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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Problem selbstklebende Briefmarken



Bill
28.03.2006, 23:15
Die Flut von selbstklebenden Marken nimmt von Monat zu Monat zu. Durch die Erfahrung mit durchfettenden "Schonfalzen" Mitte des 20. Jahrhunderts ist es abzusehen, dass die Philatelie vor einem postgeschichtlichen Super-GAU steht, und heutige Marken und Belege für nachkommende Generationen nicht erhalten werden können; erste Durchfettungen von aktuellen Marken liegen vor.

Ist es nicht höchste Zeit, dass die organisierte Philatelie eine Empfehlung herausgegeben sollte, wie man selbstklebende Marken postfrisch und auf Belegen sammeln sollte?

Gruß: Bill

Aleks
29.03.2006, 11:25
Die Gefahr dabei ist aber, dass irgendein Aspekt - Weichmacher, Temperatur, unterschiedliche Gummis, Luftfeuchtigkeit, etc. etc. - dabei nicht beachtet wird, und alle sind nachher böse, die sich darauf verlassen haben.

Ich denke eine ausführliche Diskussion, die die verschiedenen Möglichkeiten und Probleme aufzeigt, kann Interessierten bei der Entscheidung besser helfen...

Mike

PW0001
29.03.2006, 12:03
Ich weiß, dass ich bezüglich selbstklebender "Briefmarken" eine von der Masse sehr abweichende Meinung habe. Trotzdem ist sie m.E. nicht abwegig und sie lautet:

Die selbstklebende Briefmarke ist nicht sammelwürdig. Dieses bunte oder auch nur noch mit Strichcodes versehene klebrige Zettelchen in mieser Druckqualität mit angedeuteter Zähnung oder auch ohne unterscheidet sich von einem Preiszettel aus der Gemüsewaage des Supermarktes nur dadurch, dass sie was kostet.

Wer es dennoch anders sieht und nicht davon ablassen will, der soll sie postfrisch so sammeln wie sie verkauft wird, alles andere wäre nicht postfrisch, oder gestempelt auf Beleg oder sie in seiner häuslichen Chemiefabrik auf ein 1000jähriges Albumleben mit allerlei Giftkuren konservieren.

Und wenn es nur noch selbstklebende Briefmarken gibt, dann gibt es aus meiner Sicht haufenweise abgeschlossene Sammelgebiete von der Nr. 1 bis zu dem Tag an dem die Selbstklebrigkeit die Macht übernahm...

db1201037
29.03.2006, 13:23
Ich weiß, dass ich bezüglich selbstklebender "Briefmarken" eine von der Masse sehr abweichende Meinung habe. Trotzdem ist sie m.E. nicht abwegig und sie lautet:

Die selbstklebende Briefmarke ist nicht sammelwürdig. Dieses bunte oder auch nur noch mit Strichcodes versehene klebrige Zettelchen in mieser Druckqualität mit angedeuteter Zähnung oder auch ohne unterscheidet sich von einem Preiszettel aus der Gemüsewaage des Supermarktes nur dadurch, dass sie was kostet.


Hm...

Warum bitteschön sollte die gummierte Briefmarke "Roter Sand" sammelwürdig sein, während es die selbstklebende Variante nicht ist?

Jedem seine Meinung, aber ein paar objektive Argumente würden mich dann noch mal interessieren.

Was diese ganze "Abzocke"-Diskussion angeht: Da gehören immer zwei dazu, jemand der abzockt und jemand der sich abzocken läßt. Selbstklebende Briefmarken kommen bei mir genauso in die Sammlung wie gummierte - und zwar ausschließlich gestempelt und echt gelaufen.

Damit ist mir die echte oder vermeintliche Abzocke völlig egal, die Marken haben ihren primären Zweck erfüllt und sind damit absolut sammelwürdig. Ebenso stellt sich das Thema der Aufbewahrung und Durchfettung überhaupt nicht.

Da ich das Glück habe, "undurchsuchte" Kiloware aus dem Posteingang einer Behörde zu bekommen möchte ich noch auf einen Vorteil der selbstklebenden Marken hinweisen. Der Anteil der durch Stempel- und Sortiermaschinen beschädigten Marken (meistens linke Seite) ist bei den Selbstklebern wesentlich geringer als bei den gummierten Marken. Und über die Zahnlängen und Zahnfehler muß man sich auch kaum Gedanken machen.

Solange sich die Dinger vernünftig ablösen lassen, habe ich keinerlei Probleme mit selbstklebenden Marken.

Grüße,
db

Dietemann
29.03.2006, 19:31
Meinem Vorredner stimme ich voll zu.

Aber ein Aspekt hat mich doch beschäftigt: Kassenzettel sind auch nur Belege für eine erbrachte Leistung. Gib es jemanden, der die sammelt???;)

Rechnungen werden ja auch gesammelt und ich habe aus der Zeit der Euroumstellung tatsächlich einen Kassenzettel aufgehoben um die Umstellung zu dokumentieren (eher für die Münzsammlung). Aber auf den Gedanken, daraus eine Sammlung zu machen bin ich wirklich noch nicht gekommen. :D

Zum Thema Haltbarkeit:
Mein entprechendes Markenheftchen sieht bei weitem nicht so schlimm aus. Ich habe es allerdings damals ungeöffnet ins Album gesteckt und erst heute abend wieder hervorgeholt. Und möglicherweise das regelmäßige Lüften vergessen :D

Leider habe ich die gleiche Marke nicht auf Brief. Bei zwei anderen Marken aus der Zeit konnte ich aber keinerlei Veränderungen feststellen. Da habe ich mit den Klebestreifen der Briefe mehr Probleme.

Einer offiziellen Empfehlung den Kleber zu entfernen würde ich auch nicht folgen, aus zwei Gründen: Im schlimmsten Fall verliere ich ein Markenheftchen und kann mir kein anderes leisten oder meine Sammlung hat eine Lücke. Wahrscheinlicher ist, dass ich ein Markenheftchen habe, was etwas unansehnlicher ist als die übrigen. Mit beidem kann ich leben, den Posthornsatz habe ich auch nicht und für mich sind Briefmarken eher kleine Dokumente denn Wertanlage. Und was dokumentiert die Geschichte der Versuche mit neuen Klebeformen besser als eine darunter leidende Briefmarke?

Ich gebe aber zu, dass meine Qualitätsansprüche eher finanzorientiert sind und einen echten Postfrisch-Sammler nicht zufriedenstellen. Aber was spricht dagegen, sich ein zweites Markenheftchen anzuschaffen, und dieses vom Kleber zu befreien?

Einen schönen Feierabend wünscht Dietemann

phil-maddin
29.03.2006, 20:34
Ist es nicht höchste Zeit, dass die organisierte Philatelie eine Empfehlung herausgegeben sollte, wie man selbstklebende Marken postfrisch und auf Belegen sammeln sollte?


wenn wir schon schon im forum vom bdph diskutieren muss es doch eine möglichkeit geben den bdph dazu bewegen eine offizielle empfehlung abzugeben ?!? hat da jemand schon mal angefragt ?

Privatpostjäger
30.03.2006, 08:39
Meinem Vorredner stimme ich voll zu.

Aber ein Aspekt hat mich doch beschäftigt: Kassenzettel sind auch nur Belege für eine erbrachte Leistung. Gib es jemanden, der die sammelt???;)

Rechnungen werden ja auch gesammelt und ich habe aus der Zeit der Euroumstellung tatsächlich einen Kassenzettel aufgehoben um die Umstellung zu dokumentieren (eher für die Münzsammlung). Aber auf den Gedanken, daraus eine Sammlung zu machen bin ich wirklich noch nicht gekommen. :D


Wie willst du dann nachweisen, daß es sich bei deinem Markenheftchen, so du dieses Sammelgebiet z.B. dein Eigen nennst, um das aus dem Pilotprojekt XY handelt und damit unter seriösen Sammlern den 100-fachen Wert erzielt, oder um die ATM vom Sonderstandort der Messe YZ ?
Ich habe von den derzeit laufenden Markenheftchenautomaten Sielaff und Baumann aus dem Pilotversuch eine Vielzahl von Ersttagsquittungen. Die kosten inzwischen mehr wie die Markenheftchen selbst, da nur mit diesen Quittungen der Bezug zu den wenigen Automaten gegeben ist. Und ob die Piloten in eine flächendeckende Installation auslaufen, weiß heute noch keiner, es kann genauso gut sein, daß die ebenso schnell verschwinden wie die Samkyung-Automaten ( ... oder die ABAS oder die PIA oder die Briestationen ... :) .

Wenn ich allein in meinem Sammlegebiet ATM an die Preisunterschiede der Normal-ATM zu den Samkyung-Sätzen der Pilotautomaten denke, kommt man ohne Quittung nicht hin. Abgesehen davon sind bei solchen Highlights wie den ATM-Piloten in den norddeutschen Filialen, welcher 2004 lief und wo ATM aus einem Kuvert bei den Agenturen verkauft wurden, eigentlich die Quittungen das wertvolle, weil der NACHWEIS. Schaut mal in der Fachliteratur bei den Anzeigen der Händler nach den Preisen, da werten Einzelmarken nominal wenige Cent mit Quittung Ersttag zu mehreren -zig Euro.
Und mittlerweile, auch wenn einige lachen, werden Quittungen bei Prüfungen einbezogen.

Bill
30.03.2006, 09:50
wenn wir schon schon im forum vom bdph diskutieren muss es doch eine möglichkeit geben den bdph dazu bewegen eine offizielle empfehlung abzugeben ?!? hat da jemand schon mal angefragt ?

Der BDPh alleine wird hier wenig ausrichten können. Unter organisierter Philatelie verstehe ich den BDPh, BPP, den APhV, die Fachpresse und die Katalogherausgeber, die noch vor Jahren bei MICHEL's ein gemeinsames Wochenendseminar abgehalten haben, um eine Definition zu finden, was den Block vom Kleinbogen unterscheidet. - Wenn wir sonst keine Probleme haben?

Durch den Selbstkleber zeichnet sich nicht nur ein Super-GAU bei postfrischen Marken sondern auch bei ganz einfachen Bedarfsbriefen etc. ab. Wer sagt, solange man die "Dinger" noch ablösen kann, denkt kurzsichtig, denn auch Kiloware wird in einigen Jahren mit durchgefetteten Marken bestückt sein.

In der Rubrik "Mein schönster Beleg" werden meistens Briefe gezeigt, die mindestens 75 Jahre alt sind. 75 Jahre wird ein Bedarfsbrief des Jahres 2006 mit Sicherheit nicht alt werden. In spätestens 10 Jahren wird der Kleber den Umschlag durchfetten und die Marken vom Brief abfallen lassen.

Weshalb gummiert HAWID seine Klemmtaschen eigentlich noch, selbstklebende Klemmstreifen wären doch viel praktischer?

Gruß: Bill

Wissenschaftlich wäre hiermit der erste Nachweis erbracht, dass zwei Markenheftchen an zwei verschiedenen Orten gelagert, mit den Jahren durchfetten.

Bill
30.03.2006, 09:57
(...) es kann genauso gut sein, daß die ebenso schnell verschwinden wie die Samkyung-Automaten ( ... oder die ABAS oder die PIA oder die Briestationen ... :) . (...)


Apropos ABAS :eek: und Thermopapier:

PW0001
30.03.2006, 10:50
Warum bitteschön sollte die gummierte Briefmarke "Roter Sand" sammelwürdig sein, während es die selbstklebende Variante nicht ist?

Jedem seine Meinung, aber ein paar objektive Argumente würden mich dann noch mal interessieren.db

Weil sie auf Grund ihrer Beschaffenheit und der stattfindenden chemischen Reaktionen nicht für die Dauer gemacht ist. Es wird auch kein Allheilmittel geben diese Zettelchen auf ewig haltbar zu machen. Höchstens man schickt sie auf die Erdumlaufbahn oder frostet sie vakuumverpackt in der Kühltruhe ein und zeigt sie dann mit Eiswürfeln geschützt wie an der Fischtheke seinen Enkeln. Das soll dann noch Philatelie sein? Das soll sammelwürdig sein?

Perfekte Marken aus Scheichtümern sollen nicht sammelwürdig sein, jede Marke mit dem geringsten Zahnmangel ist nicht sammelwürdig und man verdreht die Augen wenn ein Fingerabdruck auf dem Gummi einer sonst einwandfreien postfrischen Marke ist, über osteuropäische Sammelgebiete rümpft man die Nase aber dieser klebrige, fettende Sondermüll soll sammelwürdig sein? Wird dann in 20 Jahren der Wert danach bestimmt welche Marke den schmalsten braunen Rand hat? Oder ist eine voll durchgefettete dann am wertvollsten?

NEIN DANKE

Sammelwürdigkeit bestimmt sich für mich nicht dadurch, dass es eine Nachfrage, einen Markt für diese Marken gibt. Wenn man damit u.U. vielleicht noch etwas dokumentieren kann, dann ist es das Ende der Briefmarke.

Dietemann
30.03.2006, 12:04
@ Bill,
jetzt mach einmal weiter und sage, wie Du Dein Markenheftchen aufbewahrt hast.
Meines war zusamengeklappt in einem falzlos Albumblatt und die letzten 5 Jahre nicht geöffnet oder nur die Seite angeschaut. Der Raum ist häufig genutzt (also normal geheizt aber mit deutlicher Tag und Nachtabsenkung außerhalb der Nutzungszeiten). Außerdem vor allem im Sommer gut gelüftet mit allen Folgen wie Staub und Spinnen. Das Album steht allerdings in einer Ecke vom Fenster entfernt, sodass es kein Sonnenstarhl je erreichen kann. Meine Comicbücher leiden deutlich mehr:)

TripleST
30.03.2006, 17:59
Die Argumente von PW0001 kann ich gut nachvollziehen.

Ganz so krass, diese Marken nicht mehr als sammelwürdig zu betrachten, würde ich es jedoch nicht sehen. Bei Preußen gab es schon mal so einen Fall der erschwerten Haltbarkeit zweier Marken. Bei diesem Einzelfall ist es dann allerdings, meine ich, geblieben. Vielleicht kann hier ein Preußen-Experte mal erzählen, wie da die Sicht der Dinge gelaufen ist. Ob die Post von sich aus reagiert hat oder ob diese Technik nach Sammlerprotesten nicht mehr angewandt wurde.

Die Kundenorientierung im Sinne der breiten Masse der Postkunden hat halt beim Wirtschaftsunternehmen Post Vorrang. Da müssen wir uns als unbedeutende Briefmarkensammler schon danach richten, was die Post als Produkt im herkömmlichen Postbetrieb als sinnvolles Produkt erachtet.

Eine Möglichkeit wäre, diese Marken, wenn denn die Experten sagen, dass keine Haltbarkeit der postfrischen Marken auf die Dauer gegeben ist, nur noch aus dem Postverkehr zu sammeln? Oder habe ich das falsch verstanden, daß aufgeklebte Marken mit dem verbliebenen Rest des aggressiven Aufklebers die Briefe durchfetten? Dann wäre ja auch das Sammeln von Ausschnitten, wenn schwer ablösbar, hinfällig.

Eine wissenschaftliche Analyse samt Empfehlung an die Sammlerschaft könnte hier nicht schaden.
Bei uns im Briefmarkenverein gibt es z.B. eine Broschüre zu den Auswirkungen der Verwendung von Folien- und sonstigem Kunststoffmaterial für die Aufbewahrung von Marken.

Pete
30.03.2006, 20:39
@TripleSt:

Auch aufgeklebte Marken auf Papier (egal ob Brief oder Karte) stehen im Verdacht, in einigen Jahren durchzufetten.
Die Marken lassen sich allerdings sehr gut und ganz normal in warmen Wasser ablösen, wie nassklebende Marken.

Zum Sammlen ungebrauchter (wie gebrauchter) Marken kann vielleicht so verfahren:
Ungestempelte Marken ablösen und dann ungebraucht ohne Gummierung, also in der (*)-Erhaltung ins Album stecken.
Für die Ausgaben Ostropa-Block (Bl. 3) und Nr. 606-607 (Zeppelin LZ 129) des Deutschen Reiches von 1935 bzw. 1936 stören sich auch die Wenigsten an der zum Sammeln empfohlenen (*)-Erhaltung. Die Preise sind dementsprechend z.B. im Michel nur für diese Art der ungebrauchten Erhaltung angegeben.

Wenn die (*)-Erhaltung die nahezu einzige Möglichkeit sein sollte, die selbstklebenden Marken in Zukunft ansehenswert zu erhalten, bin ich gern dazu bereit.
Netterweise können mir dann die Marken auch nicht mehr im Album ankleben, kann sie ohne Probleme überhaupt ins Album stecken und muss keine Markenheftchen (der Folie als Unterlage wegen) zerschneiden *g*
Nur für ganze Markenheftchen wird es schwierig...

Gruß
Pete

db1201037
30.03.2006, 21:43
Hallo,

bisher habe ich in der Kiloware auch bei älteren Marken keine Durchfettung beobachten können. Was nicht heißen soll, daß das nicht passiert. Scheint aber länger zu dauern als bei Markenheftchen.

Was die Erhaltung angeht, habe ich mir vorsichtshalber auch mal die selbstklebenden Marken herausgesucht, die bei der Beförderung keinen Stempel abbekommen haben. Also gebraucht ohne Stempel.

Stammt aus der Zeit, als ich die Marken meines Postfrisch Abos noch ins Albumg steckte und nicht zum Frankieren benutzt habe. Alle Michel-Nr. ohne die häßliche Trägerfolie, auch eine mögliche Idee.

Inzwischen sind die postfrischen Marken alle ihrer ursprünglich zugedachten Verwendung zugeführt worden, und die Selbstkleber harren der Dinge, die da kommen.

Mal sehen was davon wird, die werden jedenfalls nicht mehr durchfetten :D

db

Bill
30.03.2006, 22:43
@ Bill,
jetzt mach einmal weiter und sage, wie Du Dein Markenheftchen aufbewahrt hast.

Meine Marken bewahre ich im realtiv kühlen Arbeitszimmer in einem geschlossenen Schrank in Leuchtturm-Alben auf. Zur Umtauschfrist 2003 waren noch keine Schäden erkennbar. Im gleichen Album befindet sich auch das SWK-Heftchen von 1991 an dem keine Veränderung festzustellen ist.

Dass die "neuen" Markenheftchen durchfetten, liegt allein an der Stanzung die Spannung ins Papier bringt. Beim SWK-Heftchen das geschnittene Marken enthält, kann keine Spannung entstehen, weil die Schnittflächen wie Dehnungsfugen wirken.

Gruß: Bill

Dietemann
02.04.2006, 23:51
Hier ein paar Marken der Zeit auf Brief ohne jedes (für mich erkennbares) Durchfetten.

Ich versuche eine Zusammenfassung: (im Wasserbad) abgelöste Marken sind definitiv nicht gefährdet.

Nach den bisherigen Diskussionen sind auch keine Veränderungen an Marken auf Briefen bekannt oder nachweisbar.

Veränderungen zeigen postfrische Merkenheftchen. Bei dem mir vorliegenden Exemplar sieht es allerdings so aus, als wenn nicht das Papier durchfettet, sondern lediglich der Kleber durch den Riss gequetscht wird. Das könnte durch Wärme und/oder Druck passieren. Dazu zwei Fragen:

Wer weiß etwas über das Papier? Oder handelt es sich schon um eine Art Kunststofffolie?

Wer weiß, ob sich der Kleber auf der Vorderseite z.B. mit einem feuchten Tuch einfach abreiben lässt? (Mein Markenheftchen ist mir für den Versuch zu schade, dafür ist es mir zu gut erhalten:) )

Ich glaube auch eher daran, dass ab 2000 ein neuer Kleber verwendet wurde, habe aber hierzu nichts im Michel gefunden.

claus wentz
03.04.2006, 08:11
im MICHEL nicht, aber in der Fachpresse.

Bill
03.04.2006, 13:27
Vielleicht sollte man auch einmal über den Gartenzaun in unsere Nachbarländer schauen, denn dort hat man andere Produktionsmethoden.

Gruß: Bill

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Definition des Bundes Philatelistischer Prüfer:

Selbstklebende Postwertzeichen sind postfrisch, wenn sie auf der Trägerfolie kleben. Änderungen dieser Definition sind aufgrund zukünftiger Zustandsänderungen des Klebstoffes nicht auszuschließen.

http://www.bpp.de/index.html?http://www.bpp.de/pages/begriffsbestimmungen.html

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Artikel aus der DBZ: (OCR-Scan)

Zukunft für Selbstklebende Im Test: Alterung bei Markensets
HANS ZERBEL

Bei der ersten Ausgabe von selbstklebenden Heftchen war bereits nach fünf Jahren eine Alterung zu erkennen. Dieser Artikel wird zeigen, daß Sorgen, es könne bei modernen Ausgaben ausgehen wie bei MH 27 von 1991, weitgehend unbegründet sind. Und er erklärt warum ...

Die Alterung wirkt sich bei den frühen SK-MH manchmal unschön aus: Es erscheinen leicht gelbliche Ränder an der Wellenstanzung, und die Hefte haften leicht an Ober- und Unterkante zusammen. Beim Öffnen kann eine farblose, Fäden ziehende, klebrige Masse auftreten, die auch an den Händen kleben bleibt.

Die Entwicklung eines wesentlich veränderten Materialaufbaus bei den aktuellen selbstklebenden Briefmarken hat in enger Zusammenarbeit der Bundesdruckerei Berlin mit der Post und neuen wie alten Lieferanten nach relativ langer Entwicklungszeit zu einem guten Ergebnis geführt.

Es sind selbstverständlich viele Tests mit dem neuen Material durchgeführt worden. Wesentliches Ziel der Testreihen waren neben der leichten Ablösbarkeit im lauwarmen Wasserbad die Alterungsbeständigkeit und der Erhalt aller sonst bei Postwertzeichen üblichen Merkmale einschließlich wellenförmiger Perforation.

Haltbarkeit im Härtetest

Aus diesem Grund sind zwischen 1992 und 2000 keine selbstklebenden Markenheftchen in Deutschland mehr erschienen. Erst die Idee, normal gummiertes Papier zu verwenden und es auf die Trägerfolie aufzubringen, hat den Siegeszug dieser bei Sammlern und anderen Postkunden beliebten Marken befördert.

Die Gummierung im Aufbau des komplizierten Materials trägt mit seinen physikalischen Eigenschaften dazu bei, das häßliche Durchschlagen wie bei MH 27 zu verhindern und macht das Sammeln von gestempelten Marken überhaupt erst problemlos möglich. Das war damals beim ersten Versuch mit MH 27 klar: Ablösen geht nicht. Die Verfärbung kam erst allmählich hinzu und macht das Sammeln postfrischer Ware auch nicht angenehm.

Der "Bedruckstoff" war 1991 ein Standardprodukt eines Herstellers von Etiketten. Heute ist das anders, der Matrialaufbau ist auf die Bedürfnisse der Sammler genau abgestimmt. Es wird normales DP2 Papier hergestellt und auf ein weiteres, dickeres Papier aufgebracht. Auf dieses Trägerpapier werden vor der Vereinigung der beiden Papiere eine Trennschicht aus Silikon und eine Klebeschicht in Sprühtechnik aufgebracht. Die Trenn- und Klebeschicht wird aufgetragen und mit der anderen Papierbahn zusammengeführt. Kommt es hier- bei zu Störungen, treten – sehr selten – festklebende Marken auf. Aber das ist ein anderes Thema.

Auch die Schnellalterungstests sind erfolgreich gewesen. Allerdings ist dabei stets zu bedenken, daß diese Tests unter Laborbedingungen stattfanden. Keine Berücksichtigung konnten die möglichen Aufbewahrungsorte der Heftchen finden. Das Zusammenwirken von Klarsichtfolien (nicht so sehr die normalen Markenfolien, wie z. B. sogenannte "Klemmtaschen") unter Berücksichtigung des da- bei entstehenden Mikroklimas, ist nicht in die Testreihe eingeflossen.

Zu bedenken ist hier, daß Papier ein Naturprodukt darstellt – Ursprung waren Bäume, mit ihren hygroskopischen Eigenschaften. Gemeint ist die Änderung der Dimensionen des Papiers. Es nimmt Feuchtigkeit auf und verändert dabei seine Größe. Minimal zwar, aber durchaus sichtbar. An dieser Stelle muß gesagt werden, daß die Papiere mit einer geringeren absoluten Feuchte produziert werden, als es für naßklebende Marken normal ist. Mit "absoluter Feuchte" ist der Wasseranteil im Rohpapier gemeint. Diese beträgt etwa 30 % bei selbstklebenden und rund 42 bei naßklebenden Papieren.

Notwendig ist dieser Unterschied, weil die aufgesprühte Klebe- und Trennschicht auch Wasseranteil enthalten und so nachträgliche Änderungen der absoluten Feuchte zu erwarten sind. Zusätzlich werden im Offsetdruck die Platten mit Wasser benetzt. Das Druckverfahren beruht ja bekanntermaßen auf der gegenseitigen Abstoßung von Fett und Wasser.

Wir haben es hier mit zwei Papieren zu tun: dem Markenpapier und dem Deckel- material. Da beide unterschiedliche Flächengewichte haben, reagieren sie unter- schiedlich. Die beiden Materialien sind nicht fest miteinander zusammengeführt, bilden aber ein Verbundmaterial. Jedes Papier wird von der relativen Feuchtigkeit der Luft beeinflußt und die Fähigkeit der Luft Wasser aufzunehmen ist wiederum temperaturabhängig.

Der Aufbewahrungsort und das Mikroklima innerhalb des Albums sind von entscheidender Bedeutung. Sehr hilfreich ist eine Aufbewahrung in einer "Papierumgebung". Albenblätter und Steckkarten auf Papierbasis sorgen nach Einschätzung des Verfassers besser für einen Ausgleich der Feuchtigkeitsschwankungen als Klarsichtfolien.

Was passiert bei der Alterung?

Normale Schwankungen des Klimas, wie Temperaturschwankungen und damit Änderungen der relativen Feuchte der Luft, führen zu Veränderungen der Dimensionen der Markenhefte. Deckel und Marken reagieren unterschiedlich: Hierdurch kann es vorkommen, da8 im Laufe der Jahre die Marken schrumpfen und im Bereich der Wellen- und der Rückenstanzung ein kleiner Zwischenraum entsteht. Dieser erscheint dunkler als das weiße Markenpapier, weil die kräftige Deckelfarbe durchscheint.

Leichtem Klebstoffaustritt kann mit aggressiven organischen Lösemitteln wie Methylalkohol, Ethanol oder Azeton begegnet werden. Dies muß jedoch sehr vorsichtig geschehen, da möglicherweise auch die Druckfarbe angegriffen werden kann. Ein alter, fast vergessener Praxis-Tip: Der Hersteller empfiehlt ein leichtes Einpudern mit Talkum von Anfang an, also bereits bevor die Heftchen zu kleben beginnen. DBZ

Wir fragen: Welche Erfahrungen haben Sie, liebe DBZ-Leser, gemacht? Bitte schreiben Sie uns. Adresse: DBZ-Redaktion, PF 1426, 68604 Lampertheim

(Quelle: DBZ/SE 6/2006)

http://www.d-b-z.de

phil-maddin
03.04.2006, 18:53
danke für den scan, ich war schon am überlegen die dbz nur wegen diesen artikel zu kaufen. es ist immer so ungemütlich die dbz am bahnhof zu lesen.

phil-maddin
03.04.2006, 18:55
was machen denn die nachbarländer anders bei der produktion ?


Vielleicht sollte man auch einmal über den Gartenzaun in unsere Nachbarländer schauen, denn dort hat man andere Produktionsmethoden.

Bill
03.04.2006, 23:13
Bei deutschen Marken befindet sich zwischen Klebstoff und Marke eine Silikonschicht, damit sich die Marken im Wasserbad vom Papier lösen. Folglich wird das Briefpapier durchfetten.

In Frankreich, Spanien usw. benutzt man irgendeinen Kleber ohne Silikonschicht, der allein benzinlöslich ist. Ergo kann man die Marken nur im Benzinbad vom Brief lösen; durchgefettet wird alles.

Gruß: Bill