Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Briefmarke- Die Aktie des kleinen Mannes
saeckingen
09.08.2003, 01:40
Hallo,
hier ist in letzter Zeit immer wieder der Begriff der Aktie des kleinen Mannes aufgetaucht. Mich würde daher die realistische Selbsteinschätzung der Nutzer hier interessieren, wieviel jeder glaubt mal für seine Sammlung bei einem Verkauf zu realisieren.
<b>Daher meine Frage: Was glaubt Ihr von dem Geld, das Ihr für die Sammlung ausgebt (inklusive Literatur, Alben, sonstigem Zubehör) bei einem Verkauf wiederzubekommen?</b>
Grüße
Harald
Tatsächlich führe ich seit 5 Jahren genau Buch über meine Ausgaben für Philatelie. Das macht mir eine solche Abschätzung möglich. Ich behaupte, sonst greift man eine solche Zahl doch aus der Luft oder schließt sich irgend welchen Meinungen an, oder?
Der Anteil an "Nebenkosten", damit meine ich Zubehör, Literatur, Beiträge, Verkaufsgebühren eBay usw. beträgt etwa 10%.
Ich habe übrigens ein Sammelgebiet, dass sich fast selbst trägt! Es sind die Plusbriefe. Ich sammle nur gebrauchte Plusbriefe. Aus diversen Quellen erhalte ich die Briefe aus dem Bedarf. Die Überschüsse konnte ich in den letzten zwei Jahren gut bei eBay verkaufen.
Bei einem Verkauf dieser Sammlung (zum jetzigen Zeitpunkt, denn wer weiß, wer sich in 20-30 Jahren noch für die Briefe interessiert), würde ich weit über 100% machen, da ich ja nur wenig ausgegeben habe.
Zimmermann Wolfgang
09.08.2003, 10:51
Hallo zusammen
Auch ich habe abgestimmt.
Ich glaube bei mir sieht das Verhältniss Kauf zu Verkauf nicht so gut aus da ich die (teuren) Vordruckalben verwende (leider Fehlkauf). Bei den Marken/Belege dagegen ist es schon wesentlich besser.
Aber für Zubehör kann man wohl in keinem Fall viel erwarten,oder?
crantsch
09.08.2003, 11:05
Auch für mich ist die Rechnung im Prinzip einfach: die Ausgaben halte ich fest und notiere mir die Preise aus Ebay (und anderen) Auktionen, wo Feldpostbriefe sündhaft gehandelt werden (die z.T. gerade mal 4 wochen alt sind). Aus diesen Angaben kann ich dann rechnen: Einstandspreis 55 Cent Porto in Einsatz, 45 Cent Zurück, 2 Euro Spende. Preise liegen z.B. bei ISAF (Afg.) bei ca. 5 bis > 10 Euro (je nach dem). Bloss: Ich verkaufe die Sammlung nicht - insofern ist die Überlegung rhetorisch...:p :p :p :p :p
Wenn man die Briefmarke als Aktie des kleinen Mannes - ich kann's nicht mehr hören - bezeichnet, dann sieht die Sache gar nicht schlecht aus. Aktienkäufer des "neuen Marktes" sollen sich mit ihren Aktien in die Tiefe gestürzt haben. :(
Ernsthaft: Wenn man allein eine Bund-Sammlung nimmt und die Ausgaben für Zubehör, Kataloge, Fachzeitschriften und Vereinsbeiträge in den vergangenen z.B. 30 Jahren mit einbezieht, dann landet man unweigerlich im Minus. Jedoch steht dagegen ein Freizeitwert von 100%, ein Hobby mit geistigem Niveau :cool: , gesellige Vereinsabende, Vereinsfahrten etc. pp.
Gruß: Bill
Topraven
03.09.2003, 00:19
Hallo Miteinander,
mein erster Beitrag in diesem Forum.
Statement : Wer Briefmarken als Geldanlage sammelt liegt schief !
Hier gibt es viel zu viele Unwägbarkeiten. Der Markt ist in Bewegung und zumeist abwärts. Unsere geliebte Michel-Bibel trägt ein Übriges zur Unsicherheit, mit ihren teils gnadenlosen Überbewertungen ( z.B. Bund, Posthorn **) und den hoffnungslosen Unterbewertungen (viel zu viele) bei.
Mir geht es noch ganz gut mit meiner Sammlung. Ich habe erst vor ein paar Jahren wieder ernsthaft angefangen zu sammeln, da waren die Preise schon relativ unten. Ich denke, ich würde 70 - 80% der Einstandskosten bei einem derzeitigen Verkauf erzielen. Was aber ist mit den Sammlern, die sich ihre Marken vor 20, 30 Jahren zusammengekauft haben ? Da haben manche Sachen noch 70 % Michel gekostet ! Und bringen jetzt 5 % (Altdeutschland).
Tjaja, Zacken sammeln als Hobby ist wie autofahren. Der neue Daimler verliert auch jedes Jahr an Wert... :)
Viele Grüße,
Euer Topraven
Udo Korte
06.09.2003, 15:30
Gutes Thema !
Eine Sammlung unter dem Gesichtspunkt eines möglichen Verkaufsprofites zusammen zu stellen ist meiner Meinung nach nicht "gesammelt" sonder eher zusammengekauft.
Um Lücken zu schließen wird also gekauft - kein Problem.
Je nach Sammelgebiet wird mehr oder weniger gekauft - Oft ist es ja immer nur eine einzelne Marke die einen gewissen Wert in sich vereinigt, weil das Stück bei vielen Leuten im selben Sammelgebiet fehlt - und wenn verfügbar auch gekauft würde... je nach Budget.
Aber : Viele Marken, auch seltene werden "frei" , weil der Sammler aufgibt, ein Erbengemeinschaft ein Objekt Auflöst und das sammeln von Marken nicht mehr so populär ist - also auch Nachwuchs fehlt.
Noch niemals zuvor waren so viele Superraritäten in den Auktionskatalogen wie im letzten Jahr -
Wenn das niemand kauft , wirds günstiger und günstiger ...
Dazu kommen " neue FUNDE" die den Bedarf in der Sammlerschaft mehr als decken ... ( DR 104BF ** mal als Beispiel )
Das betrifft mit wenigen Ausnahmen alle Sammelgebiete
Gerne kann sich jeder Sammler "REICH" rechnen -
gekauft für x Mark , Katalogwert xx Euro.....
Michel lebt ja genau davon - ( wozu sonst brauche ich denn jedes Jahr einen neuen Katalog - für neue Bundemissionen ?? )
Was wirklich realisiert wird bei einem Verkauf ist für den Sammler dann oft eine herbe Enttäuschung. Insbesondere wenn das Sammelgebiet in den moderneren Bereich fällt.
Als Hobby ist das Sammeln unschlagbar : Gesellig , wer es so mag - spanned, wenn man was neues findet - oder entdeckt. Schlecht und Schönwetter-beschäftigung ohne Verletzungsrisiko und zu guter letzt kann man wirklich mal was verkaufen , auch wenn es letztendlich nicht viel Geld zurück bringt.
Alle Spezialisten sind natürlich von dieser Aussage frei gestellt, da mit anderer Kenntnis und BESSEREM Wissen eingekauft wurde.
Es ist nach meinen Erfahrungen schwierig, eine generelle Einschätzung dieser Behauptung vorzunehmen. Man muss sich, wenn man sich auf philatelistischem Terrain bewegt, von vorneherein klar sein, was man überhaupt möchte. Viele von uns beginnen mit der reinen Freude an der Materie und tasten sich bei gesteigertem Fachwissen an Spezialgebiete heran. Ich behaupte, dass in diesem Stadium der Sammeltätigkeit der Gedanke an eine spätere Veräusserung nicht ausgeprägt ist. Erst wenn sich der finanzielle Einsatz erhöht, wächst auch der Gedanke an materielle Aspekte stetig (nicht jeder hat einen Erben der auch sammeln will). Bei mir war es so, dass ich mit 17 Jahren eine fast komplette Bund-Sammlung hatte - aber das war 1965 und die Handelspreis waren enorm hoch durch die wirtschaftliche Situation. Damals war jede Marke, die am Postschalter erworben wurde, Monate später um 20 % teurer. Durch die Konsolidierung und den ständigen Marktwandel haben sich diese Dinge relativiert. Nach meinen bis heute erworbenen Erfahrungen spielt es keine Rolle, welchem Sammelgebiet man sich zuwendet. Einzig allein die Kreativität der Sammlung macht den Preis aus. Eine Bund-Sammlung, super-zentrisch gestempelt, komplett ab 1949 bringt mindestens so hohe Preise wie eine gleiche postfrische - aber ich betone - in allen Belangen muss es Luxus sein. Das heisst schlichtweg: Qualität ist alles. Man suche nach der besonderen, herausragenden Qualität und so man sie finde, ist jeder Euro gut investiert.
Die Tendenz der engagierten Philatelisten geht nur in diese Richtung und so können, meist auf Auktionen - für aussergewöhnliche, schöne Stücke gerne Liebhaberpreise gezahlt werden. Das ist und bleibt eine gute Kapitalanlage. Wer aber auf jeden "neuen in-Zug" noch aufspringen will, nur weil es gerade alle tun, wird das was er kurzfristig gewinnt dann langfristig wieder verlieren. Schliesslich wollen doch die Investoren gern schnelle Kasse machen. Also: Man suche sich ein seriöses Gebiet aus ohne Spekulationseinflüsse und sammle nur das Beste, das greifbar ist!
ThomasK_7
19.11.2003, 21:18
Original geschrieben von katze52
Es ist nach meinen Erfahrungen schwierig, eine generelle Einschätzung dieser Behauptung vorzunehmen. Sehe ich nicht so. Man muß nur in der Lage sein einen Liquidationserlös zu ermitteln und einen Durchschnittswert zu bilden.
Damals war jede Marke, die am Postschalter erworben wurde, Monate später um 20 % teurer. Durch die Konsolidierung und den ständigen Marktwandel haben sich diese Dinge relativiert. Tolle Umschreibung für ein dickes Minusgeschäft. :D
Einzig allein die Kreativität der Sammlung macht den Preis aus. falsch
Eine Bund-Sammlung, super-zentrisch gestempelt, komplett ab 1949 bringt mindestens so hohe Preise wie eine gleiche postfrische - aber ich betone - in allen Belangen muss es Luxus sein. Das heisst schlichtweg: Qualität ist alles. Man suche nach der besonderen, herausragenden Qualität und so man sie finde, ist jeder Euro gut investiert. Schon mal die Rendite echt ausgerechnet?!
... für aussergewöhnliche, schöne Stücke gerne Liebhaberpreise gezahlt werden. Das ist und bleibt eine gute Kapitalanlage. Ich werde jetzt am Schalter bzw. der Postphilatelie also nur noch schöne und außergewöhnliche Stücke ordern. Was aber ist außergewöhnlich? Was ist schön? Beides kann man nur weit im nachhinein beurteilen. Die Geschmäcker ändern sich und Außergewöhnlichkeit könnte in jeder neuen Emmision liegen-in jeder! Nur leider weis man ja vorher nie was selten/schön/außergwöhnlich ist! (es sei denn, man sieht auf Anhieb auf der neuen Marke einen deutlichen Fehler und sichert sich noch schnell die greifbaren Bestände.) Nach Deiner Definition bräuchte jeder nur etwas außergewöhnliches eigenes Philatelistisches zu kreieren und hätte eine gute Kapitalanlage.
Wer aber auf jeden "neuen in-Zug" noch aufspringen will, nur weil es gerade alle tun, ... richtig und falsch
Ganz großer Irrtum. Versetze Dich einmal ins Jahr 1949 in die Rolle eines Sammlers! Alle Briefmarken Bund schön zentriert (kostenfplichtig) abgestempelt sammeln war damals der "neue Zug" den Du heute verdammst. Allerdings konnten es damals nicht alle tun (Gefangenschaft usw.), was die Wertsteigerung zu heute ausmacht. Aber wer ist heute schon in dieser Form o.ä. verhindert?
...wird das was er kurzfristig gewinnt dann langfristig wieder verlieren. kann man so nicht sagen
Schliesslich wollen doch die Investoren gern schnelle Kasse machen. richtig
Also: Man suche sich ein seriöses Gebiet aus ohne Spekulationseinflüsse und sammle nur das Beste, das greifbar ist! Hier hat einer eindeutig zuviel Geld :D
Kein Wunder bei solchen verschönenden Aussagen, dass der kleine Mann auf keinen grünen Zweig kommt. Hätte er sein Geld in festverzinsliche Anleihen oder gar in Aktien investiert wäre er bestimmt viel viel besser gefahren. Er könnte sich heute diese Beispielbundsammlung gestempelt doppelt/dreifach/vierfach auf dem Markt kaufen im Gegensatz zu einer eigengesammelten. Wer das nicht glaubt, muss sich einmal mit Investitionsrechnung befassen. Und der Kauf + Abstempelung der ersten hochdotierten Marken Bund im Jahr 1949 ff. ist für mich keine Kreativität. Das ist ganz solides kaufmännisches Handeln gepaart mit Glück, einem ganz wichtigen Kriterium. Glück, dass 1. ein breiter Wirtschaftsaufschwung folgte. 2. Briefmarken bis heute breite Verwendung und Sammlerschaft finden. 3. Man zur richtigen Zeit am richtigen Ort und Geld vorhanden war.
Falls jemand einen Tipp hat, wie man immer zu normalem Postbezugspreis die Abarten bekommen kann (Wasserzeichen/Druckfehler/Papier usw.), so würde sich das Sammeln des Besten natürlich rentieren, aber leider geht d a s ja gerade nicht. Hier spielt der Zufall/das Glück die entscheidende Rolle.
Und das ist auch gut so, denn so hat jeder Sammler die Chance auf ein Glückslos. Das ist eine Gemeinsamkeit wie mit den Aktien. Denn auch dort kann einem keiner etwas garantieren. Erst die Zeit in 20/30 Jahren wird zeigen, wohin sich die Philatelie entwickelt hat. Vielleicht gibt es dann gar keine Briefmarken mehr und dementsprechend wenig Sammler. Heute unvorstellbar, aber weis man es? Vielleicht erlebt die Philatelie einen Aufschwung, sind Papiermarken allgemein Klassik geworden und Automatenmarken der große Hit. Habt Ihr alle möglichen Wertstufen der Automatenmarken ab Nr. 1 gesammelt und die ersten möglichst 10x ?
Mein Fazit: Briefmarken als Aktie sind eine sehr schlechte Geldanlage [ausgenommen die Top ~2000 weltweit] . Die Aussichten auf höhere Wertsteigerungen als Festanleihen/Aktien sind sehr gering. Wer Briefmarken als Aktie kauft, benötigt nur ein klitzekleines Steckalbumchen mit maximal 2 Seiten für die natürlich geprüften Stücke!
Hallo Thomas K,
nach Deinem ausführlichen Bericht zu urteilen bist Du kein Anfänger und ich gehe mal davon aus, dass Du regelmässig auch die neuesten Informationen zur Verfügung hast. Wie ich ja schon andeutete, gehöre ich nicht zu jungen Generation aber zu der, die die Entwicklungen auf dem deutschen Nachkriegsmarkt frühzeitig mitbekommen hat.
Natürlich war es so, dass nicht jeder, der auch Marken sammeln wollte, das nötige Budget hatte, um sich die gerade eben erschienenen Bundespostmarken am Postschalter zu kaufen und dann auch noch "blödsinnigerweise" abstempeln zu lassen. Wenn ich daran denke, dass allein der Posthornsatz über 5 DM kostete und das war ja nun zu Beginn der 50-er Jahre sehr viel Geld, so wird verständlich, warum es heute so wenige wirklich super gestempelte Posthornätze gibt. Aber dieser Umstand alleine ist ja auch nicht verwerflich. In meinem Diskussionsbeitrag, der primär ja die Frage nach dem Gewinnstreben in den Mittelpunkt stellt, ging es mir unter anderem nur darum, aufzuzeigen, warum beliebte Sammelgebiete, wie eben Deutschland, auch dadurch lebendiger werden, wenn man nicht ausschliesslich die in den letzten Jahren so verbreitete Massenqualität (ich meine das im schlechten Sinn) sammelt und sich dann auch noch blaublütig nach Michel ausrechnet, wie hoch denn nur der "Wert" gerade sei. Du magst mir meine schönen Worte vorwerfen, aber sie entsprechen voll meinen persönlichen Erfahrungen. Selbstverständlich wird beim Verkauf jeglichen Materials immer die Qualität im Vordergrund stehen. Nachdem die Marken der Bundesrepublik Deutschland, Neuerscheinungen, kaum mehr Anreize für Besonderheiten bieten (sieht man mal von den massig iszenierten Fehldrucken und Makulaturbeständen ab) und die Deutsche Post dadurch glänzt, dass sie den Kundenservice völlig unter Shareholder-Value-Gesichtspunkten betreibt, ist es doch sinnvoll - wenigstens für mich - die geliebte Materie unter anderen Gesichtspunkten zu sammeln. Ich würde heute nie auf die Idee kommen, mir postfrische Bundespostmarken am Schalter zu Sammelzwecken zu kaufen. Wozu? Diese Marken sind nach der Bezahlung schon 10% weniger "wert", weil sie vom Grosshandel nur mit Abschlägen gekauft werden.
Wenn ich aber die gleichen Marken nach langer Suche entweder aus dem Postverkehr "erwerbe" oder irgendwann mal "zufällig" bei einem Tauschfreund "entdecke", so weiss ich, dass diese Marken auch ihren eigentlichen Zweck erfüllt haben.
Die Marken des modernen Deutschlands waren und sind immer einem Auf und Ab unterworfen, schon deshalb und weil "alle" das gleiche auch haben (weil sie es sich eben leisten können) tun sie gleichzeitig das Falsche:
Sie kaufen billige Marken ohne jede Wertsteigerungsmöglichkeit (Hohe Auflagen) auch zu hohen Preisen und wundern sich dann, wenn sie keine "Gewinne" erzielen!
Ich bleibe dabei: Eine super gestempelte Bund-Sammlung ab 1949 aus dem Verkehr ist immer eine gute Anlage.
Natürlich kann man weder währungspolitische oder wirtschaftliche Zeiten voraussehen. Aber dann frage ich doch einfach, warum die Marken der aldeutschen Staaten solchen Fragen so gut wie nie unterworfen werden!
Vielleicht weil es hier genug Sammler gibt, die - mag sein in aller Stille - sich ein Teilgebiet ausgesucht haben, das sie intensiv pflegen, so sie Stück für Stück, Stempel und Beleg zusammentragen und letzlich eine einmalige Sache tzusammentragen können. Was sind da schon Millionen unkomplette Sammlungen, die alle gleich aussehen und wo jeder auch noch meint, er hätte "Werte" gehortet? Es gibt doch auch genug Beispiele mitlerweile, wie Bund-oder Berlinsammlungen sich vom Standard abheben.
Wenn man schon nach den finanziellen Aspekten fragt - eine Teilsammlung Bund oder Berlin der letzten 40 Jahre lässt sich nur schwer verkaufen und wenn, dann nur mit grossen Abstrichen. Eine spezialisierte Sammlung fast immer.
Die Frage nach der "Rentabilität" einer Sammlung kann man mit ja und nein beantworten. Jeder für sich muss die Erfahrung machen, ob es in erster Linie um Renditen geht oder um Sammeln oder vielleicht doch um beides?!
Wir leben schliesslich in einer Marktwirtschaft mit all den Risiken und Möglichkeiten.Ich möchte die Stunden nicht missen, wo mir die Philatelie Freude und Entspannung bringt und wo jedes Entdecken zum Erlebnis werden kann. Wie arm sind doch diejenigen, die sich mit viel Kapital alles kaufen können -, qweil sie einfach investieren - aber wo bleibt dann der Spass. Es ist auch nicht jeder gleich ein Investor, nur weil wer Kostbarkeiten auf der Auktion kauft. Für viele davon ist es die Lust, sich etwas zu gönnen und der "Seele" etwas Gutes tun zu dürfen
Ich brauche keine Sammlung für den Safe, ich will sie immer vor mir haben können, ob sie nun "wertvoll" oder einfach nur "bunt" ist. Darin habe ich einen Kompromiss gefunden, der mir die Fragen nach Rendite nicht zu beantworten braucht.
So, das wars einfach mal wieder!
deckelmouk
21.11.2003, 13:22
@katze52 und @ThomasK_7
Ihr beide vergesst eines, und das hat mir mal ein Abteilungsleiter Wertpapierberatung vor 13 Jahren verraten, als wir eine hübsche Abenddiskussion über Optionsscheine und Aktien hatten:
Es geht nicht nur um die Rendite, die prozentuale Wertsteigerung, sondern auch, und das trifft wunderbar bei der Philatelie zu, um LUSTGEWINN!
Ein paar grundsätzliche Worte: Ich habe schon mit allen, und ich betone ALLEN möglichen Wertpapier- und Derivativanlagen Geld verloren. Und auch gewonnen, allerdings nicht genug um die Verluste aufzuwiegen. Mittlerweile habe ich dort meinen Weg gefunden, aber der Weg dahin war schmerzhaft, hat aber auch Spass gemacht.
Mit Aktien und Rentenpapieren kann man viel Geld verdienen, aber auch verlieren. Pauschale Aussagen wie "Aktien und Renten schlagen immer Briefmarken" sind falsch. Die richtigen Aktien und Renten schlagen fast alles ausser einem Lottogewinn, die zu finden, ist aber fast so schwierig, wie einen Sechser im Lotto zu bekommen.
Wer sich mit Briefmarken wegen der Rendite beschäftigt, ist schon auf dem Holzweg und wird sehr wahrscheinlich ein finanzielles Fiasko erleben. Wer es wegen dem Spass und der Freude macht, kann nicht verlieren. Kleines Beispiel:
Vor 20 Jahren war postfrisch der letzte Schrei. Heute sind postfrische Posthornsätze Massenware, die für einen Bruchteil der alten Preise gehandelt werden. Danach kamen die rundgestempelten Marken aus dem Bedarf, es geht weiter mit sauberen Belegen, mit seltenen Portostufen usw. Vielleicht sollte man antizyklisch handeln, und wieder die postfrischen Posthornsätze kaufen?
Das schöne am Sammeln ist, dass man sich nicht auf ein Thema festlegen muss. Schmeisst die Kataloge über Bord, da steht nicht viel sinnvolles drin. Jeden Tag wird ein neues, spannendes Thema geboren, wo man mit wenig Geld und viel Forscherdrang rangehen kann.
Witzigerweise entsteht mit zunehmendem Wissen auch die Möglichkeit, Geld mit seinem Material zu verdienen. Habt Ihr mal überlegt, Euer Wissen zu publizieren? Ein Amerikaner hat sich die Mühe gemacht (bin zu faul, den Namen herauszusuchen, Google könnte es wissen) und die Platten der 3 Cent von 1857 zu komplettieren. Bevor er sich drangemacht hat, war das ein Pfennigwert, als er fertig war und seine Forschungsergebnisse in einem Buch veröffentlichte, wollte auf einmal jeder es ihm nachtun und seine Marken waren Gold wert.
Ist jetzt ein bisschen vereinfacht, aber die ausgetretenen Pfade nachzulatschen und der Herde hinterher zu rennen, das bringt es nicht. Die Rosinen findet man woanders. Ist bei Aktien und Anleihen übrigens genauso...
Sodele, das war das Wort zum Sonntag, jetzt dürft Ihr mich schlagen!
:cool:
Beste Grüsse aus Luxemburg!
Lars
ThomasK_7
21.11.2003, 13:50
Original geschrieben von deckelmouk
Pauschale Aussagen wie "Aktien und Renten schlagen immer Briefmarken" sind falsch. Nein sie sind richtig, denn man kann und muss den Durchschnittswert bilden! Ansonsten bräuchten wir niemals über irgendetwas disskutieren wollen, weil immer und überall Dein Argument eine allgemeinverbindliche richtungsweisende Aussage blockieren würde.
Die richtigen Aktien und Renten schlagen fast alles ausser einem Lottogewinn, die zu finden, ist aber fast so schwierig, wie einen Sechser im Lotto zu bekommen. Es sind nicht die richtigen Aktien/Festanleihen die das vollbringen, sondern die durchschnittlichen!!
So lange das nicht begriffen wird, ist eine weitere sachliche Auseinandersetzung in meinen Augen wenig sinnvoll.
Im übrigen sind wohl alle hier im Forum wegen dem Spaß an der Sache bei der Philatelie, aber wenn schon einer mal nach der "Aktie" fragt, wollte ich auch darauf sachlich begründet antworten (-> kein grüner Zweig).
Sodele, das war das Wort zum Sonntag, jetzt dürft Ihr mich schlagen! **und drauf hau** ;)
deckelmouk
21.11.2003, 14:11
ThomasK_7:
Dann formuliere ich meine Aussage mal um:
Der Durchschnittswert ist nicht aussagekräftig weil er eine theoretische Grösse ist! Gehen wir mal von der Realität aus: Wer hätte 1949 geahnt, welche Werte im DAX von 1987 stecken würden, als dieser das erste Mal berechnet wurde? Wer konnte sich die 100 Aktien aus dem FAZ-Index kaufen? Wie hätte ich die Währungsabwertung der ausländischen Börsen abgefangen? Welchen Index ziehe ich heran?
Es tut mir leid, auf theoretischer Basis hast Du (vielleicht) recht. Aber wenn es um die praktische Umsetzung ging, da hinkt der Vergleich gar fürchterlich. Für einen Normalanleger bzw. Sammler war die Abbildung eines Durchschnitts nicht möglich, er konnte sich allerdings die ganzen Neuemissionen am Schalter kaufen. Dazu kommt, dass durch die Notwendigkeit von ständiger Neuinvestion, immerhin gab es jedes Jahr neue Marken. Also muss ich als Alternative jedes Jahr neu investieren, da fand der Kauf auch teilweise zu relativ hohen Kursen statt, die meine Rendite verwässerten.
Witzigerweise wurde der Boom bei den Briefmarken in den 70er Jahren dadurch angefacht, das Salomon Brothers eine Studie veröffentlichten, die Briefmarken als inflationsresistent beschrieben. Damals rückten Briefmarken in den Blickpunkt von Spekulanten, die zu der bekannten Blase führte.
Über das Thema Geldanlage sind schon hunderte Bücher geschrieben worden, und ich habe einen guten Teil davon gelesen. Das Problem bestand immer darin, dass Theorien in der Vergangenheit immer funktioniert haben. Das lässt sich leider in den seltensten Fällen auf die Zukunft übertragen.
Briefmarken sind nur dann eine Geldanlage, wenn man viel Fleiss und Phantasie einsetzt, sich nicht vom Markt und Marktteilnehmern beeinflussen lässt und sein "Ding" durchzieht.
So, und jetzt kommst Du!
:cool:
Beste Grüsse aus Luxemburg!
Lars
Ich misch mich mal in Eure Diskussion über die Geldanlage ein, um einen Aspekt von Lars aufzugreifen:
Witzigerweise entsteht mit zunehmendem Wissen auch die Möglichkeit, Geld mit seinem Material zu verdienen. Habt Ihr mal überlegt, Euer Wissen zu publizieren? Ein Amerikaner hat sich die Mühe gemacht (bin zu faul, den Namen herauszusuchen, Google könnte es wissen) und die Platten der 3 Cent von 1857 zu komplettieren. Bevor er sich drangemacht hat, war das ein Pfennigwert, als er fertig war und seine Forschungsergebnisse in einem Buch veröffentlichte, wollte auf einmal jeder es ihm nachtun und seine Marken waren Gold wert.
Tatsächlich kann man solche Wege auch bei neuen Sammelgebieten gehen!
Ich versuche z.B. immer fleißig "meine persönliche Definition einer Bund-Sammlung" unter das Volk zu bringen. Dabei geht es u.a. darum, dass z.B. Saar-Marken mit dem "richtigen" Stempeldatum Eingang in eine solche Sammlung finden können. Und publizieren tue ich das auch! Und zwar hier (http://www.bund-sammlung.de/Saar.htm) .
Nun weiß ich mittlerweile, dass ich diesen Teil meiner Sammlung vielleicht gar nicht zusammen bekomme?
Wenn nun aber auch andere Sammler daran interssiert sind, entsteht vielleicht sogar ein neues Marktsegment, in dem man eine Chance hat die fehlenden Stücke zu bekommen und wo zu passenden Preisen gehandelt wird.
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