Wenn man dann diese Pakete der eigenen Bahnpost - so die Bahnpost schon existierte - übergab, dann stempelte diese die einzelnen Briefe siegelseitig ab, die im geschlossenen Transit laufenden sah sie aber gar nicht erst.

Bei der Übergabe an Baden folgte dasselbe Procedere. Nur die einzeln einlaufenden Briefe konnten gestempelt werden, die in verschlossenen Briefbeuteln (Versiegelung mit Oblate oder seltener mit Wachssiegelabdruck) natürlich nicht.

Da es bei der Bahnpost ziemlich hektisch zuging, trugen einzeln transitierende Briefe nicht ausnahmslos Durchgangsstempel, aber in der Masse schon.

Wie schon erwähnt war es prinzipiell egal, ob ein Brief bezahlt oder unbezahlt war. Jedes Poststück war zu kontrollieren.

Eine ausführliche Briefanalyse fußt auf dem Vorhandensein von dutzenden, besser hunderten von Briefen einer Korrespondenzgattung, wobei immer die Vorder- und Siegelseite betrachtet werden muß. Alles andere ist Stückwerk und für die postgeschichtliche Forschung untauglich. Auch oder gerade die Laufzeiten sind für die postgeschichtliche Einordnung immer von Belang.

In Zeiten, in denen man philatelitisches Material visuell im Internet angeboten bekommt, könntest Du z. b. im ebay die angebotenen Stücke unter Alt-Württemberg und Vorphila (hier wird vieles falsch eingestellt, vor allem Portobriefe) durchsuchen, und, wenn die Rückseite nicht abgebildet sein sollte, Dir diese als Scan zukommen lassen, wodurch Du im Lauf der Zeit eine passable Kartei vorzeigen könntest.

Dann wäre es schön, uns an Deinen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.

Beste Grüsse von bayern klassisch

chsch
19.06.2007, 23:31
Guten Abend,

kann mir jemand bei diesem 9-Kreuzer-Porto helfen:

Ich komm hier nach Zangerle auf 3-Kreuzer von Ludwigsburg Vereinstaxe ab 1857 und 9 Kreuzer franz.Porto wg. übriger Departements.
Ist der Brief unterfrankiert? Was bedeudet der Vermerk 06? Nachporto?

Besten Dank im Voraus
Christian

chsch
19.06.2007, 23:40
@bayern klassisch,

wegen der Sache mit den Grenzübergangsstempeln, hier belegt der württembergische Bahnstempel Deine Theorie:
Einzeltransit wg.Abstempelung Fahr.Postamt, es wurde mit dem Bade-Strassbourg-Grenzübergangstempel in Strassburg gestempelt.

Ich muss sagen es ist gar nicht so leicht an Bilder von Frankreich-Briefen zu kommen, von dem T&T-Stempel hab ich noch keinen weiteren gesehen, aber ich bleib dran.

Beste Sammlergrüsse
Christian

bayern klassisch
20.06.2007, 07:39
Hallo Christian,

im Büro habe ich leider keinen Zangerle, denke aber das du mit den 3 Kr. für W´berg richtig liegen müsstest. Der Vermerk unten links bedeutet 6 Kr. Weiterfranko, womit die 9 Kr. Frankatur erklärt wäre.

Wenn der Brief für die Strecke in Frankreich tatsächlich 9 Kr. gekostet hätte, wäre die Unterfrankatur optisch nicht zu sehen gewesen, denn durch den Abschlag des P.D. - Stempels war eine Nachgebühr bei einem französischen Empfänger rechtlich nicht möglich.
Für Bayern - Frankreich galt, dass bei Unterfrankaturen (trotz oder wegen falscher P.D. - Stempelung) das Grenzpostamt, hier Strasbourg, die Aufgabepost mit der fehlenden Gebühr in Auslage belastete. Dann hatte der bayerische (hier: württembergische) Annahmebeamte ein finanzielles Problem.

Zu den Grenzübergangsstempeln: Es werden noch vielen kommen, schau sie dir alle an, mach dir Kopien von vorn und hinten, und versuche eine Systematik in diesen Haufen zu bringen. Das geht leider nicht von heute auf morgen, aber es wird stetig vorangehen. Viel Glück!

Beste Grüsse von bayern klassisch

chsch
20.06.2007, 10:52
@bayern klassisch,

hab eben noch mal nachgeschaut im Zangerle, war mein Fehler, hab die Zeile verwechselt.

Ab 01.01.1857 war die Vereinstaxe ab Ludwigsburg 3 Kreuzer und das franz.Porto in alle Departements 6 Kreuzer, also richtig frankiert.

Gruss
Christian

bayern klassisch
20.06.2007, 11:50
Hallo Christian,

macht nichts, dann weisst du wenigstens, wie ein unterfrankierter Brief zu behandeln gewesen wäre! Ich wünsche dir, dass du mal einen findest.

Beste Grüsse von bayern klassisch