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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Brf. der GRANDE ARMEE Napoleons aus Greifswald



drakenumi1
05.08.2010, 13:00
18049

In meiner Sammlung von Briefen und Dokumenten aus der Zeit und dem Territorium der vorpommersch-wolgastischen Herzöge bis zum Übergang in die Botmäßigkeit Preußens 1815 besitze ich einen Brief, der ein direktes und historisch interessantes und wohl auch seltenes Dokument aus der Zeit des Feldzuges Napoleons nach Rußland 1805-1815 darstellt:

Ein Feldpostbrief seiner GRANDE ARMEE aus Greifswald (Greifswald befand sich erst seit dem 28. Januar 1807 unter französ. Besatzungsmacht) nach Paris an den Kriegsminister, abgesendet vom Train-Bataillon der Division Dombrowski, in das polnische Rekruten aufgenommen worden, mit Franchise-Stpl. und rückseitigem (beschädigtem) Siegel. Es handelt sich um einen portofreien Dienstbrief auf Vordruckkopfbogen.
Napoleon unterhielt während seines Marsches durch Europa bis nach Moskau eine gut organisierte Feldpost.
Feldpostbriefe der GRANDE ARMEE sind sehr selten und stellen sowohl in Deutschland, als auch in Frakreich gesuchte Raritäten dar, noch dazu, weil das Euch vorgelegte Stück aus dem Zeitraum der französischen Besetzung des eigentlich schwedisch besetzten Vorpommern stammt.
Vor mehr als 10 Jahren habe ich dieses (leider nicht ganz unbeschädigte) Stück auf eine Auktion für über 400.- DM erworben, - ich wollte es unbedingt haben.

Soweit der Steckbrief. Aber nun meine Bitte:
Wer kann mir mittels seiner Französisch-Kenntnisse etwas zum Inhalt sagen? Oder wer hat selbst weiterreichende Kenntnisse zum Komplex dieser Art Briefe oder kennt Links im Net, die mein geringes Wissen etwas vergrößern, postalisches, besser noch historisches?
Ich würde mich echt über jeden kleinen Baustein freuen.

Beste Grüße von

drakenumi1

1867
05.08.2010, 14:10
Den Peter Feuser Katalog vom 15.05.2010 hast du?
Dort findest du bestimmt ein dich interessierendes Detail.

drakenumi1
05.08.2010, 16:51
Leider nicht, die Anschaffung hätte sich bisher nicht gerechnet ...

Gruß

drakenumi1

Pete
05.08.2010, 18:07
@ drakenumi1:

leider lässt sich der Brief anhand der zwangsläufig klein gehaltenen Scans nur bruchstückhaft lesen. Hinzu kommen die Schnörkel im Schreibstil, die zumindest mich etwas irritieren ;-)

Scan 1:

"Empire Francais
à Greifswald le 17 février 1807
Le Capitaine Commandant de Bataillon
A son Excellence Le Ministre
Directeur de l'administration de la guerre

Monseigneur,"

Scan 2:

"J'ai ... .... [an dieser Stelle ein Wasserfleck auf dem Brief vorhanden???] une du 1er décembre...
de nous faire la demande d'un artiste vétérinaire et de
... trompetter qui sont nécessaire ... pour son ...
actif; ... vous ... ma demande, je vous supplie
Mon Seigneur, ... vouloir bien y faire ... ... serriez
du ... ne peut que souffrir s'il n'a un artiste vétérinaire
pour soigner les chevaux malades et celui des compagnies
... le complet de ces trompettes. Veuillez je vous prie
donner vos ordres pour que l'un et l'autre me futtent envoyer
le plutôt possible.

J'ai l'honneur ...
de Monseigneur
Le ... ... et ... ... ...
[Unterschrift des Absenders]"

Kurz gefasst, bittet der Verfasser dieses Briefes vom 17.02.1807 dringend, d.h. als bald als möglich, um einen Tierarzt bzw. einen Arzt, damit kranke Pferde und Soldaten behandelt werden können. Mehr kann ich derzeit nicht aus dem Schriftstück erkennen :-/

Gruß
Pete

drakenumi1
05.08.2010, 19:47
Hallo, Pete,

Das ist ganz wunderbar, daß Du mir den Haupttenor des Briefes kurz gefaßt liefern konntest, trotz etwas erschwerter Bedingungen. Genau das hatte ich mir gewünscht. Für die aufgewendete Mühe meinen herzlichen Dank sagt Dir

drakenumi1

Pete
05.08.2010, 20:18
@ drakenumi1:

Für eine bessere Lesbarkeit und ggf. Übersetzung des Textes wäre ein besserer Scan des Textes (mit einer höheren Auflösung) selbst gut :-)
Der linke breite Briefrand kann dabei ruhig vorher am PC abgeschnitten werden.

Gruß
Pete

Schuhe
05.08.2010, 20:39
Ich denke dass die Kollegen von der Arge Be Lux da mit Sicherheit weiterhelfen können. Die sind fit in Französisch.

Erich

drakenumi1
06.08.2010, 16:28
Grüß Dich, Pete,

Obwohl Deine Kurztranskription mir auch reichen würde, will ich Dein Angebot doch gerne nutzen, Dich nochmals mit dem Text beschäftigen zu wollen. Dazu hier noch ein etwas größerer Scan. Aber quäle Dich bitte nicht. Und störe Dich nicht an der Fehlerstelle oben, - eine schlecht getrennte Klebstelle.
Dank schon im Voraus von

drake

Setubal
03.02.2011, 16:35
hallo drakenumi1
Zu deinem Brief mit der N° 21 Grande Armee
Meines Wissens wurde die Division Dombrowski erst nach dem Frieden von Tilsit und der Schaffung des Großherzogtums Warschau aufgestellt.
Welche Einheit sich hinter der N° 21 verbirgt kannst du bei Wruck "Portotaxen und Stempel der Grande Armee" nachlesen.
Hier wird auch aufgelistet wann wo welcher Stempel war.

Viele Grüße

Setubal

drakenumi1
03.02.2011, 22:35
Hallo, Setubal,

Schön, daß nach so langer Zeit in diese Sache noch einmal Bewegung kommt. Und großen Dank für Deine Informationen. Das ist für mich als Randberliner eine Aufgabe für die Staatsbibliothek, die ich in nächster Zeit sowieso aufsuchen wollte.

Wenn ich mal was für Dich tun kann, will ich mich gerne vor den Karren spannen lassen ....

Grüße von

drakenumi1

Setubal
04.02.2011, 07:47
Noch mal kurz ein paar Infos:
Das 1. Corps unter Marschall Bernadotte kam nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt über den Harz, Braunschweig (Napoleon im Nov. 1806 nach der Einnahme Braunschweigs: Das Haus Braunschweig hat für mich aufgehört zu existieren) Magdeburg an der Elbe entlang, in Altenzaun über die Elbe nach Lübeck. Hier Kämpfe mit Gneisenau, dem späteren Verteidiger von Kolberg.
Das ziehende Feldpostamt des 1. Corps hatte die N° 9
Die 1. Division des 1. Corps bis Lübeck den Stempel ARM d`HANOVRE
nach Lübeck die N° 21 GRANDE ARMEE
Nach dem Frieden von Tilsit bekamen die Divisionen des 1. Corps die Dreizeiler
N° 1 (2,3,4) / PREM. CORPS / GRANDE ARMEE
Die N° 21 kam zur Division Dombrowski, die u.a. als Küstenschutztruppe entlang der Ostsee aufgestellt war.
(Interessant auch, das in dem Küstenschutz auch 2 spanische Divisionen waren, die nach den Aufständen in Madrid über Dänemark mit englischen Schiffen na<ch Spanien flohen.)
Die Division Dombrowski kam nach Auflösung der 1. Grande Armee ab Aug. 1808 nach Spanien.
Du kennst bestimmt den Ausdruck: "Besoffen wie ein Russe!"
Er stammt aus der Zeitg der Einsätze der POLEN (die in den Augen der Spanier Russen waren. Erst Napoleon hatte den Polen mit dem Großherzogtum Warschau wieder ein eigenes Land gegeben.
Die Franzosen hatten die polnischen Einheiten besoffen gemacht, bevor sie gegen die aufständischen Spanier marschierten.
Daraufhin sagten die in Übermacht kämpfenden Spanier Man muß besoffen wie ein Russe sein um hier gegen uns zu kämpfen.
Aber zur N° 21.
Der Stempel ist relativ häufig, hat aber aufgrund seiner Wanderungen eine interessante Verwendung.
Ich wünscheDir viel Spaß beim Einstieg in die Hintergründe der Armeepost.

Mit freundlichen Sammlergrüßen

Setubal

drakenumi1
04.02.2011, 21:43
Hallo, Setubal,

Du hast Dir enorme Arbeit aufgehalst mit der Recherche zu meinem Brief. Und Deine Ermittlungen haben meinem Beilageblatt zu ihm in der Sammlung den noch fehlenden historischen Hintergrund geliefert. Wunderbar! Das nenne ich Uneigennützigkeit! Nun muß ich mal sehen, was ich selbst in nächster Zeit noch alles ermitteln kann.

Nochmals herzlichen Dank! Ich möchte Dich weiterempfehlen, werde es aber besser wegen der dann zu erwartenden weiteren Arbeitsaufträge lieber sein lassen;).

Es grüßt Dich

drakenumi1