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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beleg Berlin Rotaufdruck mit Nachgebühr ?



dietbeck
02.10.2006, 23:22
Der angehängte Beleg gibt mir etwas Rätsel auf. Vielleicht kann hier ja jemand helfen. Frankiert mit insgesamt 20 Pf Rotaufdruck am 17.6.49 in Berlin SW 11 abgestempelt. Also eigentlich portorichtig für einen Ortsbrief bis zur 4. Gewichtsstufe. Deshalb von dieser Seite kein Grund zur Nachgebühr (wäre auch eine nicht passende Nachgebühr).

Der Brief lief nach 1000 Berlin 65.

1. Frage: Gab es zu diesem Zeitpunkt schon eine enstprechende Postleitzahl
2. Frage: Dies ist soweit ich sehe Westberlin

Daher scheidet eigentlich eine Nachgebührerhebung in Ostberlin aus (dies wäre eine mögliche Erklärung, in diesem Fall, da man die Westberliner Marken ablehnte. Aber auch nicht so richtig, da 24 Pf die Gebühr für eine Inlandssendung und nicht eine Ortssendung waren. Und dann wäre der Beleg versehentlich in Ostberlin gelandet. Bei Rückkehr nach Westberlin hätte die Nachgebühr auch wieder gestrichen werden müssen. Also keine befriedigende Erklärung.

Bleibt nur noch, dass die Empfängeradresse im Nachhinein auf dem Fenster aufgebracht wurde und eigentlich eine andere Empfängeradresse ursprünglich vorhanden war (und diese in der SBZ lag). Dann würde die Nachgebühr von 24 Pf Sinn machen (vorausgesetzt der Brief war maximal 20 Gramm).

Hat jemand eine andere Idee, oder kann meine Überlegungen bestätigen ?

mike111
03.10.2006, 00:09
Ich denke auch, dass die Postleitzahl erst im Nachhinein aufgebracht wurde. Da es ein Fensterumschlag ist, denke ich mal war die ursprüngliche Adresse auf den Papieren dahinter :-)
Insofern kann deine Überlegung mit der SBZ/Ostteil schon richtig sein, lässt sich nur leider heute nicht mehr belegen.
Eine komplette Fälschung (Stempel/Aufdrucke o.Ä) schliße ich aus, dazu sind die Marken zu billig und die Portostufe zu häufig.

Postleitzahlen gab es erst in den 60er Jahren....

Zum Thema Frühverwendung von Postleitzahlen hab ich noch was angehängt, was mir bei jedem Ansehen weh tut... hab ich mal in einer Sammlung gefunden. Der Block ist bzw. war echt!

Viele Grüße
Mike

1867
03.10.2006, 01:00
Dann sind ja die Nummernstempel der altdeutschen Staaten als Vorläufer der
Postleitzahlen deutlich anzuerkennen ... ?
:rolleyes:
Ich glaube ich habe einen Vorläufer ... :D

ralph
04.10.2006, 09:10
Postleitzahlen wurden erst (wieder) am 1.10.1962 eingeführt, in diesem Rahmen erhielten auch die (West-)Berlin Ämter Nummern, so wurde aus Berlin-Wedding dann 1 Berlin 65. Zunächst waren die PLZ 1 bis 4-stellig, die allgemeine Umstellung auf 4-stellige PLZ dürfte erst in den 70er oder 80er Jahren erfolgt sein. Fazit: Die Anschrift gehört keinesfalls zu einem Rotaufdruckbrief.

joey
06.10.2006, 13:31
Die vorhergehenden Aussagen zur Anschrift kann ich nur bestätigen bzw. präzisieren: Die Umstellung von 1- auf 4-stellige PLZ erfolgte in West-Berlin 1975, zumindest tauchen in diesem Jahr die ersten Stempel mit 4-stelliger PLZ auf.

Form und Farbe des Nachgebühr-Stempels lassen mich vermuten, dass es sich um den Stempel von Berlin C 2 (also Ost-Berlin) handelt. Dieser Stempel wurde bisher in Jahren 1949 - 1950 nachgewiesen. Angehängt zum Vergleich ein Abschlag aus meiner Sammlung, ebenfalls 1949.

Grüsse aus Berlin,
joey

Zenne
08.10.2006, 14:38
Denke schon, dass es ein Ortsbrief innerhalb Berlins war, der nach Ostberlin gelaufen ist. Wurde nicht von der Post auf einen fehlenden Betrag 50% aufgeschlagen?

So können 16+8=24 Pfennig Nachgebühr entstehen!!

Übrigens, wie auch immer - das ist das Wunderbare an der Philathelie!!!
Ein "ganz normaler" Brief erzählt rätselhafte Geschichten.

Bill
08.10.2006, 15:43
Die vorhergehenden Aussagen zur Anschrift kann ich nur bestätigen bzw. präzisieren: Die Umstellung von 1- auf 4-stellige PLZ erfolgte in West-Berlin 1975, zumindest tauchen in diesem Jahr die ersten Stempel mit 4-stelliger PLZ auf.


Postleitzahlen waren bereits seit 1963 4-stellig jedoch verzichtete man bei Groß- und Kleinstädten auf die Nullen. Ende 1975 erfolgte mit der Umstellung der Adressangaben auch die Umstellung zu 4-stelligen Postleitzahlen in den Tagesstempeln.

Adresse bis 1975: Name, PLZ Ort, Straße
Adresse seit 1976: Name, Straße, PLZ Ort

Die Adresse in dem Brief ist vor 1975 getippt worden.

Gruß: Bill

wuerttemberger
08.10.2006, 17:10
Adresse bis 1975: Name, PLZ Ort, Straße
Adresse seit 1976: Name, Straße, PLZ Ort

Die Adresse in dem Brief ist vor 1975 getippt worden.

Gruß: Bill

Die Form der Adresse ist kein sicheres Indiz für die Datierung. Meine Tante (Jahrgang 1926) schreibt heute noch PLZ Salach/Württemberg. Den Strassennamen schreibt sie allerdings schon nach dem Empfängernamen. Das Ganze aber immer noch in Sütterlin :D

Gruß

wuerttemberger