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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues Buch der Museumsstiftung Post



zickezacke
12.01.2005, 13:52
Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation hat mit "Die ersten 10 Jahre" ein neues Buch ihrer ansonsten ambitionierten Buchreihe vorgelegt. Ging es in den Vorläufer-Bänden jedoch hauptsächlich um philatelistische oder kommunikationstechnische Themen, die meist auch grafisch und redaktionell opulent aufbereitet waren, so enttäuscht der neue Band leider in jeder Hinsicht. Die Museumsstiftung stellt sich im neuen Band nämlich ausschließlich selbst vor und feiert ihr zehnjähriges Bestehen.
Wie in einer durchschnittlichen Imagebroschüre einer beliebigen Firma fehlen deswegen auch nicht ausführliche Lippenbekenntnisse von Mitarbeitern, wie gerne sie dort arbeiten und wie toll alles ist. Viele Seiten sind auch nur mit der Stiftungssatzung, Zahlen zur Medien- und Internet-Resonanz usw. gefüllt. Das vertretene Bildmaterial zeigt leider auch nur wenig aus den Museumsbeständen, sondern viele Eingangshallen, Treppenhäuser und Besuchergruppen. Die gezeigten historischen Exponate werden meist nur ansatzweise beschrieben und viele Bilder sind dazu leider unscharf oder kontrastarm.
Die Texte sind entweder aus Broschüren früherer Veranstaltungen übernommen oder sind größtenteils unkritische Jubeltexte zum Jubiläum. Als Autoren treten Ursula Fuchs (Leiterin der Pressearbeit der Museumsstiftung von 2002-2004) und Dr. Hartwig Lüdtke (Kurator der Stiftung seit 1995) in Erscheinung.
Ich bin der Meinung, die Stiftung bzw. die Autoren haben sich mit diesem Buch keinen Gefallen getan. Der Umfang von 240 Seiten für den wenigen Inhalt ist unangemessen. Selbst für eine Werbebroschüre ist das Buch schlecht aufbereitet. Für Philatelisten bietet das Buch so gut wie nichts. Viele Seiten sind halb leer oder enthalten nur halbherziges Bildmaterial. Ein kompakteres Format halben Umfangs und höherer Informationsdichte hätte mir besser gefallen. Schade.

[zz]

woma
12.01.2005, 18:07
Da sieht man einmal mehr, wie unterschiedlich Eindrücke sein können! Ich betrachte dieses Buch als das, als was es sich ausgibt: als eine Jubiläumsbilanz, die sich an Freunde, Förderer und Interessierte richtet, darüber hinaus an alle, die es werden wollen. In zweiter Linie ist es für mich ein philatelie- und postgeschichtliches Werk, dem sehr viele Dokumentationen in Wort und Bild zu entnehmen sind, die über das Wirken der Museen in Deutschland Auskunft geben.

Mich kann es also nun wirklich nicht enttäuschen, dass sich in einem solchen Buch die Museumsstiftungselbst vorstellt. Wen soll sie denn sonst vorstellen? Testimonials gehören mit dazu und dass Mitarbeiter sich äußern, halte ich in solchen Broschüren für normal.

Mir gefällt, um es offen zu sagen, diese Schrift außerordentlich und ich wundere mich in Zeiten knapper Kassen, dass so etwas noch machbar ist. Gerade deshalb weiß ich diese Dokumentation zu genießen. Ich finde Layout, Fotoreproduktion und die generelle Großzügigkeit der "Anlage" hervorragend, - ein Genuss.

Wenn ich dieses großformatige Buch vergleiche mit dem Miniwerk, das der Kunstbeirat für sein 50jähriges zustande gebracht hat, dann müsste ich eigentlich eher sagen, dass mich letzteres enttäuscht hat, denn ein Kunstbeirat hat wahrhaftig mehr verdient und in seiner Geschichte geleistet als die paar Blättchen herzeigen.

Also mein Urteil: Kompliment an die Museumsstiftung für dieses hervorragende Werk. Ich kann daraus für mich (das mögen andere ganz anders sehen) viel an wertvoller Information ziehen.

woma

sodrei
13.01.2005, 11:13
Hallo,
was kostet den dieses Buch - ( oder erhält man es kostenlos von der
Stiftung- wohl kaum).
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Grundsätzlich sehe ich so ein Buch für 10Jahre als etwas übertrieben an -
Und mit Mitarbeiterprofilen hört sich das sehr nach Imange-Broschüre an?

Brauchen wir so was?

woma
13.01.2005, 14:50
Das Buch (Format 21,5 x 28cm, 225 Seiten, zahlr. Abb., meist in Farbe, Hardcover, Heidelberg 2004, Band 20 der Kataloge der Museumsstiftung Post und Telekommunikation (Edition Braus), VP: 29,80 Euro inkl. Porto/Versand. ISBN 3-9808448-2-X.) kostet also knapp 30 Euro. Für 225 Seiten im Großformat.

Ich habe gerade den neuen Russland-Spezialkatalog vor mir liegen. Fakten: Format 15,3 x 20,3 cm, 256 Seiten, ca. 1.400 Farbabb., rund 12.000 Preisnotierungen, Ladenpreis 54 Euro. ISBN 3-87858-377-X.

Was heißt nun teuer? Allerdings finde ich die Frage berechtigt, ob es sinnvoll ist, ein solch aufwändiges Produkt nach 10 Jahren zu starten. Die Antwort glaube ich dem Titel entnehmen zu können: Das ist Sponsoren- und Supportwerbung, fund raising und manches mehr. Und man kann sich nun wirklich potentiellen Sponsoren nicht im "arme-Leute-look" vorstellen. Die Museen - ich konnte dies vor kurzem in Frankfurt sehen - bemühen sich erfolgreich, in bestehende Museumslandschaften integriert zu werden. Deshalb auch der Ansatz der Kommunikation.

Ich denke, sie machen hier etwas goldrichtig, denn ansonsten gäbe es auch diese nicht mehr. So wie es die ehemaligen Philateliemuseen auch nicht mehr gibt, weil man dort zuweilen glaubte, man muss nicht zum Volk, sondern dies zu einem selbst kommen.

Leider haben wir keine Philateliemuseen mehr. Dies auch, weil es die "Philatelie" eben nicht für sinnvoll erachtet hat, sich so zu präsentieren, dass Sponsoren und Förderer sich angesprochen fühlen (siehe hierzu meinen letzten Beitrag in "philatelie"). Das ist schade, denn wirklich gut konzipierte Philateliemuseen könnten eine erlebnispädagogische Landschaft darstellen, die Menschen die Erstkontakte mit der Philatelie ermöglichen.

Mir ist dies 30 Euro und mehr wert. Gerade auch Statements der Mitarbeiter, derjenigen, die eine Museumsstiftung gegründet, konzipiert und entwickelt haben. Wie soll ich denn seonst verstehen, was die leitenden Gedanken waren. Später sind - zumindest die, die noch historisch denken können - froh, wenn sie Biografien und Aussagen der in solchen Institutionen arbeitenden Menschen lesen und kennenlernen können, sonst kämen wir nicht zu einer Geschichtsschreibung, aber auch nicht zu einer begründbaren Bewertung.

Das andere Extrem ist für mich die Jubiläumsbroschüre "50 Jahre Kunstbeirat". Nicht Fisch noch Bein, einfach so gut wie nichts. Dafür aber kostenlos. Über Geschichte des Kunstbeirates erfahre ich gerade einmal, wann er gegründet wurde und wie der Postminister zu dieser Zeit hieß. Toll. Da konnte man in der "philatelie" mehr nachlesen. Auch ein Signal, auf welchem Niveau staatshistorisches Bewusstsein angelangt ist - das ist nun meine persönliche Bewertung, aber auch von dieser Broschüre kann sich jeder ein Bild machen und meine Aussagen nachprüfen.

ceterum censeo, woma