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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kann jemand in der Vorphilatelie helfen?



Stamp_Charly
29.11.2005, 14:46
kann mir jemand helfen? habe vor kurzem die Philateliesammlung meines Großvaters geerbt und kenne mich da mit Vorphilatelie nicht so aus.
habe einige Vorphilabriefe über die ich gerne besser bescheid wüßte.
besonders interessant und helfen würde mir, wenn mich jemand über die Taxzahlen (glaub die heißen so) aufklären könnte? was bedeutet z.B. angenommen die Zahl 4?

als kleinen vorgeschmack mein bis jetzt ältestes Stück:
Vorphilabrief aus Leipzig vom 30.05.1806 gelaufen nach Göttingen.
Um was für eine Art Brief handelt es sich hier (Handeslbrief, Privatbrief)? Kann es mir jemand entziffern bzw. was ist die rote Schrift?

deckelmouk
29.11.2005, 15:07
Hallo Stamp_Charly,

kannst Du bitte das Bild verkleinern? Sonst wird es verdammt mühsam, diesen Paketbegleitbrief auch nur ansatzweise zu entziffern.

Zu Deinen Fragen:

Taxe 10 1/2 Groschen in rot vermerkt.

Handelskorrespondenz, Privatbriefe aus der Vorphilatelie sind nicht häufig, da die Gebühren prohibitiv waren

Schrift: Da gibt es hervoragende Bücher, mit denen man sich das beibringt - für den Anfang empfehle ich Dr. Helbigs Vorphilatelie Teil 1.

Rechts oben Gewichtsangabe in roter Tinte, links oben IMHO eine Kartierungsnummer.

Vorphilatelie ist ein Gebiet, in das man nicht nur mal so reinschnuppert. Das kostet Schweiss und Tränen und es gibt keine Garantie, dass man alles herausbekommt. Meine Antworten werde von daher kurz bleiben, Du musst Dir selbst Wissen aneignen wollen.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

Jariwee
30.11.2005, 16:09
Hallo Stamp_Charly,

ich kann mir bei Deckelmouk anschliessen. Die Vorphilatelie ist nicht ein Gebiet dass man ruck zuck bewältigt. Aber das sollte einem aber auch nicht davon halten, da es ein sehr spannendes Gebiet ist, und gerade hier gibt es noch viel zu erforschen und lernen.

Der Hinweis zum Buch von Herrn Helbig kann ich nur unterschreiben. Dieses Buch hat mir gerade am Anfang sehr weiter geholfen überhaupt einen kleinen Durchblick zu bekommen was es z.B. mit diese Taxzahlen so alles vor sich hat.

Leider ist Sachsen nicht mein (Vorphila)Gebiet, aber dennoch ein paar kleine weitere Anregungen (leider zeigt der Scan nur ein Teil des Briefes):

Es handelt sich, wie Deckelmouk bereits angedeutet hat, um ein Paketbegleitbrief zu einem Paket, unterzeichnet mit Monogram ähnlich wie 'HB', mit bares Geld (110 Reichstaler in Silber). Der Brief wurde dem Empfänger zuerst ohne Paket zugestellt, der dann durch Vorlage dieses Briefes sein Paket beim Postamt abholen konnte.
Da es sich um eine Sendung von Sachsen nach Hannover handelt, gab es mehrere Postgebiete die an der Beförderung beteiligt waren, Sachsen, Hannover und auch Preußen. Jeder bekam etwas ab für Ihre Dienstleistung. Das genau ist ausgedrückt in die roten Zahlen.

Manchmal kann man auf Anhieb eine Einschätzung machen welche Zahlen von welcher Postbehörde angeschrieben sind (z.B. durch Literatur (!), Vergleichbriefe, Farbe der Tinte, Währungen, Höhe des Betrages, usw.), aber manchmal ist es nicht so einfach. Es kann auch vorkommen dass ein Transitland gar nichts vermerkt hat. All diese Sachen (und noch einiges mehr) ist Teil vom Vorphilabereich, und wird erschlossen aus Postverträge, Taxverordnungen, usw.

Meine Interpretation zu den Zahlen: linksoben in rot steht der Gesamtgewicht: 7 Pfund 11 Loth. Rechtsoben in schwarz ist eine Kartierungsnummer '29', womit die Sendung im Register eingetragen wurde.
Über die Anschrift 'Göttingen' stehen Beträge in rot in Gutegroschen (ich entziffere zumindest 2 Ggr 8 Gpfg als rechter Teil). Weiter ist noch ein Betrag von 10½ Ggr angeschrieben, und ganz oben steht der höchste Betrag, 20 Ggr 11 Gpfg. Dieser Betrag musste der Empfanger dann am Ende wohl zahlen (es handelt sich hier um ein Portobrief) um das Paket im Empfang zu nehmen.

Wie nun all diese einzelne Beträge zu erklären sind, dafür braucht man Kenntnis über die Verordungen, wie gesagt. Mit Braunschweig kenn ich mir da mehr aus, aber vielleicht kann ein Sachsen Spezialist mehr dazu sagen. Jedenfalls wird auch hier ein Teil 'normales' Porto (für die Beförderung) sein, und ein Teil Geldtaxe und/oder Versicherungsgebühr (wenn diese auch in Sachsen damals zutraf).

Mit besten Sammlergrüßen,

Hans

Stamp_Charly
01.12.2005, 12:49
Danke einmal für euren eintrag, hat mir doch viel gebracht. Die Vorphilatelie ist wohl wircklich ein sehr interessantes Gebiet. Könnte mich schon dafür faszinieren.

Warum ist denn kein Stempel auf dem Brief zu finden? Gab um die Jahrhundertwende noch keine? Wie gesagt bin neu in der Philatelie. :)

Vielleicht findet sich ja noch ein Sachsenkenner der mir noch mehr sagen kann.

Kann man auch eine ungefähre Preisangabe machen was der Brief wert wäre? Würde ich neben dem philatelistischen Interesse auch gerne wissen :D

lg,
stamp_charly

Jariwee
01.12.2005, 14:48
Hallo Stamp_Charly,

Die ersten Stempel im deutschen Raum hat man der Reichspost durch den Fürsten von Thurn & Taxis zu verdanken. Damit war aber nicht gleich jede Stadt und jedes Dorf mit einem Stempel abgedeckt. Die Stempel wurden am Anfang meistens anders eingesetzt wie heute, wo heute Stempel überwiegend als Andeutung des Datum und Absenderort oder Region ('Briefzentrum') funktionieren. Damals waren die Stempel auch öfters Anhaltspunkte zur Berechnung der Gebühren, als eine Art Beweisführing.

Es gab im deutschen Raum bis ungefähr 1806-1808 aber nicht nur die (Thurn & Taxische) Reichspost. Viele Fürsten (zumindest im Raum Braunschweig-Lüneburg / Hannover) weigerten sich das Postregal dem Kaiser zu überlassen, und pflegten Ihre eigene Landespost. Als Absenderortandeutung gab es dann öfters handgeschriebene Angaben.
Die Benützung von Stempel in großem Umfang ist aber auch den Einfluß der Französische Besatzung unter Napoleon zu verdanken. Das Französische Postsystem war für damalige Zeit sehr strikt organisiert und benützte schon seit langem Poststempel, und führte dieses Vorgehen auch im deutschen Lande ein. Der erste Gebrauch von viele Stempel stammt darum auch aus dieser Zeit, so rund 1806-1814 (ausgenommen die schon vorher erwähnte Reichspoststempel).

In Sache Preisangabe; schwer zu sagen. Hängt von viele Faktoren ab: relative Seltenheit, Destination, Erhaltung, Stempeltypen (hier nicht zutreffend), Portostufe (Vertragsperioden), Leitwege, eventuelle Zusatzleistungen (wie hier), usw. usw. Für den Porsche wird es wohl nicht gleich reichen. :) Also, als kleiner Ansatz (da Sachsen nicht mein Gebiet ist) irgendwo im Bereich € 5 - 25.

Mit besten Grüßen,

Hans

deckelmouk
01.12.2005, 15:17
Salut Stamp_Charly,

zu dem Thema "Stempel" gab es einen schönen Thread: http://www.bdph.de/forum/showthread.php?t=175

Preis: Tja, mit der korrekten Beschreibung (Tarif, Leitweg, Stempel bzw. postalische Vermerke), würde ich die Aussage von Hans unterschreiben. Ohne das ist 1 Euro genauso realistisch. Oder mit anderen Worten: Bevor Du an den Verkauf von Altbriefen denkst, mach Dich schlau oder Du wirst nicht glücklich.

Beste Sammlergrüsse!

Lars