Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Danzig bei Kriegsende/Bewertung Bedarfsbelege
danzig19450038j danzig19450038j.jpg Guten Tag allerseits,
kürzlich erwarb ich 2 Postkarten aus Danzig, die nach Einkesselung Frühjahr
1945 per Luftpost abgeschickt worden. Eigentlich habe ich sie wg. des mir unbekannten Luftpoststempels genommen.
Etwas später habe ich dann in der "Philatelie" einen die Feldpost aus Danzig behandelnden Artikel gelesen, in dem auf die Seltenheit von Feldpost ab dem
1.2.45 hingewiesen wurde.
Die erste Karte ( Porto 6 Pfg + 5 Pfg.LpZuschlag) mit Einlieferungsstempel Danzig 6 wurde am 20.2.54 (Zahlendreher?) gestempelt und erhielt den Ankunftsstempel Schöneiche b. Berlin v. 25.2.45.
Auf der 2. Karte befindet sich der SST.Krantor
Daß die Bewertung lt Briefekatalog als normale Mischfrankatur natürlich
nicht viel wert ist, scheint auf den ersten Blick klar. Allerdings wird Luftpost unter Flugpostsammlern anders bewertet. Dazu kommt noch die besondere
Kriegssituation nach der Einkesselung.
Meine Frage an die Kenntnisreichen hier im Forum:
Was könnte der faire Wert der Karten sein? Ich selbst habe 25,-- Euro für beide bezahlt. Kennt jemand den Luftpoststempel? Er ist im Michel Flugpostspezial v. 2002 nicht angegeben.
Jede Antwort ist willkommen. Vielen Dank im Voraus, Rassy
Im Augenblick habe ich mit dem Foto Schwierigkeiten. Muß wohl noch ein bißchen üben.
crantsch
07.01.2005, 19:23
Hallo Rassy,
kannst du evtl. Scans nachreichen? Das würde die Antwort erleichtern :) Es kommt ja auch auf den Zustand usw. an - so wäre jede Antwort nur Spekulation...
SaschJohn
07.01.2005, 19:29
Hallo Rassy
du musst das Foto einscannen und als *.jpg speichern soweit das einfache...wenn die Datei Größer als 100kb ist öffnest du das Bild in deinem Bildbarbeitungsprogramm und verändertst die dpi Zahl so lange bis es stimmt. :) Alles klar? Ich mach es so einscannen mit 600dpi dann auf ca 300 bis 500 dpi runter und als jpg speichern. Oh und dann musst du im Beitrag Bild hinzufügen das Bild hochladen indem du es anklickst ;)
Vielen Dank Crantsch u. Sascha,
das ging ja schnell. Werde morgen mal mit den neuen Tips für meinen Scanner weitermachen;
habe heute schon 3 Stunden herumgedoktert und jetzt keine Lust mehr.
Grüße, Rassy
Mal sehen, ob es mit den Bildern jetzt funktioniert?
crantsch
15.01.2005, 11:35
kann dem Mann geholfen werden?
Hangover
15.01.2005, 15:49
kann dem Mann geholfen werden?
Schwierig - Danzig nach 1939 ist eigentlich nicht meine Baustelle. Soviel: Spaete Briefe aus 1945 sind selten (wenn man von einer Handvoll Stempelbelege absieht, die philatelistischen Einfluessen ihre Existenz verdanken - ja, auch noch Anfang 1945!). Das in Euro und Cent quantifizieren kann ich nicht, bei einem geschaetzten Dutzend ernsthafter Sammler solcher Belege sind Katalogwerte sowieso Schall und Rauch.
Noch zur Info: Der Aufgabestempel Danzig 6 a mit Postleitzahl ist sehr selten und wird im Wolff-Handbuch so weit ich weiss mit 100 Punkten (Punkte = DM) bewertet. Dagegen ist der Sonderstempel 500 Jahre Krantor Massenware. Zum Luftpoststempel kann ich leider nichts sagen.
Aus dem Bauch heraus wuerde ich 25 Euro fuer beide Karten zusammen als sehr guenstigen Einkauf bezeichnen.
-Hangover
hallo
hab mal einen danzig-spezialisten befragt, der zudem noch aus danzig kommt.
hier seine antwort:
"Beide Belege korrekt frankiert ( + 5 Pf für Luftpost ), Luftpostbeförderung läßt sich NICHT nachweisen, möglich. Kurland - Feldpost ging z.B. generell per Schiff. Flughafen Danzig ab 16.3. nicht mehr anfliegbar - geschlossen. Also
Flugpost möglich am 5.3... Zivilpost, die zu diesem Zeitpunkt noch "reibungslos" abging. Ca. 30 E.// 20.2. : Zu diesem Termin noch fast "normales" Leben in Danzig, Straßenbahn fuhr..Stempel ist gut : 50-100 E. Ankuftstpl. 5 Tage später sagt nichts über den Beförderungsweg aus...5 Tage mit Luftpost auf der Hauptfluglinie nach Berlin ist an sich zu lange."
scheinen also recht gute belege zu sein. :D
gruss
loki
Hangover
18.01.2005, 11:11
Nach längerem Betrachten der Stücke fallen dann doch noch einige Ungereimtheiten auf:
Bei der ersten Karte mit Aufgabestempel Danzig 6 a wirkt der Ankunftsstempel suspekt, wie aufkopiert bzw. wie nicht mit einem Stahlstempel auf der Karte (sehr weiches, schlechtes Papier!) abgeschlagen.
Auf Karte 2 wurde offensichtlich in der Reihenfolge "Hitler 6", "per Luftpost", "Hitler 5", "Krantor" gestempelt. Sehr ungewoehnlich!
Dass zwei Karten vom gleichen Absender, aber mit Adressaten in verschiedenen Postleitzahlgebieten, 60 Jahre später in einer Wühlkiste wieder zusammenfinden, ist ungewöhnlich bis unmöglich.
Hieraus leite ich ab: Bei den Karten handelt es sich, wie bei vielen Stücken aus Danzig gegen Kriegsende, um gemachte Belege, die aller Wahrscheinlichkeit nach weder geflogen noch anderweitig befördert wurden. Der Absender ist mir allerdings nicht als Philatelist bekannt (was aber nichts heissen muss, da die mir vorliegende Literatur aus der Kriegszeit unvollständig ist). Für 25 Euro hätte ich sie trotzdem genommen :)
-Hangover
Die Vorderseite der beiden Karten zeigt doch nur die "halbe Wahrheit". Zu einer seriösen Beurteilung wäre es erforderlich, auch die Rückseite der beiden Karten zu sehen. Ich meine, erst dann könnten endgültige Schlußfolgerungen gezogen werden.
Hallo Hangover,
vielen Dank für die Überlegungen. Man hat natürlich immer im Hinterkopf, daß
a. G. der wilden politischen Situationen dies von damaligen philatelistischen Manipulatoren ausgenutzt wurde. Andrerseits gaben die Marken selbst ja keinen Anlaß, auf irgendwelche Wertsteigerung zu hoffen.
Aber was weiß schon ich! deswegen habe ich mich ja auch hier im Board gemeldet. Besser wäre es wohl, mich an einen Prüfer zu wenden, der sich
mit dem Kriegsende im DR bzw. Danzig gut auskennt. Vielleicht kann mir ja jemand aus Erfahrung sagen, welchen Prüfer aus der Prüferliste ich nehmen sollte?
Also, aus einer Wühlkiste sind sie übrigens nicht.Ich habe sie von einem Kunden erhalten, der sich nicht mit Briefmarken auskennt, sie aber schon ewig rumliegen hat. Eingepackt waren sie in völlig vergilbtes, sprödes Cellophanpapier. Auch der Text auf der Rückseite bezieht sich gegenseitig
auf familiäre Beziehungen zu den jeweiligen Empfängeradressen/Namen.
Ich bin mal gespannt, was man zu diesen Karten alles noch Überlegungen bzw.
Fakten beibringen kann. Zumal aktuell - wenn man ins Fernsehen guckt -
gerade in diesen Tagen dem Ende des Großdeutschen Wahnsinns vor genau 60 Jahren gedacht wird.
Trotzdem erstmal vielen Dank für die Mithilfe
MfG Rassy
Hangover
18.01.2005, 13:15
Man hat natürlich immer im Hinterkopf, daß a. G. der wilden politischen Situationen dies von damaligen philatelistischen Manipulatoren ausgenutzt wurde.
Sooo drastisch würde ich das nicht nennen. Philatelistische Spielkinder, was auch immer. In Danzig gab es seit Mitte der 30er Jahre eine philatelistische Arbeitsgemeinschaft, die sich der Danzig-Philatelie verschrieben hatte und die heute als Arge Danzig weiterlebt. Es ist bekannt, dass die Mitglieder schon damals Meldungen ueber tagesaktuelle neue/geaenderte Stempel ausgetauscht haben.
Andrerseits gaben die Marken selbst ja keinen Anlaß, auf irgendwelche Wertsteigerung zu hoffen.
Spekuliert wurde auch vor 50, 60 oder 80 Jahren schon mehr als genug. Ein Philatelist namens Milde liess sich z.B. an einem 17. Juni 1953 in Dresden einen Bogen Dauerserienmarken abstempeln... von einer Briefmarkenausstellung in Danzig wurden 1937 in relativ grossen Mengen Sonderblöcke dazu auf Briefe geklebt (und tauchen dafür auf "normaler Post" faktisch nicht auf)... ein Herr Sommerfeldt liess sich 1922 aus Oberschlesien Briefe mit an sich verbotenen Mischfrankaturen von Oberschlesien- und Deutsches-Reich-Marken schicken. Philatelistische Aktivitäten in dieser Hinsicht gibt es seit Briefmarken gesammelt und ausgefallene Stücke für teures Geld gehandelt werden.
Besser wäre es wohl, mich an einen Prüfer zu wenden, der sich
mit dem Kriegsende im DR bzw. Danzig gut auskennt. Vielleicht kann mir ja jemand aus Erfahrung sagen, welchen Prüfer aus der Prüferliste ich nehmen sollte?
Soweit ich weiß, gucken sich bereits zwei BPP-Prüfer mit entsprechendem Hintergrundwissen die Abbildungen an. Könnte also gut sein, dass hier im Forum noch eine qualifizierte Antwort kommt :)
Ich bin mal gespannt, was man zu diesen Karten alles noch Überlegungen bzw. Fakten beibringen kann.
Ich auch. Lassen wir uns überraschen.
-Hangover
Hallo, Oldie und Hangover,
wie von Oldie empfohlen, werde ich nun versuchen, die Rückseiten der Karten möglichst unfallfrei als Anhang zu senden.
Und Hangover vielen Dank für die Aktivitäten und Mobilmachung der wirklich
Ahnunghabenden....
MfG Rassy
Na, wie ich sehe, es scheint geklappt zu haben.
Na ja, der 2. Anhang war nicht so toll, ich versuch´s nochmal.
Hangover
08.02.2005, 14:21
Nachdem ich hier teilweise Mist geschrieben habe, eine Richtigstellung. Frei nach dem Motto: Literatur im Schrank (in diesem Fall "Werner Rittmeister: DANZIG Sonder- und Werbestempel 1904-1945", Selbstverlag des Autors, 1987) nuetzt nichts, wenn man sie nicht liest.
Angewandt auf die Karten bedeutet dies, dass der Stempel "500 Jahre Krantor" falsch ist. Dieser Stempel weist ab Ende Dezember 1943 eine Beschaedigung auf, die auf der Karte nicht zu erkennen ist. Da kaputte Stempel nicht von selbst wieder heil werden und der Stempel mit Beschaedigung bis Maerz 1945 bekannt ist, bleibt nur die Deutung: falsch.
Nach diesem Ergebnis muss dann auch die andere Karte noch einmal genauestens untersucht werden, da nun auch hier eine "Faelschung in allen Teilen" mehr als wahrscheinlich ist. Leider liegt mir kein Originalabschlag des Danziger Aufgabestmepels vor, so dass ich mir hierzu kein Urteil mehr erlauben moechte - Unsinn habe ich in diesem Thread schon genug verfasst und lasse es dabei bewenden.
-Hangover
Hallo Hangover,
erst einmal vielen Dank für die Mühe, mir die doch etwas enttäuschende Auskunft bezüglich des Krantorstempels mitzuteilen. Bevor ich beide Karten
dem Reißwolf zur Verfügung stelle, würde ich natürlich gerne mal sehen, wie
der Schaden am Stempel eigentlich aussieht. Muß wohl mal zur Bibliothek;
oder macht es noch Sinn, einen Prüfer einzuschalten?. Welcher kennt sich da besonders aus?
Mit freundlichen Grüßen, Rassy
Hangover
08.02.2005, 19:06
Bevor ich beide Karten dem Reißwolf zur Verfügung stelle, würde ich natürlich gerne mal sehen, wie der Schaden am Stempel eigentlich aussieht.
Aaalso, erstmal eine Bitte - auch wenn das Eliminieren von Faelschungen per Reisswolf grundsaetzlich keine dumme Idee ist - schmeiss die Karten nicht weg. Auch Faelschungen sind hin und wieder dokumentationswuerdig.
Der Schaden am echten Krantor-Stempel ist eine mehrere Millimeter lange Unterbrechung des Aussenkreises rechts oberhalb des Wortes "JAHRE".
Zum Thema Pruefer: mich haben zwei der Herren in Zusammenarbeit am letzten Wochenende per e-Mail auf den Unfug hingewiesen, den ich geschrieben habe.
-Hangover
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