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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berlin Rotaufdruck auf Brief



dietbeck
18.12.2005, 14:47
Hallo,

hat jemand eine Erklärung für den abgebildeten Beleg. Die Marke war zum Zeitpunkt der Stempelung eigentlich frankaturgültig.

Warum hat das Charlottenburger Postamt diese trotzdem durch die "Nebenstempelung" für ungültig erklärt ?

Der "Irrtum" wurde wohl erst beim Empfang bemerkt, als die erhobene Nachgebühr wieder durchgestrichen wurde.

Es war wohl ein Aufkleber auf dem Beleg, der leider runtergerissen wurde.

ralph
20.12.2005, 13:38
Richtig erklären kann ich mir den Beleg noch nicht, deshalb nur ein paar Vermutungen.

Am 23.9.1949 gab es bereits keinen Postkrieg mehr. Dieser endete am 15.9.49. Auffällig ist, dass die Farbe der Durchkreuzung und der Nachgebührziffer unterschiedlich zu sein scheinen, beide Kennzeichnungen sind also nicht zeitgleich angebracht worden. Ich glaube nicht, dass das Postamt Charlottenburg 2 die Marke beanstandet hat. Ich vermute eher, dass Charlottenburg 2 den Brief nach Postkriegsende erneut nach Leipzig schickte und dafür den Aufkleber (Rücksendung wegen nicht bezahlter Nachgebühr?) entfernte.

Weit hergeholt? Es darf weiter geknobelt werden.

Latzi
20.12.2005, 14:08
Bei Vermutungen bin ich auch dabei:
War der Rotaufdruck nicht für den Ostsektor? Das Postamt Charlottenburg (Westsektor?) könnte die Marke als ungültig beanstandet haben und entsprechend eine Nachgebühr zum 1,5-fachen Satz vermerkt haben. Der Postbeamte in Leipzig empfand aber den Rotaufdruck als die richtige Währung und hat die Nachgebühr gestrichen.
Ob's richtig ist - keine Ahnung.
Latzi

wi.kr
20.12.2005, 14:46
Rotaufdruck = Westberlin.
Ich tippe auf Rücksendung des Belegs aus Leipzig mittels des (entfernten) Aufklebers. Der Beleg könnte versehentlich ohne Enmtwertung der Freimarek befördert worden sein. Nachporto wäre auch im Postkrieg nicht erhoben worden, daher Irrtum des Rücklaufpostamts, weil der Beleg aus Leipzig eine dort nicht gültige Freimarke trug. Sodann wurde erkannt, dass der Rückläufer aus Westberlin stammte, deshalb Streichung des geplanten Nachportos.

dietbeck
20.12.2005, 21:59
Ich vermute eher, dass Charlottenburg 2 den Brief nach Postkriegsende erneut nach Leipzig schickte und dafür den Aufkleber (Rücksendung wegen nicht bezahlter Nachgebühr?) entfernt hat

@ralph - Befriedigt mich nicht ganz. Wenn es ein Postkriegsproblem waere, dann waere die Behandlung recht aussergewoehnlich. Die Marke haette ordnungsgemaess gestempelt werden muessen und waere dann in der SBZ mit Nachgebuehr belegt worden. Also haette der Brief erstaml von Westberlin normal befoerdert werden muessen. Dies ist aber nicht ersichtlich.

dietbeck
20.12.2005, 22:07
Ich tippe auf Rücksendung des Belegs aus Leipzig mittels des (entfernten) Aufklebers. Der Beleg könnte versehentlich ohne Enmtwertung der Freimarek befördert worden sein.

War es ueblich einen Brief mit nichtgestempelter Marke zurueckzusenden ?

Wie erklaert sich dann die unterschiedliche Farbe mit dem handschriftlichen Durchstreichen der Marke, die sich aber in der Farbe von der Nachgebuehr unterscheidet ?


Nachporto wäre auch im Postkrieg nicht erhoben worden, daher Irrtum des Rücklaufpostamts, weil der Beleg aus Leipzig eine dort nicht gültige Freimarke trug.

Nachporto waere im Postkrieg erhoben worden, da dies die uebliche Behandlung zu diesem Zeitpunkt war.


Sodann wurde erkannt, dass der Rückläufer aus Westberlin stammte, deshalb Streichung des geplanten Nachportos.
Also waere nach dieser Interpretation der Charlottenburger Tagesstempel ein Aunkunftsstempel ?

wi.kr
21.12.2005, 08:53
Nun habe ich ja mal nur ein bißchen spekuliert. Aber die unterscheidliche Blaufärbung stammt natürlich von unterschiedlichen Stiften: der erste im Gebiet der SBZ (quasi: nachträglich entwertet), der zweite nach Rückkehr wegen des Nachportos. Kernfrage wird bleiben: was stand auf dem abgerissenene Klebezettel? Wegen Nachportos habe ich mal nur gedacht, dass dieses beim Empfänger zu erhoben gewseen wäre, wenn wegen Postkriegs die Freimachung nicht akzeptiert wurde. Beim Absender dürfte das doch eigentlich nicht der Fall gewesen sein, weil er ja in seinem Postgebiet ordnungsgemäß freigemacht hatte. Stellt sich aber der Postbedienstete zunäöchst vor, der Brief stamme aus der SBZ, hätte er die Freimachung mit einer Westmarke nicht anerkennen dürfen. Oder ist das zu gedrechselt gedacht?

Latzi
21.12.2005, 09:04
Als Hilfe zum Weiterraten:
Gibt es eine Rückseite? Steht dort der Absender?

dietbeck
06.11.2006, 22:11
Habe mit einem Experten gesprochen und wollte die wahrscheinlichste Erklärung noch nachliefern.

Der Brief wurde vor dem 15.9.49 zuerst versandt (also noch im Berliner Postkrieg). In Westberlin Marke durchgestrichen und mit Aufkleber darauf verwisen, dass die Marke im Osten nicht akzeptiert würde. Brief ging an Absender zurück. Dann nach dem 15.9.49 erneut versandt. Diesmal Stempel (allerdings neben der Marke) aufgebracht. Brief im Osten mit Nachgebühr belegt, dies als Irrtum erkannt (da Postkrieg schon beendet) und wieder durchgestrichen. Zwei Ungewöhnlichkeiten. Erstens das erstmalige "Durchstreichen" der Marke. Sicher so nicht von der eigenen Postverwaltung üblich. Und beim erneuten Absenden die Stempelung neben der Marke (auch nicht normal).