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Thorsten Siemer
18.07.2003, 22:02
Liebe Sammlerfreunde!

Vor mir liegen die Ausgaben des Dritten Reiches zum
Rennen um das "Braune Band" (Michel Block 4, 10, Nr. 671,
699, 747, 780, 815, 854 und 899).

Es sind prachtvolle Ausgaben im edlen Stichtiefdruckverfahren
und alle vom Kunstprofessor Klein entworfen.

Viele halten gerade diese Ausgaben für die schönsten
Deutschen Marken überhaupt.

Hier meine Frage:
Könnt Ihr die Schönheit dieser und gegebenenfalls anderer
Marken des "Dritten Reiches" genießen oder denkt ihr dabei
immer auch an die schrecklichen Verbrechen dieses Regimes.

Mir geht es so, daß ich immer ein flaues Gefühl im Magen
habe.

Was meint Ihr dazu?
Über eine Stellungnahme von Eurer Seite würde
ich mich sehr freuen.

Bis zum nächsten mal
und viele Sammlergrüße
Thorsten Siemer

Zimmermann Wolfgang
18.07.2003, 22:21
Hallo und guten Abend

Nur eine kurze Antwort auf die Frage :

Wenn ich mich mit meinen Marken beschäftige ,sei es mit Marken "Deutsches Reich"
oder auch der "DDR", dann sehe ich nur die Marken und nicht die politische
Zeit welche damit verbunden war.

Einmal war es jedoch anders.
Da ich auch Stempel sammel, habe ich einen Brief (mit Inhalt)
aus der Zeit der Kriegwirren erworben.
Geschrieben in Berlin.
Die Verfasserin des Briefes schilderte das Leid welches sie umgab.

Nach dem lesen mußte ich erst einmal sehr lange nachdenke.

pepe
19.07.2003, 08:45
Fast alle schönen Dinge im Leben haben eine Schattenseite.

Bodo A.v.Kutzleben
19.07.2003, 13:34
Lieber Thorsten Siemer,

ich habe auch immer bei den Marken des Dritten Reiches eine Beklemmung.

Die Marken des Dritten Reiches sind halt nicht nur einfach Marken eines Landes und einer Zeit, sie sind Marken aus der DUNKELSTEN Zeit unserer deutschen Geschichte und unserer unrühmlichen Vergangenheit.

Ich habe nichts dagegen, dass man/frau diese Marken sammelt und auch ausstellt, aber nicht LEICHTFERTIG sondern mit großem Fingerspitzengefühl und Takt gegenüber den Opfern, von denen noch sehr viele Leben.

In der Stadthalle von Rüsselsheim hatte mal ein älterer Sammler (der Name ist mir bekannt) einen Tisch aufgebaut mit lauter Marken des Dritten Reiches und über und über mit vielen Hitlerkarten, Hitlerbildern und Briefe. Das hat jemanden gestört und die Polizei kann, Beschlagnahmte die Sachen und verhörte diesen Sammler. Die Sachen hat er wiederbekommen.

Er hatte einfach ohne Nachzudenken und ohne Berücksichtigung der Gefühle von anderen das „NÖTIGE“ Fingerspitzengefühl vermissen lassen.

Ich denke, sammeln ja, aber mit Anstand. Immer sollte man/frau sich bewusst sein, dass wir, die junge Generation, die Verpflichtung haben, dass sich solches NIEMALS WIEDERHOLT.

Philatelie ist halt auch immer politisch. Und das ist auch richtig so. Aber was wir als Verein und Verband nicht sein sollten, das ist "Parteipolitisch" zu sein.

Jeder sollte bei uns seine philatelistische Heimat finden. Aber es muss Grenzen geben und die sind, wenn man/frau die Marken und die Zeit des Dritten Reiches „GLORIFIZIERT „ und nicht den nötigen Abstand zu diesem Verbrecher Regime hat.

Das Grundgesetz mit seinem Verbot von Nationalsozialistischen Symbolen und dem Verherrlichungsverbot des Dritten Reich muss auch bei uns gelten.

Ich hoffe habe Ihnen ein wenig bei Ihrer Frage geholfen.

In diesem Sinne herzliche Grüße sendet Euch alle

Ihr und Euer
Bodo

PS: Schauen Sie auch in diesem Forum die Diskussion über Terrorismus an. Dort sind auch sehr gute Diskussionsbeiträge die dieses Thema streifen.

Thorsten Siemer
19.07.2003, 14:11
:rolleyes: Lieber Sammlerfreund Bodo!

Ich hatte mir schon vorher die Beiträge zum Thema
"Terrorismus" angeschaut.

Das war so gut und umfassend gemacht, daß ich dazu keine
Ergänzungen mehr anbringen konnte.

Daher meine Frage zum "Dritten Reich", die doch in die
ähnliche Richtung zielte!

Mit freundl. Sammlergrüßen
Thorsten Siemer

Dirk Bake
19.07.2003, 15:14
Dem bereits Ausgeführten kann ich mich weitgehend anschließen. Ergänzen möchte ich einige weitere Aspekte:

- Sind Marken aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, z.B. des Norddeutschen Bundes oder des Deutschen Reichs, als politisch korrekt anzusehen? Ich mag nicht einzeln aufzählen, welche vorenthaltenen heute als selbstverständlich angesehene Möglichkeiten das Leben der Bevölkerung seinerzeit durchzogen.

- Lösen Marken aus Staaten bzw. Kolonien und Besatzungsgebieten Beklemmung aus, in denen Minderheiten oder gar die Anliegen fast der gesamten Bevölkerung unterdrückt wurden oder werden?

- Sind Marken aus Staaten sammelwürdig, die z.B. Walfang betreiben, Regenwaldabholzung dulden, Kriege führen und/oder ihre Abgase, Abfälle und Abwässer bedenkenlos in die Biosphäre entlassen?

- Sind eigentlich Marken eines Staates politisch korrekt, in dem seit Ende des zweiten Weltkriegs so viele Menschen, wie in einer Großstadt wohnen, durch die Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr direkt ums Leben kamen und weiterhin kommen sowie noch viel zahlreichere Menschen dauernden gesundheitlichen Schaden nahmen und weiterhin nehmen?

Mir sind solche und ähnliche Gedanken beim Umgang mit Briefmarken keineswegs fremd, und es kann wohl nicht schaden, sie gelegentlich weiterzudenken. Sie stehen aber meist nicht im Vordergrund. Die Freude am Hobby wird nicht dauerhaft getrübt - ich empfinde es im Gegenteil mitunter als bereichernd: Ich lasse mich ab und zu anregen, mich mit Phänomenen der unterschiedlichen Gesellschaften, Zeiten und Grundlagen des Zusammenlebens auseinanderzusetzen und dafür sensibel zu werden bzw. zu bleiben, und das Briefmarkensammeln hat meine Lust geschürt, weiteres über die unterschiedlichen Epochen, Staaten etc. zu lesen.

crantsch
19.07.2003, 16:37
...aber das ist doch das interessante an JEDEM Hobby! Egal ob Philatelist oder nicht, versucht doch eigentlich jeder, auch Hintergründe zu seinem Hobby zu erfahren. Aus meinem Sammelgebiet (Feldpost der Bundeswehr) kann man die abenteuerlichsten Geschichten erleben - hier ein Beispiel: BEVOR die NATO in den Kosovo einrückte, standen die Truppen in Albanien oder Mazedonien in Bereitschaft. Als dann die ersten Bundeswehrsoldaten in Prizren eintrafen, fanden sie dort bereits Post von "Sammlern" vor! Das nenne ich abartig! Abgesehen davon, dass die besseres zu tun haben, ruinieren sie damit die Bereitschaft der BW, manchmal ein Auge zuzudrücken...Und wenn ein HÄNDLER die UNTAG-Kräfte der Polizei (Einsatz in Namibia) mit Kartons voller Post erschlägt, z.T. mit falschen Absenderangaben - ja wer wundert sich dann.

Insofern wird es immer Menschen ohne "Sensibilität" geben - der berühmte Elefant im Porzellanladen...aber die wundern sich später, dass keiner mehr etwas mit ihnen zu tun haben will und schreien als Erste und natürlich am lautesten.

TRAURIG soviel Ignoranz!

pepe
19.07.2003, 20:44
Original geschrieben von Bodo A. v. Kutzleben
.....Philatelie ist halt auch immer politisch.

Verstehe ich nicht.

Thorsten Siemer
19.07.2003, 22:45
Liebe Sammlerfreunde!

Ich möchte mich schon mal bei allen bedanken, die mir
bisher auf meine obige Frage geantwortet haben.

Es waren viele interessante Gedankengänge darunter.

Lieber Sammlerfreund Dirk!
Wenn Sie meinen, daß alle Staaten in Ihrer Geschichte
irgendwann Schlimmes getan haben, so haben Sie natürlich
recht.

Ich glaube aber, daß die Zeit von 1933 bis 1945 in Deutschland
wirklich ohne Beispiel ist, vor allem wegen des Mordes
an den judischen Bevölkerung.
Das kann man nicht mit der Abholzung des Regenwaldes oder
irgendeinem anderen Verbrechen vergleichen.

Daher meine Probleme mit den Marken des Naziregimes!

Lieber Sammlerfreund Pepe!
Wenn Sammlerfreund Bodo meint, Briefmarken sind immer
politisch, so weiß natürlich nur er selbst, wie er dies versteht.

Ich verstehe darunter, daß eigentlich jeder Staat und jede
Gesellschaftsordnung irgendwie "Werbung" für sich auch
über Briefmarken macht.

Wenn ich als Sammler nun so eine Marke habe, dann mache
ich mir darüber auch meine Gedanken, es sei denn ich stecke
sie gleich ins Album ohne mich wieder um diese Marke zu
kümmern.

Viele Grüße und bis zum nächsten mal!
Thorsten Siemer

Dirk Bake
20.07.2003, 02:36
Zitat:

"Ich glaube aber, daß die Zeit von 1933 bis 1945 in Deutschland
wirklich ohne Beispiel ist, vor allem wegen des Mordes
an den judischen Bevölkerung.
Das kann man nicht mit der Abholzung des Regenwaldes oder
irgendeinem anderen Verbrechen vergleichen."

D'accord. Daher habe ich meine Ausführungen auch als Ergänzungen eingeleitet.

Bodo A.v.Kutzleben
20.07.2003, 09:49
Hallo an alle,

wenn ich geschrieben habe "Briefmarken sind auch Politisch" dann meine ich, daß

1.) Jedes Land mit seinen Briefmarken Werbung auch für das eigene Land betreibt;

2.) Dass mit der Auswahl der Motive und Persönlichkeiten auf den Marken, das jeweilige politische System doch auch repräsentiert wird. Man/frau wählt "Persönlichkeiten" aus !!!!

Marken beeinflussen nicht direkt, aber unterschwellig sind sie auch auf Beeinflussung ausgelegt. Und wenn die Beeinflussung nur im Kaufverhalten der Sammler liegt.

Siehe bei uns die Hochwassermarke. Eine positive Beeinflussung, wie ich meine.

Aber es gibt auch andere negative Beispiele und dies ist insbesondere die Zeit zwischen 1933 und 1945 bei uns und in den von Deutschland besetzten Ländern.

Das verstehe ich unter: "Briefmarken sind auch Politisch".

Grüße an alle

Bodo :) :p :D :p :)

PS: Politik ist ja nicht schlecht, solange sie ihre Macht nicht missbraucht !!!

Werner
20.07.2003, 12:42
Ich sammel auch so Einiges .

Ich seh die Marken wegen der zum Teil schönen Bilder. Wenn ich aber die Marke Europa 2003 Poster-Art sehe stellen sich bei mir die Nackenhaare. Habe sie aber dennoch im Album , da ich nach der Nummerierung gehe.

Bei DR Marken geh ich nicht auf den Inhalt ein was da steht sondern nur, wann und welche Marke erschienen ist
in Verbindung mit Stempel ,Ausgabetag usw. also wie im Katalog abgebildet. Alte Ansichtskarten gefallen mir auch , von wann bis wo sie orig. gelaufen sind. Geschichte pur. Altdeutschland/Thurn u. Taxis auch Klasse,wenn sie nur nicht so teuer wären.

Sammeln also ganz locker - der neue Katalog is da ;)

Udo Korte
12.10.2003, 18:25
Ich persönlich sammle Marken des Kaiserreiches - da auch diese Epoche mit vielen Schattenseiten und dem ersten Weltkrieg behaftet ist müsste es mir ähnlich gehen , aber - keine Spur. Es sind nur Marken, ausgesprochen schöne , und teilweise auch hübsch selten. Wenn ich mein Leben / Hobby mit einem vergleichbaren Moralempfinden ausrichten würde, dürfte ich nichts mehr an Textilien im SSV / WSV kaufen ( Kinderarbeit) und keinen Kaffee mehr trinken ...

Aber


Ein bischen BEWUSSTSEIN schadet überhaupt nicht.

Herbert
12.10.2003, 20:10
Hallo,

gerade Briefmarken sind, so denke ich, ein besonders gutes Medium um Geschichte zu erfahren.

Ich bin durch die Beschäftigung mit den "Germaniamarken" angeregt worden, mich mit dieser Zeit, mit dem späten Kaiserreich, dem Weg zum ersten Weltkrieg und den Lebensumständen damals zu befassen. Ähnlich verhält es sich mit den Marken des "Dritten Reiches". Wenn ich sehe wie sich die Motive im Laufe der Zeit verändern, wie die Marken politisiert werden, dann ziehe ich für mich meine Konsequenzen daraus.

Und das ist doch etwas ganz Wertvolles, das man aus einem Hobby ziehen kann.

Die Marken des "Dritten Reiches" sehe auch ich immer mit einer gewissen Beklemmung. Weil ich dahinter immer die politsiche Absicht sehe. Andererseits ist es ein Teil unserer Geschichte, dem wir uns stellen müssen. Die Marken helfen zumindest uns Sammlern dabei nicht die Augen vor unserer Geschichte zu verschließen.

Herbert

Kjell
12.10.2003, 21:35
Wer die Marken eines Landes sammelt, und dabei ausschließlich die Katalognummern abhakt, sammelt armselig. Ich glaube, da sind wir uns weitgehend einig. Das bedeutet keinesfalls, dass man das Land und seine Politik besonders schätzt. Wie schon öfter in diesem Forum erwähnt: Die Politik ist ein wesentlicher Bestimmungsfaktor für Briefmarken, wer den nicht beachtet, kann eigentlich nur noch Katalognummern abhaken.

Bei den Marken des "Dritten Reiches" wäre es besonders armselig, die Geschichte an dieser Stelle auszublenden, ebenso wie es dumm wäre, sich in die Tiefen der Dauerserie "Walter Ulbricht" einzuarbeiten, ohne wenigstens ungefähr zu wissen, wer "WU" war und was er getan hat.

Die Marken des "Dritten Reiches" stellen Propagandamittel der Nazis dar, bzw. weisen sie auf Ereignisse hin, die in der Regel propagandistisch ausgenutzt wurden, z. B. Olympia, "Braunes Band". Darin unterscheiden sie sich wesentlich von den Marken des Kaiserreiches. Und bei allen Demokratiedefiziten: Das Kaiserreich war doch etwas ganz anderes als das "Dritte Reich". Unterm Strich würde ich auf die Marken in thematischen Sammlungen verzichten, und wenn's gar nicht anders geht, dann würde ich auf den Hintergrund eingehen.

CU
Kjell

Herbert
12.10.2003, 22:34
Hallo Kjell,

selbstverständlich liegt es mir fern, das Kaiserreich in irgendeiner Beziehung mit dem "Dritten Reich" zu vergleichen.

Das "Ähnlich verhält es sich..." bezog sich ausschließlich auf meine eigene Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte! Das habe ich etwas mißverständlich ausgedrückt.


Grüße

Herbert

Kjell
13.10.2003, 06:37
Herbert,

so hatte ich dich auch verstanden. Ich bezog mich mehr auf Dirk und Udo. Aber auch denen will ich keine Verharmlosung des "Dritten Reichs" unterstellen.

CU
Kjell

Dirk Bake
13.10.2003, 14:18
Ja, ich fühle mich richtig verstanden. Es wäre keinesfalls hinnehmbar, wenn jemand die barbarischen Taten der Machthaber und leider zahlreicher Mitläufer verharmlosen würde.

Acarus
13.10.2003, 19:12
Dann will ich mich auch mal als "Jungsammler" zu Wort melden :) Mein Spezialgebiet sind, bedingt durch eine Erbschaft, die besetzten Gebiete während der beiden Weltkriege. Ich habe mir das schlechte Gefühl abgewöhnt, da ich finde gerade wenn man sich damit beschäftigt hält man doch die Geschichte wach! Natürlich haben die Abbildungen immer noch für einige einen "besonderen Klang". Bei den jüngeren, also meiner Altersklasse kann man da natürlich mit Aufklärung gegen angegehen, bei den älteren möchte ich mir kein Urteil erlauben, da ich die Gnade der späten Geburt hatte und nicht weiß, wie ich damals gehandelt hätte. Dass sollten sich hier auch mal die überlegen, die immer mit dem gehobenen Zeigefinger kommen und sowie das Thema auf den Tisch kommt. Hinterher ist es natürlich immer alles einfach. Ich möchte die Verbrechen nicht entschuldigen und meinen größten Respekt haben die Menschen, die damals den Irren das Handwerk legen wollten und schon damals die wahre Fratze des Nationalsozialismus erkannt haben. Und trotzdem habe ich Achtung vor meinen Großeltern und den vielen Soldaten die an den Glauben für ihr Vaterland im Krieg bei -50°C elend zu Grunde gegeganen sind, während der dicke Göring sich am deutschen Eigentum bereichert hat. Und das sich sowas nie wiederholt ist auch Aufgabe von uns Philatelisten und da stimme ich Bodo zu, Philatelie ist immer auch politisch, zumindestens was Deutschland angeht, dafür ist einfach im Laufe der deutschen Geschichte zuviel passiert. Wie sollten man sonst die Infla Zeit einsortieren oder den Friedensdruck bzw. Kriegsdruck bei den Germaniaausgaben, ohne das geschichtliche Hintergrundwissen?

Beppo
13.10.2003, 22:58
Zitat von Acarus:


19560404

Und dass sich sowas nie wiederholt, ist auch Aufgabe von uns Philatelisten und da stimme ich Bodo zu, Philatelie ist immer auch politisch, zumindestens was Deutschland angeht, dafür ist einfach im Laufe der deutschen Geschichte zuviel passiert.


19560404

Angenommen, die Deutsche Bundespost gäbe eine Marke heraus zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges, sollten wir die dann kaufen und sammeln?

Und angenommen, es käme eine weitere Marke heraus zum Gedenken an den Anfang des Zweiten Weltkrieges, sollten wir die dann nicht kaufen und nicht sammeln?

Ich verstehe nur schwerlich, wie ich mich verhalten soll, daß ich als Philatelist einen positiven Einfluß nehmen kann auf den Verlauf der Geschichte, also "... dass sich sowas nie wiederholt, weil es auch Aufgabe von uns Philatelisten ist..."

MfG Beppo Czech

PS: Wie funktioniert das denn mit dem "Zitat"? Ich kriegs einfach nicht hin...:confused:

Acarus
14.10.2003, 05:53
Original geschrieben von Beppo


Und dass sich sowas nie wiederholt, ist auch Aufgabe von uns Philatelisten und da stimme ich Bodo zu, Philatelie ist immer auch politisch, zumindestens was Deutschland angeht, dafür ist einfach im Laufe der deutschen Geschichte zuviel passiert.



Angenommen, die Deutsche Bundespost gäbe eine Marke heraus zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges, sollten wir die dann kaufen und sammeln?

Und angenommen, es käme eine weitere Marke heraus zum Gedenken an den Anfang des Zweiten Weltkrieges, sollten wir die dann nicht kaufen und nicht sammeln?

Ich verstehe nur schwerlich, wie ich mich verhalten soll, daß ich als Philatelist einen positiven Einfluß nehmen kann auf den Verlauf der Geschichte, also "... dass sich sowas nie wiederholt, weil es auch Aufgabe von uns Philatelisten ist..."

MfG Beppo Czech

PS: Wie funktioniert das denn mit dem "Zitat"? Ich kriegs einfach nicht hin...:confused:

Wieso? Das ist doch einfach. Indem Du sammelst, hälst Du doch Geschichte wach. Du dokumentierst doch mit den Marken und Belegen die Geschichte und damit wir die Zeit nicht vergessen. Ich finde schon, dass dem so ist, gerade jetzt wo die Generationen die den Krieg miterlebt haben aussterben.

Dirk Bake
14.10.2003, 14:08
Ohne den Einfluß von SammlerInnen oder gar einzelnen KundInnen überschätzen zu wollen, möchte ich kurz darlegen, was ich mir erlaube.

Zwei Vorbemerkungen: Ich sammle gestempelte Marken. Ich beziehe keine Marken im Abonnement, sondern hole mir was mir zusagt in Postfilialen.

Die Deutsche Post AG hat in den letzten Jahren einige Sondermarken herausgebracht, deren Ausgabeanlaß und Motiv mir nicht zusagten. Die habe ich einfach nicht gekauft. Damit gehe ich ein Risiko ein: Diese Marken kann ich nicht fürs Frankieren von Briefen an EmpfängerInnen verwenden, von denen ich sie sicher gestempelt zurückbekommen werde. Aber dieses Risiko gehe ich gern ein um über die Nachfrageverminderung ein Zeichen zu setzen.

Fazit: Ich mache mich nicht zum Sklaven derjenigen, die entscheiden, welche Ausgabeanlässe und welche Motive zum Zuge kommen. Das geht natürlich nur, weil ich davon Abstand genommen habe, immer alle Neuigkeiten gleich haben zu müssen.

Kjell
14.10.2003, 18:16
@Beppo
> Ich verstehe nur schwerlich, wie ich mich verhalten soll, daß ich als Philatelist
> einen positiven Einfluß nehmen kann auf den Verlauf der Geschichte, also
>"... dass sich sowas nie wiederholt, weil es auch Aufgabe von uns Philatelisten ist..."

Neben den ganz normalen Möglichkeiten kommen mir folgende philatelistische Ideen:

Wann immer Sammler meinen, das Briefmarken unpolitisch seien, die Stirn bieten und auf die Hintergründe hinweisen.
Philatelistische Belege mit historischem Bezug nicht nur als Katalognummern betrachten, sondern als zeitgeschichtliche Dokumente. z. B. Feldpostbelege!

Mehr fällt mir aber so spontan auch nicht ein.

CU
Kjell