Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nachnahme 2fl. Sulzbach von 1860
Guten Abend an @alle.
hab mal wieder ein paar Fragen zu einer Briefvorderseite. Gekauft hauptsächlich wg. dem privaten Postablagestempel Sulzbach.
1. " Nachnahme 2fl.(=Gulden) ................Wahl". Was steht dazwischen?
2. Links oben steht eine 10 duchgestrichen, dahinter 7, rechts oben 10 L?
Was bedeuten diese Vermerke?
3. Unten in rot steht 2fl. 8, sind die 8 Kreuzer die Gebühren für die
Nachnahme?
Zu Nachnahme hab ich in der Literatur bisher gar nichts gelesen. Wer kennt sich damit aus und kann mir den Brief erklären.
Vielen Dank im Voraus und viele Grüsse
Christian
wuerttemberger
26.03.2007, 20:08
Guten Abend an @alle.
hab mal wieder ein paar Fragen zu einer Briefvorderseite. Gekauft hauptsächlich wg. dem privaten Postablagestempel Sulzbach.
Der ehedem private Postablagestempel wurde - wie so viele vorph. Einzeiler - weiter bei der Fahrpost benutzt.
1. " Nachnahme 2fl.(=Gulden) ................Wahl". Was steht dazwischen?
Das kann ich auch nicht lesen
2. Links oben steht eine 10 duchgestrichen, dahinter 7, rechts oben 10 L?
Was bedeuten diese Vermerke?
Oben links stehen die Manualnummern, die dort typischerweise angeschrieben wurden. Manualnummern zeigen meist (immer?) einen Punkt nach der Zahl.
Rechts oben steht das Gewicht in Loth
3. Unten in rot steht 2fl. 8, sind die 8 Kreuzer die Gebühren für die
Nachnahme? Das Porto für den Brief und die Nachnahmegebühr wurden immer dem Nachnahmebetrag hinzugerechnet.
Zu Nachnahme hab ich in der Literatur bisher gar nichts gelesen. Wer kennt sich damit aus und kann mir den Brief erklären.
Vielen Dank im Voraus und viele Grüsse
Christian
Welche Literatur steht Dir denn zur Verfügung? In der Tat ist die Fahrpost in der Vorphila- und Kreuzerzeit Württembergs immer noch ein vernachlässigtes und sehr entwicklungsfähiges Gebiet.
Gruß
wuerttemberger
@württemberger:
ich habe das Handbuch II/1 von Brühl/Thoma, aber da ist zu Fahrpost nicht viel drin.
Fahrpost wurde, glaub ich, erst ab 1874 frankiert. die 8 Kreuzer sind also normales Porto und Nachnahmegebühr, 3 und 5 Kreuzer?
Oben links stehen die Manualnummern
Was sind Manualnummern?:confused:
Württemberger, was gibts denn für Literatur zu diesem Thema?
Gruss
Christian
wuerttemberger
26.03.2007, 20:58
Das Württemberg-Handbuch befasst sich sehr ausführlich mit den Markenausgaben. Briefe werden zwar auch behandelt, aber doch in sehr bescheidenem Rahmen.
Was sind Manualnummern?
Fahrpostbriefe sind in ein Buch beim Aufgabepostamt eingetragen worden, das den Nachweis der Einlieferung darstellte. Die laufende Nummer in diesem Buch war die sog. Manualnummer. Der Absender bekam dafür auch noch einen Postschein ausgehändigt.
Württemberger, was gibts denn für Literatur zu diesem Thema?
Zu diesem Thema gibt es nicht viel Literatur. Empfehlen kann ich Dir:
Schwarz, Konrad; Die Postnachnahmen und Postaufträge in der deutschen Postgeschichte; Post und Telegraphie in Wissenschaft und Praxis, Band 36; Berlin 1939
Dort bekommt man einen recht guten Überblick.
Ansonsten kannst Du auch unter http://www.arge-württemberg.de/rundbrief.html (http://www.xn--arge-wrttemberg-4vb.de/rundbrief.html) einmal nachschauen, ob die Arge Württemberg in den letzten 15 Jahren etwas über die Fahrpost veröffentlicht hat.
Gruß
wuerttemberger
württemberger,
vielen Dank für die Infos!:)
Beste Sammlergrüsse
Christian
bayern klassisch
27.03.2007, 07:06
Nachnahme 2 fl. erhalten Unterschrift
mfg bayern klassisch
Nachnahme 2 fl, dazu die Procura - in dem Falle vermutlich 4 xr pro fl = 8, macht insgesamt 2 fl 8 xr und dann noch 2 xr Fahrpostbestelgeld
Alles Klar? Gruß Hesse
wuerttemberger
27.06.2008, 14:56
Zu empfehlen: Wigand Bruns "Fahrpost Württemberg" odet Thomas Gaal "Fahrpost bei Thurn und Taxis"
Das Werk von Wigand Bruns behandelt meines Wissens nach doch nur die Paketzettel und ist keine umfassende Darstellung der Fahrpost. Die Fahrpost ist auch so komplex, dass man das in so wenigen Seiten nicht auch nur annähernd darstellen kann. Ich hatte das Werk mal kurz durchgeblättert und für mich entschieden, dass es momentan dringendere Anschaffungen gibt.
Gruß
wuerttemberger
silberlocke1940
28.06.2008, 10:23
@chsch:
im 2. Nachtrag des revidierten Postvereinsvertrags vom 05. Dez. 1851 verhandelt in München (3. Postkonferenz) am 26. Februar 1857, Posttransportordnung für Inland und Postverein vom 29. Juni 1858, gültig innerhalb Württembergs ab 1. Juli 1858, steht:
NACHNAHMEN: Bei jeder Poststelle können auf Briefe und Fahrpostsendungen Geldbeträge bis zu einer Höhe von 87 fl. 30 Kr. für die einzelnen Sendungen zum Wiedereinzug von den Empfängern nachgenommen werden.
Hierfür wird, außer dem gewöhnlichen P o r t o, zugunsten der vorschußleistenden Postanstalt von der nachgenommenen Summe für
jeden Gulden oder Teil eines Gulden eine Gebühr von ....... 1 Kreuzer
mindestens jedoch .................................................. .. 3 Kreuzer
erhoben.
Im vorliegenden Falle kostete das innerwürttembergische Porto = 3 Kreuzer; die Nachnahmegebühr weitere 3 Kreuzer.
Die "fehlenden" 2 Kreuzer sind wahrscheinlich die Gebühr für die Zustellung in den Landbezirk.
Ich hatte übrigens im Rundbrief Nr. 100 der Arge Württemberg die Fahrposttaxen ab 1. Februar 1874 veröffentlicht, da es ab dieser Zeit wunderschöne Frankaturen gibt.
@silberlocke1940
Vielen Dank für die Infos und viele Grüsse nach Berlin.
Übrigens würde ich mich freuen ein paar dieser "wunderschönen" Frankaturen hier zu sehen.
Gespannte Grüsse
Christian
silberlocke1940
29.06.2008, 09:42
@ chsch
Guten Morgen Christian,
dann möchte ich gerne anhand von 3 Beispielen aufzeigen, warum mir die frankierte Fahrpost (ab 1. Februar 1874) so gut gefällt:
1) Nachnahme über 45 Kreuzer von Stuttgart nach Bickelsberg, O.A. Sulz vom 11. Juni 1875, frankiert mit 10 Kreuzer als Währungsmischfrankatur Kreuzer/Pfennig. Die 20 Pfg.-Marke wurde als 7 Kreuzer-Marke vorverwendet.
Die Taxe von 10 Kreuzer setzt sich wiefolgt zusammen:
a) aus dem Gewichtporto (wie für Briefe mit Wertangabe) bis 250 g einschl. innerhalb Württembergs auf Entfernungen von über 2 Meilen bis 10 Meilen incl. = 7 Kreuzer und
b) aus der Postvorschußgebühr (Nachnahmegebühr) für jeden Gulden oder Teil eines Guldens 1 Kreuzer; mindestens jedoch 3 Kreuzer.
silberlocke1940
29.06.2008, 09:50
2)
Wertbrief über 2 Thaler ( = 3 Gulden 30 Kreuzer) von Zuffenhausen nach Pilgrim in Böhmen / Oberösterreich vom 31. Juli 1874, frankiert mit 25 Kreuzer.
Die Taxe setzt sich zusammen, aus:
a) dem Gewichtporto für Briefe mit Wertangabe bis zum Maximun des zul. Gesamtgewichtes der Briefe (250 g) im Wechselverkehr mit Österreich / Ungarn , bei Entfernungen von über 50 Meilen = 18 Kreuzer
b) aus der Versicherungsgebühr für Wertbriefe bis 87 1/2 fl. bei Entfernungen von über 50 Meilen = 7 Kreuzer
silberlocke1940
29.06.2008, 09:55
und zuguterletzt
3) Nachnahme-Paketkarte über 2 Gulden 48 Kreuzer von Stuttgart nach Graz vom 3. Juni 1875, frankiert mit 24 Kreuzer.
Die Taxe setzt sich zusammen, aus:
a) dem Gewichtporto für Pakete im Wechselverkehr mit Österreich / Ungarn als Minimalsatz bei Entfernungen von über 50 Meilen = 21 Kreuzer
b) aus der Postvorschußgebühr (Nachnahmegebühr) für Pakete für jeden Gulden oder Teil eines Guldens 1 Kreuzer; mindestens jedoch 3 Kreuzer
Wünsche allen noch einen schönen Sonntag und heute abend ein spannendes Endspiel
Hans-Wolfgang
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