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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geschnittene Ausgaben Koreas



Thorsten Siemer
08.08.2003, 17:56
Liebe Sammlerfreunde!

Viele von Euch wird es nicht interessieren, da fast keiner
die Marken Nordkoreas sammelt:

Im neuen Michel "Mittel-und Ostasien" sind ALLE
geschnitten Marken, die Nordkorea von 1960 bis 1984 verausgabt hat,
GESTRICHEN worden.

Laut Michel hat die Post in Pjöngjang mitgeteilt, daß die
geschnittenen Marken (Parallelausgaben zu den gezähnten)
niemals frankaturgültig waren.

Wie kann das sein?
Die Post Nordkoreas muß die Ausgaben doch selbst gedruckt
haben.
Konnte Michel das nicht eher erfahren, als nach teilweise
40 Jahren?

Für die Ausgaben ab 1976 hatte Michel bisher immerhin
folgenden Zusatz:
"Die Frankaturgültigkeit der geschnittenen Marken und
Blocks wird stark angezweifelt".

Hier mußte also jeder Sammler damit rechnen, daß die
geschnittenen Parallelausgaben eines Tages aus dem
Katalog fliegen würden.

Aber, warum jetzt auch die guten Ausgaben der 60er-Jahre
streichen?

Ich weiß z.B. das vor ein paar Jahren mehrere Händler
umfangreiche Posten mit geschnittenen Ausgaben Nordkoreas
angeboten haben und dabei auch Wertsteigerungen versprachen,
da die Auflagen sehr gering seien und bald eine Wiedervereinigung
von Süd-und Nordkorea erfolge.

Es wurden Preise von sage und schreibe bis zu 4.000,-DM verlangt.

Und nun?
Jetzt sitzt der eine oder andere Sammler auf bedrucktem und
wertlosen Papier, falls er überhaupt schon mitbekommen hat,
daß der Michel die geschnittenen Marken und Blocks komplett
gestrichen hat!!!

Ich persönlich hatte nur Vorteile:
Da ich alle geschnitten Marken und Blocks in weiser Voraussicht
nicht gekauft hatte, sondern nur auf meiner Fehlliste hatte,
konnte ich jetzt viel von dieser Fehlliste streichen, ohne eine
neue Marke bekommen zu haben!

Wie denkt Ihr darüber?
Wißt Ihr, ob Michel den von mir oben geschilderten "Radikalschnitt"
vorher in der "Michel-Rundschau" angekündigt hat?

Vielen Dank von einem Sammler der Marken
eines Landes, das uns fast nur Rätsel aufgibt!
Thorsten Siemer

Superkolbi
09.08.2003, 08:45
der Michel ist manchmal schon ein komischer Verein.
Allerdings bedeutet die Streichung nicht, das die Marken wertlos geworden sind. Solange es noch Nachfrage gibt, wird auch noch Geld dafür bezahlt werden. Doch da viele Sammler dem Michel zu viel Beachtung schenken, wird der Preis natürlich eher runtergehen. Ich für mich würde die geschnittenen Marken von Korea (wie auch von Ungarn) nicht sammeln, da sie ausschließlcih zum abzocken der Sammler hergestellt worden sind. Sind die Marken vielleicht irgendwo am Ende des Gebiete notiert?

ThomaS
09.08.2003, 09:51
Hi Thorsten,

habe leider keine Antworten, aber jede Menge weiterer Fragen zu deinem Sammelgebiet :-)
Ist der MICHEL der Hauptkatalog für nordkoreanische Briefmarken ? Wie wird das Sammelgebiet Im Ausland gesehen, welche weiteren Kataloge von anderen Firmen gibt es für (Nord-)Korea, wie sieht es dort mit den geschnittenen Marken aus ?
Weil ich als Kind einen Briefpartner aus Süd-Korea hatte, habe ich damals begonnen Briefmarken aus Süd-Korea zu sammeln. Da kaum einer Briefmarken aus diesem Land zum Tauschen hatte, ist das Sammelgebiet bei mir eingeschlafen. Wie sieht es bei Dir und bei anderen Sammlern 'exotischer' Länder aus - wie kommt ihr an die Marken, wie füllt ihr eure Lücken in den Fehllisten ? Gibt es z.B. auf (Süd-)Korea spezialisierte Händler ? Wie populär ist das Briefmarkensammeln in Asien und spez. in Korea eigentlich ?

Gruß,
ThomaS

deckelmouk
09.08.2003, 12:15
@ThomaS:

Leider kann ich Dir nicht auf alle Fragen eine Antwort geben, aber es gilt grundsätzlich, dass Michel mit das kompletteste und auch kompetenteste allgemeine Katalogprogramm hat. Stanley Gibbons, Yvert & Tellier und Scott werden sicherlich auch Nordkorea covern, Scott (Sitz in USA) akzeptiert meines Wissens nach noch weniger Marken als "postalisch verausgabt" als Michel. Wahrscheinlich ist es bei denanderen ähnlich.

Briefmarkensammlen ist in Asien sehr populär. Merke ich jedesmal, wenn ich einen alten Brief aus der Region ersteigern will. Der wachsende Wohlstand in China macht sich sehr deutlich bemerkbar. Es gibt auch spezialisierte Händler, wenn Du ein paar Adressen willst, dann melde Dich per PN bei mir.

Die Streichung aus dem Katalog macht doch jetzt die Sache richtig spannend: Wenn es Bedarfspost mit den geschnittenen Ausgaben gibt, dann kann auch die Michelredaktion vielleicht wieder zur Umkehr bewegt werden. Wenn nicht, dann war die Entscheidung IMHO wohl richtig.

Beste Grüsse aus Lux!

Lars

Kjell
09.08.2003, 16:24
Also ich erwarte von MICHEL, dass sie Marken, von denen selbst die ausgebende Postverwaltung sagt, dass sie nicht frankaturgültig sind (=also keine Postwerzeichen sind!), nicht listen. Ich möchte nicht wissen, wieviele Leute in den letzten Jahren versucht haben, in Pjöngjang was rauszufinden. Und bei diesem Land stehen die Chancen, eine Antwort zu erhalten, doch ziemlich schlecht. Jetzt hat MICHEL eine Antwort und kann frühere Fehler ausbügeln. Sollen sie sie im Katalog lassen, bloß weil ein paar Spekulanten in diese "Junk-Bonds" investiert haben? Nee. Solche Interessen sollte MICHEL mit Füßen treten. Nicht weil sie moralisch verwerflich sind, sondern weil es um das Prinzip geht. Es sind keine Briefmarken. Und in einem Briefmarkenkatalog haben Nicht-Briefmarken nur in Ausnahmefällen was verloren.

Der Humbug mit geschnittenen Parallelausgaben (besonders wenn sie nicht wie bei der DDR absolute Ausnahmen bleiben) hat mit Philatelie nicht viel zu tun. Der Ländersammler sollte sich von "seiner" Postverwaltung nicht vera* lassen und der Motivsammler ist doch mit den gezähnten Marken gut bedient. Wozu noch diese halbfertigen Stücke? Also von mir aus können die alle in die Fußnoten verbannt werden!

CU
Kjell

Pete
09.08.2003, 18:29
Hi Thorsten und alle anderen fleißigen Schreiber,

existiert nun im Michel solch eine Fußnote für Nordkorea wie bei den ungezähnten Ausgaben Ungarns 1950-1957? Wenn ich mich recht entsinne, wurde dabei hingewiesen, dass diese ungezähnten Ausgaben am Postschalter (?) und vor allem über den staatlichen Briefmarkenhandel zum 5- bzw. 10-fachen Nennwert an Händler bzw. Sammler verkauft wurden und dennoch ungültig waren/ sind. Kann man diese Ausgaben mit denen Nordkoreas eigentlich auf eine Stufe stellen?

Grüße aus dem verschwitzten Freiberg
Pete

Thorsten Siemer
09.08.2003, 19:30
Liebe Sammlerfreunde ThomaS und Pete!
Zu Ihren Fragen:

Also einen speziellen Katalog für Korea kenne ich nicht,
jedenfalls nicht für Nordkorea.

Die Marken Nordkoreas werden bei uns so gut wie gar nicht
gesammelt.
Das liegt auch daran, daß Nordkorea nur bis ungefähr 1976
als seriös einzustufen ist.

Südkorea dürfte bei uns auch wenig gesammelt werden, gehört
jedoch zu den besten Gebieten Asiens.
Gerade die Ausgaben der Jahre 1945 bis 1970 sind sehr
gesucht und teilweise nicht zu bezahlen(vor allem die
ersten Blockausgaben!)

Meine Asienmarken versuche ich immer mit Sammlern in
Asien direkt zu tauschen.

Lieber Sammlerfreund Pete!
Wegen der Michelnotiz für geschnittene Ausgaben Ungarns
von 1950-57 habe ich noch einmal nachgeschaut:

Einen solchen Hinweis gibt es tatsächlich und daher wurden
diese Ausgaben dort auch nicht katalogisiert.
Einen ähnlichen Hinweis für die von mir angesprochenen
geschnittenen Ausgaben Nordkoreas gibt es nicht.

Ich hoffe, Ihnen hiermit ein klein wenig geholfen zu haben.

Mit freundl. Sammlergrüßen
Thorsten Siemer

curtis
09.08.2003, 20:02
Hallo Thorsten,


Meine Asienmarken versuche ich immer mit Sammlern in Asien direkt zu tauschen

könntest Du mir bitte mal erklären, wie Du das praktisch handhabst? Geht das übers Netz oder sind das langsam gewachsene "Bekanntschaften" und der Verkehr findet auf dem Postweg statt?

Danke & Gruß
Curtis

Thorsten Siemer
10.08.2003, 20:14
Lieber Sammlerfreund Curtis!

Früher gab es eine chinesische Briefmarkenzeitschrift, die
zweisprachig(chinesisch und englisch) abgefaßt war.
Die gibt es heute so nicht mehr.

Da standen viele Chinesen drin, die einen Tauschpartner
suchten.
Dann war der frühere Vorsitzende unseres Vereins eine
wandelnde Chinalegende, die mir auch Adressen besorgte.

Schließlich war ich mehrmals in China, so daß ich dort
Sammler kennenlernen konnte.

Übers Internet habe ich es noch nie versucht.

Mit vielen Sammlergrüßen
Thorsten Siemer

Commendatore
13.10.2003, 20:45
Die Aussage das die geschittenen Marken Nord-Koreas nicht frankaturgültig sind ist meines Erachtens nicht richtig denn ich habe eine ganze Reihe geschnittener Ausgaben auf echtgelaufenen Briefen nach Deutschland.
Und diese Briefe stammen von der Postverwaltung des Landes.

Thorsten Siemer
15.10.2003, 11:11
Lieber Sammlerfreund Commendatore!

Schön, daß Sie nach so langer Zeit noch etwas zu meiner
Fragestellung beitragen können.

Ihr Hinweis auf echtgelaufene Briefe aus Nordkorea mit
den geschnittenen Paralellausgaben ist sicherlich ein Indiz,
daß diese Ausgaben postgültig sind.

Aber: Vielleicht handelt es sich lediglich um "Durchrutscher", oder
um bloße "Duldungen".

Und: Von irgendwoher muß die Michel-Redaktion doch ihre
Erkenntnissse haben?

Haben Sie schon versucht, sich in dieser Sache mit Michel in
Verbindung zu setzen?

Hoffe, bald an dieser Stelle von Ihnen zu hören
und verbleibe bis dahin
mit freundl. Sammlergrüßen
Thorsten Siemer

Walter Haveman
17.01.2004, 19:02
Die Nord-koreanische Versandstelle für die koreanischen Neuheiten verschickt bzw. verschickte die Neuheiten bzw. Neuheitenmeldungen mit Briefen, die gelegentlich mit geschnittene Marken frankiert waren. Wem's interessiert schicke ich gerne ein Scan. Insofern WAREN zumindestens geschnittene Ausgaben frankaturgültig. Dem steht nicht unbedingt entgegen, dass die Versandstelle dem Michel eine gegenteilige Auskunft gab. Denn es geistern gegenwärtig große Bestände postfrischer Marken auf dem europäischen Markt herum, die die Nord-Koreaner bestimmt ungerne als Re-import im Lande sehen möchten. Da die Neuheiten Nord-Koreas mindestens rückwärts bis zu letzten koreanischen Währungsreform frankaturgültig sind, wären die Massen von Marken alle noch frankaturgültig. Da erklären die gerne mal wenigstens die geschnittenenen Ausgaben für ungültig.
Nord-koreanischer Katalog: Die ersten systematischen Arbeiten für den Michel geschah wohl ca 1960 durch Herrn Ehlerding, der dann dort die Neuheitenregistrierungen vornahm, bis zu seinem Tod ca 1970. Die Michel-katalogisierung von Nord-korea hat weltweit einen guten Ruf. Es sind nur einige frühe Ausgaben irrtümlicherweise registriert worden, die sich später als Verfärbungen oder als Ganzsachenausschnitte erwiesen. Stanley Gibbons ist im Bezug auf Nord-korea auch anerkannt. Der amerikanische Scott-Katalog ist erst kürzlich mit einer Katalogisierung der nord-koreanischen Ausgaben bis ca 1984 erschienen, nachdem der Verkauf nord-koreanischer Marken als poltische Folge des Korea-Krieges in den USA jahrzehntelang verboten war. Die amerikanischen Verfasser des Scott-Katlogs übernahmen die Angaben des Michel und des Gibbons, sowie eines nord-koreanischen Katalogs, und versuchten dann die Katalogangaben mit der Hilfe vorhandener großer Sammlungen zu verifizieren. Die Nord-Koreanische Versandstelle gibt circa alle 4 Jahre einen Katalog heraus. Ein Problem dieses Katalogs ist, dass diejenigen Ausgaben, die Nord-Koreaner zeigen, die später politisch in Ungnade gefallen sind, oder die Fehler zeigen, aus dem Katalog genommen sind und einfach nicht mehr zu existieren. Zum Beispiel Mi.Nr. 700-707, Block 3 und 563-565.
Die Preisangaben in den Katalogen sind sehr unzuverlässig. Meines Erachtens sind die Neuheiten zu teuer. Frühe Blockausgaben und die 1..Auflagen früher Sondermarken vor 1960 sind zu billig. Sogar eine Anzahl "Neuauflagen" der Ausgaben vor 1960 sind nicht zu finden, und mit 1 Euro viel zu niedrig bewertet.

Thorsten Siemer
18.01.2004, 10:58
Sehr geehrter Herr Havemann!

Schön, daß Sie meinen Nordkoreabeitrag an dieser Stelle noch
gefunden haben.

Was Sie sagen, klingt einleuchtend: Um sich vor ein "Überschwem-
men" mit postgültigen Marken
zu schützen, erklärt Nordkorea
alle geschnittenen Ausgaben
nachträglich für ungültig!

Aber ob diese Annahme auch zutrifft?
Ich habe da so meine Zweifel, denn wie viel Bedarf an Marken gibt
es überhaupt in dem Land?
Meine Beobachtung ist, daß es fast gar keine Bedarfspost aus diesem
Lande gibt, schon gar nicht von Einheimischen.
Also kann die Gefahr doch nicht groß sein, von Frankatrurware überschwemmt
zu werden?

Ich folge lieber dem Michel und werde alle geschnittene Parallelausgaben, die
jetzt gestrichen wurden, zumindest vorerst nicht mehr sammeln.
Sollte es später neue Erkenntnisse geben, kann ich das immer noch wieder
ändern.

Warum wurden die Ausgaben für Professor Kim Bong Han gestrichen?
Ist der später aus Nordkorea geflüchtet? (Das würde mich nicht wundern!)

Viele Sammlergüße
Thorsten Siemer

Walter Haveman
18.01.2004, 18:51
Der Einwand zur Frankaturware kann richtig sein. Letzten Endes ist es warscheinlich falsch, unsere Kriterien ud Überlegungen auf Nord-Korea zu übertragen. Die vielen bunten Bildchen, die Nord-Korea heute drucken läßt und die keinen Bezug zu Korea haben, werden m.W. nicht im Lande verkauft, sondern nur über die Nord-Koreanische Agentur, und über deren Büro in Tokio/Japan. Im dortigen Haus der (Nord)Koreaner ist eine Verkaufsstelle für die Neuausgaben. Ein weiteres Verkaufsbüro scheint es inzwischen in Beijing/China zu geben. Von daher gelangen gelegentlich kleine Verkaufsmäppchen (4 Steckalbumseiten) mit nord-koreanischen Marken zu uns. Meistens postfrisch, oft mit eineigen Blöcken und unvollständigen Serien versehen. Von daher, von gelegentlicher Auslandspost, und von den Käufen einger Touristen oder Geschäftsleute in Pjöngjang wissen wir, dass eine Anzahl Marken zum Gebrauch im Inland auf anderem, minderwertigem Papier gedruckt ist. Nicht das weisse, glatte Papier, sondern es ist eher gelbliches Papier. Ausgaben wie Mi.Nr. 1755-1759 sind darunter. Fast alle als Freimarken bezeichneten Ausgaben, aber auch viele Ausgaben mit innenpolitischer Propagandawirkung. Diese Besonderheiten sind noch nicht katalogisiert, da noch nicht vollständig bekannt. Da die Ausgaben oft unerkannt sind, und wir von der Auflagenhöhe nichts wissen, sind sie häufig noch für wenige cents zu haben. Insofern hat Nord-Korea trotz der Ausgabenflut auch bei den Neuheiten spannende Seiten.

Das gilt auch für die politisch "verbotenen" Ausgaben, die von der Bildfläche verschwunden sind. Neben den Markenausgaben zu Professor Kim Bong Han (wie 700-707, Block 3) (sein Verbleib ist unbekannt) ist es zB. Mi.Nr. 48, General Tang Hu-Shan, der einer politischen Säuberungswelle zum Opfer fiel. Diese Marke erscheint auch nicht im koreanischen Katalog. Die Paranoia des Nord-Koreanischen Präsidenten Kim Il Sung ging offenbar so weit, dass er keine größere lebende Persönlichkeit neben sich gelten ließ, und Zug um Zug alle anderen in die Arbeitslager schickte, oder unter Hausarrest stellte. Von wenigen Sportlern abgesehen, kann man anhand der Markenabbildungen der letzten Jahrzehnte beobachten, dass gute Persönlichkeiten nur tote Persönlichkeiten sind, und ansonsten nur die Familie Kim Il Sungs, er, sein Sohn (und heutiger Präsident) und seine Mama die Giganten des Landes sind.
Block 4, Mi.Nr. 965-974) hat noch eine interessante Geschichte. Im vorletzten koreanischen Katalog wurde er verschwiegen, im letzten erscheint er wieder, aber die letzte Marke wird nicht gezeigt - dafür wurde die vorletzte mittig unter die zwei oberen dargestellt. Wenn man sich die letzte Marke ansieht, ahnt man, weshalb die Koreaner von ihr nichts mehr wissen wollten: Die Marke stellt einen abgestürzten US-Amerikanischen Piloten dar, der von wütenden Asiaten bedrängt wird. Peinlich nur: Auf dem Ärmel des Piloten steht deutlich geschrieben: SU (statt US), und unter SU verstehen viele "Soviet Union", den damaligen Bündnispartner Nord-Koreas.

Die zurückgezogenen Ausgaben sind schwer zu bekommen. Die Preise die bei Ebay (USA) für die Blöcke erzielt werden, liegen zwischen 80 bis 200 US-Dollar. Käufer sind meistens Koreaner im Süden, oder ausgewanderte Koreaner. Früher oder später wird Korea seine Wiedervereinigung haben. Möglicherweise tauchen die zurückgezogenen Marken dann wieder auf, oder sie gingen ins Papier-Recycling, - Wir wissen es nicht.

Thorsten Siemer
21.01.2004, 10:55
Lieber Sammlerfreund Havemann!

Jetzt bin ich gelinde gesagt doch etwas "platt", ob des
veritablen Wissens, das Sie hier im Forum offenbaren.

Toll, wie Sie die Marke Nr. 48 mit General Tang Hu-shan erklären.
Ich wußte gar nicht, daß es sich dabei um einen damaligen
aktiven Kommandeur des Koreakrieges gehandelt hat.
Ich dachte immer, er sei schon damals, wie der legendäre
Admiral Li Sun Sin, der Erfinder des "Schildkrötenblocks" eine
historische Figur gewesen.

Ihre Erklärung zu der letzten Marke des Blocks 4 fand ich auch
interessant.
Ob sich auf dem Arm des Amerikaners tatsächlich ein "SU" befindet,
kann ich nicht beurteilen, da mir dieser Block noch nicht vorliegt und
die Abbildung im Michel zu unscharf ist.
Kann es nicht auch sein, daß dem "Kim-Regime" inzwischen alle
Marken zur Thematik "Antiimperialismus" als nicht mehr oppertun
erscheinen?
Was sagt Ihr Katalog z.B. zu folgenden Ausgaben:

724, 865, 923, 1008-13, 1056, 1058, 1221?

Was wurde aus Prof. Kim Bong Han und wann ist er verschwunden?

Sie haben recht, der "Kim-Kult wird immer abstruser.
Neben dem Vater und der Mutter wurden auch schon die
Groeltern, der Bruder und der Onkel Kims auf Marken gebannt.

Was macht das Land bloß, wenn es eines Tages aus diesem
"Märchen für Erwachsene" aufwacht?

Ich weiß, daß viele Chinesen heute nach Nordkorea fahren, um
einmal ein Land zu sehen, daß quasi ständig in "Kulturrevolution"
ist.

Zum heutigen Abschluß noch folgende Frage:
Was hat es mit der Ausgabe Nr. A 1714- C1714 auf sich?
Erscheint diese heute auch nicht mehr opportun, wegen der
Abbildung von Hua Guo Feng, der 1980 gestürzt wurde?

Wie immer auf Ihre Antwort gespannt
verbleibt mit freundl. Sammlergrüßen
Thorsten Siemer

claus wentz
21.01.2004, 15:25
Hallo miteinander,

an diese Stelle paßt eine Geschichte, die meine Frau und ich 1987 in Berlin-Ost erlebten:
Während eines mehrstündigen Besuches, incl. Verzehr des "Eintrittsgeldes", kamen wir auch an einem scharf bewachten Gebäudekomplex vorbei. An dem langen Eisengitterzaun, der das Gelände zur Straße abschloß, hingen mehrere große Schaukästen primitivster Machart, aus Holz gefertigt, welches dringend nach Farbe schrie. Neugierig schauten wir uns den Inhalt der Kästen an: Lauter DIN A4 große Photos vom "Großen Führer Kim Il Sung", dem Sohn der Sonne etc. und ähnlichen Bezeichnungen. Dazu die idiotischsten und schwachsinnigsten Parolen, über die man nur den Kopf schütteln konnte. Dieses "Werk" wollte ich photographieren, doch dann ging´s los:
Die Camera hatte ich noch nicht am Auge, geschweige denn eingestellt, da waren drei VoPo´s bei uns und forderten uns in sehr harschen Worten auf weiter zu gehen, dieses sei die Nordkoreanische Botschaft und photographieren sei hier verboten; sonst würden die Cameras eingezogen und wir festgenommen!
Man kann sich vorstellen, wie schnell wir das "gastliche" Land verlassen haben.

Claus Wentz

Commendatore
02.04.2004, 19:26
Hallo Herr Siemer,
Leider komme ich erst heute dazu Ihnen zu antworten; ich bin ein sehr unregelmäßiger Besucher dieser Seiten (die liebe Zeit ..... *schnüff*).
Bei den mir vorliegenden Briefen mit geschnittenen Marken, zweifelsohne alle echt gelaufenen, handelt es sich mit Sicherheit NICHT um zufällig durchgelaufene Briefe. Es sind allesamt offizielle Umschläge der Postverwaltung von Nord Korea an ein bekanntes Briefmarken - Handelshaus in Deutschland. Alle Umschläge sind mit deutschen "Zollfreigut" - Vermerken versehen und in allen Umschlägen, die ich vor Jahren auf dem Wühltisch (!) dieses Händlers auf einer Messe gefunden habe (Köln oder Essen) gefunden habe, waren offizielle Neuheiten - Bekanntmachungen dieser Ausgaben und teilweise sogar noch postfrische Marken. Es handelt sich bei allen Ausgaben um 1979 & 1980 Jahr des Kindes - Ausgaben. Auf den Ankündigungen werden die Auflagen der geschnittenen Ausgaben mit 4000 Stück angegeben.
Falls Sie noch Fragen dazu haben, schreiben Sie mir einfach: >OneKnight@gmx.net<,
Freundliche Sammlergrüße,
Edgar K.Haberer

loki
04.04.2004, 00:30
noch eine ergänzung zu diesem thema.
alll diese erscheinungen von nord-korea, gibt es auch bei einigen anderen ländern in dieser region. zum beispiel in meinem sammelgebiet nord-vietnam. auch dort gibt es diese paralellausgaben, die nur für den export hergestellt wurden. auch diese ausgaben gibt es gestempelt - gefälligkeitsgestempelt. bedarfsbriefe sind mir nicht bekannt. die vorher erwähnten belege mit geschnittenen korea-marken - nun die postverwaltung ist sicherlich frei, in ihrer entscheidung, was sie auf IHRE belege die sie verschickt, an freimachung verwendet. möglicherweise auch eine kleine aufmerksamkeit an das erwahnte brfm.-handelshaus. die mindere qualität der marken für die inlandsverwendung, gibt es in nord-vietnam ebenfalls.

PW0001
04.04.2004, 21:48
Hallo,

für jeden bedeutet Philatelie oder Brifmarken sammeln etwas anderes. Der eine sammelt einfach nur, der andere stellt höhere Ansprüche und erforscht die Postgeschichte. Die eigenen Ansprüche können aber nicht dazu dienen zu erklären was nun eine Briefmarke ist oder nicht.

Eine Briefmarke ist ein Wertzeichen mit dem die Gebühr für die Postbeförderung bezahlt wird. Ob sie letztendlich dafür verwendet wird oder, aus welchem Grund auch immer, überhaupt dafür verwendet werden könnte, ist vollkommen unwichtig. Nicht nur Nordkorea sondern viele andere Länder, Deutschland eingeschlossen, gaben und geben Briefmarken in Formen heraus, die ausschließlich an die Geldbörse der Sammler gerichtet sind und wohl niemals oder höchst selten ihrem eigentlichen Zweck entsprechend verwendet werden.

Wie schon in anderen Beiträgen erwähnt, gibt es Beweisstücke, dass die geschnittenen Ausgaben Nordkoreas echt verwendet wurden. Ich selbst hatte auch solche Beweisstücke. Bei den in kommunistischen und sozialistischen Ländern herausgegebenen "Besonderheiten" muss man beachten, dass sie in erster Linie der DEVISENBESCHAFFUNG dienten und von daher ausschließlich exportiert wurden und nie einen Postschalter gesehen haben. Darum ist es nicht verwunderlich, dass im konkreten Fall Nordkorea, solche geschnittenen Ausgaben nur auf Briefen der Postverwaltung z.B. an Händler zu finden sind.

Dass aber eine Briefmarke nie einen Postschalter gesehen hat ist kein Kriterium dafür ob es sich um eine Briefmarke handelt oder nicht.

Es kann also nur finanzielle und politische Gründe geben, die plötzlich diese geschnittenen Ausgaben Nordkoreas für schon immer frankaturungültig erklären lassen. Darauf sollte man keinen Pfifferling geben. Diese "Erkenntnis" nach 40 Jahren ist genauso zweifelhaft und offenbar lanciert wie die CIA Erkenntnisse über Massenvernichtungsmittel im Irak. Es dient wahrscheinlich nur dazu etwas für wertlos zu erklären und damit vom Markt zu verdrängen und vielleicht in einigen Jahren....... ich spinne den Faden jetzt nicht weiter. Man sollte sich bei allem was passiert nur die Frage stellen: Wem nützt es oder wem könnte es einmal nützen.

Eher gehörten solche "Briefmarken" aus den Katalogen verbannt, die wirklich keine Briefmarken sind und mit denen nie eine Postdienstleistung hätte bezahlt werden können. Dabei denke ich insbesondere an Makulatur, Probedrucke, nie ausgegebene Marken usw. usf. Auch so manche Besonderheit bundesdeutschen Markengutes entschwindet auf dubiose Weise der Bundesdruckerei und landet statt im Müll im Handel und im Michelkatalog.

Warum ist Michel hierbei nicht konsequent und erklärt diese Marken nicht als Unmarken und verbannt sie aus den Katalogen????

Gruß Peter

claus wentz
05.04.2004, 06:53
@ PW0001

Wenn der MICHEL, wie zu Recht gefordert, dieses Zeug (geklaute Ware - z.B. Alliierte Besetzung) aus den Katalogen entfernen würde, hätten die Bände nur den halben Umfang, wesentlich weniger Käufer und damit würde die Rendite rapide sinken.

MfG
Claus Wentz