Olaf
23.08.2003, 12:59
Hallo! Die 60er Jahre sind ja philatelistisch gesehen so ein bißchen das Stiefkind, obwohl mittlerweile rund 40 Jahre alt, gelten die Marken vielen immer noch als „wertlose Massenware“. Für die Berliner war das eine harte Zeit, zwischen Mauerbau und Studentenunruhen, zwischen Kennedy-Besuch und Schah-Besuch, und immer zwischen den Fronten. Für die Berliner ging es hierbei so als Anhängsel der Bundesrepublik mitten im Ostblock auch ein Stück weit um ihr Berlin, um ihre Identität. Schlägt sich das auch postalisch nieder?
Mit dem „kleinen Heuss“ 1959 und der Freimarkenserie „Bedeutende Deutsche“ von 1961 / 62 beginnt gerade in dieser Zeit die Parallelisierung vieler Ausgaben des Bundes, also bis auf den Zusatz „Berlin“ identische Ausgaben. Gleiche Freimarken, teilweise gleiche Sondermarken (Kennedy, Lübcke), und ab 1964 gleiche Jugend- und Wohlfahrtsserien (dies ändert sich erst ab 1968 / 69 mit zunächst leicht abgewandelten [Wohlfahrt 68: Puppen mit Hüftknick, na ja wers mag], dann aber zunehmend eigenständigen Motiven). So viel Gleichschaltung – drohte da postalisch gesehen nicht die „Saarlandisierung“ Berlins?
Das Saarland hatte ja bis 1956 mit vielleicht umstrittenen, aber damals sicherlich mutigen Sondermarken (großformatige Gemäldeserien etc.) der Deutschen Bundespost designerisch gesehen wohl so manchen Rang abgelaufen, denn die Bundespost kam bis Mitte der 50er oft allzu konservativ und hausbacken daher (Wohlfahrt 1954 oder Westropa 1955 waren auch damals wohl nicht gerade die designerischen Highlights. Dass es schon damals besser ging, zeigt z.B. Berlin mit den farbenfrohen Postillion-Marken dieser Zeit). Jedenfalls - die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik 1957 und die damit einhergehende weitestgehende Parallelisierung der Ausgaben war der Anfang vom Ende der Saarmarken, 1959 war bekanntlich Schluss, eine saarländische Version des Beethoven-Blocks blieb uns erspart.
Drohte also den Berlinern mit Aufkommen der Parallelserien postalisch dasselbe Schicksal? Und wie reagierten sie darauf? Boykottierten sie gar die aus Westdeutschland übernommenen Ausgaben? Man könnte auf diese Idee kommen, wenn man einen Blick auf die Auflagen wirft, wie im Michelkatalog angegeben. Von der Freimarkenserie „Kleine Bauten“ von 1964 gab es gerade 3 Millionen komplette Sätze, von einzelnen Jugendmarken abgesehen mit die niedrigste Auflage aller Berliner Ausgaben der 60er Jahre überhaupt! Eigentlich ungewöhnlich für eine Freimarkenserie, auch wenn sich dies bisher kaum in den Katalognotierungen niederschlägt. Die eigentlichen „heimlichen“ Freimarken dieser Zeit waren wohl eher die ureigenst berlinerischen Sätze „Alt-Berlin“ und „Neu-Berlin“ mit Auflagenstärken um die 10 Millionen.
Es würde mich interessieren, ob da jemand näheres dazu weiß. Gab es damals z.B. Bestrebungen, die postalische Eigenständigkeit Berlins zu beenden, bzw. solche Befürchtungen? Schließlich kostete die postalische "Extrawurst" Berlin den Steuerzahler auch ein paar Mark. Wie haben die Berliner zu ihrer postalischen Eigenständigkeit und zu den Ausgaben der Bundespost gestanden? Sicherlich ein interessantes Stück Postgeschichte.
Viele Grüße, Olaf
Mit dem „kleinen Heuss“ 1959 und der Freimarkenserie „Bedeutende Deutsche“ von 1961 / 62 beginnt gerade in dieser Zeit die Parallelisierung vieler Ausgaben des Bundes, also bis auf den Zusatz „Berlin“ identische Ausgaben. Gleiche Freimarken, teilweise gleiche Sondermarken (Kennedy, Lübcke), und ab 1964 gleiche Jugend- und Wohlfahrtsserien (dies ändert sich erst ab 1968 / 69 mit zunächst leicht abgewandelten [Wohlfahrt 68: Puppen mit Hüftknick, na ja wers mag], dann aber zunehmend eigenständigen Motiven). So viel Gleichschaltung – drohte da postalisch gesehen nicht die „Saarlandisierung“ Berlins?
Das Saarland hatte ja bis 1956 mit vielleicht umstrittenen, aber damals sicherlich mutigen Sondermarken (großformatige Gemäldeserien etc.) der Deutschen Bundespost designerisch gesehen wohl so manchen Rang abgelaufen, denn die Bundespost kam bis Mitte der 50er oft allzu konservativ und hausbacken daher (Wohlfahrt 1954 oder Westropa 1955 waren auch damals wohl nicht gerade die designerischen Highlights. Dass es schon damals besser ging, zeigt z.B. Berlin mit den farbenfrohen Postillion-Marken dieser Zeit). Jedenfalls - die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik 1957 und die damit einhergehende weitestgehende Parallelisierung der Ausgaben war der Anfang vom Ende der Saarmarken, 1959 war bekanntlich Schluss, eine saarländische Version des Beethoven-Blocks blieb uns erspart.
Drohte also den Berlinern mit Aufkommen der Parallelserien postalisch dasselbe Schicksal? Und wie reagierten sie darauf? Boykottierten sie gar die aus Westdeutschland übernommenen Ausgaben? Man könnte auf diese Idee kommen, wenn man einen Blick auf die Auflagen wirft, wie im Michelkatalog angegeben. Von der Freimarkenserie „Kleine Bauten“ von 1964 gab es gerade 3 Millionen komplette Sätze, von einzelnen Jugendmarken abgesehen mit die niedrigste Auflage aller Berliner Ausgaben der 60er Jahre überhaupt! Eigentlich ungewöhnlich für eine Freimarkenserie, auch wenn sich dies bisher kaum in den Katalognotierungen niederschlägt. Die eigentlichen „heimlichen“ Freimarken dieser Zeit waren wohl eher die ureigenst berlinerischen Sätze „Alt-Berlin“ und „Neu-Berlin“ mit Auflagenstärken um die 10 Millionen.
Es würde mich interessieren, ob da jemand näheres dazu weiß. Gab es damals z.B. Bestrebungen, die postalische Eigenständigkeit Berlins zu beenden, bzw. solche Befürchtungen? Schließlich kostete die postalische "Extrawurst" Berlin den Steuerzahler auch ein paar Mark. Wie haben die Berliner zu ihrer postalischen Eigenständigkeit und zu den Ausgaben der Bundespost gestanden? Sicherlich ein interessantes Stück Postgeschichte.
Viele Grüße, Olaf